DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ETCHANAN
Nr. 627
13. Aw 5767

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 3,23-7,11):
Fortsetzung Moschehs Rückblicksrede, Bitte, doch einwandern zu dürfen, und deren göttliche Ablehnung; Ermahnung, die Tora nicht zu ändern; Warnung vor Götzendienst; Zufluchtstädte; Wiederholung der 10 Gebote; das Schma-Gebet; Vermeiden von Mischehen; nochmalige Aufforderung zur Vertreibung der Ka'ananiter.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Doppelte Tröstung

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Die Kapitel der Tröstung, die wir in den Haftarot der kommenden Wochen lesen werden, beginnen wir mit dem Vers: "Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer G~tt" (Jeschajahu 40,1). Dabei gilt es zu verstehen, warum das Wort "tröstet" wiederholt wird, reicht denn einmal nicht aus? Diese Frage erhält weiteren Schliff, wenn wir uns dazu das letzte Thema im Talmudtraktat "Makkot" ansehen (24a/b), wo von der Zerstörung Jerusalems und des Tempels die Rede ist, dem Exil und der Erniedrigung der Juden und den Erfolgen der Völker - die schwersten von allen Schlägen (=Makkot), die in diesem Traktat erwähnt werden. Auch dort, als Rabbi Akiwa lächelte und die anderen Weisen tröstete, die bei jenem furchtbaren Anblick in Tränen ausbrachen, antworteten sie ihm zweifach: "Akiwa, du hast uns getröstet, Akiwa, du hast uns getröstet". Was soll diese doppelte Tröstung also bedeuten?

Hieraus lernen wir ein wichtiges Prinzip, Fundament unseres Glaubens und unserer Auffassung vom Leben: Der Mensch steckt fest in der Gegenwart. Er befasst sich mit der Befriedigung seiner Bedürfnisse und der Erledigung seiner Angelegenheiten. Das trifft nicht nur auf das Leben des Einzelnen zu, sondern auch auf das Leben des ganzen Volkes. Nicht selten ist das Leben der Gegenwart schwer und kompliziert, ein Problem jagt das andere, ein Schlag folgt dem nächsten. Das kann den Menschen an den Rand der Verzweiflung treiben, weil er keine Zukunft im Leben sieht, und schon erst recht nicht, wie diese so komplizierte Gegenwart, in ihrer verwirrenden und undurchsichtigen Erscheinungsform, ein Teil seiner erstrebenswerten Zukunft sein soll. Wir stecken zum Beispiel schon seit Jahren bis zum Hals in zwei zentralen Themen, beides Fragen des Überlebens: die Sicherheit im Hinblick auf den Feind von außen, und die Wirtschaft im Hinblick auf die israelische Gesellschaft im Innern. Beide geben uns keinen Spielraum mehr für Gedanken und aktive Beschäftigung mit den wirklich wichtigen Fragen: Wozu dies alles? Das Wesen der Dinge und deren Bedeutung? In Wirklichkeit werden wir uns erst nach Lösung der genannten existenziellen Probleme der Beantwortung der wesentlichen Fragen zu unserem Selbst und dem Zweck unseres Lebens zuwenden können, um zu unserem wirklichen Selbst und Selbständigkeit zu gelangen. 

