DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Dt. 26,1-29,8):
[Elul, der Monat der Buße und der Umkehr,
der Besserung der Beziehungen zu sich selbst, zu den Mitmenschen und zu
G~tt]
Er befällt meist äußerst begabte Menschen, die es dadurch im Leben zu etwas bringen. Er erfreut sich besonderer Beliebtheit bei Eltern und Lehrern. Er entstammt der einfachen Tatsache, dass die menschliche Seele in den höheren Sphären ihren Ursprung hat und sich nicht mit Halbheiten abfindet. Er wird so sehr hochgeschätzt, bis es schon kaum zu glauben ist, dass gerade er, der Perfektionismus, den Titel "Feind der bußfertigen Umkehr" (Teschuwa) verdient. Mit seiner Hilfe kann der Mensch selbst prüfen, was er an sich verbessern muss, von welchen Fehlern er ablassen muss, und trotzdem nimmt er dem Menschen den Schlüssel zur Umkehr aus der Hand und neutralisiert seine Fähigkeit zu ehrlicher, bußfertiger Umkehr. Der Perfektionist kann sich nicht mit seinem Zustand der Unvollkommenheit abfinden, er kann nicht in kleinen Schritten umkehren. Er besteht auf vollständiger Umkehr auf einen Schlag. Jeder Makel, selbst der allerkleinste, den er an sich findet, bringt ihn aus der Ruhe. Solange er keinen vollen Erfolg verbuchen kann, gilt er vor sich selbst als wertlos, und wenn jemand seine Erfolge nicht anerkennen will und sich stattdessen den anklagenden Spiegel vorhält, der mit großer Begabung alle seine schlechten Seiten vorzeigt, kommt er schnell zu dem Schluss, dass er den Umkehrprozess nicht durchführen und nicht durchstehen kann. Beim Anblick seiner Erfolge kommt in ihm keine Freude auf, und er hält es so wie Haman, der seiner Frau Seresch und allen seinen Freunden von seiner Ehre und seinem Reichtum erzählt, von seinen zahlreichen Söhnen und der besonderen Gunst seitens Königin Esther. Er ist sich bewusst, dass ihn der König über alle anderen Minister und Höflinge gestellt hat - doch schließt er mit dem Spruch: "Doch all das gilt mir nichts, zu jeder Zeit, da ich sehe Mordechai, den Jehudi, sitzen am Tore des Königs" (Esther 5,13). Ohne Vollkommenheit hat für ihn das alles keinen Wert. Wie bei Haman in der Welt der Genüsse, so - lehavdil - bei vielen, die moralisch-spirituelle Vollkommenheit anstreben; die kleinste Abweichung vom dem, was ihnen als der vollkommene Dienst an G~tt vorschwebt, vereitelt den Wert aller ihrer Leistungen und nimmt ihnen die Freude an ihrem Werk. Es fällt dem Menschen nicht selten schwer, von allen seinen Sünden erfolgreich Umkehr zu tun. Es gibt Sünden, bei denen er fühlt, der Aufgabe zu diesem Zeitpunkt nicht gewachsen zu sein, vielleicht schafft er es in der Zukunft, doch jetzt kann er sich nicht dazu aufrappeln. So ein Mensch kann wenigstens von seinen übrigen Fehltritten umkehren, doch wenn er von der Krankheit des Perfektionismus befallen ist, hat eine teilweise Umkehr keinen Wert für ihn. Folglich lässt ihn ausgerechnet sein Streben nach Vollkommenheit auf der Stelle treten, ohne dass er etwas ändern kann. Gegen diese Gefahr schrieb Rabbiner A.J. Kuk: "Man schiebe die Teschuwa nicht auf wegen irgend eines spirituellen, und erst recht nicht materiellen Hinderungsgrundes, und selbst wenn man sieht, dass man von einigen Dingen nicht umkehrt, für die es gar keine Entschuldigung gibt, so kehre er dennoch mit Freude um von allem, zu dem es ihn drängt" (Me'orot Hara'aja). Auf den ersten Blick sieht das wie ein Kompromiss aus, sich zunächst mit partieller Umkehr zu begnügen, doch in Wirklichkeit handelt es sich dabei um höchste Überwindungskraft, seinen Dienst an G~tt nicht einer Einbildung von einem Streben nach Vollkommenheit zu unterwerfen, die den Menschen letztendlich an seinen Platz fesseln. Noch etwas fällt besonders bei den Perfektionisten auf, und zwar das Unvermögen, eigenen Schwächen mit Verständnis zu begegnen und sich etwaiges Versagen zu verzeihen. Wer sich selbst so mit Funken fordernden Feuers versprühenden Augen betrachtet, wird es schwer haben, ein Leben freudiger spiritueller Bewegung zu leben. Ohne jegliche Beziehung zur Realität sieht er sich selbst als Sünder und Schandfleck, als ewiger Versager, auch wenn ihn ein Außenstehender als verdienstvoll einstufen würde. Diese übertriebene Selbstkritik steht wie eine Pfeilspitze zwischen ihm und der Fähigkeit, sich zu ändern, denn wer nicht an sich selbst glaubt, woher soll er die Kraft zur Umkehr schöpfen?... Weiter schrieb Rabbiner Kuk dort: "Wenn ein Mensch Umkehr aus Liebe tut, muss er sich selbst alle Sünden verzeihen, so wie er seinen Nächsten besänftigen muss bezüglich der Vergehen zwischen dem Menschen und seinem Nächsten, um dessen Vergebung zu erhalten. Und nachdem er in seinen eigenen Augen entsühnt und rein von Sünde ist, wird über ihn das Heilige, Anteil am Hohen erwachen, so dass sich alle seine Sünden in Verdienste verwandeln" (ebda.). Wenn wir uns die Sache eingehender
betrachten, werden wir entdecken, dass das Streben nach Vollkommenheit
meistens ein Ausdruck von Selbstversunkenheit ist. Es gilt sich daraus
zu befreien, hin zu einer anderen Vollkommenheit, die Schritt für
Schritt voran geht gemächlich auf den Spuren von G~ttes Willen.
