DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT RE'E
Nr. 629
27. Aw 5767

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 11,26-16,17):
Segen und Fluch - abhängig von freier Entscheidung; Vorschriften bezügl. des Opferdienstes, falsche Propheten, koschere Tiere, Erlassjahr, Pessach-, Sukkotopfer.
 
 
 

Der Stand der Dinge...
G~tteskinder
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Diese Woche, am 3. Elul, sind es 72 Jahre nach dem Aufsteigen der edlen und leuchtenden Seele von Rabbiner Awraham Jizchak Kuk in die höheren Sphären, des Sehers und treuen Hüters der Nation in der Generation der Wiedererstehung. In seiner Auseinandersetzung mit der Krise des Glaubensverlustes in unserer Zeit und den Wegen zur Einigung und der Annäherung der Nation an ihre Wurzeln, wie ein gerader Weg zu bahnen sei durch das Gestrüpp der Beziehungen zwischen Religiösen und Nichtreligiösen - zeigte uns Rabbiner Kuk, dass man zuerst das Wesen Israels erlernen und von Grund auf erforschen muss, die wesentliche Besonderheit der Seele und des Geistes Israels. Dabei gilt es zwischen der Wesensbesonderheit und freier Wahl zu unterscheiden. Die Wesensbesonderheit Israels stammt vom Erbe der Vorväter und der Tatsache der Auserwählung von allen Völkern, wie in unserem Wochenabschnitt steht: "Kinder seid ihr des Ewigen euren G~ttes... Denn ein heiliges Volk bist du dem Ewigen deinem G~tte, und dich hat erkoren der Ewige, ihm zu sein ein Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf der Fläche des Erdbodens" (Dt. 14,1-2). Raschikommentar: "denn ein heiliges Volk bist du - du hast deine eigene, von den Vätern stammende Heiligkeit und außerdem hat dich der Ewige erwählt". Wir müssen erkennen, dass "in jedem Einzelnen vom Volke Israel, von groß bis klein, das Licht des lebendigen G~ttes in seinem heiligen Glanze brennt und erleuchtet" (Orot Israel 9,4). Und nach den Worten Rabbi Meirs: "Kinder seid ihr des Ewigen euren G~ttes - ob so oder so heißt ihr Kinder", auch wenn ihr töricht seid, oder treulos, oder sogar Götzen dient, wie der Prophet sagte: "es wird geschehen, statt dass man sie Nichtmeinvolk nennt, wird man sie Kinder des lebendigen G~ttes nennen" (Hoschea 2,1; Kiduschin 36a).

Im Gegensatz zur Wesensbesonderheit hängt die freie Wahl von guten Taten und Torastudium ab, oder vom Gegenteil, g~ttbehüte, und diese Dinge ändern sich von Generation zu Generation und von Mensch zu Mensch, aber ohne Einfluss auf die Tatsache, "Kinder unseres G~ttes" zu sein. Er erwählt uns zu jeder Zeit und an jedem Ort in Liebe, wie wir jeden Tag in den Segenssprüchen sagen: "..der sein Volk Israel in Liebe erwählt" (Segensspruch des Schma-Gebetes). 