Doch in der Zwischenzeit, angesichts zahlreicher Probleme, die immer mehr und größer zu werden scheinen, bis dass die großen allgemeinen Grundwerte ganz aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verschwinden drohen, verlieren viele von uns die Hoffnung auf die uns in Wirklichkeit würdige Zukunft, und ganz sicher sehen sie nicht, wie diese problembeladene Gegenwart zu jener Zukunft führen soll. Darum brauchen wir doppelte Tröstung: Die eine, dass wir trotz allem am Ende zur guten und vollkommenen Zukunft gelangen werden, und die zweite, dass wir durch all dies, die krummen und die verachtenswerten, eigentlich überflüssigen Ereignisse, dass ausgerechnet und gerade diese uns zu der erstrebten Zukunft bringen werden (Selbstverständlich müssen wir trotzdem mit allen Kräften versuchen, die Probleme der Gegenwart zu bewältigen...). So wie sich Rabbi Akiwa mit der furchtbaren Zerstörung auseinander setzte, der Zerstörung des Tempels und des Landes Israel, und des schrecklichen Exils, trösten auch wir uns heute, betrachten wir mit Augen des Glaubens alles, was uns vergönnt ist, den Gang unserer Erlösung im Allgemeinen und die damit verbundenen Komplikationen im Einzelnen, wie es Rabbiner Awraham Jizchak Kuk in seinem Kommentar zu den Agadot im Traktat Schabbat "Ejn Aja" beschrieb: "..bei allem, was mit dem Leben verbunden sein wird, kann man sich darauf verlassen, aus ihm selbst, seinen Taten oder seinen Handlungen, zu irgend einer Zeit, das Gute und das Gerade hervorzubringen, das in ihm; die guten und die erhabenen Gefühle, die angenehmen und die schönen Genüsse, die zu ihrer Zeit gut sind und auch für die kommende Zukunft und die Ewigkeit; gut für den, der sie genießt als auch für die Allgemeinheit. Und wegen dieser erhöhten Seite, die das Ziel des Lebens darstellt, für welches die ganze Welt geschaffen wurde, ist es wert, auch all die Begleiterscheinungen zu erleiden und zu ertragen, auch wenn sie häufig vom guten und geraden Wege abweichen und die Geradheit des Bewusstseins von der Bestimmung des Leben verkrümmen - trotzdem gibt es letztendlich in jeder Sache und Angelegenheit ein bestimmtes Verhältnis zum Guten und zur Geradheit, zur Weisheit und zur Gerechtigkeit, auf langem oder auf kurzem Wege, weswegen es angebracht ist, auch das Minderwertige und die verkrummten Überflüssigkeiten zu erdulden. Und je mehr der Mensch eine feinfühlige Seele entwickelt, voll weiten Wissens, wird er mit größerer Leichtigkeit auch den in der Tiefe eines jeden Ereignisses des Lebens verborgenen guten Inhalt finden, der von sich aus nicht besonders auf das Gute und das Würdige ausgerichtet ist, dass sich jeder Mensch reines Herzens danach sehnen würde...".
 
 
 
HaRav Aviner

Wen soll ich heiraten?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

"Israel hatte keine fröhlicheren Festtage als den 15. [Tu b']Aw und Jom Kippur, denn an diesen pflegten die Töchter Jerusalems in geborgten weißen Gewändern auszugehen, um nicht die zu beschämen, die keine eigenen hatten... Jüngling, erhebe deine Augen und schaue, wen du dir wählest..." (Ta'anit 26b, Mischna).

