DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJIKRA
Nr. 609
5. Nissan 5767

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 1,1 - 5,26):
Der Opferdienst: welche Tiere oder Nahrung, wer, wo, wie und wofür; die zentrale Bedeutung der Kohanim (Priester) und des Wüstenheiligtums (Vorläufer des Tempels in Jerusalem).
 
 
 
Pessach

Wer bist du, böser Sohn?

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Wer bist du, böser Sohn? Was brennt dir auf der Seele? Warum verschießt du Pfeile, wozu der Widerstand? 

"Was bedeutet euch dieser Dienst?" "Euch" und nicht dir? Wovor hast du Angst? Gegen wen kämpfst du an? Was brachte dich zur Entfremdung, dich von der Gemeinschaft abzusetzen, von allen?

Vielleicht stört dich der Dienst, und darum sagst du "dieser Dienst". Am Feiertage der Freiheit, sagst du, muß die Freiheit vollkommen sein. Frei ohne Anstrengung. Vielleicht möchtest du die Nähe G~ttes ganz ohne Mühe und Einsatz spüren. So wie Kain, der Bruder von Hewel ("Abel"), möchtest du, daß G~tt sich deiner Opfergabe zuwendet, ohne eine Änderung deinerseits. Darum rufst du: "Was soll dieser Dienst? Warum sät man mit Tränen (Psalm 126)? Warum verlangt G~tt nach Aufopferung?" Du sträubst dich gegen den Schmerz der Mühen, du bist nicht zum Abschütteln von Trieben und Begierden bereit, auf dem Wege zum G~ttesberg, zum großen Geist.

Wollen wir dir also ein uraltes Geheimnis verraten. Es gibt keine größere Freiheit als die Freiheit der Mühe. Freiheit von den Strängen der Äußerlichkeit, die uns zu allen Zeiten beherrscht. Mühe, die uns die Offenlegung unser israelitischen Natur ermöglicht, welche in Wirklichkeit in dir lodert. Laß dir gesagt sein, teurer Sohn, daß G~tt deine Mühen betrachtet und nicht deine Errungenschaften, deine Weise bedenkt und nicht ihre Resultate.

Schon damals, in Ägypten, als der Herr der Welt das Volk Israel sich zum Volke erwählte, machte er den Dienst des Pessachopfers zur Hauptsache. Wer sich den Dienst G~ttes zum Wege erwählt, wessen Türpfosten schon über jenes Haus als Haus der Mühe verkünden, erreicht die Überschreitung seines Hauses durch G~tt und kommt nicht zu Schaden. 

Und du, lieber Sohn, fürchte ich, wärst du damals dort gewesen, wärst du nicht erlöst worden... Aber g~ttseidank bist du hier. Hier im Lande, im Zeitalter der Erlösung, wo G~tt selbst die Widerspenstigen unter die Fittiche seiner Präsenz nimmt. Doch wärst du dort gewesen...

Wer bist du, böser Sohn? Was provoziert deinen Zorn?

Vielleicht stört dich etwas anderes: "Was bedeutet euch dieser Dienst?" "euch" und nicht "ihnen". Wie war euch die göttliche Überschreitung eurer Häuser vergönnt, wart ihr doch den Ägyptern ähnlich, "jene waren Götzendiener" (Midrasch), wie die andern auch!

Vielleicht kämpfst du gar nicht gegen die Bedeutung des Dienstes, sondern weigerst dich, die Auserwähltheit anzuerkennen - was machte eine Nation würdiger als alle anderen Nationen der Erde? Kannst du diese Diskriminierung nicht verzeihen, warum tötete er jene, und über uns schritt er hinweg? "Pessach/das Überschreitungsopfer - was sollte das bedeuten?".

Wenn dem so ist, laß dir zugeflüstert sein, daß die Ehre der Mühe unverrücklich steht, doch bedeutet sie nicht alles. Dem Dienst ging die Segula voran, die besondere Eigenschaft, die Auserwähltheit. Nicht wie die Völker ist das Haus Israel. Uns wurden andere Eigenschaften zugewiesen. Schamhaftigkeit, Barmherzigkeit und Mildtätigkeit, gemeinsam mit höchster Hartnäckigkeit. Fähig, die Herrschaft G~ttes hier, in dieser Welt zu offenbaren. Da es dir nun vergönnt ist, dieser Nation anzugehören, ob du willst oder dich dagegen sträubst, ob du ein Bösewicht oder ein Gerechter bist, so bist du doch einer von den Söhnen. 

Du verachtest diese Auserwähltheit, teurer Sohn, weil man dir angewöhnt hat, alles von der äußerlichen Seite zu betrachten, doch im Inneren der Dinge ist der Mensch, im Ebenbilde G~ttes, das bevorzugte Wesen der Schöpfung, und besonders ist das Volk Israel unter den Nationen, da ihm ein kostbares Werkzeug gegeben (siehe Mischna "Sprüche der Väter", 3.Kap.). Doch mach dir keine Sorgen, wir werden diese Auserwähltheit nicht zum Schaden verwenden, im Gegenteil, wir werden uns wie das Herz unter den anderen Organen verhalten, und den Völkern eine Seele bringen.

