DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJEZE
Nr. 593
11. Kislev 5767

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 28,10 - 32,3):
G~ttes Versprechen an Jakov, ihn im Exil zu schützen, Begegnung mit Rachel, Jakov in Charan bei Lawan, Leah, die vertauschte Braut, Hochzeit mit Rachel, Geburt der Stämme, Lawans Betrügereien und göttliche Wende zu Jakovs Vorteil, beschleunigte Abreise nach Kana'an und Showdown mit Lawan auf dem Wege.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Will ich dir verzehnten

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

"Und Jakov zog aus Be'er Scheva" (Gen. 28,10). Jakov verläßt sein Land, seine Heimat und sein Vaterhaus und flüchtet voller Befürchtungen ins Ungewisse. Wie wird er sich vor Eßaw, seinem Bruder, retten können? Wie wird er sich gegenüber den Betrügereien seines Onkels Lavan behaupten können? Eine Stütze jedoch verbleibt ihm: Der Herr der Welt. In seiner Not wendet sich unser Vorvater Jakov an G~tt mit einem detaillierten Gelübde: "Wenn G~tt mit mir sein wird, und mich behütet... und gibt mir Brot... und ich kehre zurück in Frieden..." (Gen. 28,20-21) - dann wird dieser Ort ein G~tteshaus werden. Dem fügt Jakov eine weitere Verpflichtung hinzu: "..und alles, was du mir gibst, will ich dir verzehnten" (V.22).

Zwischen diesen wenigen Zeilen verbirgt sich ein großer Gedankenreichtum, von dem wir hier ein wenig betrachten wollen. Die Absonderung der Priesterhebe und des Zehnts erfolgt vom Bodenertrag, und dabei nur von für den menschlichen Genuß geeigneten Pflanzen. Ein weiteres Gebot betrifft die Absonderung eines Tier-Zehnts von den reinen (koscheren) Tieren. Jakov nimmt all dies auf sich. "alles, was du mir gibst". Daraus lernten die talmudischen Weisen, daß auch jemand, der weder Bauer noch Tierzüchter ist, den Zehnt absondern muß. Wenn er schon keinen Getreide- oder Tier-Zehnt absondern kann, dann wenigstens Zehnt von seinem Einkommen. Von unserem Vorvater Jakov sagte man, er habe sogar seine Söhne verzehntet, indem er den Levi [von dem auch die Kohanim, die Priester abstammen] dem Dienst an G~tt weihte. 

Es liegt in der Natur der Dinge, daß sich jemand, der von seinem Einkommen für wohltätige Zwecke oder andere erhabene Ziele spendet, in seinen eigenen Augen wie ein Baron Rothschild vorkommt. Er hält sich für was Besseres und erwartet von seiner Umgebung, seine Großzügigkeit zu schätzen und zu würdigen. Nicht so unser Vorvater Jakov. Er sieht sich nicht einmal als Herr über sein Vermögen, obwohl er es unter ärgsten Mühen und großer Anstrengung erwarb. Er sieht sein Vermögen als ein Geschenk G~ttes. "was du mir gibst", und nicht: "was ich haben werde". Er sieht darin eine Gabe an G~tt, im Sinne von "Gib ihm (dem Ewigen) von dem, was ihm gehört, denn du und was du hast, gehören ihm, wie es heißt... Denn von dir kommt alles, und aus deiner Hand haben wir dir gegeben" (Mischna "Sprüche der Väter" 3.Kap.,8 nach Chronik I, 29,14).

