DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NOACH
Nr. 588
6. Marcheschwan 5767

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 6,9-11,32):
Sittenverfall, Bau der Arche, Sintflut 150 Tage, Neubesiedlung der Erde, noachidische Gebote, Noach betrunken, Sünde Chams, Nachkommen Schem, Cham und Jafets, Turmbau zu Babel, Sprachenverwirrung, die Generationen bis Awra(ha)m und Sara(i).
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Vom Gerechten zum Ackerbauer

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Seit der Sünde des ersten Menschen vergingen zehn Generationen, bis Noach das Licht der Welt erblickte. An ihm hing die Hoffnung der Menschheit: "Dieser wird uns trösten wegen unserer Arbeit und der Mühsal unserer Hände von dem Boden, den der Ewige verflucht hat" (Gen. 5,29). Er wollte in seiner Rechtschaffenheit mit G~tt wandeln und einen Lebensweg finden, der die Fehler seiner Vorfahren vermied. Darum begann Noach das Verhältnis zwischen Mensch und G~tt zu verbessern und das Versagen der Generation von Enosch auszugleichen, wie es heißt: "mit G~tt wandelte Noach" (Gen. 6,9), und dazu bezeugt die Tora: "denn dich habe ich ersehen als gerecht vor mir unter diesem Geschlechte" (Gen. 7,1). Was ihn selbst betraf, korrigierte Noach das Versagen des ersten Menschen, das nach Rabbiner A.J.Kuk in der "Entfremdung von seinem Selbst" bestand. Darum konzentrierte er sich in seinem Leben auf seine eigene Vervollkommnung, entsprechend dem "Or Hachajim"-Kommentar zum Vers "Dieses sind die Kinder Noachs: Noach..." (Gen. 6,9) - seine Nachkommen waren nur "Noach". In den zwischenmenschlichen Verhältnissen vermied Noach zwar den Fehler von Kain und Hewel ("Abel"), nämlich den der Mißgunst, und achtete darauf, niemanden zu stören oder gar zu verletzen, aber er gab sich auch keine besondere Mühe, aus seinem Rahmen herauszutreten und positiv auf andere einzuwirken. Noach hielt sich an das Prinzip: 'Leben und leben lassen! Ich mische mich nicht in eure Privatangelegenheiten ein, und ihr stört mich nicht auf meinem Wege', wie der "Or Hachajim" weiter schrieb: "Noachs Nachkommen waren nur Noach, er negierte alle anderen, denn er brachte seinen Generationsgenossen keinen Nutzen". Als G~tt ihm dann seinen Plan mitteilte, mit der Sintflut die Welt zu vernichten, gibt er sich keine Mühe, zu seinen Mitmenschen herauszugehen und sie zu drängen, sie zu retten, sie von ihren bösen Wegen abzubringen und zu Umkehr zu bewegen, sondern baute sich ganz allein eine Arche, nur um sich und seine Familie zu retten. Noach wollte sich selbst retten, doch sein Niedergang zeugte für seinen Anbeginn. Wenn der Mensch nur an sich selbst denkt, wird sich diese Sorge am Ende an ihm rächen.

So erklärte auch Rabbi Meir Simcha Hakohen aus Dwinsk in seinem Buch "Meschech Chochma" den Midrasch: "Moscheh ist werter als Noach; Noach, der ein gerechter Mann genannt wurde, wurde Mann der Erde genannt, Moscheh, der ein ägyptischer Mann genannt wurde, wurde Mann G~ttes genannt" (Bereschit raba 36,3) - Es gibt zwei Wege des Dienstes an G~tt, der eine ist der Weg dessen, der sich voll und ganz dem Dienst an G~tt widmet und von der Umgebung absondert, und der zweite Weg ist der Weg dessen, der sich dem Dienst an der Gemeinschaft widmet und seine eigenen Angelegenheiten zugunsten der Allgemeinheit zurückstellt bis hin zum Verzicht auf jegliches Privatleben. Eigentlich sollte man doch meinen, daß der Einzelgänger, der sich gänzlich auf seine eigene Vervollkommnung konzentriert, immer höhere spirituelle Stufen erklimmt, wohingegen der mit den Bedürfnissen der Allgemeinheit Beschäftigte an Spiritualtät verliert, wie es im Midrasch über den Vers (Kohelet 7,7) "Macht der Druck den Weisen zum Toren" heißt: "Rabbi Jehoschua ben Levi vergaß 80 Halachot, weil er sich mit den Bedürfnissen der Gemeinschaft befaßte" (Kohelet raba 7,7). Die Erfahrung deutet allerdings in eine andere Richtung; Noach, der sich absonderte und seine Mitmenschen nicht ermahnte, stieg am Ende herab vom "gerechten Mann" zum "Mann der Erde". Im Gegensatz dazu wurde Moscheh zuerst ein "ägyptischer Mann" genannt, der ins Exil flüchten mußte, weil er im Einsatz für das jüdische Volk einen ägyptischen Aufseher erschlug; er, der sein Leben der Führung des Volkes Israel widmete, hieß am Ende "Mann G~ttes" und erreichte die höchste menschenmögliche Vollkommenheit. 

