DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Anschrift: Sderot Hame'iri 2
Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL 
Tel. +972 2 6511906
Fax +972 2 6514820             http://www.machonmeir.org.il

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJAKHEL-PEKUDE
Nr. 608
27. Adar 5767

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage: www.kimizion.org
-Archiv der "Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag' den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update) als die Machon-Meir-Seite

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 35,1 - 40,38):
Kein Feuermachen am Schabbat; Aufruf zu Materialspenden für alle Teile des Heiligtums; künstlerische Fertigung und genaue Beschreibung des Stiftszeltes, der Bundeslade, des Tisches der Schaubrote, des Räucheraltars und des Wasserbehälters. Genaue Materialliste des Heiligtums, Details der Dienstkleidung der Kohanim und des Hohepriesters; Abnahme und Aufstellung des Heiligtums durch Moscheh und Einweihung.

Schabbat HaChodesch
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Kunst und Glaube

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Eine Erscheinung. Hand in Hand mit der Rückkehr Israels in sein Land entwickelte sich eine Erscheinung von israelischer Kreativität. Am Anfang beschränkte sich diese Kreativität auf die sogenannten "Freien"; die Kunst war vom Zauber der Weltlichkeit ergriffen. Die Künstler verspürten ein Gefühl vollkommener Freiheit, jeder erdenklichen Laune folgen zu dürfen, allen ihren innerlichen Stürmen und Drängen Ausdruck zu verleihen, ohne die Fesseln der Abwägung von Anstand und Schmutz, Gut und Böse. Die künstlerische Freiheit wurde zu einer Freiheit der Welt von ihrem Schöpfer, die Freiheit des Israelis von seinem Glauben. Der Künstler vergriff sich in seinen Werken gedankenlos an allem, was seinem Volke heilig war. 

In der Gesellschaft wandeln die Künstler die Gedanken der intellektuellen Kreise in eine allen zugängliche Form. In der nichtreligiösen Gesellschaft sticht ihre Aufgabe als Verbindungsglied zwischen den Intellektuellen und der breiten Öffentlichkeit hervor, und gerade in den Augen religiöser Kreise scheint eine unüberbrückbare Kluft zwischen den Besuchern der Lehrhäuser und der Allgemeinheit zu bestehen, eine Kluft des Mangels an Kreativität. Die Leute des Glaubens fühlten eine Bedrohung durch die der Kunst innewohnende Kraft, und in den religiösen Kreisen Israels waren künstlerische Schöpfungen entsprechend dünn gesät. Die Texte der meisten chassidischen Lieder stammten von König David, die Melodien von Reb Schlomo Carlebach, und andere Bereiche künstlerischer Kreativität mußte man mit der Lupe suchen...

In letzter Zeit lassen sich die Anfänge eines Umschwungs erkennen. Die Sehnsucht der religiösen Öffentlichkeit nach anderen künstlerischen Werken, die sich nicht durch die säkularen Schöpfungen befriedigen läßt, wie auch eine religiöse Kreativität, kommt bei sehr, sehr vielen Menschen zum Vorschein. Wenn ein solcher Geist die schaffenden Künstler beseelt, bedeutet das ein Zeichen dafür, daß die Tora nicht mehr im Lehrhaus zwischen Büchern und Buchstaben verbleiben kann. Die Tora lebt und lodert, möchte hervorbrechen und sich offenbaren, möchte ihren Weg aus dem Herzen des Künstlers ans Licht der Öffentlichkeit bahnen über Tänze und Lieder, Musik und Bilder.

