DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TEZE
Nr. 631
11. Elul 5767

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 21,10-25,19):
Die Kriegsbraut, geliebte u. gehaßte Frau, ungehorsamer Sohn, Fundsachen, Dachgeländer, div. Eherecht, Verhältnis zu 
Nachbarvölkern, Entlohnung, Zinsen, Pfand, Schwagerehe, Ehefrau greift in Streit ein, korrekte Gewichte, gedenke Amalek.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Das Geheimnis der Leviratsehe

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Schon seit einigen Monaten laborieren die Lernenden des "taglichen Talmudblattes" (Daf jomi) am Traktat Jewamot, das zu den schwersten im ganzen Talmud zählt. Neben den Problemen beim Verständnis der verwickelten Themenstränge bedrückt die Lernenden vor allem die Schwierigkeit, die Leviratsehe an sich zu verstehen [Jibum, das Toragebot, die kinderlose Witwe des Bruders zu heiraten; heute grundsätzlich ersetzt durch die Zeremonie der Chaliza, die Bruder und Witwe von dem Gebot befreien].

Die fundamentale Botschaft der Leviratsehe besteht in der Übernahme der Verantwortung der Familienangehörigen für die Fortführung des Lebenswerkes des verstorbenen Bruders, der keine Nachkommen hinterließ. Das Lebenswerk geht nicht mit dem Tod zuende, und seine nächsten Angehörigen - seine Frau und sein Bruder - müssen dafür sorgen, "dass nicht ausgelöscht werde sein Name aus Israel" (Dt. 25,6), dass er nicht aus der Welt scheidet, ohne jegliches Andenken zu hinterlassen. Die Leviratsehe bedeutet keine neue Eheschließung, sondern die Weiterführung der vorigen ehelichen Bindung, was auf verschiedene Weisen in den Gesetzen der Leviratsehe zum Ausdruck kommt. 

Auf der Grundlage dieser einfachen Erklärung gab Rabbiner Moscheh ben Nachman ("Nachmanides") in seinem Kommentar zu unserem Wochenabschnitt und zu Wajeschew eine tiefsinnigere Deutung, und zwar in Bezug auf die Wiederkehr der Seelen. In diesem Sinne schrieb der Kommentator Rabenu Bechaje: "Das Gebot der Leviratsehe bringt der Seele des Verstorbenen einen großen Nutzen, und bekanntlich wächst der Genuss der Seele, wenn sie in jemandem wiederkehrt, der ein naher Verwandter ist, wegen der großen Affinität zu ihm" (Kad Hakemach, "Über die Vorsehung"). Er will damit ausdrücken, dass die Seele des verstorbenen Bruders im Körper des Sohnes in die Welt zurück kehren soll, der in der erneuerten Ehe geboren werden wird, die die Witwe mit dem Bruder eingeht, und dazu heißt es: "Und es soll geschehen: der Erstgeborene, den sie gebiert, soll eintreten auf den Namen seines Bruders, des verstorbenen" (ebda.).

Im Folgenden erweitert er diese Deutung noch: "Diese Sache [der Wiederkehr der Seele] bedeutet eine Gnade G~ttes für Israel, dass es allen Seelen vergönnt ist, im Lichte des Höchsten zu leuchten... und diese Sache fanden wir ausdrücklich in den Worten Elihus, der sagte (Ijow "Hiob" 33,29-30): Siehe, all dies wirkt G~tt zweimal, dreimal gegen den Mann, zurückzuführen seine Seele von der Grube, dass sie leuchte im Lichte des Lebens". Sagte die Schrift: Zweimal, dreimal leuchtet sie mit dem Lichte des Lebens, das auf dem Angesicht der Erde, um sie von der Grube zurückzuführen...".

Die Frage der Seelenwanderung ist bei den großen Toraweisen umstritten. Rabbiner Sa'adja Gaon, zum Beispiel, weist den Glauben an die Seelenwanderung rundweg von der Hand, ebenso Sefer HaIkarim und andere. Die Mehrheit unserer Toragrößen jedoch, vor allem die Kabbalisten, akzeptierten den Glauben an die Seelenwanderung, indem sie sich auf Verse des Tanach (Tora, Propheten und Schriften) sowie auf Midraschim der talmudischen Weisen stützen. 

Zur weiteren Klärung des Themas will ich hier Auszüge aus einem Vortrag bringen, den Rabbiner David Hakohen (genannt der Nasir) vor etwa 50 Jahren hielt: 

* * *
"Zuerst wurde diese Sache, wenn auch nur in Andeutung und verdeckt, von Nachmanides bekannt gemacht. Das Buch Ijow, insbesondere die Antwort Elihus, stützt sich weitgehend auf diese Idee. In seinem Kommentar zu Ijow macht Nachmanides dazu verborgene Andeutungen, in seiner Deutung der Antwort von Elihu, die praktisch die Ansichten der drei Freunde wiederholt, doch gerade seine Worte finden eher Anklang im Herzen Ijows: Siehe, all dies wirkt G~tt zweimal, dreimal gegen den Mann, zurückzuführen seine Seele von der Grube, dass sie leuchte im Lichte des Lebens. Nachmanides erklärt, dass Elihu in seinen Worten auf eine neue Deutung zur Frage des "leidenden Gerechten" ["Wie lässt G~tt zu, dass es leidende Gerechte und wohllebende Bösewichte gibt?"] hinweist, dass nämlich der Gerechte für Untaten in einem früheren Leben bestraft wird.

