DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Lev. 6,1
- 8,36):
Schabbat Hagadol
Am Ende der "Weisung für das Mahlopfer" erteilt uns G~tt das Verbot über den Verzehr von Fett und Blut [nur das "Chelev" genannte Fett ist verboten]. "Alles Fett (Chelev) von Rind und Schaf und Ziege dürft ihr nicht essen... denn wer Fett ißt von dem Vieh, von dem man dem Ewigen Feueropfer opfert - die Person, die es ißt, soll ausgerottet werden aus ihren Volksstämmen. Und kein Blut sollt ihr essen in all euren Wohnsitzen, es sei vom Vogel oder Vieh. Jeder, der irgendwelches Blut ißt, derselbe soll ausgerottet werden aus seinen Volksstämmen" (Lev. 7, 23,25-27). Das ist nicht das erste Mal, daß Fett und Blut verboten wurden. Schon am Ende der Gesetze von den Mahlopfern im Abschnitt Wajikra heißt es: "Eine ewige Satzung für eure Geschlechter, in allen euren Wohnsitzen: Alles Fett und alles Blut sollt ihr nicht essen" (Lev. 3,17). Die Nähe der beiden Abschnitte deutet auf besondere Beziehungen zwischen den Verboten von Fett und Blut, und zwischen diesen beiden und dem Opferdienst. Dabei muß allerdings betont werden, obwohl das Fettverbot nur von Tieren gilt, die als Opfer geeignet sind - "von Rind und Schaf und Ziege" - erstreckt es sich auch auf Dinge, die nicht geopfert werden dürfen: das Zerrissene, das Verendete und (während der Tempelperiode) das mit einem Makel Behaftete; ferner heißt es: "für eure Geschlechter, in allen euren Wohnsitzen", auch nach der Tempelzerstörung, und in der Zerstreuung. Das Verbot des Blutverzehrs reicht noch weiter, es schließt auch Tiere ein, die nicht als Opfer geeignet sind, wie z.B. Geflügel (außer Tauben). Was ist an Fett und Blut so besonders, im Vergleich zu den anderen Teilen des Tierkörpers? Man kann dabei zwei gegensätzliche Punkte beobachten. Blut bedeutet Lebenskraft: "Denn die Seele eines jeden Leibes ist das Blut mit seiner Seele" (Lev. 17,14). Das Blut gehört zu den Fundamenten des Lebens. Alle anderen Glieder dienen ihm oder leben durch sein Wirken. Das Fett hingegen gehört ins andere Extrem. Es ist kein so sehr "lebendiges" Material. Es ist nicht dynamisch. Es bewegt sich nicht vom Fleck. Es erfüllt keine aktive Aufgabe im Körper des Tieres. Es handelt sich bloß um eine Art Auffanglager für Überschüssiges, das verschiedenen Körperteilen angegliedert ist, um in Zeiten des Mangels genutzt zu werden. Der Unterschied zwischen Fett und Blut kommt auch in den Regeln von der Weise ihrer Opferung zur Geltung. Das Blut wird gegen die Wand des Altars gesprengt und trägt den Hauptteil der Sühnung. Das Fett hingegen wird vollständig auf dem Altar verbrannt. "Das Fett, das zu den überzähligen Dingen des Körpers gehört, bringt Sühne für die Sünde infolge überschäumenden Überflusses. Das Blut, die Grundlage für die Existenz des Körpers, bringt Sühne für den Teil der Neigung zum