Für jemanden, der den Titel "gläubiger Künstler" für sich beanspruchen will, scheint es demnach nicht zu reichen, sein Haupt mit einem Käppchen zu zieren und seinen Körper mit einem Arbakanfos, der in alle Himmelsrichtungen flattert, vielmehr muß er sich vor Beginn des künstlerischen Schaffens eingehende Gedanken machen. Die Kunst erscheint in unserer heiligen Tora in widersprüchlichen Zusammenhängen. Auf der einen Seite wurde ihr die zweifelhafte Ehre zuteil, in den Zehn Geboten negativ erwähnt zu werden: "Du sollst dir kein Bild und kein Abbild machen..." (Dt. 5,8). Auf der anderen Seite begegnen wir in unserem Wochenabschnitt Bezalel, dem Künstler, als zentraler Figur bei der Fertigung des Wüstenheiligtums: "Sehet, der Ewige hat mit Namen berufen Bezalel, Sohn Uri, Sohnes Chur, vom Stamme Jehuda. Und hat ihn erfüllt mit dem Geiste G~ttes an Kunst, Erfindung, Einsicht und an aller Fertigkeit" (Ex. 35,30-31). Es gibt also eine Kunst fremder Götter, und eine Kunst von heiliger Inspiration, eine "Kunst des Glaubens" ["Omanut haEmuna"; Kunst=Omanut, Glauben=Emuna kommen vom gleichen Wortstamm]. Die Ähnlichkeit der beiden Begriffe läßt sich schwerlich verleugnen, und wir sollten versuchen, die Verbindungen zwischen ihnen zu ergründen. 

Die Kunst der Ewigkeit. Der Glaube hat die fundamentale Eigenschaft, sich nicht an der Gegenwart festzuklammern. Der Gläubige ist befähigt, zu jedem beliebigen Zeitpunkt seinen Blick auf Ewigkeit und Kontinuität zu richten. Wir sind gewohnt, den Künstlern höchst beschränkte Zeitweiligkeit zuzusprechen, der gewöhnliche Künstler hat in seiner Welt nichts anderes als seinen Ort und seine Zeit, er hängt von seiner "Muse" ab und von der Stimmung, in der er sich jeweils befindet. Maler pflegen ihre Bilder zu signieren und das Datum zu notieren, als ob sie sagen wollten: "Momentan aktuell". Ein Künstler im Glauben ist nicht im Augenblick verankert. Es ist ihm zwar gestattet - und manchmal hat er sogar die Pflicht - den Problemen der Wirklichkeit Ausdruck zu verleihen, doch ist er nicht weniger in der Lage, mit seinem Zeichenstifte Skizzen von Hoffnung und Optimismus festzuhalten, die sich auf die Gewißheit des Guten des Schöpfers und Lenkers der Welt stützen. Der Künstler im Glauben ist in der Ewigkeit verankert, in der Beständigkeit, und er läßt den Wechsel der Jahreszeiten und der Stimmungen nicht seine Arbeit prägen. Der Künstler im Glauben findet sein Spiegelbild in seiner Schöpfung, und weil er die Welt mit einem positiven Ausblick sieht, strahlt sein Werk Vertrauen und Unbefangenheit auf die Betrachter aus. 

In der Einleitung zu seinem Buch "Agam - Glauben und Judentum" schreibt der Kunstschaffende Jakov Agam, das Verbot "Du sollst dir kein Bild und kein Abbild machen..." wendet sich hauptsächlich gegen die figürliche Darstellung G~ttes als statische Realität, was die Welt zu einer bewegungslosen Masse degradiert, ohne jegliche Entwicklung und Fortschritt. Ein religiöser Kunstschaffender glaubt an die Vervollkommnung der Welt, an ihre Fähigkeit, in Bezug auf Ethik und Prinzipien voranzuschreiten, und produziert keine Götzen. Der Talmud bezeichnet Bezalel als "Parnass", d.h. als Führungspersönlichkeit (Brachot 55a). Rabbiner A.J.Kuk schrieb in seinem Werk "Ejn Aja" (Kommentar zu den talmudischen Agadot), jeder, der das Werk Bezalels betrachtete - nicht nur, daß er sich nicht mit der materiellen Seite aufhielt, vielmehr erhob sich seine Seele und füllte sich mit Glauben. 

