DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHA'ALOTECHA
Nr. 671
11. Sivan 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 8,1-12,16):
Dienstweihung der Leviten; 1.Pessach in der Wüste und Ersatztermin für Verhinderte; Reise und Lagern nach der Wolken-/Feuersäule; die silbernen Alarmtrompeten; Zugordnung des Lagers; Trennung von Jitro; Klage über einseitige Diät; Wachtelschwemme und Strafung; Einsetzung von 70 Weisen zur Unterstützung Moschehs; 2 neue Propheten im Lager; üble Nachrede von Miriam und Aharon über Moscheh, Aussatzstrafung Miriams.
 
 

Der Stand der Dinge...
Hüte deine Zunge
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Nach dem täglichen Morgengebet pflegt man an einige der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Volkes Israel zu erinnern, deren Auswirkungen bis auf den heutigen Tag andauern, z.B. an den Auszug aus Ägypten, an den Erhalt der Tora am Berge Sinai, an den Überfall Amaleks mit der Absicht, Israel zu vernichten, und an die Pflicht, sein Andenken auszulöschen; ebenso gedenken, wir, wie wir uns gegen G~tt mit der Sünde um das goldene Kalb erfrecht hatten, der Sünde der Kundschafter usw. Eine Ausnahme bildet die Erinnerung "Gedenke, was der Ewige dein G~tt an Miriam getan auf dem Wege bei eurem Auszuge aus Ägypten" (Dt. 24,9). Auf den ersten Blick war das Miriams Privatangelegenheit. Alles in allem brachte sie eine üble Nachrede über ihren Bruder Moscheh hervor, und das nur im engsten Familienkreise. Und dennoch ist uns über tausende Jahre hinweg geboten, uns dieser Sünde und ihrer Strafe zu erinnern, wie es heißt: "siehe, da ward Miriam aussätzig, wie der Schnee... und Miriam blieb eingeschlossen außerhalb des Lagers sieben Tage" (Num. 12,10/14). Damit lehrt uns die Tora, wie strikt sie die Sünde der üblen Nachrede sieht, und es spielt keine Rolle, ob der Redner eine hohe Position im Lande inne hat, so wie Miriam die Prophetin. Außerdem lehrt sie uns, dass die meiste üble Nachrede innerhalb der Familie gesprochen wird, Geschwister über andere Geschwister, Ehemann über Ehefrau und umgekehrt, Eltern über ihre Kinder und umgekehrt, Schwiegermütter über Schwiegertöchter und umgekehrt, usw. So wie Miriam trotz ihres hohen Ranges im Volke bestraft wurde - obwohl die Sünde nur im engsten Familienkreis statt fand - müssen auch wir die Schwere und Tiefe des Gesetzes über üble Nachredner in unser Kalkül einbeziehen: jene, die über sich selber reden, über ihre Familien und über ihr Volk. An diese Dinge muss jeder Mensch zu jeder Zeit und an jedem Ort denken. Darum erinnern wir jeden Tag, was mit Miriam geschah, um eine Lehre daraus zu ziehen und um unser Herz und unser Mundwerk zu reinigen.

Nach dem Stand der Dinge pflanzte G~tt gerade in unser Zeitalter jene gute und leuchtende Seele des Rabbiners Israel Meir Hakohen sel., der das jüdische Volk u. a. durch sein bekanntes Werk "Chafez Chajim" bereicherte, in dem er die Gesetze über üble Nachrede zusammen fasste und nach ihren halachischen und agadischen Quellen erklärte. Jeder Mensch, der aus diesem Buch das Hüten der Rede lernt und dessen Inhalt beherzigt, reinigt seine Gedanken, seine Zunge und seinen Mund, ändert sich zum Guten und verbessert seine persönliche Lebensqualität, die seiner Familie, seiner Umgebung und seiner Nation. Glücklich kann sich derjenige schätzen, der jeden Tag eine bestimmte, festgesetzte Zeit das Hüten der Rede lernt. An ihm/ihr werden sich die Worte Davids, König von Israel und höchster Dichterfürst bewahrheiten: "Kommt her, Kinder, höret auf mich, die Furcht des Ewigen lehre ich euch. Wo ist der Mann der Leben begehrt (chafez chajim), der Tage wünscht, Gutes zu schauen? Wahre deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Weiche vom Bösen und tue Gutes, suche den Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34,12-15).