Jakovs Zehnt zählt doppelt. "[Zehnt] will ich verzehnten"; Zehnt und noch ein Zehnt. Diese Worte Jakovs werden von den talmudischen Weisen in zweifacher Hinsicht ausgelegt: Einmal als Quelle für die Definition der Obergrenze des Gebotes über die mildtätigen Gaben, nämlich ein Fünftel seines Vermögens - ein Zehntel und noch ein Zehntel. Der Zehnte ist G~tt geheiligt. Der zehnte Buchstabe im Alefbet - jud - besteht nur aus einem kleinen Punkt. Er symbolisiert mit seiner äußerlichen Form den verborgenen und versteckten Kernpunkt der Dinge, das göttliche Innenleben, das durch die Zehntabgabe ans Tageslicht kommt. Unser Vorvater Jakov begnügt sich nicht mit der regulären Zehntpflicht. Er "verschönert" seine Gebotspflicht und verpflichtet sich zur Abgabe eines Fünftels. Jakovs Ergänzung bedeutet nicht nur eine mengenmäßige Erweiterung, sondern auch eine qualitative. Nicht nur der "erste Zehnt", der dem Levi oder dem Kohen gegeben wird, sondern auch der "zweite Zehnt", mit dessen Hilfe jeder Israelit seine eigene, tief in seinem Inneren verborgene Priestereigenschaft zutagefördert. Der "erste Zehnt" gilt als profan. Er gehört zum Eigentum des Leviten, und jeder Jude darf davon essen, selbst im Zustand spiritueller Unreinheit (Tum'a). Der "zweite Zehnt" hingegen gilt als Heiliges, "Vermögen des Hohen". Er wird nur in Jerusalem verzehrt, und nur im Zustand der Reinheit (Tahara). Hiezu paßt der Midrasch, der im Buche Menorat Hameor erwähnt wird:

"Awraham teilte die 'große Hebe' ab, wie geschrieben steht: aufgehoben habe ich meine Hand zum Ewigen (Gen. 14,22), und aufgehoben bedeutet nichts anderes als Hebe... Jizchak teilte den 'ersten Zehnt' ab, wie geschrieben steht: Und Jizchak säte in diesem Lande und gewann in diesem Jahre das Hundertfältige (Gen. 26,12)... und warum maß er sie? Um sie zu verzehnten... Jakov teilte den 'zweiten Zehnt' ab, wie geschrieben steht: alles, was du mir gibst, will ich dir verzehnten (s.o.)".

Die Dinge gehen bereits genau aus dem Wortlaut des Verses hervor. Den Zehnt, den Awraham an Malchi-Zedek, "Priester des höchsten G~ttes" (Gen. 14,18) gab, ging in dessen (profanes) Eigentum über. "Und er gab ihm den Zehnten von Allem" (14,20). Demgegenüber gilt der Zehnt von Jakov als G~ttes Eigentum, als "Vermögen des Hohen". "Alles, was du mir gibst, will ich dir verzehnten"; von hier lernte der "Chafetz Chajim", daß man den Zehnt von seinem Vermögen (oder das Fünftel) aufteilen soll: ein Teil an die Armen, die das Geld für sich verbrauchen, und ein Teil an jene, die ihr Leben der Tora und dem heiligen Dienst widmen. Damit werden Jakovs Gelübde zu einer heiligen Einheit verschmolzen. Dieser Ort "soll sein ein G~tteshaus" (28,22) - "ein fester Ort für mein Gebet, und um dort den Zehnt herauszugeben... Geld zu geben demjenigen, der würdig ist, es zur Ehre G~ttes zu nehmen"(Ewen-Esra Kommentar).

Bekanntlich fällt der "zweite Zehnt" an vier Jahren des siebenjährigen Schmitta-Zyklus an, und zwei Jahre geben wir den "Armenzehnt". Beide Zehnte gehören in den Bereich des Gebens "zur Würde G~ttes". Der Armenzehnt bringt den Menschen zur Anhänglichkeit an G~tt, der sich damit als "guter G~tt" erweist, und ersetzt in jenen Jahren den "zweiten Zehnt", der den Menschen zur Anhänglichkeit an G~tt bringt, der sich als "heiliger G~tt" offenbart. Der Tisch des Menschen, an den er seine Gäste, die Armen, einlädt, wird zum Altar.

