DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in
der Tora (Lev. 25,1-26,2):
Eines der geläufigen Argumente im Munde diverser Schöngeister, denen das gelobte Land ein Abscheu ist - und solche gibt es in nicht-religiöser wie auch religiöser Ausführung - ist die Gegenüberstellung der Heiligkeit des Menschen und der des Bodens, als ob zwischen diesen beiden ein Widerspruch existiere, als ob die Verbundenheit mit dem Erdboden der Heimat die Heiligkeit des Menschen beeinträchtige. Eine entgegengesetzte Einstellung finden wir in unserem Wochenabschnitt "Auf dem Berge Sinai", der sich voll und ganz zwei Themen widmet: Erstens Rechte und Pflichten des Menschen gegenüber seinem Bodenbesitz im Lande Israel, wie z.B. die Siebtjahrgesetze (Schmitta), wo jedermann ein gleiches Recht am Bodenertrag hat, dazu das Joweljahr, wenn alle Ländereien an ihren ursprünglichen Eigentümer zurück gehen, und auch zwischen den Joweljahren hat jener die Möglichkeit, seinen Boden auszulösen, wenn er ihn aus irgend einer wirtschaftlichen Zwangslage hatte verkaufen müssen. Alle diese Gebote sollen uns bildhaft verdeutlichen, dass es sich beim Grundbesitz im Lande Israel nicht einfach um Immobilien handelt, und auch nicht um Tauschobjekte für politische Transaktionen, denn "der Boden darf nicht auf ewig verkauft werden, denn mein ist das Land; denn Fremdlinge und Beisassen seid ihr bei mir" (Lev. 25,23). Das zweite Thema betrifft nicht nur die Sorge über die Menschenwürde und seine Freiheit ("es kehre ein jeder zu seinem Besitze zurück, ein jeder von euch kehre zu seiner Familie zurück", 25,10), sondern auch die wirtschaftliche Selbständigkeit des Menschen, dass er in dieser Hinsicht auf seinen eigenen Füßen stehe, und wenn er zusammen zu brechen droht, muss man ihn stützen und wieder auf die Beine bringen - "wenn dein Bruder neben dir verarmt und zu sinken droht, so sollst du ihn halten" (25,35). Diese Hilfe soll nicht einmalig sein, sondern auch nachdem der Mensch wieder auf eigenen Beinen steht, muss man ihn mit zinslosen Darlehen unterstützen. Die Heiligkeit des Landes und gesellschaftliche Gerechtigkeit sind zwei Bestandteile, die die Tora mit ihrer Übergabe am Berge Sinai verbindet, und sie sagt dazu: "Ich bin der Ewige, euer G~tt, der euch aus dem Lande Ägypten geführt, um euch das Land Kana'an zu geben und euer G~tt zu sein" (25,38). In seinem Buch "Orot"
(Lichter) schrieb Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (5625-5695, 1865-1935, erster
Oberrabbiner Israels): "Der Staat ist nicht das höchste Glück
des Menschen - das lässt sich über einen gewöhnlichen Staat
sagen, der zu keinem höheren Wert gelangt als eine Gesellschaft auf
gegenseitige Verantwortlichkeit, wobei die Vielzahl der Ideen, die
Krönung des Lebens der Menschheit, über ihr schweben und sie
nicht berühren. Was nicht für einen Staat gilt, der auf einem
Fundament von Idealen steht, in dessem Wesen die höchsten ideellen
Werte eingraviert sind und der wirklich das höchste Glück des
Menschen darstellt. Dieser Staat befindet sich wirklich auf der höchsten
Stufe des Glückes, und dieser Staat ist unser Staat, der Staat Israel,
das Fundament G~ttes Throns in der Welt" (Orot Israel, VI,7). Der
ideale Staat ist nicht der Zweck selber, sondern nur Mittel, er ist das
Fundament, auf dem es den Thron G~ttes in der Welt zu bauen gilt, er ist
der Rahmen, den das jüdische Volk dazu hat, seine Bestimmung in der
Welt zu verwirklichen und in die Tat umzusetzen. Und diese Bestimmung kann
das Volk Israel nur dann erreichen, wenn der Boden unter seinen Füßen
das Land Israel ist, und die Gesellschaft, in der es lebt, eine Gesellschaft
der Fürsorge und der Brüderlichkeit ist.
