DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in
der Tora (Num. 8,1-12,16):
Nach dem täglichen Morgengebet pflegt man an einige der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Volkes Israel zu erinnern, deren Auswirkungen bis auf den heutigen Tag andauern, z.B. an den Auszug aus Ägypten, an den Erhalt der Tora am Berge Sinai, an den Überfall Amaleks mit der Absicht, Israel zu vernichten, und an die Pflicht, sein Andenken auszulöschen; ebenso gedenken, wir, wie wir uns gegen G~tt mit der Sünde um das goldene Kalb erfrecht hatten, der Sünde der Kundschafter usw. Eine Ausnahme bildet die Erinnerung "Gedenke, was der Ewige dein G~tt an Miriam getan auf dem Wege bei eurem Auszuge aus Ägypten" (Dt. 24,9). Auf den ersten Blick war das Miriams Privatangelegenheit. Alles in allem brachte sie eine üble Nachrede über ihren Bruder Moscheh hervor, und das nur im engsten Familienkreise. Und dennoch ist uns über tausende Jahre hinweg geboten, uns dieser Sünde und ihrer Strafe zu erinnern, wie es heißt: "siehe, da ward Miriam aussätzig, wie der Schnee... und Miriam blieb eingeschlossen außerhalb des Lagers sieben Tage" (Num. 12,10/14). Damit lehrt uns die Tora, wie strikt sie die Sünde der üblen Nachrede sieht, und es spielt keine Rolle, ob der Redner eine hohe Position im Lande inne hat, so wie Miriam die Prophetin. Außerdem lehrt sie uns, dass die meiste üble Nachrede innerhalb der Familie gesprochen wird, Geschwister über andere Geschwister, Ehemann über Ehefrau und umgekehrt, Eltern über ihre Kinder und umgekehrt, Schwiegermütter über Schwiegertöchter und umgekehrt, usw. So wie Miriam trotz ihres hohen Ranges im Volke bestraft wurde - obwohl die Sünde nur im engsten Familienkreis statt fand - müssen auch wir die Schwere und Tiefe des Gesetzes über üble Nachredner in unser Kalkül einbeziehen: jene, die über sich selber reden, über ihre Familien und über ihr Volk. An diese Dinge muss jeder Mensch zu jeder Zeit und an jedem Ort denken. Darum erinnern wir jeden Tag, was mit Miriam geschah, um eine Lehre daraus zu ziehen und um unser Herz und unser Mundwerk zu reinigen. Nach dem Stand der Dinge pflanzte G~tt gerade in unser Zeitalter jene gute und leuchtende Seele des Rabbiners Israel Meir Hakohen sel., der das jüdische Volk u. a. durch sein bekanntes Werk "Chafez Chajim" bereicherte, in dem er die Gesetze über üble Nachrede zusammen fasste und nach ihren halachischen und agadischen Quellen erklärte. Jeder Mensch, der aus diesem Buch das Hüten der Rede lernt und dessen Inhalt beherzigt, reinigt seine Gedanken, seine Zunge und seinen Mund, ändert sich zum Guten und verbessert seine persönliche Lebensqualität, die seiner Familie, seiner Umgebung und seiner Nation. Glücklich kann sich derjenige schätzen, der jeden Tag eine bestimmte, festgesetzte Zeit das Hüten der Rede lernt. An ihm/ihr werden sich die Worte Davids, König von Israel und höchster Dichterfürst bewahrheiten: "Kommt her, Kinder, höret auf mich, die Furcht des Ewigen lehre ich euch. Wo ist der Mann der Leben begehrt (chafez chajim), der Tage wünscht, Gutes zu schauen? Wahre deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Weiche vom Bösen und tue Gutes, suche den Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34,12-15). In Erwartung der vollkommenen
Errettung,
Seit Kain den Hewel ("Abel") erschlug, wurde die Gewaltkriminalität zu einer häufigen Erscheinung in unserer Welt, die bis hin zu dem neuen Begriff des "Mord aus Langeweile" reicht; so wie kürzlich eine junge Frau ohne jeden Grund ermordet wurde, "Mord um des Mordens willen". Die grund- und sinnlose Kriminalität finden wir bereits angedeutet in dem Vers: "Und das aufgeraffte Gesindel (assafssuf), das unter ihm war, fühlte ein Gelüste" (Num. 11,4). Nach dem Kommentar des Nachmanides: "Es mangelte ihnen an nichts in der Wüste, denn es gab das Manna zur Sättigung, und sie bereiteten daraus die verschiedensten Delikatessen mit vorzüglichem Geschmack". Zu recht wiesen die Kommentatoren auf die Schwere des Zwischenfalls