In seinem Gelübde über die Verzehntung verkündet unser Vorvater Jakov, daß er niemals alleine übrigbleiben werde. Der Heilige, gelobt sei er, befindet sich bei ihm an jedem Orte. "Bei all ihrer Bedrängnis war ihm leid" (Jeschajahu 63,9). G~tt ist anwesend und nimmt Anteil an jeder Mühe und jeder Werktätigkeit, und alles Einkommen und Gewinn - kommen zu ihm aus der Hand G~ttes. In der Gesamtheit der Zehntabgaben - erster Zehnt, zweiter Zehnt, Armenzehnt - kommt die Erkenntnis des Menschen zum Ausdruck: "denn von dir kommt alles, und aus deiner Hand haben wir dir gegeben" (s.o.), "..und alles, was du mir gibst, will ich dir verzehnten". 
 
 
Zum Gebet
 

Das Gebet

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Der Herr der Welt hat es sehr gern, wenn wir zu ihm beten. Er wartet darauf, daß wir beten. Wenn jemand lange nicht gebetet hat, oder nicht, wie es sich gehört, sagt G~tt: Wann wird er endlich zu mir beten? Der Heilige, gelobt sei er, sehnt sich nach unseren Gebeten. Denn, Hand aufs Herz, was können wir ihm schon anbieten? Silber und Gold, Obst und Gemüse? Auch wenn wir Opfer darbringen, oder Spenden geben - es gehört doch alles ihm, wir geben ihm nur etwas zurück. "Aber von dir ist alles, und aus deiner Hand haben wir dir gegeben" (Chronik I, 29,14; siehe vorigen Artikel).

Gebete aber können wir ihm geben, und er hört zu. Er ist immer der Erste in der Synagoge. Wenn die Stunde des Gebetes gekommen ist, und er findet Leute zum Gebet bereit vor - dann freut er sich. Sind keine Leute gekommen, ist er traurig. Wie wunderbar ist es, unter den zehn Ersten zu sein!

Wenn also ein Mensch lange nicht gebetet hat, bedeutet das ein furchtbares Manko. Der Herr der Welt erbarmt sich seiner, und damit er betet, verursacht er ihm einen Mangel: irgendwelche Schmerzen, Verlust eines teuren Gegenstandes, Ängste. Leute glauben, das Gebet sei dazu da, einen Mangel zu beheben. Im Gegenteil! Damit der Mensch betet, erzeugt G~tt einen Mangel.

Es war einmal eine Frau, die sehr unter ihrem Mann litt, und darum regelmäßig Psalmen betete, um von ihren Qualen erlöst zu werden. Eines Tages gingen sie zur Eheberatung, vertrugen sich und wurden gute Freunde. Doch nun begann ein neues Leid: die Frau hatte keinen Grund zum Beten mehr. Da fiel ihr ein, daß es mit der Gesundheit ihres Kindes nicht zum Besten stand, und betete weiter. 

Was ist einer Ehefrau am Wichtigsten? Daß sie Kinder zur Welt bringe. Darum sagten die talmudischen Weisen: Warum waren die Stammmütter Sara, Riwka und Rachel unfruchtbar? Sagte der Heilige, gelobt sei er: Sie sind klug, reich und schön - wenn ich ihnen Kindersegen gebe, werden sie nicht mehr beten. Und so betete Riwka 20 Jahre lang. Ihr Gebet war G~tt sicher lieb und teuer, wenn er ihr so lange Zeit Schwangerschaft vorenthielt. Denn "G~tt sehnt sich nach dem Gebet der Gerechten".

Man kann sich auch wegen einer Kleinigkeit an G~tt wenden. Doch im vorzüglichen Gebet geht es um eine große Sache, wie Nahrung für das Volk Israel; daß es reumütige Umkehr tue; daß die gegenwärtige Regierung einer besseren Platz mache, oder daß der Maschiach komme. Es gibt eine ganze Sammlung dieser vorzüglichen Bitten - das Schmone-Esre Gebet. Saßen die "Männer der großen Versammlung" zusammen, unter ihnen die letzten Propheten, und verfaßten das höchste Gebet der Welt. 

