DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJISCHLACH
Nr. 594
18. Kislev 5767

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 32,4 - 36,43):
Jakovs Heimkehr nach Kana'an, Kampf mit dem Engel, Geschenke an Eßaw, Jakov trifft Eßaw, Landkauf bei Sch'chem, Entführung Dinas durch Herrscher von Sch'chem, Scheinvertrag, Tötung der Verantwortlichen durch Levi und Schimon, Jakov>Israel, Beschränkung des Awraham und Jizchak gegebenen Versprechens des Landes Israel auf Jakov und seine Nachkommen, Tod Rachels bei der Geburt Benjamins.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Die Küsse deines Feindes

Rav Ejal Vered
(Jeschiwa "Nezer Mata'i-Nezarim", Jewul)

Die spannungsgeladene Begegnung zwischen Jakov und Eßaw, über die wir in diesem Wochenabschnitt lesen, birgt in sich eine Reihe von Wahrheiten über das System der Beziehungen zwischen Jakov und Eßaw sowie zwischen Israel und den Völkern, damals wie heute. Die Vorbereitung von Geschenken, Gebeten, und zum Krieg, wurde zur akzeptierten Methode der Führer Israels in allen Generationen, wenn es darum ging, sich mit der Bosheit von diesen oder jenen Nichtjuden auseinanderzusetzen, die von Mal zu Mal die Standfestigkeit Israels zu erschüttern suchten. Die Auseinandersetzung mit Eßaw und die offensichtlich von ihm ausgehende Gefahr bedeuten eine fortgesetzte Prüfung, kennen wir doch die "Halacha, daß Eßaw Jakov haßt" (Midrasch Tanchuma, Schemot 27).

Unter der Oberfläche allerdings, dort, wo ein gewisser Nebel herrscht und die Sinne ihre Schärfe verlieren, findet ein verdeckter Kampf statt zwischen Jakov und Eßaw. Ein viel gefährlicherer Kampf, mit zerstörerischen Konsequenzen, der in bestimmten Abschnitten der Weltgeschichte keine geringen Erfolge verbuchen konnte, die der Widerstandskraft und der Standfestigkeit der jüdischen Nation schwere Schäden zufügten und ihre Spuren im Hause Israel hinterließen. Und dieser verdeckte Kampf begann in unserem Wochenabschnitt.

"Da lief ihm Eßaw entgegen und umarmte ihn und fiel ihm um den Hals und küßte ihn, und sie weinten" (Gen. 33,4). Eßaw läuft Jakov entgegen. Der ursprüngliche Plan, Jakov mit gewaltsamen Mitteln zu beseitigen, so wie es Eßaw schon immer bevorzugte, stieß auf unerwartete Probleme. Es stellte sich heraus, daß der so einfältig scheinende Jakov über beträchtliche Macht verfügte. Er wurde von elf wackeren Söhnen begleitet und großem Besitz mit zahlreichem Personal. Der einst, vor 22 Jahren, allein und verfolgt nach Charan geflüchtet war, herrschte nunmehr über zwei kriegsbereite Lager. Es war also ein Wechsel der Taktik angezeigt. Die Methode mußte der geänderten Realität angepaßt werden. Darum zog Eßaw seine Geheimwaffe aus der Reserve: den Bruderkuß. Nicht mit Gewalt war das Haus Jakovs zu bezwingen, sondern mit Freundlichkeit und Sympathie. Ein Kuß, der tief in den jakobischen Blutkreislauf eindringt und ihn vergiftet. Alles ohne Zwang, ohne jegliche Gewaltanwendung, doch mit viel List und wohlvorbereiteter Überlegung. Der Kuß war eigentlich ein Biß, anstelle einer Waffe - "dies lehrt, daß er ihn nicht zu küssen kam, sondern zu beißen" (Midrasch raba Schir Haschirim 7,9).

Wie begegnet man so einer Gefahr? Wie kann man gegen Küsse ankämpfen? Die Antwort findet sich im weiteren Verlauf des genannten Midrasch: "dies lehrt... sondern zu beißen, und wurde der Hals unseres Vorvaters Jakov zu Marmorstein und verstumpften die Zähne jenes Bösewichtes und zerflossen wie Wachs".