-Wie trifft man Entscheidungen?
-Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Den meisten Menschen gelingt es nicht, Entscheidungen zu treffen. Es gibt sogar eine eigene Wissenschaft zum Thema Entscheidungshilfe, die sich mathematischer Hilfsmittel bedient und vor allem auf militärischem Gebiet und in der Wirtschaft zur Anwendung kommt.
-Ich habe aber all das nie gelernt und muss trotzdem jetzt die wichtigste Entscheidung meines Lebens fällen: Wen soll ich heiraten?
-Warum hälst du sie für die wichtigste?
-Weil sie sich nicht auf einen bestimmten Bereich im Leben beschränkt, wie z.B. der Beruf, sondern alle Lebensbereiche betrifft. Und diese Entscheidung läßt sich nicht rückgängig machen - dafür bete ich jedenfalls.
-In diesem Falle musst du jetzt genau definieren, wozu du heiraten willst, und dementsprechend werden wir die Maßstäbe festlegen, den richtigen Partner auszuwählen.
-Ich will mal so sagen: Ich suche eine Freundin fürs Leben. "Partnerschaft oder Tod". Eine Freundin fürs Leben ist für mich eine Frage von Leben und Tod, und dennoch zögere ich schon viele Jahre.
-Du zögerst, weil du eine Partnerin mit allen nur erdenklichen guten Eigenschaften suchst...
-Ist das etwa nicht legitim? Ich heirate doch nur ein einziges Mal!
-Nein! Deswegen heiratest du noch nicht einmal ein einziges Mal... Du wirst niemals eine Freundin fürs Leben finden, die exakt deinen Vorstellungen entspricht. Darum musst du dir die wichtigsten Kriterien überlegen und abwägen. Ich frage noch einmal: Wozu suchst du eine Freundin fürs Leben?
-Ich verstehe deine Frage nicht. Wozu eine Freundin?
-Ich will dir das erklären: Es gibt verschiedene Arten Freundschaft, wie Maimonides zur Mischna der "Sprüche der Väter" (1,6) "Erwirb dir einen Freund" schrieb. Nebenbei bemerkt lernt man daraus, daß man in diese Verbindung sein ganzes Leben lang investieren muss, damit sie Erfolg hat. Doch das gehört hier nicht zum Thema.
-Da bin ich anderer Ansicht.
-Ich freue mich, daß du das sagst.
-Wieso?
-Darauf komme ich später zurück. Es gibt also drei Sorten Freundschaft; 1. wegen der Nützlichkeit, 2. wegen der Seelenruhe, 3. für gemeinsame spirituelle Weiterentwicklung.
Zu 1. nützliche Freundschaft ähnelt einer Geschäftspartnerschaft, 2. dient dem Streben nach seelischer Ausgeglichenheit, und 3. bedeutet einen Zusammenschluss zum Erreichen gemeinsamer Ideale.
-Widersprechen sich diese Ziele denn nicht?
-Keinesfalls. Sie gehören nur zu verschiedenen Auswahlkriterien. Wenn du eine Partnerin für gemeinsame Ideale suchst, musst du dich nach einem intelligenten Mädchen umsehen, fleißig, ordentlich, begabt, effizient, über einen guten Beruf verfügend, so vermögend wie möglich. Wenn du aber die seelische Ausgeglichenheit bevorzugst, eine, mit der du dich gut fühlen kannst, eine angenehme Begleiterin, der du deine Geheimnisse erzählen kannst, dann musst du ein nettes und freundliches Mädchen suchen, das deine Liebe und Zuneigung erweckt, mit dem du lange, seelenvolle Gespräche führen kannst. Wenn du aber eine Partnerin für deine spirituellen Ideale suchst, für den Dienst an G~tt im Allgemeinen, und für die Aufzucht von Kindern im Einzelnen - dann musst du ein gutherziges Mädchen suchen, eines mit guten Eigenschaften, mit Himmelsfurcht, mit Mütterlichkeit und Ernsthaftigkeit. 
-Es geht aber doch nicht das eine ohne das andere. Wenn ich sie nicht liebe, können wir auch kein gutes Elternpaar abgeben, und wenn sie das Haus in ein Tohuwabohu verwandelt, fahre ich aus der Haut, ich kenne mich doch!
-Natürlich. In jeder Ehe kommen alle drei Typen zur Geltung. Die Frage ist bloß, welcher für dich der entscheidende ist, welches Kriterium wichtiger, welches weniger. Wo wärst du eher zu Kompromissen bereit, und wo eher nicht.
-Weißt du, jetzt hast du mich vor eine noch schwerere Entscheidung als zu Anfang gestellt.
-Inwiefern?
-Ich will mal mit einem Sprichwort antworten: Sage mir, was für einen Ehepartner du suchst, und ich sage dir, wer du bist. Ich muss mich eigentlich jetzt entscheiden, wer ich bin und was ich mein ganzes Leben lang sein will, und wieviel Mühe ich mein Leben lang ins Eheleben stecken will. 
-Du hast's erfasst. Darum habe ich mich auch gefreut, wie dir dieser Punkt vorhin schon aufgefallen war. Mein Freund - du suchst einer Partnerin für deine Ideale.
-Du hast mir wirklich sehr geholfen, ich danke dir vielmals.
-Als Dank brauchst du mir nur eine Einladung zu deiner Hochzeit zu schicken. Das würde mir große Freude machen.
 
 

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