Die talmudischen Weisen stellen einen weiteren Vergleich um Noach an, und zwar mit dem Propheten Schmu'el: "Rabbi Jehuda sagte: In seiner Generation war er ein Gerechter, hätte er in der Generation von Schmu'el gelebt, wäre er kein Gerechter gewesen". Worin unterschied sich Noach vom Propheten Schmu'el? Auch hier liegt der Unterschied in der Anstrengung zur Rettung der Allgemeinheit, wie der Midrasch Tanchuma berichtet: "Als G~tt zu Noach sprach: 'Mache dir eine Arche aus Gopher-Holz', ging Noach und pflanzte Zedern, fällte und zersägte sie und baute aus ihnen die Arche, da fragten ihn seine Zeitgenossen: Wofür sind diese Zedern? Wofür ist diese Arche? Da sprach Noach zu ihnen: G~tt will eine Sintflut über die Welt bringen und wies mich an, eine Arche zu machen, um mich und meine Familie zu retten. Da lachten ihn seine Zeitgenossen aus und spotteten über seine Worte". Nach diesem Midrasch informierte Noach seine Zeitgenossen zwar über die ihnen drohende Gefahr, doch blieb er nahe bei seinem Hause, anstatt von Ort zu Ort zu ziehen und die Leute zu beeinflussen, sie zu überzeugen und zu warnen. Er kam seiner Generation nicht entgegen, und so, selbst als sie zu ihm kamen und er ihnen von der Flut erzählte, nahmen sie ihn nicht ernst und machten sich noch über ihn lustig. Nicht so der Prophet Schmu'el, der sich nicht auf sein Kämmerlein zurückzog und wartete, bis vielleicht jemand zu ihm käme; vielmehr mühte er sich und zog herum von Stadt zu Stadt, und an jedem Ort, wo er anlangte, diente er den Juden als Richter an ihrem Wohnorte. Er bemühte sie nicht zu sich nach Hause. So steht es geschrieben: "Und ging Jahr für Jahr und machte die Runde nach Bet El und Gilgal und Mizpa, und sprach Israel Recht an all diesen Orten" (Schmu'el I, 7,16). Denn nur ein Anführer, der zum Volk herausgeht, kann es beeinflussen.
 
 
 
 
 
HaRav Aviner
 

Der zentrifugale Teufel

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Ich bin der zentrifugale Teufel. Glauben Sie ja nicht, daß ich etwa abstoßend wirke. Im Gegenteil, ich bin sehr kultiviert und höflich, intelligent und gelehrt. Ich überzeuge eine jede Gruppierung mit scheinbar logischen Argumenten, sich von den anderen abzusetzen. Wenn wir geschickt genug vorgehen, wird uns die Spaltung der Nation gelingen und ihre Zersplitterung in tausend Stücke, und die Bosheit wird an die Macht gelangen.
Ich will gar nicht die anderen Teufel herabsetzen. Zum Beispiel die drei altbekannten Teufel von Götzendienst, Unzucht und Blutvergießen, denen es gelang, das jüdische Königtum zu zerstören und die Menschen ins Exil zu schicken. Doch das hielt bloß 70 Jahre vor. Ich gebe ihnen die Zensur "ausreichend". Ich aber verursachte mithilfe des grundlosen Hasses eine Zerstörung, die schon fast 2000 Jahre anhält. 

Auch die anderen heutigen Teufel will ich gar nicht verachten, im Gegenteil, ich arbeite mit ihnen zusammen, wie zum Beispiel mit dem Teufel im Erziehungswesen, oder dem Teufel, zu dem die Sittlichkeit gegangen ist. In aller Bescheidenheit aber- sie können mir nicht das Wasser reichen.

In letzter Zeit allerdings beunruhigen mich sehr die Vorstöße der Sterblichen. Nehmen wir einmal die Geschichte vom Mord an Arlosoroff [Chajim Victor A., palästinensischer Arbeiterführer, ermordet 1933], die zu einem Haßausbruch größten Ausmaßes zwischen Links und Rechts in der Judenheit Palästinas führte. Wirklich hervorragende Arbeit. Darum erwartete ich nach dem Mord an Rabin mindestens einen schönen Bürgerkrieg oder wenigstens einen ordentlichen Riß im Volk. Aber fast nichts dergleichen geschah!

