DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TEZAWE
Nr. 606
13. Adar 5767

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20 - 30,10):
Die Priester - Ahron und seine Söhne; Priesterkleidung und -ausstattung; besondere Opfer und Amtseinführung; das tägliche Opfer; Opferdienst nur im Heiligtum und nur durch Priester; der Räucheraltar und der Dienst des Räucherwerkes im Heiligtum.

Schabbat Sachor und Purim!
 
 
 
Megillat Esther (3.)

Nichts ist ihm geschehen

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Esther und Achaschwerosch
Esther wird in den Palast verfrachtet. Sie ist eine Frau, die in jeder Hinsicht eine Alternative zur seichten persischen Kultur bietet, das genaue Gegenteil von König Achaschwerosch.

Der König sieht sein ganzes Glück in der Zurschaustellung seines Reichtums: "indem er sehen ließ den Reichtum und die Fülle seines Königreiches" (Esther 1,4). Seine geistigen Werte sind so seicht, daß er ohne die Bestätigung durch die staunenden Massen der Irrelevanz zu verfallen droht. Esther hingegen, die ihrem Namen alle Ehre macht, verbirgt viel in ihrer Persönlichkeit ("Esther" vom Wortstamm "Verborgenes"). Ihre innere Welt ist so reichhaltig, daß sie das Geheimnis ihres Volkes und ihrer Heimat selbst unter hohem königlichen Druck in ihrem Innern hüten kann (Megilla 13a). Achaschwerosch beschäftigt sich die ganze Zeit mit Äußerlichkeiten, und Esther hält sich sittsam verborgen!

Achaschwerosch versucht mit aller Kraft, es jedermann recht zu machen, und doch will es ihm einfach nicht gelingen. Jedem hat er etwas zu geben, aber er bleibt fern für seine Untertanen. Esther hingegen "gewann Gunst in den Augen aller, die sie sahen" (Esther 2,15), ohne jegliche Anstrengung gewinnt sie die Sympathie von jedem, der sie sieht. Das ist besonders erstaunlich in Anbetracht des Umstandes, wonach normalerweise jedes Volk gerade die in seinem Kreise typische Schönheit bevorzugt, und hier haben wir eine Frau vor uns, von der sich alle Nationen hingerissen fühlen. Der Talmud offenbart uns: "Esther war durchschnittlich wie eine Myrthe" (Megilla 13a). Der Durchschnittliche kann beide Extreme enthalten. Ihre "Durchschnittlichkeit" offenbart sich darin, daß sie die Schönheit aller Nationen auf sich vereinigt. Darum kann sie erfolgreich ihr Geheimnis hüten, "jedem erschien sie, als wäre sie von seiner Nationalität" (ebda.). Sie findet Gefallen, weil sie wirklich von jedem etwas enthält. Dabei handelt es sich nicht bloß um eine physiologische Erscheinung. Esther verkörpert das ganze Volk Israel, das zum Licht der Völker bestimmte Volk, das sich mit den moralischen Inhalten der ganzen Welt beschäftigt, und darum erkennt es den Wert einer jeden Nation an. Das Licht Israels leuchtet allen Nationen, Israel als Herz zwischen den Gliedmaßen verströmt Lebendigkeit an alle Nationen.

Esther und Mordechai
Esther unterscheidet sich auch von Mordechai in extremer Weise. Esther zeigt sich nach außen in der Verkleidung der persischen Königin, aber im Verborgenen verhält sie sich wie eine jüdische Gerechte, "sie pflegte den Schoß Achaschweroschs zu verlassen, zu baden und sich in den Schoß Mordechais zu setzen" (Megilla 13b). Mordechai hingegen posaunt sein Judentum nach besten Kräften hinaus. 

Anfangs verweigert Mordechai die Teilnahme an Achaschweroschs Gelage; "als Mordechai dies sah, stellte er sich hin und rief über sie aus und sagte ihnen [den Juden], geht nicht zu essen beim Gelage Achaschweroschs" (Esther raba 7,13). Hinterher verbeugt sich Mordechai nicht vor Haman, und obwohl er ihm ausweichen könnte, verhält er sich offen provokativ. Als er nach dem Grund für sein Verhalten gefragt wird, legt er besonderen Wert auf die Feststellung, er sei Jude. Nach Bekanntmachung des bösen Dekretes bleibt Mordechai seiner Methode treu: "..und schrie mit lautem und bitterlichem Geschrei. So kam er bis vor das Tor des Königs; denn man durfte nicht eingehen zum Tore des Königs in einem Sackkleide" (Esther 4,1-2). Gerade weil man nicht durchs Tor des Königs in Sackkleid kommen darf, erscheint Mordechai dort in diesem Aufzug, um zu demonstrieren: 'Ich unterstehe nicht den Gesetzen, sondern nur dem Herrn der Welt'.