Hasse keinen einzigen Menschen, bewahre keinen Groll, das ist nicht gut, auch nicht gesund, auch wenn du recht hast mit deinem Hass, und erst recht wenn du nicht recht hast. Das Gefühl ähnelt nämlich nicht dem Verstand. Der Verstand hat ein unermessliches Aufnahmevermögen. Er kann sogar Widersprüche aufnehmen, ohne sich daran zu stören. Doch beim Gefühl ist das anders, es kann keine gegensätzlichen Welten aufnehmen, ohne zu zerspringen. Es muss sich für eine Seite entscheiden. Entweder bist du ein fröhlicher Mensch oder ein trauriger, entweder Optimist oder Pessimist, entweder Held oder Angsthase. Ebenso entweder ein liebender Mensch oder ein hassender Mensch. Wessen Wesen dem Hass gehört, dem wird es in tausend Stücke zerspringen. Er wird zu einem nachtragenden Menschen, jemand, der gerne Salz in Wunden streut. Auch wenn er recht hat, auch wenn seine schweren Gefühle in Wirklichkeit gerechtfertigt sind, nach allen Regeln der Ethik und der Halacha, so schießt er sich damit dennoch ein Eigentor, er bestraft sich damit selbst. Außer den Leiden und Qualen, die ihm Andere zufügten, sorgt er für deren Fortsetzung, indem er sich selbst Leiden verursacht. Nur sein Hass wird größer, ansonsten hat er gar nichts davon. Es mag wohl angehen, dass jener Mensch oder jene Gruppe den Hass verdienen, doch sie sind es ja nicht, die uns interessieren, vielmehr tut es uns leid um den Hasser, der in den Abgrund der Selbstzerstörung gleitet. Und erst recht, wenn der Hass nicht gerechtfertigt ist, denn jener Mensch hat dir vielleicht einmal Böses zugefügt, aber zehnmal Gutes angetan. Verliere nicht die Proportion aus den Augen, lass dich nicht mitreißen, behalte einen kühlen Kopf. Sicher ist jener Mensch kein Engel, aber auch du bist kein Engel. Wenn du dir selbst lieb bist, dein Glück, deine Ehrlichkeit - reiß aus vor dem Hass. Das Problem ist nur: Leicht gesagt und schwer getan! Der Trieb des Hassens sitzt tief, tief im Menschen. Darum sollte man sich eine Strategie zu eigen machen, die aus drei Schritten besteht: 1. Deinen Hass eingestehen. Nicht ausweichen und nichts beschönigen. Dieses Gift nicht mit beschönigenden, weichen Worten umschreiben, gib es offen zu: Du hasst! Du hasst deine Eltern / Kinder / Ehepartner / Nachbarn / Freunde / politische Gegner / Andersdenkende. 2. Gib zu, dass der Hass etwas Schlechtes ist, Gift, Verbrechen. Es gibt zwar ganze Ideologien, die den Hass verherrlichen, oder jedenfalls rechtfertigen, doch wir gehören zu den Schülern unseres Vorvaters Awraham und unseres Lehrers Moscheh, wir gehören nicht zu den Hassern, wir bewahren keine Untat auf Ewigkeit. 3. Du bist fähig, dich vom Hass zu befreien. Obwohl es sich dabei um einen starken Trieb handelt, hast du einen anderen, noch stärkeren Trieb. Du hast eine reine Seele, eine göttliche Seele mit mächtigen Kräften. Darum gib nicht auf. Nimm den Kampf an, und du wirst siegen. Zwar sind die Triebe des Hasses, der Gewalt und des Mordes starke Triebe im Menschen, und manche fragen: Stammt der Mensch denn nicht vom Tiere ab? So lassen sich einige Toraverse auslegen, nicht nach ihrer einfachen Wortbedeutung, aber als Gleichnis. Die Antwort: Wir wissen es nicht, denn wir haben damals noch nicht gelebt. Und selbst wenn es so wäre, darf man einem Bußfertigen nicht seine früheren Missetaten vorhalten und einem Konvertiten nicht seinen Ursprung. Darum ist nicht dies die Frage, die uns bewegt, ob der Mensch vom Tier abstammt, sondern ob er schon den Rang des Menschen erreicht hat! Leider noch nicht... Er hat zwar schon große Fortschritte gemacht, doch immer noch beherrscht ihn das "Tier im Menschen". Wer sich einmal die Tierwelt
betrachtet, wird dort viel Grausamkeit vorfinden, wie ein Tier das andere
auffrisst. So hat es G~tt in seiner Welt eingerichtet. Doch der Mensch
wurde im "Ebenbild G~ttes" geschaffen und muss das Tier im Menschen überwinden.
Diese Arbeit hört nicht auf: Der Mensch muss täglich vor sich
Rechenschaft ablegen und seine Seele von neu sprossendem Hass reinigen,
der immer wieder hervor brechen kann, wenn wir nicht acht geben, so wie
das Unkraut im Felde - damit er ein immer liebender Mensch sei.
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Neu! Wir freuen uns,
zusätzlich zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines
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und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
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Lichterzünden/Schabbatausgang
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