DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Anschrift: Sderot Hame'iri 2
Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL 
Tel. +972 2 6511906
Fax +972 2 6514820             http://www.machonmeir.org.il

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
Schmini-Azeret / Simchat Tora
PARSCHAT BERESCHIT
22. - 24. Tischri 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 72) 230 0891
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage: www.kimizion.org
-Archiv der "Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag' den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update) als die Machon-Meir-Seite

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 1,1-6,8):
Schöpfung, Adam und Chawa, Schlange, Vertreibung aus dem Garten Eden, Kain und Hewel, die Generationen bis Noach, Planung der Sintflut.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Die Haut des Leviathan

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Einer der Segenssprüche am Laubhüttenfest (Sukkot) lautet: "Möge es uns vergönnt sein, in der Sukka aus der Haut des Leviathan zu sitzen" (Tischgebet/Sfaradim, Aschkenasim vor dem Abschied von der Sukka). Dazu lässt sich fragen: Was hat es mit diesem "Leviathan" auf sich? Was ist an seiner Haut so besonders? Und was bedeutet diese "Sukka", die aus dieser Haut gemacht ist, in der wir in der kommenden Zukunft mit G~ttes Hilfe sitzen werden?

Wenn wir uns einmal die Lebewesen in der Natur betrachten, können wir verschiedene Arten feststellen - Fische, Geflügel, Haustiere, wilde Tiere usw.

Der Fisch lebt im Gegensatz zu den anderen Tieren beständig im Wasser, und nicht nur das, "seine Einsammlung macht ihn erlaubt" (Chulin 27b). Er braucht nicht geschächtet zu werden, wo andere Tiere nur nach vorschriftsmäßiger Schlachtung verzehrt werden dürfen. 

Diese Sache lehrt uns, dass Fische im Verhältnis zu anderen Lebewesen als nicht ganz so körperlich und materiell gelten, und sie befinden sich ständig in für das Reinheits-Tauchbad (Mikve) geeignetem Wasser und brauchen nicht die Vervollkommnung durch den Menschen durch die Schechita (Or Hachajim hakadosch zu Gen. 1,26; Schem MeSchmu'el Moadim, Jom Hakippurim S.103). Dort heißt es: "Denn anders (besonders) sind die Geschöpfe des Wassers, da sie nicht von der Quelle ihrer Schöpfung getrennt sind (von ihrem Ursprung und ihrer Wesensheit) und jene, die aus Erde geschaffen wurden, sind von der Erde getrennt, und darum heißen die Tannaiten [die Weisen zur Zeit der Mischna] im heiligen Sohar Nunej jama (Fische des Meeres), weil sie mit der Tora eins sind und nicht von ihr getrennt, so wie der Fisch im Wasser...".

Darum passt der Verzehr von Fisch auch so gut zur Schabbat-Mahlzeit, wie es im Gesetzeswerk "Mischna Brura" (zu Schulchan Aruch O.C. §242, Nr.2) empfohlen wird: "Es ist gut, zu jeder der drei Schabbatmahlzeiten auch Fische zu essen", weil an dem spirituellsten Tag der Woche am besten das spirituellste Nahrungsmittel der Natur gegessen wird, nämlich Fische. Es gibt sogar ein Sprichwort: "Wer Fisch (dag, besteht aus den Buchstaben dalet und gimel) isst am 7. Tag (Schabbat, Zahlenwert von dalet4 + gimel3), wird von D.G. (Din Gehinnom, Höllenurteil) gerettet".

Das gilt für alle Fische, und erst recht für den Leviathan, den größten Fisch, der in der Natur vorkommt. Er symbolisiert die göttliche Heiligkeit, die innere Spiritualität der Natur. Demnach ist der Leviathan ein Symbol und ein Beispiel für die verborgene Heiligkeit in unserer Welt, und zwar auf ihrer höchsten Stufe...

