DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BECHUKKOTAI
Nr. 668
19. Ijar 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 26,3-27,34):
Wohlstand und Frieden im Lande Israel bei Gebotsbeachtung, Armut, Tod und Exil bei Nichtbeachtung; Geldgegenwerte von dem Tempel geheiligten Personen und Sachwerten.

Erew Schabbat: Lag Ba'omer
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Woran geht das Land zugrunde?

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Der Torakommentar des Nachmanides (Rabbiner Moscheh ben Nachman, RaMbaN) bezieht die göttlichen Warnungen unseres Wochenabschnittes auf die Zerstörung des ersten Tempels: "...und all die deutlichen Dinge dieses Bundes, der wirklich auf das erste Exil [in Babylon] weist, und die Erlösung daraus. Aber der Bund im 5. Buch Moscheh deutet unser jetziges Exil an und die Erlösung daraus" (zu Lev. 26,16).

Zu der Zerstörung des ersten Tempels fragte der Prophet Jirmijahu (9,11): "Wer ist der Mann, der weise, dass er dies einsehe, und wer, zu welchem des Ewigen Mund geredet, dass er es verkünde: Warum ist das Land zugrunde gerichtet?". Diese Frage wurde im Talmud wie folgt erläutert: "Über diese Sache sprachen die Weisen, und sie erklärten es nicht, sprachen die Propheten, und erklärten es nicht, bis der Heilige, gepriesen sei er, selber es erklärt hat, denn es heißt: und der Ewige sprach: weil sie meine Lehre, die ich ihnen gegeben habe, verlassen haben (Jer. 9,12). Rabbi Jehuda sagte im Namen Ravs: Sie sprachen über die Tora nicht vorher den Segen" (Baba mezia 85a). Zu dieser Talmudstelle fragte der MaHaRaL (der "hohe Rabbi Löw") aus Prag in der Einleitung zu seinem Werk "Tiferet Israel": "Eine verwunderliche Sache, dass die Zerstörung des Landes daher kam, dass man nicht den Segensspruch vor der Tora sagte, und nicht wegen Götzendienst, Ausschweifungen und Blutvergießen wie beim ersten Tempel".

Eine ähnliche Frage hörte ich von Rabbiner Abramski: Die Bibel enthält doch eine lange Liste von Sünden der Generationen des ersten Tempels, und auch die talmudischen Weisen sagten selber, der erste Tempel wurde wegen Götzendienst, Ausschweifungen und Blutvergießen zerstört (Joma 9b). Warum fiel den Weisen und den Propheten demnach die Erklärung so schwer, was das Land zugrunde richtete? Dazu antwortete Rabbiner Abramski, dass es gar nicht darum ging, welcher Sünden sich die Leute der Periode des ersten Tempels nun genau schuldig gemacht hatten, vielmehr war die Frage, wie eine Generation, in der es viele Toraschüler gab, und Toragelehrte, ja Propheten - wieso konnten all jene nicht den furchtbaren Niedergang ihrer Generation in die von den Weisen und den Propheten ausführlich geschilderten Sünden verhindern?! 

Die Sache ist ganz einfach: die Anschuldigung "dass sie nicht den Segensspruch vor der Tora sagten" richtet sich nämlich gegen die Toraschüler, denn wer nicht lernt, braucht diesen Segensspruch ja gar nicht zu sagen. Was ist also so furchtbar daran, wenn man vor dem Torastudium diesen Segen auslässt? Erklärt der Raschikommentar: "Wenn sie sich mit der Tora beschäftigten, sagten sie nicht den Segen vor ihr... und weil sie nicht den Segen sagten, demonstrierten sie damit, dass sie ihnen nicht wichtig war".