Diese Bitten stehen in der Mehrzahl: Führe uns zurück, sättige uns von deinem Guten, bringe unsere Richter wie früher und unsere Ratgeber wie ehedem, entferne von uns Seufzen und Klage. Alle unsere erhabenen Bestrebungen sind dort inbegriffen. Dennoch darf man auch ein kleines Gebet für den Eigenbedarf beten - Hauptsache beten.

So betete Channa (Schmu'el I, 1.Kap.) am Anfang um ein Kind, danach aber um ein Kind für den Herrn der Welt: Gib mir ein Kind, und ich gebe es dir zurück. Und so wurde der Junge schon als Kleinkind zum Tempel gegeben.

Der Heilige liebt es, wenn man betet - natürlich ein echtes Gebet. Nicht ein schnell heruntergehaspeltes. Einmal kam der Maggid von Dubnow in eine Synagoge und sah, wie die Leute einer nach dem anderen eintraten, in Windeseile etwas dahermurmelten und wieder fortgingen. Nach dem Gebet begab er sich in einen nahen Laden und wandte sich an den Besitzer mit ein paar schnellen, unverständlichen Worten. So ging er von Geschäft zu Geschäft. Da versammelten sich die Ladenbesitzer beim Rabbiner und fragten, warum er seinen Spaß mit ihnen treibe. Antwortete er: "Ich rede mit euch, wie ihr mit dem Herrn der Welt redet".

Ein Schüler der Merkas-Harav-Jeschiwa war ein schneller Vorbeter. Unser Lehrer, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk (Leiter der Jeschiwa), rief ihn daraufhin einmal zu sich. Hinterher erhielten wir vom Schüler einen Report über den Hergang des Gespräches: "Hättest du so mit deinem Freund gesprochen, hätte er dich für geistesgestört erklärt! Und so sprichst du zu G~tt?!". 

Manche mögen vielleicht sagen, wie können wie die vielen Gebete, die im Sidur stehen, überhaupt schaffen? Dazu heißt es: Besser weniger, aber mit Konzentration, als viel, aber unkonzentriert heruntergeleiert. In den religionsgesetzlichen Büchern finden sich Möglichkeiten des Auslassens, und welche Gebete bevorzugt werden müssen. 

Und noch wichtiger ist es, in einem Minjan (=mind. 10 Juden über 13 Jahre) zu beten, denn die Gebetskraft der Gemeinschaft ist stark. Dazu gibt es eine Geschichte von Rabbiner Uri aus Strelisk, genannt der "Feuerengel", weil er wie ein loderndes Feuer betete. Nachdem er bei seinem Rabbiner ausgelernt hatte, kehrte er in seine Heimatstadt Lvov zurück. Weil er dort kein Minjan vorfand, betete er ein ganzes Jahr lang alleine. Bei seinen Studien im Sohar gelangte er an die Stelle, wo in überschwenglicher Weise von den Vorzügen des Anhörens der Toralesung die Rede ist. Am Schabbat fand er in der Umgebung eine Synagoge für die Toralesung. Er hörte genau hin - und das sollte eine Toralesung sein?! Am zweiten Schabbat ging er also schon nicht mehr zur Synagoge. Bei seinen weiteren Studien im Sohar gelangte er dann an die Stelle, wo von der außerordentlichen Bedeutung des Gebetes mit der Gemeinde die Rede ist. Daraufhin suchte er sich ein Minjan zusammen und dachte bei sich: Wenn G~tt mir befohlen hätte, mit zehn Holzsäulen zu beten, würde ich mit zehn Holzsäulen beten ("Imre Kadosch"). Man muß sogar eine Entfernung von bis zu 1km gehen (etwa 18 Minuten) oder fahren, um im Minjan zu beten. 

Wie verhalte sich ein Mensch, der vor lauter Müdigkeit keine Kraft zum Beten hat? Er reiße sich zusammen! Und noch ein guter Rat: Er folge den Worten mit dem Finger im Gebetbuch. Das hilft auch gegen ablenkende Gedanken, die den Menschen vom konzentrierten Beten abhalten. 
Hauptsache: Selbstbeherrschung!

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