Andererseits besteht die Haut des Menschen und der Tiere aus Fleisch, und das symbolisiert materielle Körperlichkeit. Das beste Beispiel dafür ist die Reaktion des Herrn der Welt auf die Sünde der ersten Menschen: "Und es machte der Ewige, G~tt, dem Menschen und seinem Weibe Röcke von Haut" (Gen. 3,21) - ihr Fleisch, und dann vertrieb er sie aus dem Garten Eden. Damit kommt ihr spiritueller Niedergang zum Ausdruck und das Erscheinen der materiellen Aspekte, das Essen vom Baume der Erkenntnis.

Die Haut des Leviathan, dieses riesigen Tieres, ist eine dicke und fette Haut. Er hat sehr viel Haut. In dieser Hinsicht handelt es sich also um das körperlichste und materiellste Lebewesen, vielleicht noch mehr als alle anderen Lebewesen, wegen seiner Größe und seiner Schwere.

Also ein reiner, heiliger, ja göttlicher Fisch - und der steckt in einer außerordentlich körperlichen, materiellen Haut. Wie vertragen sich die Dinge miteinander?

Genau darin liegt das Geheimnis verborgen. Obwohl das Heilige und das Weltliche, das Spirituelle und das Natürliche, das Göttliche und das Materielle Gegensätze zueinander darzustellen scheinen, sind sie in Wahrheit einunddieselbe Sache. In unserer Welt besteht ein Unterschied zwischen dem Leviathan und seiner Haut, doch in der kommenden Zukunft wird sich herausstellen, dass sich ausgerechnet diese Haut des Leviathan in eine "Sukka" verwandeln wird, deren spiritueller Schatten uns überdacht und uns seinen Segen von Reinheit und Heiligkeit spendet. 

In der zukünftigen Welt der Wahrheit wird sich der Ursprung von Heiligem und Weltlichem als einer offenbaren. Es ist G~tt, von dem alle Wahrheit, das Gute und die Gerechtigkeit stammen. Und wie passt dieser Segensspruch zum Laubhüttenfest, das der Verbindung vom Spirituellen mit dem Materiellen Ausdruck verleiht, dem Göttlichen mit der Natur, durch unseren Aufenthalt in der Sukka, einer temporären materiellen Wohnung, aber der dauerhaft spirituellen Wohnung; mit unserem Ergreifen des Feststraußes (Lulaw, Myrtenzweige, Bachweide und Etrog) bezeichnen wir den spirituellen Segen in der Welt der Natur, und beim Freudenfest des Wasserschöpfens (Simchat Bet Hascho'ewa) schöpfen wir materielles Wasser, das der Welt Leben gibt, bei gleichzeitigem Schöpfen heiliger Inspiriation aus den Quellen der Errettung...

Möge es uns allen gelingen, in unserer Welt den Leviathan durch seine Haut zu offenbaren, und damit möge es uns allen vergönnt sein, in der Sukka aus der Haut des Leviathan im Leben der zukünftigen Welt zu sitzen.
 
 
 
Kinder, Kinder...
 

Die Freude der Kindheit
 
 

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

"Freue dich, Jüngling, deiner Kindheit, und sei frohen Herzens in den Tagen deiner Jugend, und wandle auf den Wegen deines Herzens und nach dem Anschauen deiner Augen, aber wisse, dass ob all diesem dich G~tt führen wird ins Gericht" (Kohelet 11,9). Die Kommentatoren waren unterschiedlicher Ansicht, ob mit diesem Vers Kohelet, der Prediger (König Schlomo) wirklich die Freude der Kindheit und den Frohsinn der Jugend befürworten oder aber verneinen wollte. Wollte er die Kinder zu Freude anhalten und die Jugendlichen den Frohsinn ihrer Herzen suchen lassen, oder wollte er sie eher bei dergleichen vor dem göttlichen Gericht warnen? 

Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") neigte zur letzteren Erklärung (Gesetze von der Umkehr, 5,4). Er verwendete diesen Vers allerdings nicht nur als Warnung, sondern auch als Beweis für das Prinzip der Entscheidungsfreiheit. Maimonides stellte klar, dass es ohne Entscheidungsfreiheit auch keinen Raum für Gebote und für Strafen für das Übertreten dieser Gebote gäbe. Vielmehr verlieh G~tt dem Menschen die Freiheit der Wahl, "sein Handeln soll in seine Macht gegeben sein, keiner soll ihn gewaltsam zwingen. Der Mensch aus sich heraus kann in dem Umfange, wie ein Mensch überhaupt handeln kann, frei handeln. Für sein Verhalten zieht man den Menschen daher zur Verantwortung. Hat er Gutes getan, so widerfährt ihm auch Gutes, handelt er aber schlecht, so geht es ihm schlecht... So sagt auch Schlomo: Freue dich, Jüngling, deiner Kindheit... aber wisse, dass ob all diesem dich G~tt führen wird ins Gericht, das will heißen: die Freiheit zu handeln ist dir gegeben, aber einst wirst du Rechenschaft ablegen müssen". Nach Maimonides enthält der Vers eine Liste von Möglichkeiten zur Auswahl durch den Menschen. Sie zeichnen vor ihm die Weite der Entscheidungsfreiheit auf. Niemand hindert ihn, ganz und gar der Freude seiner Kindheit nachzugehen, oder dem Frohsinn der Jugendzeit, oder den Weisungen seines Herzens. Und darum wird er in Zukunft zu allen seinen Taten gerichtet.

Demgegenüber erklären Viele diese Liste in positiver Weise. Der Sfornokommentar z.B. sieht darin die Kindheit als eine angenehme und zur geistigen Entwicklung geeignete Periode, weil sie von großen Belastungen frei ist und ihre Eindrücke das ganze Leben vorhalten (auch dem Torastudium während der Kindheit wird hohe Bedeutung zugemessen - "girßa dejankuta"). Darum sollte man sich über jede geistige Entwicklung während der Kindheit freuen. Die geistigen Errungenschaften der ersten Lebensperiode werden dann dem Jugendlichen auf dem weiteren Wege zugute kommen. Wenn er aus der ersten Periode etwas gelernt hat, wird er es auch weiter tun. Dann kann er sicher den "Wegen seines Herzens", den Wegen seines Verstandes folgen, die sich bereits in seinem Innern festigten, und folge auch dem "Anschauen seiner Augen", d.h. er wird auf dem Weg zum Guten Erfolg haben.

Die Quelle zu dieser Deutung findet sich im Midrasch raba zu Kohelet: "Freue dich, Jüngling, deiner Kindheit - Rabbi Judan sagte: deiner Kindheit, der Tora, die du in deiner Kindheit lerntest. und sei frohen Herzens in den Tagen deiner Jugend - das ist die Mischna. und wandle auf den Wegen deines Herzens und nach dem Anschauen deiner Augen - das ist das Talmudstudium. aber wisse, dass ob all diesem dich G~tt führen wird ins Gericht - das sind die Gebote und die guten Taten". Vier Stufen der spirituellen Entwicklung des Menschen: schriftliche Tora, Mischna, Talmud, Gebote und gute Taten. Jede Stufe passt zu einer anderen Periode: die schriftliche Tora passt in die Kindheit, eine sprudelnde Periode voller Freude; die natürliche Freude sollte mit dem Lernen der Schrift verbunden werden. Gleiches gilt für die anderen Perioden: Verbindung der Mischna mit der Jugendzeit, danach das Talmudstudium, das das Wandeln auf den Wegen des Herzens und der Anschauung der Augen ermöglicht, den Dingen auf den Grund zu gehen und eine analytische Denkweise zu entwickeln, auch moralische und rechtliche Fragen abzuwägen. Nach drei Perioden des Lernens kommt die Zeit der tätlichen Umsetzung mithilfe der Gebote und guter Taten. 

