DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Anschrift: Sderot Hame'iri 2
Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL 
Tel. +972 2 6511906
Fax +972 2 6514820             http://www.machonmeir.org.il

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJESCHEW
Nr. 595
25. Kislev 5767

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage: www.kimizion.org
-Archiv der "Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag' den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update) als die Machon-Meir-Seite

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 37,1 - 40,23):
Josefs Träume, Feindschaft seiner Brüder, als Sklave nach Ägypten, Jehuda und Tamar, Josef im Hause Potifar, im Gefängnis, deutet die Träume Pharaos Mundschenks und Bäckers.

Chanukka ssame'ach!

>>Midrasch "Ma'asse Chanukka"<<


 
Am Schabbes-Tisch...

Tamar und der Maschiach

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Auf verwundenen Wegen lotst sich der Maschiach ("Messias") durch die Weltgeschichte. Auf seiner Route erkennen wir Stationen, an denen sich die messianische Idee besonders herauskristallisiert. Seine erste Station war Sdom, nach der Auslegung der talmudischen Weisen: Zu "ich habe gefunden David, meinen Knecht" (Psalm 89,21) fragt der Midrasch (Bereschit raba 49,4): "Wo hat er ihn gefunden?" und antwortet sogleich: "In Sdom!". Dazu heißt es an gleicher Stelle: "Zwei Funde: Ruth, die Moabiterin, und Na'ama, die Ammoniterin" (Stammmütter von David bzw. Rechawam, Sohn des Schlomo). Die zweite Station des Maschiach war die Geburt von Jehuda, dessen Empfängnis unter Umständen von List und Hintergehung seiner Mutter Lea stattfand, die in einem Betrugsmanöver an Jakov verheiratet wurde. Die dritte Station des Maschiach war die Geburt von Peretz, des Sohnes von Jehuda, der auch nicht unter Umständen zur Welt kam, die normalerweise zur Ehre gereichen. Die vierte Station war Ruth, wie es in einem anderen Midrasch heißt: "und stellte einen Thron für die Mutter des Königs (Kö.I, 2,19) - das ist Ruth die Moabiterin, sie war die Mutter des Königtums" (Jalkut Schimoni zu Kö.I, Remes 170). Auch ihre Ehe begann auf unkonventionelle Weise, als sie sich nämlich in der Tenne zu Boas' Füßen niederlegte, und auch die fünfte Station, von David und Batschewa, aus deren Ehe Schlomo hervorging. Alle diese Stationen waren irgendwie problematisch. Wenn wir uns die messianische Route noch eingehender betrachten, können wir die Erscheinung ausmachen, daß keine der Stationen von äußeren Umstanden des Friedens und der Seelenruhe begleitet war, sondern von Krise und Streit. Abraham bat seinen Neffen Lot: "Nicht doch sei Gezänk zwischen mir und dir... trenne dich doch von mir" (Gen. 13,8-9; "..und Lot schlug seine Zelte auf in Sdom", V.12). Im Untergang von Sdom und Amorra blitzt zum ersten Mal das Licht des Maschiach auf. Im Hause Jakovs herrschte Spannung zwischen den Schwestern - Leas Geburten lösten bei Rachel Eifersucht aus, und bei ihrem Streit kam Jehuda zur Welt. Auch die Geburt von Peretz, des Sohnes von Jehuda, fand nicht unter idyllischen Umständen statt, weder im Hause Jakovs noch im Hause Jehudas. Und keiner dieser Fälle war etwa auf einen Irrtum oder einen Fehler zurückzuführen, und von allen mit diesen Ereignissen in Verbindung stehenden Müttern ging die ursprüngliche Initiative mit voller Absicht aus. Trotz alledem sollte gerade so das Licht des Maschiach in die Welt gelangen.

