DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BALAK
Nr. 675
9. Tammus 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 22,2-25,9):
Balak, König von Moaw, fürchtet Invasion der Kinder Israels und lässt Bil'am, den nichtjüdischen Propheten, kommen, um durch dessen Flüche das Schicksal abzuwenden; auf der Reise misshandelt Bil'am seine Eselin, und sie beschwert sich; auf G~ttes Befehl segnet Bil'am die Israeliten, statt zu verfluchen, zu Balaks Missfallen; das Volk macht sich an die Moabiterinnen ran, göttliche Strafung durch Seuche; Pinchas, Enkel Aharons, beendet das Treiben durch Aufspießen des Anführers und seiner midjanitischen Gefährtin.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Sittlicher Lebenswandel

Rav Joram Elijahu 
Rabbiner an MACHON MEIR

Drei Mal versuchte Bil'am das Volk Israel zu verfluchen und setzte zu diesem Zwecke seine ganze Begabung und seine ganze Genialität auf dem Gebiete der Bosheit ein. Doch musste er feststellen, dass G~tt an diesen Tagen nicht zürnte, "wie mag ich verwünschen, wenn G~tt nicht verwünscht, und wie schelten, den der Ewige nicht schilt?" (Num. 23,8), "denn es ist keine Zauberei in Jakov, und keine Wahrsagerei in Israel" (V.21). Im Gegenteil, G~tt verwandelte seine Flüche in Segen, und daher das Gebot, uns an die Wohltaten G~ttes zu erinnern, wie es in der Haftara zu unserem Wochenabschnitt heißt: "Mein Volk, bedenke doch, was Balak, Moaws König beschlossen, und was Bil'am, Sohn Beor ihm erwidert!... Von Schittim bis Gilgal; - um zu erkennen die Gnaden des Ewigen" (Micha 6,5). Bei den Sefardim gehört diese Sache zu den zehn Dingen, an die man sich jeden Tag erinnern sollte (im Sidur am Ende des Morgengebetes aufgelistet).

Am Ende des Wochenabschnittes jedoch nützen uns all die Segnungen nichts und es gelingt Bil'am, uns auf furchtbare Weise zu schlagen. 24000 Israeliten sterben wegen seines Ratschlags, die Juden mit den Töchtern Moaws zur Sünde zu verleiten: "Sagte Bil'am zu Balak: der G~tt dieser Nation hasst Unzucht; stellt eure Töchter für Unzucht zur Verfügung, dann werdet ihr sie beherrschen" (Talmud jeruschalmi, Sanhedrin 10,2). Von hier lernen wir die Strenge der verbotenen Beziehungen, denn alle unsere Verdienste jener Tage, als G~tt uns nicht zürnte und keine "Zauberei" bei uns erblickte, waren im Moment vergessen, als das Volk bei den verbotenen Beziehungen und Unzucht versagte, und eine furchtbare Strafe auf dem Fuße folgte. Darum wurde uns gleich danach geboten, damit wir uns an diesen Ratschlag erinnern, "und was fordert der Ewige von dir, als: auf Recht halten, Liebe üben, und sittlich wandeln vor deinem G~tte" (Micha 6,8), und im Midrasch Psikta rabati (§46): "Nichts hat G~tt lieber als die Sittlichkeit, wie es heißt: und sittlich wandeln vor deinem G~tte". 

"So sind die Reinheit und die Sittlichkeit in ganz besonderer Weise das Gegenteil von der Schamlosigkeit und der Frechheit, die der Unreinheit der Völker zugehören. Die besonderen jüdischen, innerlichen und äußerlichen Charaktereigenschaften sind Sittlichkeit, Feinfühligkeit und Schamhaftigkeit... es stimmt wohl, dass die Sittlichkeit durch zahlreiche Gesetze definiert wird, doch vor ihnen kommt die grundsätzliche Eigenschaft israelitischer Sittlichkeit, dem Gegenteil der Unreinheit der Völker... die israelitische Feinfühligkeit steht in absolutem Gegensatz zu Frechheit und grob-primitiver Schamlosigkeit..." (Gespräche, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, Wajikra S.174) - die Sittlichkeit gehört zum Wesen jüdischer Natur. Weiter schrieb er: "Am Ende dieser unserer Tage werden jene israelitische Reinheit und Sittlichkeit in all ihrer wachen Widerstandskraft und exakten Verantwortlichkeit gesunden Bewusstseins einander folgenden Generationen und Heiligkeit ewigen Lebens, das uns eingepflanzt wurde, wieder erstehen, und diese Heiligkeit wird das vollständige, das individuelle und das öffentliche Antlitz des erlösten Israels offenbaren, das wieder ersteht und im Lande seines Erbteils lebt" (Lenetiwot Israel, S.279).

Wollen wir uns alle vornehmen, die Wahrung der Sittlichkeit in unserem täglichen Leben zu verstärken, im Hause und draußen, in diesen Tagen, in denen der Sommer seinen Höhepunkt erreicht, in denen die großen Ferien vor der Tür stehen, und durch dieses Verdienst wird uns das Eintreffen aller Segen Bil'ams vergönnt sein, bis hin zu: "er streckt sich wie Löwe und Löwin, wer hieße ihn aufstehen?" (Gen. 49,9), und "die dir fluchen, seien verflucht, und die dich segnen, gesegnet!" (Gen. 27,29).
 