Kunst ohne Maske. Im Zusammenhang mit der Schaffung des goldenen Kalbes heißt es in der Tora: "sie sind schnell gewichen von dem Wege, den ich ihnen geboten, sie haben sich ein gegossenes Bild [wörtl.: Massecha, Maske] gemacht" (Dt. 9,12). Der weltliche Künstler versenkt seine Blicke im sichtbaren Materiellen und seine Schöpfung wird zur Maske, zu einem trennenden Vorhang (Massach) zwischen der Welt und ihrem Schöpfer, zwischen Schaffendem und Geschaffenem. Der Künstler im Glauben weiß die Begegnung der Schöpfung mit ihrem Schöpfer in feinen Linien der Gnade zu zeichnen, er entfernt die Maske und gewöhnt uns durch seine Kreation an die Betrachtung der Welt und ihres Herrn mit einem einzigen, vollkommenem Überblick. "Die wahre Begabung des Kunstmalers, auf dem Höhepunkt seiner Begabung... besteht im Erkennen der natürlichen Tiefen der Wirklichkeit, sowohl ihres materiellen Zustandes als auch ihres spirituellen Zustandes und des Verhältnisses der Teile zueinander, die Spiritualität und das Materielle" (Ejn Aja Brachot). Kunstverständige zeichnen sich durch die Fähigkeit genauer Unterscheidung bis ins kleinste Detail aus. Einem Künstler wird es niemals gleichgültig sein, wenn sich jemand an seinem Werk vergreift, selbst wenn es nur um eine kleine Änderung geht. Ein Künstler im Glauben sieht die ganze Welt unter diesem Gesichtspunkt, nämlich als Schöpfung des göttlichen Künstlers, der wir uns mit dem Respekt vor dem Heiligen nähern, um nicht die kleinste Störung zu verursachen. 

Kunst und Treue. Zuallererst schafft der Künstler also sich selbst, er offenbart mithilfe seiner Kreation, seiner Komposition, seiner Literatur, seiner Choreographie und seines Bildwerkes Ebenen seiner Seele, die er durch klar umrissene Rede nicht hätte ausdrücken können. Genau wie die Rede des Menschen eine große und reichhaltige Wahrheit kundtun, aber auch zu einer furchtbaren Waffe werden kann, gleicht auch das Werk des Künstlers einem zweischneidigen Schwerte. Da die religiös orientierte Kunst kein Lippenbekenntnis sein kann, wegen der Scheinheiligkeit und Leere an bestimmte Interessen gebundener Kunst, muß der angehende Künstler im Glauben den Inhalt seiner Seele mit großem Glauben füllen, mit der Lehre der Wahrheit, deren Flamme in seinem Inneren treu für heiliges Schaffen bürgt. Möge G~tt uns erhabene Künstler erwachsen lassen, deren Kreationen "im Schatten G~ttes" (Bezal e-l) entstehen, Künstler des Glaubens.
 
 
 
HaRav Aviner

Neues Leben

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Mit der Vertreibung aus dem Katif-Gebiet haben wir wohl das schlimmste Ereignis seit der Staatsgründung durchgemacht, als Juden andere Juden vertrieben, einen ganzen Landstrich zerstörten und ihn dem Feinde auslieferten. Bis auf den heutigen Tag machen uns diese Geschehnisse sprachlos.

Doch weil wir "Glaubende, Nachkommen von Glaubenden" sind, glauben wir, daß der Herr der Welt die Weltgeschichte lenkt, und daß sowohl die guten Dinge als auch die schlechten mit seiner Weltordnung zu tun haben. Natürlich befreit das nicht im Geringsten jene von der Verantwortung, die dieses furchtbare Verbrechen ausführten, die zu den "Bösen, durch die man Böses herbeiführt" (Sanhedrin 8a) zu rechnen sind. Dagegen zählen jene, die für das Katif-Gebiet und den nördlichen Schomron kämpften, zu den "Verdienstlichen, durch die man Verdienstliches herbeiführt" (ebda.).

Gleichzeitig dürfen wir unsere Trauer nicht auf ewig ausdehnen, so wie G~tt zum Propheten Schmu'el sprach: "Wie lange trauerst du um Scha'ul..?" (Schmu'el I, 16,1). Das ähnelt der Situation um einen Todkranken, für dessen Rettung man sich aufopfert, doch wenn es nicht gelingt, akzeptiert man das harte Schicksal, trauert - und schreitet vorwärts.