Worin liegt die Bedeutung dieses Segensspruches, der für das Torastudium so entscheidend ist?
Der MaHaRaL aus Prag erklärte an genannter Stelle, dass sich der Toraschüler durch den Segensspruch mit G~tt verbindet und damit nicht nur Liebe zur Tora, sondern auch zu deren Verfasser zeigt. Was jedoch nicht für denjenigen gilt, der den Segensspruch weglässt, denn der zeigt damit, dass er nur die Tora liebt. Ein Toragelehrter aber, der nicht G~tt in seinem Herzen trägt, kann das Land mit zugrunde richten. Eine weitere Erklärung zur Wichtigkeit des Torasegens hörte ich von meinem großen Lehrmeister, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, der regelmäßig auf den Wortlaut dieses Segens hinzuweisen pflegte: "..der uns aus allen Völkern erwählte und uns seine Lehre gab", ein Segen, der die Tora mit der Erwählung Israels verbindet und darüber hinaus die Erwählung Israels vor die Übergabe der Tora stellt. Und wenn jemand die Tora studiert, ohne dabei die Verbindung der Tora mit der Erwählung Israels im Sinne zu haben, wird am Ende das Land zugrunde richten.

Von all dem Vorgenannten können wir lernen, wie schwere Sünden manchmal mit Dingen beginnen, die ganz unwichtig erscheinen. Ein Beispiel dafür finden wir im Traktat Nedarim (22b): "Hätten die Israeliten nicht gesündigt, so würden ihnen nur die fünf Bücher der Tora verliehen worden sein und das Buch Jehoschua, weil dieses die Wertschätzung des Israellandes ist", und Rabenu Nissim erklärte zur Stelle: "..die übrigen Propheten sollten die Israeliten nur wegen ihrer Sünden ermahnen, und hätten sie nicht gesündigt, wären diese Ermahnungen überflüssig". Dazu lässt sich allerdings fragen: Es gibt in der Bibel doch auch Bücher, deren Hauptteil gar nicht von den Sünden Israels handelt, so wie "Richter" und das Buch Schmu'el ("Samu'el"), die sich hauptsächlich mit der Schilderung der Besiedlung des Landes nach dessen Eroberung beschäftigen. Warum wurden sie in die heiligen Schriften eingeschlossen, gibt es denn im Buch der Richter und Schmu'el Prophetien, die in späteren Generationen gebraucht werden, die uns vor solchen Sünden warnen sollen? Wir können wirklich eine große Lehre aus diesen Büchern ziehen: Die ersten Anführer Israels, wie Jehoschua und Kalev, Eli der Priester und der Prophet Schmu'el erreichten ihre Ranghöhe dank ihrer Persönlichkeit und ihrer Toragelehrsamkeit. In den Büchern "Richter" und "Schmu'el" begegnen wir den Nachfolgegenerationen, den Söhnen der Vorgenannten, den Söhnen Elis und den Söhnen Schmu'els, die das Verdienst ihrer Väter ausnutzten, um an die Macht zu gelangen, die ihren Status zu ihrem persönlichen Vorteil auf Kosten der Öffentlichkeit und deren Nachteil nutzten. Dieses Verhalten bringt nicht nur die Rolle der politischen Führung in Verruf, sondern kann am Ende das ganze Land zugrunde richten.
 
 
 
Zur Omer-Zeit

Rabbi Akiva, Bar Kochba und das Tischgebet

Rav Joram Elijahu 
Rabbiner an MACHON MEIR

[Während der Omer-Zeit halten wir einige Trauerbräuche zum Gedenken an die Schüler Rabbi Akivas, die in dieser Zeit starben] Unsere Weisen lehrten uns im Talmudtraktat Brachot (48b, die Bestandteile des Tischgebetes): "Rabbi Nachman sagte: Moscheh ordnete für Israel den Segen 'Der da ernährt' an, als ihnen das Manna herab fiel. Jehoschua ordnete ihnen den Segen über das Land an, als sie in das Land eingezogen waren. David und Schlomo ordneten [den Segen] 'Der Jerusalem erbaut' an. David ordnete an: 'Über dein Volk Israel und über deine Stadt Jerusalem'; Schlomo ordnete an: 'Über das große und heilige Haus'". Diese Ereignisse zählen zu den geschichtlichen Wendepunkten unserer Nation, so wie die Wanderung durch die Wüste Sinai, der Eintritt ins Land und der Bau des Tempels, und darum ist es verständlich, dass wenn man G~tt für seine Speise dankt, sich auch dafür bedankt und daran erinnert.