G~ttseidank wurde endlich eine Untersuchungskommission unter dem Vorsitz eines Generals eingesetzt, um den Einsatz von Frauen in den israelischen Verteidigungsstreitkräften (Zahal) zu überprüfen. Nach vielen Jahren ist man endlich aufgewacht. Wir nannten das immer schon eine "unangebrachte Vermischung", denn in der Armee gibt es wohl kaum etwas weniger Angebrachtes, und wenn sich jemand einen Plan ausgedenken wollte, die Armee zu unterwandern und von innen zu zerstören, so gäbe es keine bessere Idee als die Einziehung von Frauen zur kämpfenden Truppe. Auch bei den nicht kämpfenden Einheiten gibt es dadurch schon genug Probleme, aber bei den kämpfenden Einheiten grenzt das an absolute Verantwortungslosigkeit bezüglich der Resultate auf dem Schlachtfeld. Um das zu erkennen, braucht man keinen Untersuchungsausschuss, sondern bloß ein bisschen gesunden Menschenverstand und einen klaren Kopf. Ein Rätsel: In wievielen Ländern auf der Welt gibt es eine Militärpflicht für Frauen? Antwort: Null. Noch ein Rätsel: Wieviele Frauen leisten freiwilligen Dienst in einer fremden Armee? Antwort: Fast keine. Noch ein Rätsel: Wieviele von ihnen melden sich freiwillig zu einer Kampfeinheit? Antwort: Fast keine. Frauen verfügen doch nicht über die physische und psychische Konstitution zum Frontkämpfer, genauso wenig wie zum KfZ-Mechaniker oder Lastwagenfahrer. Wie man der Presse im Zusammenhang mit den olympischen Spielen entnehmen kann, gibt es keinen einzigen sportlichen Wettbewerb, bei dem Männer und Frauen gemeinsam antreten. Auch nicht im Europapokal des Basketball, denn man will ja schließlich gewinnen... Natürlich sind Mann und Frau gleichwertig, und beide wurden "im Ebenbild G~ttes" geschaffen. Man muss sich jedoch mit diesem Thema ernsthaft und nicht oberflächlich auseinander setzen. Zionismus bedeutet Ernsthaftigkeit. Staat bedeutet Ernsthaftigkeit. Armee bedeutet Ernsthaftigkeit. Das "Ebenbild G~ttes" reicht nicht, um Feinde zu besiegen. Dazu braucht man physische Ausdauer und Belastbarkeit; wissen sie denn nicht, dass die physische Kraft der Frau 59% des Mannes ausmacht (Oberkörper), und in der unteren Körperhälfte nur 35%? Ferner geben die Zeitungen der Berichterstattung über schwere physiologische Probleme der Soldatinnen bei der Ausbildung und der aktiven Kampftätigkeit breiten Raum. Lasst uns also ernsthaft sein: Sie erhalten Erleichterungen im Grundwehrdienst, das Marschtempo wird gedrosselt, die Standard-Ausrüstung erleichtert, man lässt sie die gleiche Prüfung machen "wie die Männer" - nur gibt man ihnen mehr Zeit dafür, sie brauchen nicht so viel Munition mitzuschleppen, sie bekommen einen Hocker hingestellt, damit sie ruckzuck über die Mauer kommen... Das ganze Übungsniveau wird herunter geschraubt! Ist das eine Armee oder ein Ferienlager?! Wird es jetzt "leicht im Training und schwer im Krieg"?! Und damit wollen wir kämpfen und siegen? Natürlich leiden die Frauen selber darunter. In den Zeitungen wird berichtet, wie sie den Grundwehrdienst mit Blutarmut beenden. Sie da hinein zu stecken ist verdrehter Feminismus. Echter Feminismus bedeutet auch, Frauen zu schützen! Und die Frauen in der Armee leiden an diversen orthopädischen Verletzungen aufgrund verhältnismäßiger skeletaler Schwäche, an schweren Rückenproblemen, und ein besonders hoher Anteil an Leistenbrüchen (fünfmal so viel wie Männer!), was zu nachhaltigen Beckenschäden führen kann. Das nennt man verdrehten Feminismus. Es wird ebenfalls von "geschlechtlichen Belästigungen" (zu unserem Leidwesen ein grober Ausdruck) der Frauen in der Armee berichtet, doppelt so viel wie in irgend einem anderen Rahmen. Und wen wundert's?! In Amerika und Frankreich wurden auf den großen Kriegsschiffen die Wohnräume der Männer und der Frauen vollständig voneinander getrennt, und auf den kleineren Schiffen gibt es überhaupt keine Frauen, so wie in unserer Marine. Muss man denn wirklich jemandem erklären, dass die Mischung der Geschlechter die Kampfkraft mindert? "Probleme von Konkurrenzdenken und Neid, vom Willen, andere zu beeindrucken oder besonders in Schutz zu nehmen sind geeignet, die operative Fähigkeit der Truppe zu stören" (aus einer Broschüre des israelischen Instituts für Demokratie, 5766). Muss man vielleicht erklären, wie die Wache eines Soldaten aussieht, der eine Frau dabei hat? Oder ein Hinterhalt? Das soll Ernsthaftigkeit sein? Wir müssen einen scharfen Blick für die Realität behalten - nämlich wie unter dem Vorwand von falschem Feminismus und falscher Gleichberechtigung, von Gefühl ohne Verstand unsere Armee durchdreht. Natürlich geben wir nicht auf, wir werden den Mädchen des religiösen Zionismus die Bedeutung des Verses erklären: "und es sollen deine Lager heilig sein" (Dt. 23,15), ebenso die Schäden für die Armee und für die Frauen, die durch ihre Eingliederung entstehen. In der Zwischenzeit besitzen wir eine Armee, in der die Privatsphäre der Frauen, des Individuums, die Menschenwürde und die Verteidigung unseres Landes leiden. Doch wie gesagt, wir werden nicht aufgeben, wir haben schon größere Probleme überwunden. Lasst uns stark sein und beten. * * * Gebet des Soldaten:
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
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