Nach dem Stand der Dinge überwiegt in unserer Generation, im Zeitalter des Wiedererstehens, "der Fußspuren des Maschiach", die Kraft der Wesensbesonderheit. Mehr und mehr offenbart sich der Bund mit den Vorvätern, der niemals gelöst wird, und die Bedeutung des Gebetes "der der Liebeshingebungen der Väter gedenkt und einen Erlöser ihren Kindeskindern um seines Namens willen in Liebe bringt" (Schmone-Esre) vor unseren Augen in der Einsammlung der Zerstreuten und im Aufbau unseres Staates, der mit gewaltigen Schritten voranschreitet. Seitens der freien Wahl gibt es zwar Mängel bei den Taten, den Charaktereigenschaften und den Überzeugungen, doch diese werden sich ändern, und mit G~ttes Hilfe werden jene Leute das Gute wählen, und "es gibt kein Gutes außer der Tora". Wir müssen nämlich wissen, dass "die Nächstenliebe Israels ein Ergebnis des Glaubens an das göttliche Licht der israelitischen Gemeinschaft ist, das ihr eine eigenständige Wesensbesonderheit bedeutet, die nicht von ihr fortrückt während aller Wechsel der Zeiten. Besonders muss diese höchste Liebe... im Kreise von Leuten mit Herz und Geist erweckt werden bei einem Absinken der Nation im Zustand ihrer Spiritualität, zu einer Zeit, wo sich ein Niedertreten alles Heiligen und eine Verächtlichmachung der Religion mit aller Kraft und Macht zeigen, - damit trotz alledem erkannt wird, wie die Kraft Israels zu seinem G~tte groß und mächtig ist, und man das innere Licht betrachtet, das den Geist der Allgemeinheit durchdringt, das auch in jeder einzelnen Seele im Volke Israel seinen Wohnsitz hat, ob offensichtlich oder im Verborgenen, selbst bei der sehr zurückgewichenen Seele, die sehr vom Wege G~ttes abgekommen ist" (Orot Israel 4,2). Durch die Mehrung der Liebe in Israel möge es uns vergönnt sein, dass G~tt neues Licht auf Zion scheine, bald und in unseren Tagen, amen.

In Erwartung der vollkommenen Erettung,
Rav Dov Begon
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Das Geheimnis der Ehefreude

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

Zu dem Vers unseres Wochenabschnittes "und du sollst dich freuen, du und dein Haus" (Dt. 14,26) erklärt der Talmud (Jewamot 62b): "Rabbi Tanchum sagte im Namen Rabbi Chanilajs: Ein Mensch, der keine Frau hat, lebt ohne Freude... denn es heißt: du sollst dich freuen, du und dein Haus". "Dein Haus" - das ist deine Frau. Dem fügt der Torakommentar "Tora temima" noch hinzu: "Das bedeutet, dass es einem einzelnen Menschen unmöglich ist, sich mit echter Freude zu freuen, solange er alleine ist".

Es gibt Paare, die nicht wissen, wie sie diese einfache und wunderbare Wahrheit in ihrem Eheleben offenbaren können und glauben, es gebe vielleicht andere Wege zu wahrer Freude, wie z.B.: "vorher waren wir frei, da konnten wir das Leben genießen" - da kommt die Tora und lehrt uns, daß man(n) die wahre Freude nur zusammen mit seiner Frau=Haus findet.Diese Sache lehrt auch ein anderer Torakommentar, der sogenannte "Or Hachajim hakadosch", aufgrund einer genauen Wortdeutung aus dem 1. Buche Moscheh (Bereschit/Genesis), wo die Tora die Lebensjahre der Vorväter zusammenfassend beurteilt. Bei Awraham heißt es: "Und dies sind die Tage der Lebensjahre Awrahams" (25,7), bei Jakov: "Und Jakov lebte..." (47,28), und auch bei Josef: "und Josef lebte.." (50,22). Bei Jizchak hingegen heißt es: "und es waren die Tage Jizchaks..." (35,28), ohne Erwähnung des Wortes "Leben". Dazu erklärte der "Or hachajim": "vielleicht, weil er von dem Tage seiner Geburt bis zur Bindung (Akeda) keine Ehefrau hatte, und die Weisen sagten, wer keine Frau hat, hat kein Leben, und seit seiner Bindung verließ ihn sein Augenlicht (ein Blinder gilt wie tot). Darum wird bei ihm nicht 'Leben..' erwähnt". Das bedeutet, weil alle Tage Jizchaks etwas von der Bedeutung des "Lebens" gefehlt hat, ließ die Tora bei der Zusammenfassung seiner Jahre das Wort "Leben" aus. Obwohl es kaum einen Größeren und Vollkommeneren als unseren Vorvater Jizchak gab, konnte die ganze Periode, in der er nicht verheiratet war, nicht als "Leben" definiert werden! 