Teurer Sohn, froh sind wir, deine kritischen Außerungen hier an diesem Orte, im Lande Israel zu hören, denn wärst du dort gewesen, hättest du den Erlöser bei der Plage der Finsternis verloren. Doch hier ist alles anders, sitz bei uns, Sohn.

Bitterkeit fühlen wir, teurer Sohn, über deine Entscheidung, Pfeile der Bosheit auf uns zu schießen, wir wären froh, würdest du fragen und nicht widerstreben. Frage nur alle deine Fragen. Aber auch, da du dich entschieden hast, nicht zu fragen, sorgen wir uns nicht um dich. Wir sorgen uns nicht, denn wenn dich unser Dienst so sehr provoziert, werten wir das als Zeichen, daß du kein gleichgültiger Sohn bist. Vielleicht hast du dir unter dem Dienst G~ttes etwas anderes vorgestellt, und trotzdem wirst du noch glauben und fühlen. Weil du dich nicht scheust, ein freches Gesicht zu zeigen, werden wir dir gegenüber die linke, abweisende Hand zur Anwendung bringen und deine Zähne stumpf machen, doch all das drückt nur unser Vertrauen in dich aus. Wir vertrauen darauf, daß du nicht für immer den Weg der Tora verläßt. 

Nicht angenehm, dich enttäuschen zu müssen, böser Sohn, aber ein anderes Kind raubt uns den Schlaf. In Wirklichkeit sind wir über deinen Bruder besorgt, den Sohn, der nicht zu fragen weiß. Er fragt nicht und er widerspricht nicht, dieser Dienst ist nicht für ihn und nicht nicht für ihn. Er ist nicht dafür und nicht dagegen; abgetrennt vom Geschehen um ihn herum. 

Zürne nicht, böser Sohn, wenn wir den Sederabend hauptsächlich deinem Bruder widmen - dem gleichgültigen Sohn.
 
 
 
HaRav Aviner

Junggeselle/in auf der Suche

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Im Staate Israel gibt es 600.000 Unverheiratete über 19 Jahre. Ich will hier nicht behaupten, man müsse schon mit 19 heiraten, sondern nur die Statistik erwähnen. Es gibt übrigens mehr ledige Männer als Frauen.

Das Junggesellentum ist kein zu vernachlässigender Bestandteil des Lebens, sondern ein zentrales Problem. "Ein Mensch, der keine Frau hat, lebt ohne Freude, ohne Segen, ohne Güte, ohne Tora, ohne..." (Jewamot 62b).

Hier handelt es sich zwar um ein privates Problem, doch das ganze Volk Israel muß sich um die Lösung kümmern, so wie beim Gesundheitswesen, bei der Armut, bei der Sicherheit und der Erziehung. Das ist kein Witz - man müßte ein eigenes Ministerium dafür einrichten, gut mit Finanzmitteln ausgestattet, so wie es in Singapur geschah, wo man den Ernst des Problemes erkannte und auf diese Weise Abhilfe schuf. In der Zwischenzeit müssen wir alle anpacken. Sicher mühen sich schon viele bei dieser Arbeit, Eltern, Heiratsvermittler (Schadchanim), Rabbinerfrauen und auch Rabbiner selber. Doch all das gleicht dem berühmten Tropfen auf den heißen Stein. 

Darum lautet die Lösung: Ihr seid doch ein verheiratetes Paar. Glück gehabt! Ja, wirklich Glück! Darum sorgt in eurem Leben für zwei Eheschließungen. Wenn sich jedes Ehepaar so verhält, bleibt niemand ledig. Nur zwei! Dafür müssen Sie viel Zeit, Energie und Geld investieren. Das können Sie dafür auf Ihren Spendenzehnt anrechnen (die 10%, die man von seinem Einkommen an die Armen gibt), denn auch der einzelne, unverheiratete Mensch wird ein Armer genannt. Darüberhinaus gibt es eine neue Begrffsschöpfung, den "Zeitzehnt" für Mildtätigkeit und andere wohltätige Zwecke. Die für die Heiratsvermittlung aufgewendete Zeit gilt sicher als "Zeitzehnt". Dazu läßt sich eine weitere Neuerung fügen: Wer kein Geld für den finanziellen Zehnt übrig hat, kann ihn gegen "Zeitzehnt" auslösen. Jedenfalls muß man für dieses Ziel Opferbereitschaft zeigen. Vergeßt nicht, wie ihr euch vor der Heirat gefühlt habt - die Traurigkeit und die Einsamkeit. 