hin, denn ein Mensch übertritt ein Verbot normalerweise ohne Grund, weil er plötzlich von einer unbändigen Begierde befallen wurde, die er nicht unter Kontrolle zu bringen vermochte, und so versagte er. Auch wenn es dafür keine Rechtfertigung gibt - man kann ihn wenigstens verstehen. Wenn aber jemand alles hat, was er sich nur wünschen kann, und ihm also nur die Begierde an sich fehlt - das war die Sünde des "aufgerafften Gesindels". Zur Frage, um wen es sich bei diesem "aufgerafften Gesindel" eigentlich handelte, gibt es zwei Ansichten: Rabbiner Sa'adia Gaon beschrieb es in seinem Torakommentar als Angehörige anderer Völker, die sich unter die Israeliten gemischt hatten, und Rabbiner Awraham ibn-Esra erklärte, dass damit das "Mischvolk" (erev rav) gemeint war. Als Quelle diente ihnen der Midrasch "Lekach tov": "das aufgeraffte Gesindel - die von anderen Orten zugefügten Konvertiten, die sich vermischten und Israel zur Sünde verleiteten". Ebenso erklärte Raschi: "Jene waren das Mischvolk, das sich ihnen beim Auszug aus Ägypten anschloss". Nach dieser Ansicht ist es überhaupt nicht verwunderlich, wenn die von außen hinzu gekommenen Randgruppen, die an ein Leben von Sittenlosigkeit und Prasserei gewohnt waren, einen Mangel bei Abwesenheit von Begierden spürten. Die zweite Ansicht wird im Midrasch von Rabbi Schimon ben Menassja vertreten: "Jene waren die Ältesten, wie es heißt: Versammle (essfa, selber Wortstamm wie assafssuf) mir siebzig Männer aus den Ältesten Israels (Num. 11,16), und wer waren diese Ältesten? So wie es weiter im Vers heißt: die du kennst, dass sie die Ältesten und Beamten Israels sind". Und der Midrasch Tanchuma erklärt, warum gerade diese aus dem ganzen Volk gewählt wurden: "Zur Stunde, als Pharao sprach: Wohlan, lasset uns dasselbe überlisten (das Volk der Kinder Israels, Ex. 1,10) ..und sie setzten über dasselbe Fronvögte.. und es baute Vorratsstädte, setzte er die Treiber Ägyptens über die Beamten, und die Beamten setzte er über das übrige Volk", und als das Volk nicht die vorgeschriebene Menge Ziegel lieferte, schlugen die ägyptischen Treiber deswegen die israelitischen Beamten, die nicht das Volk den Treibern auslieferten, "und die Beamten sagten, besser Schläge einstecken als das übrige Volk zufall bringen. Als G~tt darum zu Moscheh sprach: Versammle mir siebzig Männer, sagte Moscheh vor G~tt: Herr der Welt, ich weiß nicht, wer würdig ist und wer nicht. Da sagte er ihm: die du kennst, dass sie die Ältesten und Beamten Israels sind - jene Ältesten und Beamten, die sich für sie den Schlägen der Ägypter ausgeliefert hatten... von hier lernst du, dass jeder, der sich für Israel aufopfert, zu Ehre, Größe und heiliger Inspiration gelangt". Die Geschichte vom Assafssuf
birgt für uns nach dem Midrasch eine zweifache Moral: Erstens muss
man sich davor hüten, nichtjüdische Fremde ohne Prüfung
der Eignung in die israelische Gesellschaft aufzunehmen, da die Gefahr
besteht, dass sie weiterhin ihren früheren Gewohnheiten anhängen
und damit der jüdischen Gesellschaft Schaden zufügen. Und die
zweite Lehre besteht darin, dass eine Gefahr für die moralische Festigkeit
der jüdischen Gesellschaft nicht nur von seiten irgend welcher Randgruppen
droht, sondern auch von jenen, die in der Vergangenheit zu den Helden Israels
zählten, die sich für den Schutz und die Verteidigung Israels
selbst unter Lebensgefahr aufopferten, so wie jene Beamten in Ägypten,
die sich später in Assafssuf verwandelten, der Unglück
über Israel brachte.
(aus der wöchentlichen Radiosendung) Frage: Darf ein tätowierter
Jude auf dem jüdischen Friedhof beerdigt werden?
Frage: Kann man jemanden
nach seinem Tode zum Judentum konvertieren, wenn er zu Lebzeiten einen
entsprechenden Wunsch geäußert hat?
Frage: Wenn keine
andere Wahl besteht - welche Erziehung ist zu bevorzugen, die charedisch-nichtzionistische,
oder eine minimalreligiös-zionistische?
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
in:
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