Die talmudischen Weisen fahren jedoch fort und lehren: "'Der Gute und Gütige' ordnete man in Jawne [dem Standort des Sanhedrins] an, wegen der Erschlagenen von Bitther. Rabbi Mathna sagte nämlich: An dem Tage, an dem die Erschlagenen von Bitther zum Begräbnis freigegeben wurden, ordnete man in Jawne [den Segen] 'Der Gute und Gütige' an; der Gute: dass sie nicht verwesten, der Gütige: dass sie zum Begräbnis freigegeben wurden".

Auf den ersten Blick scheint nicht ganz klar, welches in den Generationen unserer Nation so bedeutungsvolle Ereignis hier gemeint ist, dass wir daran tagtäglich erinnern müssen, und überhaupt - diese Toten kamen beim Aufstand des Bar Kochba gegen die Römer ums Leben, der fehl schlug und keinen Nutzen brachte, und warum sollten wir also daran erinnern und G~tt für das an diesen Toten vollbrachte Wunder danken?

Bei den Weisen fanden wir eine Meinungsverschiedenheit bezüglich Bar Kochba - Rabbi Akiva, der größte Weise der Mischna, "als er Bar Kochba sah, sagte er: Das ist König Maschiach [der Gesalbte, "Messias"], und dagegen sagte ihm Rabbi Jochanan ben Torta: Akiva, selbst wenn schon Kräuter auf deinen Wangen wachsen, wird er immer noch nicht kommen" (Midrasch Eicha raba 2,4).

Was sah Rabbi Akiva in Bar Kochba, dass er ihn für den Maschiach hielt? Fährt der Midrasch fort und erzählt, dass "Bar Kochba die Steine [der römischen Artillerie] mit einem seiner Kniee abfing und sie auf die Römer zurück schleuderte und welche von ihnen tötete, und davon redete Rabbi Akiva". Wegen dieser Kraft entschied Rabbi Akiva: Das ist der König Maschiach. Bar Kochba tat sich nicht gerade durch besondere Frömmigkeit oder Spiritualität hervor, "und darum gab es welche von den Weisen, die sich gegen jede Beteiligung am Krieg des säkularen Nationalismus aussprachen und sich dem Anschluss an den Aufstand widersetzten. Rabbi Akiva jedoch schenkte dieser Ansicht keine Beachtung, er sah den Geist der Heldenhaftigkeit Bar Kochbas und seinen Opfermut für die Gemeinschaft Israels, ebenso wie die Tatsache, dass es ihm gelang, alle Kämpfer Israels in seiner Armee zu sammeln, unter seinem Kommando, und dementsprechend bestimmte er den messianischen Rang Bar Kochbas" (Gespräche HaRav Zwi Jehuda Kuk Moadim II, S.236). So entschied Rabbi Akiva, und darum wird verständlich, warum Maimonides in seinen "Gesetzen von Königen und Kriegen" gerade von Rabbi Akiva lernt, wie die zukünftige Erlösung zu erwarten ist: "..dem ist nicht so, denn siehe, Rabbi Akiva, ein Großer der Weisen der Mischna, war Waffenträger des Königs Ben Cosiba (=Bar Kochba), und er sagte von ihm, er sei der König Maschiach, und er und alle Weisen seiner Generation hielten ihn für den König Maschiach - bis er durch Sünden umkam. Weil er getötet wurde, wurde klar, dass er nicht der Maschiach war; doch erbaten die Weisen von ihm weder Zeichen noch Wundertaten" (11,3).