In Erwartung der vollkommenen Errettung,
Rav Dov Begon 
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Die Begierden des Mischvolks

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Seit Kain den Hewel ("Abel") erschlug, wurde die Gewaltkriminalität zu einer häufigen Erscheinung in unserer Welt, die bis hin zu dem neuen Begriff des "Mord aus Langeweile" reicht; so wie kürzlich eine junge Frau ohne jeden Grund ermordet wurde, "Mord um des Mordens willen". Die grund- und sinnlose Kriminalität finden wir bereits angedeutet in dem Vers: "Und das aufgeraffte Gesindel (assafssuf), das unter ihm war, fühlte ein Gelüste" (Num. 11,4). Nach dem Kommentar des Nachmanides: "Es mangelte ihnen an nichts in der Wüste, denn es gab das Manna zur Sättigung, und sie bereiteten daraus die verschiedensten Delikatessen mit vorzüglichem Geschmack". Zu recht wiesen die Kommentatoren auf die Schwere des Zwischenfalls hin, denn ein Mensch übertritt ein Verbot normalerweise ohne Grund, weil er plötzlich von einer unbändigen Begierde befallen wurde, die er nicht unter Kontrolle zu bringen vermochte, und so versagte er. Auch wenn es dafür keine Rechtfertigung gibt - man kann ihn wenigstens verstehen. Wenn aber jemand alles hat, was er sich nur wünschen kann, und ihm also nur die Begierde an sich fehlt - das war die Sünde des "aufgerafften Gesindels". 

Zur Frage, um wen es sich bei diesem "aufgerafften Gesindel" eigentlich handelte, gibt es zwei Ansichten: Rabbiner Sa'adia Gaon beschrieb es in seinem Torakommentar als Angehörige anderer Völker, die sich unter die Israeliten gemischt hatten, und Rabbiner Awraham ibn-Esra erklärte, dass damit das "Mischvolk" (erev rav) gemeint war. Als Quelle diente ihnen der Midrasch "Lekach tov": "das aufgeraffte Gesindel - die von anderen Orten zugefügten Konvertiten, die sich vermischten und Israel zur Sünde verleiteten". Ebenso erklärte Raschi: "Jene waren das Mischvolk, das sich ihnen beim Auszug aus Ägypten anschloss". Nach dieser Ansicht ist es überhaupt nicht verwunderlich, wenn die von außen hinzu gekommenen Randgruppen, die an ein Leben von Sittenlosigkeit und Prasserei gewohnt waren, einen Mangel bei Abwesenheit von Begierden spürten.

Die zweite Ansicht wird im Midrasch von Rabbi Schimon ben Menassja vertreten: "Jene waren die Ältesten, wie es heißt: Versammle (essfa, selber Wortstamm wie assafssuf) mir siebzig Männer aus den Ältesten Israels (Num. 11,16), und wer waren diese Ältesten? So wie es weiter im Vers heißt: die du kennst, dass sie die Ältesten und Beamten Israels sind". Und der Midrasch Tanchuma erklärt, warum gerade diese aus dem ganzen Volk gewählt wurden: "Zur Stunde, als Pharao sprach: Wohlan, lasset uns dasselbe überlisten (das Volk der Kinder Israels, Ex. 1,10) ..und sie setzten über dasselbe Fronvögte.. und es baute Vorratsstädte, setzte er die Treiber Ägyptens über die Beamten, und die Beamten setzte er über das übrige Volk", und als das Volk nicht die vorgeschriebene Menge Ziegel lieferte, schlugen die ägyptischen Treiber deswegen die israelitischen Beamten, die nicht das Volk den Treibern auslieferten, "und die Beamten sagten, besser Schläge einstecken als das übrige Volk zufall bringen. Als G~tt darum zu Moscheh sprach: Versammle mir siebzig Männer, sagte Moscheh vor G~tt: Herr der Welt, ich weiß nicht, wer würdig ist und wer nicht. Da sagte er ihm: die du kennst, dass sie die Ältesten und Beamten Israels sind - jene Ältesten und Beamten, die sich für sie den Schlägen der Ägypter ausgeliefert hatten... von hier lernst du, dass jeder, der sich für Israel aufopfert, zu Ehre, Größe und heiliger Inspiration gelangt".