Interessanterweise ist es gerade Mordechai, der Esther, trotz ihrer Gegensätzlichkeiten, aufträgt, ihre Volkszugehörigkeit zu verheimlichen. Die Gegensätzlichkeiten bestehen jedoch nur rein äußerlich und ihr Ziel ist dasselbe: in einer Zangenoperation, die offene und verborgene Komponenten enthält, das Volk Israel zu retten.

Die Maske fällt
In spiritueller Hinsicht hat Esther die schwerere Aufgabe als Mordechai. Die Treue zum Glauben läßt sich leichter bewahren, wenn man in jeder Lage seine Identität bekanntmacht. Es ist schon schwieriger, nicht durcheinander zu kommen, wenn man sich immerzu verkleiden muß. 

Je näher die Stunde der Wahrheit rückt, desto mehr fürchtet sich Esther, nach der Bitte Mordechais um ihr Volk zu flehen: "und ich bin nicht gerufen worden zum Könige diese dreißig Tage" (Esther 4,11). Die Offenbarung ihres Geheimnisses vor Achaschwerosch hat einen hohen Preis, der sie zur Befürchtung um ihr Leben veranlaßt! "Bilde dir nicht ein in deinem Sinne, zu entkommen im Hause des Königs allein von allen Jehudim" (4,13). Die Zeit ist reif, die Maske abzulegen. Laß nicht die Verkleidung deiner spotten, du bist keine persische Königin, sondern Esther die Jüdin. Mordechais Forderungen sind fast untragbar, muß sie doch nun zur Rettung ihres Volkes ihre eigene Persönlichkeit vollkommen verneinen, aus freien Stücken die Rolle der persischen Königin ausfüllen und zum Schoße des Perserkönigs aus eigenem Antrieb zurückkehren!

Esther und Haman
Esther spinnt die Fäden des Netzes, in dem sich Haman verfangen wird. Sie beabsichtigt, einen weiteren Fehlschlag der persischen Mästungsmethode aufzuzeigen. Der Obergemästete, Haman, ganz der Gier nach Ehre verfallen, will den König beerben. 

Als sich Esther freiwillig dem König stellt, stehen die Spielregeln fest: Sie muß ihr Geheimnis preisgeben. Esther bittet: "Komme der König und Haman heute zu dem Mahle, das ich ihm bereitet" (5,4). Esther steht vor der Bekanntgabe ihres Geheimnisses, doch unterscheidet sie nicht zwischen dem König und Haman, sie wird es also vor beiden tun.

Vor dem zweiten Mahle sagt sie: "Komme der König und Haman zu dem Mahle, das ich ihnen bereiten werde" (5,8). Das erste Essen wurde zu Ehren Achaschweroschs gegeben, das zweite für beide, und ihre Rede endet mit dem Versprechen: "und morgen werde ich tun nach dem Worte des Königs". Der Raschikommentar zur Stelle erläutert: "was du von mir alle Tage erbeten hast, nämlich dir mein Volk und meine Heimat zu offenbaren". 

Nicht umsonst "floh in derselben Nacht der Schlaf den König" (6,1). Der Golem erhebt sich gegen seinen Schöpfer. Die persische Herrschaftsmethode erweckte bloß die Begierden der Beteiligten. Die Königin unterscheidet schon nicht mehr zwischen dem König und Haman, und wer weiß, was sie im Schilde führen. Der König verlangt nach dem Buch der Denkwürdigkeiten, er will seine eigenen Taten überdenken, bevor alles zusammenstürzt. Er möchte, daß man ihm das Kapitel der Umsturzversuche vorliest, denn nie war es wichtiger als heute, und die Geschichte von Bigtan und Teresch wird der Vergessenheit entrissen.

Mordechai und Haman
Dem König dringt ein Mann ins Bewußtsein, der ihm in der Not zur Seite stand: Mordechai. Sein persisches Herz gebietet ihm, den Beweggrund für Mordechais Tat herauszufinden, vielleicht braucht man ihn noch einmal. Das "Buch der Denkwürdigkeiten" hält eine Überraschung parat: "Nichts ist ihm geschehen" (6,3). Dem König wird schwarz vor Augen - seine persische Kultur ist endgültig zusammengestürzt. Ein jeder, den der König durch dessen Begierden zu erobern suchte, enttäuschte. Nur Mordechai der Jehudi wird von vollkommen anderen Beweggründen geleitet, er tut das Gute einfach so, weil es gut ist - ohne Eigeninteresse, ohne Gegenleistung.