So taten wir nach allen Katastrophen, die über uns hereinbrachen. Die erste Tempelzerstörung, die zweite Tempelzerstörung, die Kreuzzüge, die Vertreibung aus Spanien, die Massaker des Kosakenführers Chmelnizki, und der Holocaust. Jedesmal standen wir wieder auf und faßten neuen Mut.

Nach der Zerstörung des zweiten Tempels gab es fromme Juden, die kein Fleisch mehr essen und keinen Wein mehr trinken wollten, denn wie kann jemand Fleisch essen, wenn es keinen Opferdienst mehr gibt, wie kann jemand Wein trinken, wenn es keine Weinopfer mehr gibt? - bis ihnen Rabbi Jehoschua sagte: "Kinder kommt, ich will euch sagen: überhaupt nicht zu trauern, ist nicht angängig, wo doch das Unglück verhängt worden ist; aber auch übermäßig trauern ist nicht angängig, denn man darf der Gemeinde nur dann eine erschwerende Bestimmung auferlegen, wenn die Mehrheit derselben sie ertragen kann... Vielmehr sagten die Weisen, man bestreiche sein Haus mit Kalk und lasse etwas zurück... eine Elle im Quadrat" (Baba batra 60b).

Darum müssen wir unsere Freude anheben, denn sie ist es, die uns Kraft gibt. Ohne Freude kann man gar nichts machen. "Die göttliche Präsenz ruht auf einem nur... bei freudiger Stimmung anläßlich einer g~ttgefälligen Handlung... dies gilt auch von der Halacha... dies gilt auch von einem guten Traume" (Schabbat 30b). Zur Erlangung heiliger Inspiration, zur wahrheitsgetreuen Abwägung des Gesetzes und für ein gesundes Vorstellungsvermögen braucht man Freude.

Noch viele Auseinadersetzungen erwarten uns, und in niedergeschlagener Stimmung werden wir sie nicht siegreich bestehen können. Schrieb der Autor des "Tanja", der Begründer des Lubawitsch-Chassidismus: "Ein wichtiges Prinzip... einen Sieg zu erzielen... so wie zwei Menschen, die miteinander streiten, und jeder versucht, den anderen zu Fall zu bringen, wenn der eine träge und schwerfällig vorgeht, wird er leicht besiegt werden und fallen, selbst wenn er mutiger ist als sein Kontrahent... es ist unmöglich zu siegen... außer durch Behendigkeit, die der Freude und der Offenherzigkeit entspringt, und der Reinheit von jedem bißchen Sorge und Trauer auf der Welt" (§26).

Darum mögen wir stark sein und erstarken, Macht und Mut mehren, ebenso Glauben und Freude, bauen wir weiter unser Land und werden in ihm erbaut - und der Ewige unser G~tt geht vor uns daher.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.kimizion.org/shiur
- englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
www.israelnn.com
- auf russisch:
www.sedmoykanal.com
 

Radio "Reschet Moreschet" - 
Hören Sie Rabbiner Aviners Fragestunde live
vom Internet und stellen Ihre Frage per Telefon: 
(+972 2) 5302685,  jede Woche Do. 22.30-24.00
israelische Zeit (=GMT+2; nur hebräisch!) 
http://media.iba.org.il

Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di. 23.00-24.00, 
Tel. (+972) 50 800 93 93
http://kolchai.moreshet.co.il/web/index.asp
 
 

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch auf Russisch -Französisch - Spanisch/Portugiesisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
-ULPAN GIUR
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an obige Anschrift von Machon Meir

SPENDEN
Überweisungen an:
MACHON MEIR, Konto bei Postal Bank, Jerusalem, Konto Nr. 4-16179-3
oder per Scheck direkt an
MACHON MEIR
P.O.B. 34107
JERUSALEM 91340
ISRAEL
oder via Kreditkarte nach telefonischer Absprache mit dem
Büro von Machon Meir (+972 2 6511906)

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 17.09/18.24
Tel Aviv: 17.27/18.26
Haifa: 17.19/18.25