Auch die Affäre um das Waffenschiff "Altalena" [kurz vor Staatsgründung vom "Irgun" Menachem Begins organisiert, von Ben-Gurions Truppen bei Ankunft in Brand geschossen] erweckte in mir große Hoffnungen - und nichts geschah. Daran ist meiner Meinung nach der Staat schuld. In der Galut waren wir ein zersplittertes und verstreutes Volk, und dieser Staat fügt nach und nach die Bruchstücke zusammen. Deswegen mache ich mir große Sorgen. Oder nehmen Sie zum Beispiel die Beziehungen vor hundert Jahren zwischen den Charedim, den Nichtreligiösen und den Nationalreligiösen: Sie gingen sich regelmäßig gegenseitig an die Gurgel und konnten sich auf kaum eine Sache einigen. Und heutzutage kommen sie sich immer näher...

Darum wende ich mich an Sie um Ihre Hilfe. Nur so besteht eine Hoffnung, die Nation zu spalten. Zu unserem großen Glück blieb unsere Hauptwaffe zum höchsten Ziel der Spaltung intakt - die üble Nachrede. Selbst die Religiösen in allen ihren Varianten sehen nämlich gar keine Sünde darin, den Nächsten in schlechtem Licht erscheinen zu lassen und solchen Reden Glauben zu schenken. Da tummeln sich nach Belieben alle Bazillen des Hasses. Die heutigen Massenmedien eignen sich dabei ganz vorzüglich zu deren Verbreitung: Zeitung, Radio, Fernsehen; und nicht zu vergessen, das jüngste Mitglied im Klub der Dreckschleuderer - das Internet, das wahre Wunder wirkt.

Vergeuden Sie aber diese wunderbare Waffe nicht umsonst; verleumden Sie niemanden, den alle gut kennen. Man wird Ihnen einfach nicht glauben, und damit setzen Sie unnötig Ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Am besten wirkt die Verleumdung von Leuten, die keiner versteht. Damit schafft man eine fruchtbare Grundlage für den Haß.

Verachten Sie nicht selbst den kleinsten Erfolg auf diesem Gebiet. Wenn es Ihnen gelang, Haß im Herzen eines einzelnen Menschen zu säen, kann man durchaus hoffen, daß er sich dessen ganzer Umgebung bemächtigt. Am besten konzentriere man sich auf Leute mit extremen Ansichten und einem Mangel an Geduld - wie jene, die ohne Hemmungen von Bruderkrieg reden. Oder jene, die mir wirklich Freude machen: Sie verurteilen Bruderkrieg - nur daß sie ihre Gegner gar nicht als Brüder ansehen. Absolut genial! Folgen Sie diesem Beispiel und reden Sie nicht gegen die Einigkeit, im Gegenteil, präsentieren Sie sich als Befürworter der Einigkeit, und gleichzeitig machen Sie allen klar, daß "jene" nicht zur Allgemeinheit gehören und zum Wohle der Einigkeit entfernt und verbannt werden müssen. 

Unterschätzen Sie nicht den Gegner. Gelang es mir doch nach übermenschlicher Anstrengung, das Katif-Gebiet zu zerstören und 8000 Männer, Frauen und Kinder zu vertreiben. Na, dachte ich, jetzt wird es doch endlich einen saftigen Bruderkrieg geben. Doch leider vergebens! Diese Leute und ihre Helfershelfer sind doch wirklich auf Nächstenliebe vernagelt, oder wie sie es nennen: Liebe und Glauben.

Darum besteht das Hauptproblem in Leuten wie diesem Rabbiner Kuk. Bei ihm und seinesgleichen ist die Einigkeit auf der Seele eingeprägt. Ich reiße, und sie vernähen, ich teile, und sie verbinden. Sie haben das, was sie "jüdische Nächstenliebe" nennen, gegen alle Zerstörungsversuche abgeschottet, gegen alle Krisen und Versuchungen. Sie haben eine komplette Theorie entwickelt, wonach alle politischen Strömungen notwendig und sogar positiv zu werten sind. 

Darum reicht es nicht, diese Leute durch Verbreitung von Gerüchten zu diffamieren, man muß sie vielmehr zu Gegenreaktionen provozieren. Das Dumme an ihnen ist doch, je mehr man sie verleumdet und zertrampelt, desto fester verharren sie in ihrem Rechte. Und nicht nur das - sie nehmen es auch noch zum Anlaß, mehr zu lieben.

Vergessen Sie nicht zu beten: Möge es der Wille sein, daß es mir gelinge, einen Keil zwischen Mensch und Mitmensch zu treiben, nur die Mängel meines Nächsten zu sehen und niemals seine Vorzüge, und möge es mir vergönnt sein, immer zu zerstören und nie der Wahrheit zu verfallen...
 

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