Haman, der einige Minuten später vor dem König erscheint, vervollständigt nur das Bild, das dem König bereits seit dem gemeinschaftlichem Mahle vor Augen schwebt: Haman will auf dem königlichen Pferd reiten, das königliche Krönungsgewand anlegen - kurz gesagt: den König ablösen.

Beim zweiten Mahle, des Königs Herzen schon voll Eifersucht, schreitet Esther wie geplant voran und spricht vor König und Haman: "werde mein Leben mir geschenkt auf meine Bitte, und mein Volk auf mein Gesuch" (7,3). Genau das hatte Achaschwerosch befürchtet. Das Herz des Königs ist bereits auf den Moment der Wahrheit gefaßt, die sich nun vor ihm offenbart: "Ein Mann, ein Dränger und ein Feind, dieser böse Haman!" (7,6). Nun ist der Weg geebnet, die Welt vom Niveau eines Pfahles von 50 Ellen Höhe zu betrachten. 

Wie wunderbar erweist sich doch die Anordnung der talmudischen Weisen, den Tag mit dem Verschicken von Leckerbissen und der Gabe von Armengeschenken zu begehen. Damit wird dem Materiellen der Geist wieder eingehaucht, der ihm von der persischen Bärenherrschaft genommen worden war.
[Nach Gedanken von Rabbiner Moscheh Bleicher, Hebron].
 
 
 
HaRav Aviner

Die Bewegung für Brüderlichkeit
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Das ist unsere Bewegung, die Bewegung für Brüderlichkeit, eine alt-neue Bewegung; je mehr Leute sich ihr anschließen, desto mehr Segen und desto mehr Erneuerung wird sie bringen.

Die Bewegung der Brüderlichkeit macht einen Bogen um die Massenmedien, um die Politik, um Demonstrationen, um wütende Proteste, um hinterlistige Redensarten und das Gleichgewicht des Schreckens von der Art: Wenn es mir dreckig ergeht, dann wird es auch dir dreckig ergehen. Sie umgeht das "anti-", die Brüderlichkeit ist immer "für", vor allem für die Einheit der Nation. Die Brüderlichkeit ist gegen Sieger und Besiegte, sondern dafür, daß wir alle Sieger sind ganz ohne Besiegte, sie ist für ein Gehen von Haus zu Haus, von Herz zu Herz. In unserer Bewegung pflegen wir zu sagen, daß wir uns freuen, gemeinsam in unserem Land zu sein, wir freuen uns über unseren Staat und unsere Armee. Wir freuen uns über die Gegebenheiten, und auf dieser Basis streben wir nach viel mehr: daß Arbeit Respekt verdient und nicht Fremden überlassen zu werden, wir streben nach Schaffung von der Lust, an unserem Lande festzuhalten und keine Teile davon Fremden abzutreten, nach der Ehre, ein Zahal-Soldat zu sein, und nach der großen Ehre, einer Kampfeinheit anzugehören, wir erstreben ein gutes Erziehungswesen mit Herz, mit Glauben und guten Charaktereigenschaften, natürliche, geradlinige und wahrhaftige Gerichtsentscheidungen, eine anständige und gute Jugend ohne Gewalt, Alkohol, Prostitution und Drogen, Sicherheit im Lande ohne dem Terror nachzugeben, ein reines Fernsehen und sanfte Kunst, glückliche Familien ohne geschlagene oder erniedrigte Frauen, reines, sittliches und treues Eheleben, kinderreiche Familien, Ehrung des Schabbattages ohne dubiosen Zeitvertreib in Einkaufszentren unter Einschränkung der Freiheit der dort Angestellten, und eine weitsichtige Einkommenspolitik, die die wirtschaftliche Not von Brüdern zum Verschwinden bringt.

So viele Bestrebungen - wie kann es bloß gelingen? Dazu müssen wir miteinander reden, uns verbrüdern - fern vom Rampenlicht der Medien.

Das Prinzip lautet: "Meine Brüder suche ich" (Gen. 37,16). Wollen wir uns begegnen - nicht um etwas zu erreichen, sondern um der Begegnung willen. Denn "Verbrüderte sind wir" (Gen. 13,8), und so werden wir alles erreichen. 
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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