Die Geschichte von Jehuda und Tamar war eine der Haltestellen auf der Reise des Maschiach. Zum Vers "denn ich weiß die Gesinnungen" (Jirmijahu 29,11) erklärte der Midrasch: "Die Stämme waren mit dem Verkauf Josefs beschäftigt, Josef hüllte sich in Sacktuch und fastete, Re'uwen hüllte sich in Sacktuch und fastete, Jakov hüllte sich in Sacktuch und fastete, Jehuda war dabei, sich eine Frau zu nehmen - und der Heilige, gelobt sei er, beschäftigte sich mit der Schaffung des Lichtes von König Maschiach" (Bereschit raba 85,1). Jehuda jedoch, ohne es zu ahnen, hätte beinahe den künftigen Maschiach verhindert. Zwar nahm er eine Frau, und sie brachte ihm drei Söhne zur Welt, doch die schwere Hand des Schicksals nahm ihm zwei der Söhne und die Frau, und den dritten Sohn wollte er schon nicht mehr verheiraten. Es drohte das Ende seines Stammes. Doch bevor Jehuda gänzlich aufgab, nahm Tamar die Dinge in die Hand. Sie ging ein großes Risiko ein; sie legte ihre Witwenkleider ab, hüllte sich in einen Schal und stellte Jehuda eine Falle, in der er sich prompt verfing, und so wurde von Neuem das Licht des Maschiach entzündet, dessen Zukunft jedoch noch keineswegs gesichert war. Nachdem Jehuda von seiner Schwiegertochter Tamars Schwangerschaft durch Hurerei berichtet worden war, verurteilte er sie zum Tode durch Verbrennen, eine tödliche Gefahr auch für den Maschiach. Alles hing nun von Tamars mündlichen Äußerungen ab; würde sie Jehuda öffentlich bloßstellen und bekanntmachen, wer der Vater ihrer Kinder war? Sie rettete den Maschiach, obwohl sie sich in ihrer Rechtschaffenheit für einen anderen Weg entschied, nach dem Motto: "Lieber lasse sich ein Mensch in einen brennenden Schmelzofen werfen, als das Gesicht seines Nächsten öffentlich erbleichen zu lassen" (Brachot 43b).

Diese Entscheidung Tamars birgt auch eine Lehre für die späteren Generationen: Auf dem Wege zur Erlösung darf man keine Abkürzungen auf Kosten der Menschenwürde und seines Leides suchen. G~tt bringt die Entwicklung des Maschiach auf verwundenen Pfaden voran, und wir müssen dabei seine Partner sein. In dieser Partnerschaft heiligt jedoch der Zweck der Herbeiführung der Erlösung nicht die Mittel, wir müssen auf moralisch vertretbare Weise vorgehen. Daneben müssen wir uns bei der Erwartung unserer Errettung in Geduld fassen und auf lange Sicht planen, wie Rabbiner Zwi Hirsch Kalischer in seinem Buch "Drischat Zion" schrieb: "Die Erlösung Israels, auf die wir warten - man glaube ja nicht, G~tt, gelobt sei sein Name, würde plötzlich vom Himmel auf die Erde herabsteigen und zu seinem Volke sprechen: Gehet heraus [aus der Galut]! Oder daß er den Maschiach plötzlich vom Himmel schickt, den Verstreuten Israels in den großen Schofar zu stoßen und sie nach Jeruschalajim einzusammeln, und sie mit einer Mauer von Feuer umgebe, und der göttliche Tempel von den Höhen herabschwebe, wie er es durch seine Knechte, die Propheten versprach. So liest es nicht der Verständige; sicher werden alle Ziele der Propheten am Ende der Tage erreicht werden, nicht fehle ein Jota davon, g~ttbehüte, doch werden wir nicht dahin flüchten und nicht in Eile an einem Tag dort hingelangen, sondern Stück um Stück wird die Erlösung Israels kommen, langsam, langsam sprießt das Strahlen der Errettung, Israel tut Mächtiges (Num. 24,18) und wird am Ende sehr anwachsen in Erfüllung seiner Bestimmung und den Versprechen der heiligen Propheten" (Ma'amar I).
 