Marmorstein! Das ist der rechte Weg. Gibt es doch viele Möglichkeiten, die Härte von Jakovs Hals zu erklären: hart wie Eisen, Blei usw. Warum wählten die talmudischen Weisen in ihrer heiligen Inspiration gerade das Beispiel von Marmorstein?

Erklärte der Kommentar "Schem MeSchmu'el": Weil Marmor keine spirituelle Unreinheit (Tum'a) annimmt!

Um den Kuß-Angriffen seitens Eßaw zu widerstehen, die im Verlaufe der Geschichte immer intensiver wurden, ist ein Rückgrat von besonderer Halsqualität vonnöten, nämlich aus Marmorstein. Marmor, der keine Tum'a annimmt und von dem David zum Bau des Tempels bereitstellte: "und Marmorstein in Menge" (Chronik I, 29,2). Marmor symbolisiert das innere Wesen der Tora durch jene, die sich in allen Generationen für sie aufgeopfert haben, allen voran Rabbi Akiva: "Rabbi Akiva sprach zu ihnen: Wenn ihr an die glänzenden Marmorsteine herankommt, so saget nicht: Wasser, Wasser" (Chagiga 14b).

Marmorsteine gehören zu den ältesten Steinen, Bausteine unseres Fundamentes, die sich nicht von der Stelle rühren, im Gegensatz zu Wasser, das ständiger Formänderung unterliegt.

Die israelitische Gemeinschaft weiß auch mit den Küssen der Hasser fertigzuwerden. Unser Hals besitzt die Eigenschaft der Verhärtung, der Hartnäckigkeit (!). "Wie der Turm Davids dein Hals, gebaut zur Waffenburg, tausend Schilde hängen daran, lauter Heldenharnische" (Hohelied 4,4). Wenn sie nur keine Unreinheit annimmt, wenn sie nur ihr inneres Rückgrat mit Reinheit und Heiligkeit festigt, kann ihr kein "Kuß" etwas anhaben.

Als wir nun in jenen Tagen mit hellenistischen Küssen überschüttet wurden, zu einer Zeit, als es aussah, als ob die Küsse Eßaws den Hals Jakovs verletzen könnten, und viele hellenisierte Juden seinen Küssen verfielen, kam unsere Errettung gerade von jenen dörflichen und von den Zentren der Macht und des Einflusses fernen Kohanim (Priestern), doch von äußerst reinem Herzen, mit gerade aufgerichtetem Halse, die alle Küsse Eßaws und die aller seiner Nachkommen verachteten, und mit lauter Stimme riefen: "Wer es mit G~tt hält, zu mir!" (Ex. 32,26).
 
 
 
Zum Gebet

Wir danken dir
 

Rav Uri Scherki
(Leiter der hebräischsprachigen Abteilung von MACHON MEIR)

Im Segensspruch (Bracha) des Dankes, der zweite von dreien am Ende des Schmone-Esre Gebetes, geht es um die Anerkennung der Tatsache, daß wir G~tt trotz unserer zahlreichen Bitten, unsere diversen Mängel zu beheben - womit wir indirekt die Mangelhaftigkeit G~ttes Welt beklagen - ihm trotzdem für das Bestehende Dank zollen müssen, nämlich für das Leben an sich, das wir von G~tt erhielten.