 
 
Aus dem Talmud

Hochmut und Fall

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Der Hochmut und die verbotenen Beziehungen

"Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, ist es ebenso, als würde er alle Inzestverbrechen begangen haben" (Sota 4b). Der Midrasch verbindet die Charaktereigenschaft des Hochmuts mit der Sünde von den verbotenen Verwandtschaftsbeziehungen und definiert den Hochmütigen als jemanden, der diese Verbote sämtlichst übertrat. Auf den ersten Blick scheint zwischen Hochmut und verbotenen Geschlechtsbeziehungen keinerlei Zusammenhang zu bestehen, so dass wohl eine verborgene Absicht den Verfasser dieses Midraschs leitete. 

Das Verlangen nach Eheleben entspringt der Erkenntnis, dass ein Mensch für sich allein genommen unvollständig ist und seine Vollständigkeit durch die Eheverbindung erlangen kann. Eigentlich wäre es für ihn am einfachsten, innerhalb der Familie zu heiraten, dann bräuchte das Paar keine kulturellen Unterschiede und Gepflogenheiten zu überbrücken und sich nicht neuartigen Bräuchen auszusetzen (und wer seine Schwester heiratete, würde sogar die peinlichen Begegnungen der Elternpaare sparen...). Und dennoch wollte es die Tora anders. Die Bestimmungen darüber, welche Partner zur Ehe verboten sind, dienen der unmissverständlichen Festlegung, dass beide Ehepartner ihre Vollständigkeit ausgerechnet durch Schließung des Ehebundes mit einem fernen und ganz andersartigen Menschen erhalten sollen. Jeder hat der anderen Seite etwas zu bieten, und wird von ihr etwas bekommen, was ihm fehlt, nämlich jenen Teil, der ohne die Ehe nicht zu erlangen wäre. So verkündete der Herr der Welt im Garten Eden: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei" (Gen. 2,18), allein ist er nicht vollständig und kann seine Vollständigkeit auch nicht wirklich erreichen, "ich will ihm eine Gehilfin machen" (ebda.) - da machte ihm G~tt eine Gehilfin, die dem Menschen als Gegensatz und Andersartigkeit daher kommt, ein Gegensatz, der den Menschen veranlasst, aus sich heraus zu gehen und sich der Welt des Anderen zu öffnen, eine Welt, die ihm zur Vollständigkeit verhelfen kann.

Der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw" aus Prag) setzte sich mit der Verbindung zwischen Hochmut und verbotenen Geschlechtsbeziehungen auseinander. Nach seinen Worten wird ein Mensch, der bei sich selber keine Mängel sieht, dem Gebot keine Folge leisten, eine gegensätzliche Gehilfin zu suchen, vielmehr wird er in seiner Eigenliebe verbleiben und sich der Einbildung hingeben, bei ihm sei alles in Ordnung, und darum habe eine langwierige Suche zum Herzen eines fernen Menschen keinen Sinn. 

Der Hochmut ist die Charaktereigenschaft eines Menschen, der sich für vollkommen hält, er ist auf sich stolz und ist sich keiner seiner Mängel bewusst. So ein Mensch wird nicht von einem anderen lernen wollen, er ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, er ist so "voll" von sich selbst, bis er zu der Kategorie desjenigen gerechnet wird, der alle Inzestverbote übertreten hat - er ist von allen Seiten mit sich selbst verbunden und weigert sich, Vervollkommung von außen zu erhalten, er weigert sich, aus seinem Kreis auszubrechen und seine andere vervollständigende Hälfte zu ehelichen (Netiwot Olam, Netiw Ha'Anawa 4.Kap.).

Entsprechend ähnelt die Verbindung zweier Menschen gleichen Geschlechts einem Mann, der sich hartnäckig weigert, sich für die Welt der Frau zu eröffnen, die keine nahe Verwandte von ihm ist. Mann und Frau sind verschieden, sich ergänzende Gegensätze, zwei Hälften, die in ihrer Verknüpfung ein vollkommenes Ganzes bilden. Demgegenüber stellt die gleichgeschlechtliche Verbindung einen Ausdruck von Stolz dar, ein Steckenbleiben im mangelhaften Teilstück und einen Mangel an Bereitschaft, die Notwendigkeit des Erhaltens aus der gegensätzlichen Welt anzuerkennen. Ein Mann kann nicht die Mängel eines anderen Mannes vervollständigen, sie beide stecken in einer halben Welt, und nur blinder Stolz kann die Illusion einer vollkommenen Welt erzeugen.

Von Sdom und Amorra bis zur "Nebenfrau in Giv'a"

Zweimal finden wir im Tanach eine Beherbergung von Gästen, die Ziel eines Anschlagsversuches werden. Der erste Fall führt nach Sdom: "Und riefen nach Lot, und sprachen zu ihm: Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind diese Nacht? Führe sie heraus zu uns, dass wir sie erkennen" (Gen. 19,5). Der zweite Fall ereignete sich um die Nebenfrau in Giv'a: "Führe den Mann heraus, der in dein Haus gekommen, dass wir ihn erkennen" (Richter 19,22).