Bitte geben Sie sich wirklich Mühe dabei. Natürlich sollten Verwandte und Freunde zuerst an die Reihe kommen. Geben Sie nicht auf, selbst wenn der Heiratskanditat schon einen gewissen Unmut zeigt. Danach kann man nicht gehen. Wenn er/sie sich schließlich mit jemandem trifft, stehen Sie ihm/ihr zur Seite, hören Sie ihm/ihr zu, helfen Sie, zwischen Haupt- und Nebensächlichem zu unterscheiden, und ihm/ihr Mut zu machen.

* * *

Und nun zu dir, teurer Junggeselle - oder teure Junggesellin - der zur Hochzeit eines Freundes mit gemischten Gefühlen geht, mit Freude, vermischt mit Traurigkeit und Neid - verzweifle nicht! Verzweifle nicht! Viele schon heirateten mit 25 oder mit 30 oder mit 35 oder mit... und leben glücklich und zufrieden. Sage nicht: der Ehezug ist für mich schon abgefahren. Sei optimistisch. Optimismus ist kein leeres Wort oder ein unbestimmtes Gefühl. Optimismus ist eine logische, verstandesmäßige Sache, verwurzelt in Lebenserfahrung. 

Ich habe nicht behauptet, es würde nicht schwer gehen. Ich sage bloß, es ist möglich und man muß hartnäckig sein. Nicht erst seit heute wissen wir, "die Paarung des Menschen ist so schwierig wie die Spaltung des Schilfmeeres" (Sota 2a). Die Schwierigkeit besteht darin, einen geeigneten Ehepartner zu finden, und, nebenbei bemerkt, auch nach der Hochzeit muß man in die Ehe investieren, damit sie nicht auseinanderfällt. Wie es schon im Buche "Der Weg der Frommen" (Messilat Jescharim) heißt, muß man sich um den Erwerb eines guten Charakters mühen, und dann muß man sich weiter mühen, die guten Eigenschaften nicht zu verlieren. Vertraue nicht darauf, daß dir die ideale Braut/der ideale Bräutigam vom Himmel fällt. Einigen Auserwählten ist das wirklich vergönnt, aber im allgemeinen gilt die Regel, daß wir nicht auf Wunder vertrauen. Vielmehr suche hartnäckig weiter, es lohnt sich!

Sage nicht, ich habe es doch schon hundertmal versucht, anscheinend habe ich kein Glück, ich bin ein Versager, ich bin nicht normal, ich bin ein geborener Verlierer. Alles Unsinn; du bist normal, alles ist bei dir normal. Du hast es nur manchmal schwer. Darum sei hartnäckig. Eins steht fest: Wenn du Verzweiflung ausstrahlst, wird dich sicher niemand haben wollen. 

Auf unwichtige Dinge sollte man nicht bestehen und dafür keinen Weltkrieg vom Zaun brechen. Nur auf wichtige Dinge verzichtet man nicht. Die talmudischen Weisen brachten dazu ein volkstümliches Sprichwort: "Gebückt geht die Ente, aber ihre Augen schweifen umher" (Baba kama 92b). Die Ente ist ein zurückhaltendes Tier, blickt aber mit Entschlossenheit in alle Richtungen, um Nahrung für ihre Familie zu finden. Der Raschikommentar dazu erwähnt, daß der Mensch bei wichtigen Dingen, wie z.B. bei seinem Lebensunterhalt, beim Torastudium oder bei der Partnersuche Hartnäckigkeit an den Tag legen muß. Das nämlich lernen wir von Awiga'il, die natürlich sehr demütig war, denn sie war u.a. Prophetin, und die Prophetie ruht nur auf demütigen Menschen; dennoch faßte sie den Mut, sich König David als Ehekandidatin vorzuschlagen, indem sie zu ihm sprach: "..so denke an deine Dienerin" (ebda.; Schmu'el I, 25,31).

Und noch ein bescheidener Rat: Sei nicht zu wählerisch. Verbeiße dich nicht auf Äußerlichkeiten. Nicht, daß der/die Zukünftige keine angenehme Erscheinung habe. Natürlich gehört das dazu. Spiele aber nicht den Verwöhnten. Die äußerliche Erscheinung ist nur von untergeordneter Bedeutung. Die Seele ist das Wichtigste am Menschen. Der Körper ist sehr wichtig, aber an zweiter Stelle, wie es am Ende von "Adon Olam" heißt: "Und mit meinem Geist auch meinen Leib...".

Sage nicht: Es gelingt mir nicht, sie lieb zu haben, weil sie nicht hübsch genug ist. Und was wirst du in 10, 20, 30 Jahren sagen, wenn sich Falten zeigen? Was machst du dann? Holst dir eine Neue, oder bläst Trübsal?

Sage nicht: Ich liebe sie, weil sie schön ist. Umgekehrt! Weil du sie liebst, ist sie die schönste Frau der Welt - denn du liebst die Seele. ...schon gut, schon gut, auch die äußere Erscheinung ist wichtig. Doch vergiß dabei nicht die Seele. 
 

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