Die Reihenfolge der Danksagung beginnt mit "denn du bist der Ewige, unser G~tt" von seiten der Herrschaft an sich, noch bevor wir vom praktischen Nutzen reden, der sich aus dieser Herrschaft ergibt. Ähnliches finden wir im Buche Jehoschua (24. Kapitel), als Jehoschua gegen Ende seines Lebens dem Volk ein "Geschäft" anbot: Entweder akzeptieren sie, G~tt zu dienen, oder sie dienen den Göttern von jenseits des Stromes oder Ägyptens, und nur Jehoschua und seine Familie werden G~tt dienen. Das Volk gab zur Antwort, es werde natürlich G~tt dienen, denn er hat uns ja aus Ägypten herausgeführt und uns dieses Land gegeben; d.h. aus Dankbarkeit also. Darauf antwortete Jehoschua: "Ihr werdet nicht vermögen, dem Ewigen zu dienen; denn ein heiliger G~tt ist er, ein eifervoller G~tt ist er, er wird nicht Nachsicht haben gegen euren Frevel und gegen eure Sünden" (24,19). Damit wollte er ausdrücken, wenn der Dienst an G~tt im Nutzen seinen Ursprung hat, so wird dieser doch durch den vorhersehbaren Schaden aufgewogen, der diejenigen erwartet, die seinen Willen übertreten, so daß es nicht angemessen scheint, G~tt nur unter dem Aspekt des Nutzens zu dienen. Darauf antwortete das Volk: "Nein! Wir wollen doch dem Ewigen dienen" (24,21) - d.h. allein wegen der Tatsache, daß er unser G~tt ist. Erst dann schloß Jehoschua den Bund mit dem Volk in Schchem.

Nach der Klärung des Wesentlichen kommen wir auf die Wohltaten G~ttes uns gegenüber zurück: "Zur", Fels unseres Lebens [von lizor, schaffen], die Schöpfung an sich, wobei wir anerkennen, daß sein Licht der Fels ist, aus dem unsere Seelen gehauen sind. "Fels unseres Lebens" - die zusätzliche Lebendigkeit zum Leben an sich. "Schild unseres Heils" im Sinne von Aufrechterhaltung aller Existenz, die sich ohne die Gnade seiner ununterbrochenen Stützung sofort in Nichts auflösen würde. "..bist du von Generation zu Generation" - das Erscheinen der Göttlichkeit im Verlaufe der Geschichte, wie im Buche "Kusari" besonders hervorgehoben.

Die Schilderung G~ttes Wohltaten an sich bedeutet allerdings ein gewisses theologisches Problem: Kann man denn so ohne weiteres G~ttes Taten schildern, ohne seiner Größe Abbruch zu tun? "Ein Gleichnis: Als wenn man einen König von Fleisch und Blut, der tausende Myriaden Golddenare besitzt, wegen silberner preisen würde. Wäre dies nicht für ihn eine Herabsetzung?!" (Brachot 33b). Darauf antwortete der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw" aus Prag): Die Sache ist erlaubt, wenn die Absicht des Lobenden darin besteht, seiner moralischen Pflicht des Bedankens Genüge zu tun, aber keine philosophischen Definitionen des Vermögens G~ttes festlegen will. Das ist die Bedeutung des Begriffes "Wir wollen dir danken", und darum "deinen Ruhm erzählen".

"Für unser Leben, das in deine Hand gegeben", das seelische Leben. "..und unsere Seelen, die dir anvertraut", Seelen = Neschamot, hier im Sinne von Neschimot, Atemzüge - das körperliche Leben. "..und deine Wunder, die uns täglich zuteil werden, und deine Wundertaten und Wohltaten zu jeder Zeit, abends, morgens und mittags" - die Ereignisse des täglichen Lebens.

"Es wollte der Heilige, gelobt sei er, die Welt schaffen" aus Gnade, "mit der Eigenschaft des Rechtes (Midat HaDin) - und als er sah, daß die Welt so nicht bestehen kann, beteiligte er dabei die Eigenschaft des Erbarmens; und die Welt bestand" - das ist das Gute (nach Midrasch raba). Und darum: "Allgütiger, dein Erbarmen ist nie zu Ende, Allbarmherziger, deine Gnade hört nie auf, von je hoffen wir auf dich" - seit du die Welt schaffen wolltest.

"Allgütiger ist dein Name", wenn du gütig zu uns bist, "und dir ist schön zu danken", auch wenn du uns strafst, denn man muß sich auch für das Unheil bedanken, um nicht den Glauben an die Einzigkeit G~ttes zu mindern. Dieser Aspekt ist nur angedeutet - um dem himmlischen Ankläger keinen Aufhänger zu liefern.

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