Bei der Schilderung dieser Fälle ergibt sich ein Unterschied in den Versen. Im zweiten Fall heißt es: "..da umringten die Männer der Stadt das Haus, Männer, Söhne der Ruchlosigkeit". Beim Fall von Lot und den Engeln heißt es hingegen: "und die Männer der Stadt, die Männer von Sdom, umringten das Haus, Jung bis Alt, das ganze Volk aus allen Enden". 

Der Neziw (Rabbiner Naftali Zwi Jehuda Berlin) aus Woloschin wies in seinem Kommentar zur Tat der Leute von Sdom auf einen wesentlichen Unterschied zwischen den Fällen hin: "In ihren Augen galt es überhaupt nicht als eine Sünde, darum hielt sich kein einziger Mann zurück, dazu beizutragen und teilzunehmen. Und das war der Unterschied zwischen der Tat von Sdom und der Tat um die Nebenfrau in Giv'a - dort sammelten sich die Ruchlosen, und alle wussten, dass sie Ruchlose waren, nur dass sie sich nicht dazu aufraffen konnten, dagegen zu protestieren, was bei der Bevölkerung von Sdom nicht der Fall war, die so sehr an das Böse gewöhnt war, dass die Tat allseits mit Wohlwollen angesehen wurde..." (Ha'emek Dawar zu Gen. 19,4).

Der Neziw macht einen deutlichen Unterschied zwischen triebhaftem Verhalten und Ideologie. Beim Fall der Nebenfrau in Giv'a verfiel eine Randgruppe ihren Trieben, doch die von der Allgemeinheit anerkannte Weltanschauung billigte diese Tat keineswegs, nur sündigte sie durch Unterlassung des Protestes. Bei den Leuten von Sdom handelte es sich jedoch um ihre ureigene Weltanschauung - Männerverkehr, selbst unter Zwang, galt bei ihnen als absolut legitim. Den Beweis dazu liefert die Versammlung "von Jung bis Alt". Es liegt in der Natur der Dinge, dass Greise im allgemeinen nicht von unkontrollierbaren Trieben beherrscht werden, und man darf wohl annehmen, dass ihre Teilnahme an so einer Aktivität stärker als tausend Zeugen über die am Orte gültigen Moralvorstellungen Zeugnis ablegt, es sich also nicht um eine einmalige Schwäche handelte. 

Zwischen Trieb und Ideologie

Auch im Verhältnis zu Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen muss man zwischen den ihren Trieben Ergebenen und den Veranstaltern von "Pride-Paraden" unterscheiden. Die nach öffentlicher Aufmerksamkeit heischenden Bannerträger, die das Unnatürliche zu einer akzeptablen und respektablen Sache machen wollen, die sich der tiefen Versumpfung in ihrer engen Welt brüsten, die sich selber Stolze, d.h. Hochmütige nennen, gaben diesen Paraden den ihnen würdigen Namen. Sie sind stolz auf ihre Ideen, als ob es möglich wäre, die Welt auf eine Weise zu erbauen, mit der es nicht einmal der Natur gelingt, Nachkommen zu erzeugen und ihr Fortbestehen zu sichern, eine Weise, die G~tt in der Tora als "Abscheu" (To'ewa) bezeichnete, To'ewa - to'e ba: Du irrst dich dabei! (Nedarim 51a). Diese sind mit der großen Wahrheit von der Heiligkeit der Familie zu konfrontieren, die in stiller Bescheidenheit erbaut wird. 

Gleichzeitig müssen wir an jene nicht wenigen Menschen in unserer Mitte denken, ehrliche und gute Menschen, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, ohne daraus eine Weltanschauung zu machen und die keine Fahnen schwenken. Mein Herz gehört jenen, die sich mit ihrem Trieb zu ihren Geschlechtsgenossen auseinander setzen, die sich mit der Öffnung gegenüber der Welt des Anderen schwer tun. Ein jeder hat seinen Kampf der Triebe auszufechten, seine Aufgabe in dieser Welt, mit der ihn G~tt betraute. Dieser Kampf ist kein einfacher, es ist ein wahrer Existenzkampf. Sie kämpfen für die Gründung einer Familie auf natürliche Weise, gegen ihre Triebe, sie kämpfen gegen die Scham der Offenbarung vor Pädagogen und Therapeuten, von denen sie Hilfe erbeten. Sie verbergen das Geheimnis ihres Kampfes vor ihrem Freundeskreis aus Furcht vor Abweisung und Unverständnis. Sie sind gar nicht stolz auf ihren Zustand, sondern leiden große Qualen, und ihnen gegenüber muss man das Herz öffnen, Geduld zeigen und guten Rat bieten, und voll auf sie vertrauen, dass sie ihren Kampf siegreich bestehen werden - in Bescheidenheit, in Bescheidenheit, in Bescheidenheit!
 
 

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