Wertvolle Lehren übermittelt uns hier Maimonides. Erstens ignoriert er die Rabbi Akiva widersprechenden Ansichten, denn im Verhältnis zu ihren Vertretern war er die Kapazität und die Gesetzesautorität, und darum schrieb Maimonides auch: "er und alle Weisen seiner Generation". Zweitens schrieb Maimonides nicht, dass sich Rabbi Akiva irrte, sondern ihn dafür hielt, dass es sich also um eine mögliche Entwicklung handelte, die allerdings nicht zu ihrem erhofften Ende kam. Darum lernte Maimonides von Rabbi Akiva und Bar Kochba die Abfolge der zukünftigen Erlösung, die nicht unter Zeichen und Wundertaten oder offenen Wundern erfolgen wird, sondern auf natürlichem Wege, der Kriege mit einschließt, so wie Rabbi Akiva selber am Krieg beteiligt war und während des Kampfes die Waffen Bar Kochbas bereit hielt. Darum ergänzte unser Lehrmeister, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, dass man daraus lerne, dass "die Opferbereitschaft für die Vergrößerung und die Bekräftigung des Torastudiums (die Rabbi Akiva innewohnte), und die Opferbereitschaft für die Wiederherstellung der israelitischen Königsherrschaft ein und dieselbe Sache sind. Gerade wegen seiner Größe in der Tora nahm Rabbi Akiva zusammen mit seinen Schülern am Krieg gegen die Römer teil, trotz der vielfältigen Gefahren und der Gegnerschaft von einigen der Weisen, und er selbst nahm aktiven Anteil in seiner Eigenschaft als Waffenträger Bar Kochbas" (Gespräche, ebda.).

Diese Lehre wollten uns die Weisen aus Jawne durch Einführung des Segens "Der Gute und Gütige" im Tischgebet lehren. Die in Bitther Gefallenen, unter ihnen die Schüler Rabbi Akivas, die am Aufstand teil nahmen (siehe dazu das Sendschreiben des Rav Scherira Gaon, wo von Religionsverfolgung gegen die Schüler Rabbi Akivas die Rede ist, woraus hervor geht, dass sie auf Verordnung des Herrschers bei der Unterdrückung des Bar-Kochba-Aufstandes getötet wurden) durften nicht bestattet werden; "Adrianus hatte einen großen Weinberg von 18 Mil zu 18 Mil [Ausdehnung, 1 Mil = ca. 1 km], den er mit einem Zaun aus den Getöteten Bitthers umgab, und er ließ sie nicht bestatten, als bis ein anderer König an die Macht gelangte, der ihre Bestattung anordnete" (Midrasch Eicha raba 2,4). Lange Zeit verbrachten sie am Zaun vom Weinberg des Adrianus, ohne zu verwesen, eine Tatsache, die die göttliche Bestätigung dieses Erlösungsprozesses bedeutet, der gerade in nationalem Heldenmut und einem Anführer zum Ausdruck kam, der nicht gerade die religiöse Seite seiner Führung betonte. Die Römer konnten das nicht ertragen und ließen sie am Ende bestatten, und die Weisen Jawnes teilen uns mit: Erinnert euch gründlich an diesen Erlösungsprozess, der zwar nicht seine endgültige Bestimmung erreichte, doch so wird auch die zukünftige Erlösung verlaufen, und damit ihr nicht vergesst und bei der Erwartung der Erlösung keinen Irrtum begeht, sprecht jeden Tag den Segen "Der Gute und Gütige" und danket G~tt für diesen Prozess, damit ihr wisset, wenn wieder einmal eine Erlösung auf diese Weise erscheint, dass sie wirklich von G~tt ist, und eine wirkliche Erlösung, und möge uns durch sie die vollkommene Erlösung zuteil werden.
 
 

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