 
Chanukka

Das Reich der Chaschmonäer

Rav Awraham Wassermann
"Rosch Jehudi", Tel-Aviv

Viele Generationen lang wurde das Vorurteil der Unmöglichkeit religiöser Staatsführung gepflegt, als ob traditionsverbundene Juden nicht in der Lage wären, einen Staat zu führen. Der Staat der Chaschmonäer beweist das Gegenteil. Begeisterung des Glaubens kann in verloren scheinenden Schlachten zum Sieg verhelfen und eine selbständige Kultur begründen.

* * *

Wie jedes Jahr, wenn das Chanukkafest vor der Tür steht, gerät die Frage des Konfliktes zwischen hellenistischer Kultur und der Tora Israels von Neuem auf die Tagesordnung, und das Verhältnis des Staates Israel zu diesen beiden.

Die Gründung des Chaschmonäerstaates fußte auf dem Willen zur Wiederaufnahme des Tempeldienstes und der Einhaltung der Toragesetze, und nicht auf der Sehnsucht nach staatlicher Unabhängigkeit. Diese einfache historische Tatsache wurde von Teilen der zionistischen Bewegung unterdrückt oder sogar verfälscht. Diese Leute wollten sich als Bannerträger von Jehuda Makkabi und seines Heldenmutes bei der Befreiung von fremdem Joch sehen. Sie "vergaßen" jedoch, daß dessen Kampf seinem Wesen und seiner Zielsetzung nach ein religiöser war, weil sie selber keine Gebote einhalten wollten und stattdessen einen unabhängigen Staat mit westlich orientierter Kultur und Grundwerten im Sinn hatten. Das bedeutete eine grobe Geschichtsfälschung, von allem, was über diese Ereignisse geschrieben und überliefert wurde, sei es im Buch der Chaschmonäer oder von Josephus Flavius. Wenn ich nicht irre, lehrt man in den staatlichen Schulen bis auf den heutigen Tag nicht die historische Wahrheit und die wunderbaren, von Glauben durchsetzten Reden von Matitjahu und Jehuda. Diese vor den Schlachten gehaltenen Ansprachen drangen in die Herzen der Kämpfer und erzeugten die Motivation zum Kampf, und zum Sieg, unter unmöglichen Bedingungen.

Es gibt Leute, die einer wichtigen historischen Lehre ausweichen wollen: Ein Staat kann von Leuten geführt werden, die von religiöser Begeisterung und der Einhaltung von Tora und Geboten angetrieben werden - und nicht nur das. Unter den Bedingungen des Hellenismus und einer vollkommen anderen Kultur im gesamten Umkreis bestand der Staat der Chaschmonäer über 200 Jahre lang. Obwohl im Laufe der Zeit bittere Meinungsverschiedenheiten zwischen Peruschim (die talmudischen Weisen; "Pharisäer") und Zadukim (die Anhänger von Zadok und Bejtos, Vorläufer der Karäer; "Sadduzäer") entstanden, so glaubten doch beide Seiten an Moscheh und seine Tora, dienten im Tempel und opferten G~tt, wobei die Hellenisten, die sich der damals in der Welt herrschenden Kultur zuwandten, in der Minderheit waren. 