Verbotenen, bei dem ein wenig vom Existenznotwendigen mit einfließt..." (Rabbiner A.J.Kuk). Die Grundlage der Existenz - erheben und erhöhen wir. Das Überflüssige - verbrennen wir vollkommen im Feuer und überlassen es G~tt allein. "Und der Priester lasse es auf dem Altar in Rauch aufgehen, ein Feueropfermahl von lieblichem Geruch; alles Fett für den Ewigen" (Lev. 3,16). Auf diese beiden Teile des Opfers, die auf den Altar gelangen, jedes, wie es seiner Bestimmung entspricht, beziehen sich die Verbote des Verzehrs. Das Überflüssige, der Luxus, ist von seinem Wesen her mit keinem Makel behaftet, doch darf sich ihm der Mensch nicht grenzenlos hingeben. Der Höhepunkt des Überflüssigen beim Fleisch der Tiere ist dem Menschen zum Verzehr verboten. Das Fett symbolisiert nicht nur das Überflüssige beim Tiere, sondern auch beim Menschen. "...wenn als Notwendigkeit, um deine Kräfte zu stärken, du das Lebewesen als Mahlopfer darbringst, für dessen Ernährung du dich mühtest; aber nicht für die niedere Lust des gierigen Schlingens, die das fette [Fleisch] wählt..., tue dies" (Rabbiner Kuk, Ma'amarej Hara'aja S.27). Man darf das "Fett" nicht zum Ziel seiner Bestrebungen machen - weder das Fett des Tieres noch des Menschen, der von dessen Fleisch ißt (im Gegensatz zur Milch - Chalav - dem Ausdruck der Kraft der Mildtätigkeit und der Zuwendung des Tieres seinem Nächsten gegenüber; nach Rabbiner Schimschon Raphael Hirsch). Das Blut stellt den Gegenpol dar. Blut bedeutet nicht Luxus, sondern absolute Lebensgrundlage. Genau darum darf man nicht davon essen. Die Lebensorgane des Tieres sind auch die Lebensorgane des Menschen. Entsprechend darf der Mensch vom Fleisch des Tieres essen, um seine eigenen Lebenskräfte zu stärken. Das Blut jedoch, die Basis des Lebens des Tieres - darf sich nicht im Körper des Menschen verteilen, weil er dazu aufgerufen ist, sein Leben auf ganz andere Fundamente zu stellen. Der Mensch muß mit seinem Leben zur Geltung bringen, daß seine Seele, die seinen Körper mithilfe des Blutes belebt, nicht der Seele des Tieres gleicht. Die Seele in seinem Innern bedeutet einen Anteil G~ttes aus der Höhe, den großen Vorzug des Menschen vor dem Tiere; "Blut alles Fleisches sollt ihr nicht essen" (Lev. 17,14). Beide Verbote sollen den
Vorzug des Menschen vor dem Tiere betonen. Das Verbot des Blutes - den
Unterschied im Wesen des Lebens, und das Verbot des Fettes - den
Unterschied in den Bestrebungen des Lebens. Beiden müssen auf
den Altar gebracht und G~tt übergeben werden als Ausdruck für
die Auslieferung aller Lebenskräfte des Menschen - sogar der niederen
- in die Hände des Schöpfers. Der Mensch darf sich nicht von
seinem Vorzug durch den Verzehr von Blut und Fett herabbegeben, sondern
muß seinen Weg im Leben als im Ebenbilde G~ttes geschaffener Mensch
bahnen, über den der Name des Ewigen, seines G~ttes genannt ist.