Rabenu Bechaje erklärte ausführlich die Andeutungen des Nachmanides, und zu den Versen, die in diesem Zusammenhang erklärt werden, gehört auch der obige. Ebenso erklärt sich auch der Vers: Feist wird sein Fleisch von Jugendfrische; er kehrt in die Tage der Kindheit zurück (Ijow 33,25), nachdem der Mensch alt geworden ist, wird seine Seele in einen jungen, neuen Körper gegeben.

Im "Sefer Habahir" findet sich in dieser Idee der Schlüssel zur Frage des "leidenden Gerechten und des wohllebenden Bösewichtes". Er bringt das Gleichnis von einem Menschen, der Wein anbaut, aber faulige Trauben erntet. Er entwurzelt ihn und pflanzt ihn aufs Neue. Wiederum gelingen die Früchte nicht. Er reißt ihn wieder aus und pflanzt ihn nochmal. Und so hält er es immer wieder. Mit diesem Gleichnis wird auf die Seele angespielt, die in unsere Welt geschickt wurde, um ihre Aufgabe zu erfüllen, und dabei keinen Erfolg hatte. Darum wird sie noch einmal geschickt, um wieder gut zu machen, was sie vorher verbrochen hatte. Und so ein drittes Mal, zu vollenden, was sie offen ließ.

Zwischen der Lehre von der Seelenwanderung und dem Glauben an die Wiederauferstehung besteht kein Widerspruch. Auch gibt es kein Problem mit der Frage: Wenn die Seele wiederkehrt und in mehreren Körpern erscheint, wie werden denn alle diese Körper an der Wiederauferstehung teilnehmen? Die Seele ist nämlich kein materielles Wesen. Sie ist eine spirituelle Schöpfung, die unser Einsichtsvermögen übersteigt. Wir betrachten ihre Aktivitäten und ihre Erscheinungen, doch ihr Wesen kennen wir nicht. Etwa so, wie wir niemals das Wesen G~ttes erfassen können, "denn nicht meine Gedanken sind eure Gedanken" (Jeschajahu 55,8), und so wie wir nicht von der Realität, wie sie sich vor unseren Augen präsentiert, Schlüsse auf die göttliche Realität ziehen können, so kann man auch von materiellen Begriffen keine Schlüsse auf Begriffe der Seelenwelt ziehen". 

* * *
Wir können natürlich mit diesen Geistesgrößen nicht mithalten, wollen uns aber zum Schluss einen Abschnitt aus den Schriften von Rabbiner A.J. Kuk zu diesem Thema ansehen: "Direkt betrachtet besteht kein vernünftiger Grund, die Seelenwanderung abzuweisen. Warum sollte nicht die Verbindung der spirituellen Seele mit der Materie Ziel von Bearbeitung, Feinschliff und Hervorhebung von irgend welchen neuen Qualitäten ersterer sein? Und warum sollte sich diese Bearbeitung nicht wieder und wieder wiederholen, wenn ihr Werk noch nicht vollendet ist? Mit Erstaunen nehmen wir jene Denker zur Kenntnis, von denen sich einige finden, die diese wohl durchdachte Theorie ablehnen..." (Acht Sammlungen VII,179).
 
 
 
 
HaRav Elijahu
 

Eine neue Synagoge?

Rav Mordechai Elijahu
ehemaliger sefardischer
Oberrabbiner Israels

Einmal war ich zur Einweihung einer großen Synagoge in den USA eingeladen. Es wurde natürlich von mir erwartet, dass ich die Leute segne, die sich für den Bau dieses Hauses eingesetzt und dafür Millionen Dollar gespendet hatten. Was sollte ich machen? Sollte ich sie dafür preisen, dass sie sich für einen heiligen Zweck eingesetzt hatten? Oder sollte ich sie verurteilen, weil sie in ein festes und bleibendes Bauwerk außerhalb des Landes Israel investiert hatten? Deuten ihre Taten doch darauf hin - g~ttbehüte - daß sie nicht "täglich auf ihn hoffen" [die Ankunft des Maschiach, siehe "Dreizehn Glaubensartikel" des Maimonides nach dem täglichen Morgengebet]. Dann würde nämlich eine zeitweilige Hütte genügen, bis sie alle nach dem Lande Israel eingewandert sind.