Viele verfälschen die Geschichte der Periode gegen Ende des zweiten Tempels und behaupten, er sei wegen der von den Rabbinern geleiteten Fanatiker in Jerusalem zerstört worden. Das Gegenteil ist richtig: Jerusalem wurde zerstört, weil die Fanatiker nicht auf die Toragelehrten hörten. Auch diese Fehlinformation soll sozusagen beweisen, daß man die Leitung eines Staates nicht in die Hände der Religiösen geben kann. Die ständige Wiederholung dieser Behauptungen führte dazu, daß selbst in der religiösen Öffentlichkeit manche überzeugt sind, daß an die Spitze des Staates kein Religiöser gehöre, auch nicht auf den Posten des Generalstabschefs. Anscheinend muß man an die Periode der Richter und des ersten Tempels erinnern, als wir von religiösen Richtern und Königen regiert wurden. Joaw war sowohl Heerführer Davids als auch der Vorsitzende des Sanhedrins, ebenso Benajahu ben Jehojada. Nebenbei bemerkt, im 11. Jahrhundert war Rabbi Schmu'el Hanagid - Toragelehrter, Kommentator, religionsgesetzliche Autorität und Dichter - sowohl Finanz- als auch Kriegsminister in Spanien und führte die spanischen Kriege gegen die Feinde des Landes während einer Spanne von etwa 20 Jahren!

Der Staat der Chaschmonäer war von Grund auf religiös, und wir erinnern daran mit Stolz ein jedes Jahr aufs Neue. Er lehrt uns, keine Angst zu haben vor einer jüdisch-traditionellen Führung. Eine Führung durch vom Glauben durchsetzten Menschen stärkt sowohl die physische als auch die spirituelle Selbständigkeit. Bajamim hahem basman haseh, in jenen Tagen - und auch in dieser Zeit.

RJ10

Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") beginnt in seinem Gesetzeswerk "Mischne Tora", dem wichtigsten Vorläufer des "Schulchan Aruch", die Halachot von Chanukka wie folgt:
"Als die Griechen während des zweiten Tempels herrschten, erließen sie harte Gesetze über die Juden und verboten ihre Religion, ließen sie sich nicht mit Tora und Geboten beschäftigen und streckten ihre Hände nach ihrem Gelde und ihren Töchtern, drangen ins Heiligtum ein, schlugen dort Breschen und verunreinigten die rituellen Reinheiten. Israel litt ganz besonders unter ihnen, und [die Griechen] bedrückten sie mit großem Druck, bis sich der G~tt unserer Väter ihrer erbarmte, sie aus ihren Händen errettete und die Chaschmonäer, die Hohepriester, die Oberhand gewannen, [die Griechen] töteten und Israel von ihnen befreiten, und einen König aus den Rängen der Priester [Kohanim] einsetzten. So kehrte das israelische Königtum für über 200 Jahre zurück, bis zur Zerstörung des zweiten Tempels" (Gesetze von Megilla und Chanukka, 3.Kap.).
 

Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.kimizion.org/shiur
- englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
www.israelnn.com
- auf russisch:
www.sedmoykanal.com
 

Radio "Reschet Moreschet" - 
Hören Sie Rabbiner Aviners Fragestunde live
vom Internet und stellen Ihre Frage per Telefon: 
(+972 2) 5302685,  jede Woche Do. 22.30-24.00
israelische Zeit (=GMT+2; nur hebräisch!) 
http://media.iba.org.il

Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di. 23.00-24.00, 
Tel. (+972) 50 800 93 93
http://kolchai.moreshet.co.il/web/index.asp

NEU: Auch auf englisch! "Questions & Answers"
with Rabbi Shlomo Aviner
Live Online www.talklinecommunications.com
(oder: www.shoutcast.com, "Search for:" talkline, Tune in!)
Jeden Mittwoch Morgen von 6.30-7.00 (MEZ=GMT+1)
Telefon: USA (+1 212) 7691925
 

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch auf Russisch -Französisch - Spanisch/Portugiesisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
-ULPAN GIUR
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an obige Anschrift von Machon Meir

SPENDEN
Überweisungen an:
MACHON MEIR, Konto bei Postal Bank, Jerusalem, Konto Nr. 4-16179-3
oder per Scheck direkt an
MACHON MEIR
P.O.B. 34107
JERUSALEM 91340
ISRAEL
oder via Kreditkarte nach telefonischer Absprache mit dem
Büro von Machon Meir (+972 2 6511906)

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 16.01/17.16
Tel Aviv: 16.19/17.18
Haifa: 16.08/17.15