Der Weg zu Freude und Lebensqualität führt bekanntlich über das Geben. Dieses Prinzip lernen wir von unserem Vorvater Awraham, dem Mann der Mildtätigkeit. Sein erstes Werk der Mildtätigkeit, das von der Tora erwähnt wird, betraf ausgerechnet seine Frau, wie in folgendem Vers angedeutet wird: "Und er rückte von dort nach dem Gebirge, östlich von Bet El, und spannte sein Zelt (ohalo) auf" (Gen. 12,8). Gelesen wird ohalo, geschrieben steht allerdings ohala (ihr Zelt). Warum schrieb die Tora demnach "ohala"?

An dieser Stelle pflege ich eine aus dem alltäglichen Eheleben gegriffene Situation zu beschreiben: Der Mann geht morgens zu seiner Arbei, und nach einem ermüdenden Werktage auf dem Weg nach Hause denkt er sich: 'Ich habe so schwer geschuftet, und wenn ich jetzt nach Hause komme, werde ich mich ein wenig ausruhen und meine Frau wird mir eine Tasse Kaffee machen'. Allein der Gedanke daran muntert ihn schon auf.

Und im Hause hat auch die Frau einen arbeitsreichen Tag hinter sich, bei der Arbeit, mit den Kindern, die Hausarbeit... und bei diesem Wettrennen gegen die Uhr denkt sie bei sich: 'Gleich kommt mein Mann nach Hause und wird mir eine Tasse Kaffee kochen, dann kann ich mich ein wenig ausruhen, ach wird das schön sein'.
Preisfrage: Wer macht also die erste Tasse Kaffee? 

Das lernen wir von unserem Vorvater Awraham. Awraham und Sara gehen von Alon Moreh nach Bet El. Beide sind nicht gerade die Jüngsten, beide sind müde, und beide sehnen sich nach einem Rastplatz, um ein wenig auszuruhen. Da lehrt die Tora: "und spannte sein Zelt (ohalo) auf" - "Sein Zelt ist mit heh am Ende geschrieben, ihr Zelt; zuerst schlug er das Zelt seiner Frau auf und dann das seinige" (Raschikommentar). Das ist das erste mildtätige Werk unseres Vorvaters Awraham, und nachdem er bei seinem eigenen Hause auf die rechte Weise begonnen hatte, wandte er sich mit seiner Mildtätigkeit dem Aufbau der Welt zu. Der Kommentar "Meschech Chochma" weitete den Begriff "ihr Zelt" sogar auf alle Bedürfnisse der Frau aus.

Dazu läßt sich fragen, warum dann nicht gleich "ohala" gelesen wird? Anscheinend wollte die Tora damit andeuten, dass "ihr Zelt" in "seinem Zelt" inbegriffen ist, dass es auch der Frau geboten ist, den ihr würdigen Anteil als Beitrag zur Vervollkommnung des gemeinsamen "Zeltes" zu leisten. 

So lehrte auch Rabbiner Elijahu Dessler in seiner Abhandlung über die Mildtätigkeit ("Michtav me'Elijahu" 1.Teil): "Denn diese Liebe kommt durch die gegenseitige Vervollkommnung... während sie sich also gegenseitig vervollkommnen, lieben sie einander... denn der Gebende wird geliebt, und das bedeutet, dass in ihrer Liebe ihr ganzes Bestreben darin besteht, einander Freude und Behagen zu geben und auszustrahlen". Und er fügte hinzu: "Das sage ich dem jungen Paar auf jeder Hochzeit, auf dem Höhepunkt der Freude: Meine Teuersten, seht euch vor, dass ihr immer bestrebt seid, einander Behagen zu verschaffen, so wie ihr es gerade in diesem Moment spürt, und wisset, wenn ihr anfangt, Forderungen aneinander zu stellen, das Eheglück in weite Ferne rückt". 
 
 
 
Frage und Antwort

Nochmal ganz von vorne?!
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Man muss einmal mit offenen Augen den Bankrott des säkularen Zionismus zur Kenntnis nehmen, der sich nicht auf die Stufe des Heiligen erheben konnte, sondern im Gegenteil auf Postzionismus und Antinationalismus absank. Tora - Fehlanzeige, Nationalgefühl - Fehlanzeige; dafür Vertreibung aus dem Katif-Gebiet, das Pogrom von Amona, Zerstörung der Hesder-Jeschiwot und des Religionsministeriums. Von so einem antisemitischen Schelmenstaat wird uns sicher nicht die Erlösung erwachsen - sollte man nicht lieber alles einreißen und von vorne anfangen?