Über so einen Fall heißt es im Talmud: "Rabbi Chanina sagte: Wenn jemand dir [im Jahre] vierhundert nach der Zerstörung des Tempels ein Feld im Werte von tausend Denar für einen Denar zum Ankauf anbietet, so kaufe es nicht" (Awoda sara 9b), und der Raschikommentar erklärt dazu: Schade um das Geld - "Warum willst du einen Dinar verlieren?", erreicht ist "das Ende, die Erlösung, und du wirst zum heiligen Berge zum Erbbesitz deiner Vorväter eingesammelt werden".

Am Ende ziterte ich aus dem Talmud die Geschichte von Rabbi Jochanan, der zu seiner Zeit der größte der Weisen im Lande Israel war: Einmal erzählte man ihm, daß es in Babylonien Juden gebe, die ein hohes Alter erreichten. Das wunderte ihn sehr und er fragte, wie könne das angehn? Es heißt doch ausdrücklich in der Tora: "Auf dass sich mehren eure Tage und die Tage eurer Kinder auf dem Erdboden, den der Ewige geschworen euren Vätern, ihnen zu geben - wie die Dauer des Himmels über der Erde" (Dt. 11,21); auf diesem Erdboden mehren sich die Tage der Kinder Israels, aber auf fremdem Erdboden sind sie zur Strafe. Dort können sich ihre Tage nicht mehren! (Brachot 8a). Im Gegenteil: "Und ihr werdet umkommen unter den Völkern; und verzehren wird euch das Land eurer Feinde" (Lev. 26,38)! Schließlich sagte man Rabbi Jochanan, dass die Juden in Babylonien frühzeitig zur Synagoge gehen und auch länger als verlangt dort verweilen - da sagte er: Das ist es, was ihnen zugute kommt. 

Diese Erklärung fußt auf der Tatsache, dass jede Synagoge ein "kleines Heiligtum" ist, wie geschrieben steht: "...so werde ich ihnen doch zu einem kleinen Heiligtum in den Ländern, in die sie gekommen sind" (Jecheskel 11,16). Natürlich ersetzt das um Himmels Willen nicht das große Heiligtum, den Tempel, nur dass jede Synagoge (Bet Knesset) und jedes Lehrhaus (Bet Midrasch) die Herzen der dort Betenden auf den Tempel in Jerusalem und das Allerheiligste ausrichten. 

Ich sagte ihnen, wenn eine Gemeinde so viel für ihre Synagoge ausgibt, dann werden doch jetzt sicher alle G~ttesdienstbesucher mit erhöhter Ehrfurcht die Gebete sprechen und mehr auf die Worte achten, die dabei über ihre Lippen gehen. Und wenn die Gebete mit Konzentration auf die Worte gesprochen werden, dann erwecken sie in den Betern den Willen zur Einwanderung nach dem Lande Israel (Alija) und zum Aufbau Jerusalems; eine echte, wahre Königsherrschaft im Volke Israel zu schaffen. Und dass wirklich, aber auch wirklich der Tempel auf dem Tempelberg errichtet wird. Kurz gesagt: Wenn jemand mit großer Andacht aus vollem Herzen betet, muss er am Ende einwandern und im Lande siedeln.

Weiter sagte ich ihnen, wenn jemand mit seiner Synagoge verbunden ist und es noch nicht zur Einwanderung reichte, so ist er doch schon auf dem Wege zum Lande Israel. Der Talmud vermerkt, dass "in der kommenden Zukunft die Synagogen und die Lehrhäuser Babyloniens [des Exils] im Lande Israel verankert werden" (Megilla 29a). Natürlich ist jedermann klar, dass nicht nur die schönen Bauwerke nach Israel transferiert werden. Auch diejenigen, die ehrlich darinnen gebetet haben, werden mit den Gebäuden zusammen ins Land kommen. 

Ich schlug ihnen vor, schon jetzt Wohnungen im Lande Israel zu kaufen, denn ihre jetzigen Wohnungen werden sicher nicht mit ihrer Synagoge nach Israel überwechseln. Denn wo werden sie wohnen, wenn ihre Synagoge aufgehoben wird und mit ihnen zusammen an ihrem neuen Standort im Lande Israel festmacht? Sie müssen schon jetzt in Geschäfte im Lande Israel investieren, damit ihr Lebensunterhalt sicher gestellt ist, wenn sie sich dort wieder finden. Außerdem riet ich ihnen, schon jetzt das Land besuchen zu kommen und Ausflüge zu unternehmen, damit sie sich daran gewöhnten, damit ihnen nicht alles neu ist. Sie sollten schon jetzt ihre Kinder schicken und einwandern lassen, damit sie ihnen helfen können, zu akklimatisieren, wenn sie ihnen schließlich nachfolgen. Kurz gesagt: Sie sollten sich auf die Einwanderung vorbereiten.

Auch wenn es am besten wäre, schon jetzt einzuwandern, muß doch jeder, der es zu diesem Zeitpunkt noch nicht schafft, sich auf diese Einwanderung vorbereiten, denn wenn es soweit ist, wird es sicher sehr hektisch zugehen. Und obwohl wir nicht wissen, "wie es sein wird, bis dass es sein wird", ist es sicher eine gute Idee, sich ernsthaft darauf vorzubereiten.

MJ309


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