Die Tora verlangt nicht nach der Unterdrückung der natürlichen Neigungen des Kindes und des Jugendlichen, nach der Bezwingung seiner natürlichen Freude und der Neigung nach seiner Herzenslust und dem Ansehen seiner Augen. Im Gegenteil - sie fordert ihn dazu auf, diese Eigenschaften im Rahmen seines Toralernens und der Erfüllung ihrer Gebote weiter zu entwickeln. Es wäre ein Irrtum, zu glauben, dass es keine Jugendfreude ohne Walt-Disney-Filme, Computerspiele und Vergnügungsparks gebe. Oder dass die Herzenslust im Jugendalter nur durch Festivals, am Badestrand, bei Rockkonzerten usw. ihre Erfüllung finden kann. Ein weiterer Irrtum wäre die Annahme, dass nur die akademische Welt eine intellektuelle Herausforderung bietet, und dass nur sie das Gefühl für moralisches Verhalten und die Kreativität fördert. Ein Irrtum, bedeutungsvolles Tun nur dem dritten Stand zuzuschreiben, den verschiedenen Vereinen und der sozialen Gerechtigkeit. Irrtum! Die Freude der Kindheit wird von erfreulichen Inhalten genährt, und diese finden sich in reicher Auswahl im Text der Tora. Eine vertiefende Denkweise, Öffnung der Wege des Fühlens und Erweiterung des Horizontes, Entwicklung des Moralgefühls und Sensibilität für Gerechtigkeit kann der Mensch durch das Talmudstudium erzielen. Ideen für sinnvolles Tun braucht man nicht in der Ferne zu suchen, weil wir solche fix-und-fertig vorbereitet in vielen Anleitungen zu guten Taten in allen Bereichen des Lebens in der Tora und ihren Geboten vorfinden.

Wenn wir alle Erklärungen, die wir gesehen haben, zusammenfügen, ergibt sich folgendes Bild: Der Mensch wird mit natürlichen Neigungen geboren, und mit Entscheidungsfreiheit. Vor ihm steht der Weg offen, seinem Willen zu folgen und seinen Neigungen nachzugehen. Zum Beispiel: Ein Kind neigt zur Freude. Es steht ihm frei, sich an guten Dingen zu freuen oder an schlechten. Ein Heranwachsender neigt zur Prüfung von Werten und zur Einübung moralischer Abwägungen. Es ist ihm überlassen, ob er sie auf das Fundament von Werten aus Tora und Talmud stellt, oder auf fremden Wiesen weidet und sich eine andere Kultur zueigen macht; der Erwachsene verlangt nach Taten. Er hat die freie Wahl, die Tora und Gutes "zu tun" - oder etwas anderes.
 
 

Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.kimizion.org/shiur
- englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
www.israelnn.com
- auf russisch:
www.sedmoykanal.com
 

Radio "Reschet Moreschet" - 
Hören Sie Rabbiner Aviners Fragestunde live
vom Internet und stellen Ihre Frage per Telefon: 
(+972 2) 5302685,  jede Woche Do. 22.30-24.00
israelische Zeit (=GMT+2; nur hebräisch!) 
http://media.iba.org.il

Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di. 23.00-24.00, 
Tel. (+972) 50 800 93 93
http://kolchai.moreshet.co.il/web/index.asp
 
 

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch auf Russisch -Französisch - Spanisch/Portugiesisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
-ULPAN GIUR
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an obige Anschrift von Machon Meir

MACHON ORA - für Frauen
Lernen Sie bei uns über das Judentum, stärken Ihren Glauben im Geiste der Liebe zu den Geschöpfen in einem reichhaltigen und umfassenden Programm mit persönlicher Note, Verbindung zu Torapersönlichkeiten, Unterbringung in besonderer, familiärer Atmosphäre.

Neu! Wir freuen uns, zusätzlich zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können. 
Einzelheiten: Spanisch - Tel. +972 2 6512194, +972 52 4621830
Russisch - +972 2 6537835
 

SPENDEN
Überweisungen an:
MACHON MEIR, Konto bei Postal Bank, Jerusalem, Konto Nr. 4-16179-3
oder per Scheck direkt an
MACHON MEIR
P.O.B. 34107
JERUSALEM 91340
ISRAEL
oder via Kreditkarte nach telefonischer Absprache mit dem
Büro von Machon Meir (+972 2 6511906)

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 17.02/18.13
Tel Aviv: 17.20/18.15
Haifa: 17.13/18.14