Antwort: Lieber Freund, sei nicht böse und verzweifle nicht. So kannst du nicht funktionieren und bist zu nichts nutze. Du hast doch eine Verantwortung und auch eine Aufgabe. Bestrafe dich nicht selber mit allen möglichen Lesarten von "Nicht vergessen und nicht verzeihen". Bei Situationen von Schwäche und Krankheit muss man aktiv sein und seinen Mann stehen, um den Leuten Mut und geistige Erhebung einzuflößen. Ein Arzt zürnt nicht dem Kranken, sondern behandelt ihn. Ein Lehrer ist nicht wütend auf seine Schüler, sondern erzieht sie.

Ich verstehe, dass dich die Lage bedrückt. Du machst aber einen Fehler, das Volk in Zion mit allerlei Schimpfnamen zu belegen. Vergiss nicht, die jüdische Öffentlichkeit ist ein großartiges Wesen, und du reichst nicht einmal an die Knöchel der Gemeinschaft Israels (siehe Rav A.J.Kuk, Orot Israel 9,5). Du musst in Ehrfurcht verharren vor dieser Nation, die auf ihren Schultern den Staat trägt. 

Mein Freund, sieh dich vor. Deine Behauptungen sind nicht neu, sie existieren schon viele Jahrhunderte, christliche Behauptungen der vom Volke Israel Enttäuschten: "Ein Volk, von dem sein Herr das Gesicht abgewandt" (Chagiga 5b). G~ttbehüte! "Seine Hand ist über uns ausgebreitet" (ebda.), immer, ob du es gewahr wirst oder auch nicht.

Es tut mir wirklich sehr leid, dass du so blind bist und nicht siehst, was unser Volk im Lande Israel aufgebaut hat - die Rückkehr nach Zion, die Gründung des Staates, das Bestehen im Kriege und die Rückkehr der Tora an ihren Ausgangsort. Jawohl! All die gewaltigen Jeschiwot im Lande, die viel von ihrem Bestehen dem "Staat der Ketzer" zu verdanken haben. Das haben seine Vertreter alles als Gesandte des Herrn der Welt ausgeführt, ob sie davon wissen oder auch nicht. Was für ein großer Erfolg! Du bist blind, mein Freund!

Und was soll das eigentlich heißen, "alles einreißen und von vorne anfangen"? Das sind doch nur dahergesagte Worte! Hast du vielleicht einen Plan? Die Sache ist ein paar Nummern zu groß für dich, das ist überhaupt eine Nummer zu groß für irgend jemanden - es ist doch das Werk G~ttes!

Worin besteht also deine Aufgabe? Erst einmal nicht abweisen, was das Volk Israel macht, noch nicht einmal mit Worten. Vielmehr müssen wir das Volk Israel lehren, welches große Licht in ihm leuchtet, auch wenn das meiste noch nicht nach außen strahlt.

Vorher aber musst du selber davon etwas verstehen, und das bedeutet, gründlich das Buch "Orot" von Rabbiner Awraham Jizchak Kuk zu studieren. Du lernst "Orot", damit du verstehst, was im Volk vorgeht - aber nicht, um dich über andere zu erheben, sondern für dich selbst. Denn wenn du nicht verstehst, zielen die Werke des Herrn der Welt an dir vorbei; wenn du nicht verstehst, bist du kein ganzer Mensch.

Sicher gibt es negative Erscheinungen, auch wird es weiterhin welche geben. Doch warum gibst du dich so sehr mit ihnen ab, warum siehst du nicht das Beständige und das Zukunftsträchtige?

"Der Arme, der auf einem Esel reitet, - siehe, mit den Wolken des Himmels war er gekommen, wie ein Menschensohn" (Sanhedrin 98a; Orot, Israel ve Tchiato §9). Innerhalb dessen, was sich in Armut unseren Augen offenbart, liegt bereits das große, himmlische Licht verborgen. Mein Freund, schau vorwärts!
 
 

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