Frage: Ich bin 16 Jahre alt und fühle in letzter Zeit einen Ekel vor Fleisch. Mir tun die Tiere leid, die geschlachtet werden, damit ich sie essen kann. Ist das bloß ein Zeichen von Schöngeistigkeit, oder sollte wirklich jedermann so empfinden? Antwort: Dem ersten Menschen wurde zwar das Fleischessen verboten, aber mit dem Hintergedanken, daß die Tiere schon dem Menschen dienten - nur nicht zur Nahrung. Durch die Sünde des ersten Menschen und der Generation vor der Sintflut sank das spirituelle Niveau der Welt um einige Grade, die Menschen wurden weniger moralisch, und auch das Wesen der Tiere wurde grober und grausamer im Verhältnis zueinander. Sie begannen einander zu jagen, ja sogar die Erde wurde verdorben und brachte Dornengewächse und Unkraut hervor. Entsprechend erlaubte die Tora dem Menschen, vom Fleisch der Tiere zu essen, und damals wurde den Menschen das Fleisch der Tiere erlaubt, wie es heißt: "Alles was sich reget, was da lebet, euer sei es zum Essen; wie das grüne Kraut gebe ich euch alles" (Gen. 9,3). Der moralische Niedergang beeinflußte alle Bereiche des Lebens, darunter auch den Bereich der Ernährung. Bis zur Sintflutgeneration konnte die Menschheit ihren Nahrungsbedarf allein aus der Pflanzenwelt decken. Nach der Sünde aber und dem Zusammenbruch der natürlichen Gegebenheiten reichte die pflanzliche Nahrung dem Menschen nicht mehr, und darum erlaubte G~tt Noach und seinen Söhnen den Verzehr vom Fleisch der Tiere, Geflügel, Wild und Fischen. Der moralische Niedergang der Welt schuf einen vollkommen neuen ökologischen Zustand, in dem wir Dinge zu tun gezwungen sind, die diesem Zustand entsprechen, wie eben der Fleischverzehr. In der heutigen Lage macht es keinen Sinn, eine verschärfende Haltung einzunehmen und kein Fleisch zu essen, weil wir heuzutage vor allem verpflichtet sind, die Grundlagen der Moral in den zwischenmenschlichen Beziehungen zu verbessern, nicht zu stehlen, niemanden auszunutzen, und erst recht nicht zu töten. Um der moralischen Forderung des "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Lev. 19,18) und des "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu" (Schabbat 31a) den nötigen Nachdruck zu verleihen, wies uns die Tora an, derzeit die erhabene moralische Bestrebung auf Unantastbarkeit der Tiere zurückzustellen. Erst wenn die Grundlagen der moralischen Beziehungen zwischen den Menschen ordnungsgemäß geregelt und Kriege und sonstige Schandtaten von der Erdoberfläche verbannt sind, werden auch die Tiere auf ein höheres Niveau gelangen, "und es wohnt der Wolf mit dem Lamme" (Jeschajahu 11,6). Dann wird natürlich auch der Mensch keine Tiere mehr essen. Wer aber heutzutage versucht, auf eine moralische Stufe zu springen, die nicht zu ihm paßt, schadet mehr als er nützt. Es besteht nämlich ein hoher Verdacht, daß gleichzeitig mit der Entwicklung erhöhter Sensibilität gegenüber den Tieren die Gefühle für die Mitmenschen abnehmen. In extremen Fällen von Tierliebhaberei wächst die Kritik an Menschen so sehr an, daß diese Leute nicht mehr fähig sind, zu heiraten und ein normales Eheleben zu führen. Wer also nicht gänzlich überzeugt ist, daß seine Beziehungen zu den Mitmenschen in Ordnung und von höchster Vollkommenheit sind, sollte vom moralisch begründeten Vegetarismus Abstand nehmen. Ich würde sogar sagen, erst wenn du eine gute Familie gegründet hast, kannst du überhaupt erst wissen, ob deine zwischenmenschlichen Beziehungen in Ordnung sind, und dann kannst du gemeinsam mit deinem Ehepartner abwägen, ob ihr so einen extremen Brauch von Frömmigkeit auf euch nehmen wollt. Und wenn nicht, dann schließe dich uns an, die wir alle auf die Wirklichwerdung der folgenden Prophezeiung warten: "Und ich schließe ihnen einen Bund an selbigem Tage mit dem Gewild des Feldes und mit den Vögeln des Himmels, und dem Gewürm der Erde; und Bogen und Schwert und Krieg zerbreche ich aus dem Lande, und lasse sie ruhig wohnen" (Hoschea 2,20). OK85
Frage: Ab und zu erwähnen Sie in Ihren Artikeln eine Quellenangabe vom Internet. Kann man daraus entnehmen, daß Sie die Benutzung des Internets gutheißen? Antwort: Um G~ttes
Willen! Das Internet ist eine Giftschlange, und wem sein Leben und seine
Seele lieb sind, halte sich davon fern. Wer es allerdings sowieso benutzt,
sollte wenigstens retten, was sich retten läßt. Entsprechend
gibt es heute für diejenigen, die für ihre Arbeit zur Benutzung
des Internets gezwungen sind, einige "saubere" Internetanbieter, die sogar
von der charedischen Gemeinschaft freigegeben wurden.
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
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