Die Geschichte vom Assafssuf birgt für uns nach dem Midrasch eine zweifache Moral: Erstens muss man sich davor hüten, nichtjüdische Fremde ohne Prüfung der Eignung in die israelische Gesellschaft aufzunehmen, da die Gefahr besteht, dass sie weiterhin ihren früheren Gewohnheiten anhängen und damit der jüdischen Gesellschaft Schaden zufügen. Und die zweite Lehre besteht darin, dass eine Gefahr für die moralische Festigkeit der jüdischen Gesellschaft nicht nur von seiten irgend welcher Randgruppen droht, sondern auch von jenen, die in der Vergangenheit zu den Helden Israels zählten, die sich für den Schutz und die Verteidigung Israels selbst unter Lebensgefahr aufopferten, so wie jene Beamten in Ägypten, die sich später in Assafssuf verwandelten, der Unglück über Israel brachte. 
 
 
 
 
 
Frage und Antwort
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

(aus der wöchentlichen Radiosendung)

Frage: Darf ein tätowierter Jude auf dem jüdischen Friedhof beerdigt werden?
Antwort: Es ist verboten, sich tätowieren zu lassen (siehe Lev. 19,28), doch nachdem jemand dieses Verbot übertreten hat, ist er deswegen nicht von einer Beerdigung auf dem jüdischen Friedhof disqualifiziert. Man ist noch nicht einmal verpflichtet, die Tätowierung nach dem Tode zu entfernen, was sogar zu einem Problem der Totenmissachtung (niwul hamet) führen kann, wenn man Einschnitte in den Körper macht. Es gibt Juden, die sich mal tätowieren ließen, und später bereuten sie ihre Sünden. Eine Tätowierung blockiert nicht die bußfertige Umkehr. In den Responsen "Minchat Jizchak" behandelte Rabbiner Jizchak Jakov Weiss diese Fragen: Jemand ließ sich während seiner Armeezeit eine Tätowierung auf seinem linken Arm machen - ausgerechnet das Abbild einer nackten Frau. Später wurde der Mann religiös und wollte Tefillin anlegen. Er fragte, ob man Tefillin auf dieser Tätowierung anlegen darf. Rabbiner Weiss antwortete, man habe keine Wahl, man müsse die Tefillin auf dem linken Arm anlegen, trotz der Tätowierung, die keine chaziza - Hindernis zwischen den Tefillin und der Haut darstelle. Das Problem besteht nur darin, dass ein Mann keinen Segensspruch angesichts einer nackten Frau oder ihres Bildes sagen darf, weil es zu unreinen Gedanken führen könnte. Dagegen empfahl Rabbiner Weiss drei Dinge: 1. Entblöße den Arm nur soviel, wie für die Tefillin nötig ist, so dass nicht das ganze Bild sichtbar wird, 2. Trage die kleinstmöglichen Tefillin, damit der Kontakt mit dem Bild minimiert wird, 3. Beim Sprechen des Segens halte den Arm vollkommen bedeckt, damit der Segen nicht im Anblick des Bildes gesprochen wird. Unter Einhaltung dieser drei Bedingungen darf er Tefillin anlegen. - Man darf eine Tätowierung entfernen lassen, was durch eine Laseroperation versucht werden kann.

Frage: Kann man jemanden nach seinem Tode zum Judentum konvertieren, wenn er zu Lebzeiten einen entsprechenden Wunsch geäußert hat?
Antwort: Das ist unmöglich. Der Talmud sagt, der Tote ist frei von den Geboten. Wenn jemand stirbt, gelten keine Gebote für ihn, er kann also nicht konvertieren.

Frage: Wenn keine andere Wahl besteht - welche Erziehung ist zu bevorzugen, die charedisch-nichtzionistische, oder eine minimalreligiös-zionistische?
Antwort: Man muss die beste Schule für sein Kind wählen. Wenn man mehrere Möglichkeiten hat, muss man die mit den meisten Vorzügen und den wenigsten Nachteilen wählen. Wenn also zwei Schulen zur Wahl stehen, und jede hat einen Mangel, wählt man die mit den meisten Vorzügen. Speziell zu Ihrer Frage kann die Antwort als mal so und mal anders lauten. Es gibt keine definitive Antwort, jeder Fall muss für sich geprüft werden.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di. 23.00-24.00, 
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