DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Anschrift: Sderot Hame'iri 2
Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL 
Tel. +972 2 6511906
Fax +972 2 6514820             http://www.machonmeir.org.il

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT HA'ASINU
Nr. 584
8. Tischri 5767

Schabbat Schuwa

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage: www.kimizion.org
-Archiv der "Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag' den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update) als die Machon-Meir-Seite

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 32,1-32,52):
Weltgeschichte von ihren Anfängen bis zum Ende in kurzer Gedichtform, nochmalige Ermahnung des Volkes, Vorschau auf Moschehs Tod.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Ein unvergeßlicher Schabbat

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Nicht nur der Schabbat wird "Schabbat" genannt, sondern überhaupt jeder Feiertag. So lehrten die talmudischen Weisen in Erklärung des Toraverses: "Und ihr sollt zählen vom anderen Tage nach der Feier [Schabbat] an" (Lev. 23,15), daß damit das Omerzählen nach dem ersten Feiertag von Pessach an gemeint ist. Dadurch wird die Besonderheit von Jom Kippur noch mehr hervorgehoben, der nicht nur einfach "Schabbat" genannt wird, sondern "Schabbat Schabbaton" (Lev. 16,31). 

Was macht Jom Kippur "schabbatlicher als den Schabbat"? Wenn wir uns z.B. die Strenge der Verbote ansehen, dann ist Schabbat strenger als Jom Kippur (Tod durch Steinigung statt himmlischer Abtrennung). Diese Frage hatte anscheinend Maimonides bei den Gesetzen über das Ruhen am 10. Tischri (Jom Kippur; 1. Kap.) vor Augen. Halacha 1: "Es ist ein Gebot, von der Arbeit am Zehnten des siebten Monats zu ruhen, wie es heißt: eine Schabbatfeier sei er euch (Lev. 23,32)". Halacha 4: "Ein anderes Gebot gibt es an Jom Kippur, nämlich von Essen und Trinken zu ruhen, wie es heißt: sollt ihr euch kasteien (Lev. 16,29)". Halacha 5: "Ebenso lernten sie von der mündlichen Überlieferung, daß es an diesem Tag verboten sei, sich zu waschen und zu salben... und ein Gebot, von all diesen zu ruhen, so wie man von Essen und Trinken ruht, wie es heißt: Schabbat Schabbaton, Schabbat - was die Arbeit betrifft, Schabbaton - bezüglich der anderen Dinge".

Warum bauen alle Jom Kippur-Gesetze auf das "Ruhen"? 
Man kann darin eine grundsätzliche Botschaft zur Bedeutung des Fastens sehen. Welches Ziel verfolgt der Fasttag? Dabei werden doch die körperlichen Neigungen unterdrückt. Es gibt dabei eine Bereitschaft, auf Genüsse zu verzichten, Hunger und Durst zu erdulden, ebenso Unbeqemlichkeit hinzunehmen. Wozu das alles? Will die Tora ihre Anhänger zu Masochisten erziehen und Schmerzen genießen lassen? 

Es gibt dazu einen bekannten chassidischen Ausspruch: "An Tischa Be'Aw - wer kann da essen?! An Jom Kippur - wer muß da essen?!" Prüfen wir uns einmal selber: Wer von uns wäre bereit, auf Jom Kippur zu verzichten, trotz all seiner Schwierigkeiten? Wir brauchen doch ein Erlebnis der inneren Reinigung. Wir brauchen doch das Gefühl der spirituellen Erhebung. Wir brauchen doch das erhebende Gefühl, für einen Moment den egozentrischen Kreis des Lebens zu verlassen und auf eine höhere Ebene zu gelangen, auf eine wertvollere Ebene.

Der Fasttag soll nicht die Persönlichkeit des Menschen bedrücken. Vielmehr soll er die schöpferischen Kräfte zum Ruhen bringen. Das Fasten hält die Neigung zu niederen Vergnügungen im Zaum. Das Fasten stoppt die Sucht nach spontanen Genüssen. Es hält einen Teil der Persönlichkeit zurück, um einen anderen Teil zum Vorschein zu bringen. Es gibt unserem tiefen Willen Ausdruck, in Wirklichkeit an einem ganz anderen Ort sein zu wollen. Es gibt dem Willen Ausdruck, etwas von der Ewigkeit zu erleben, etwas mit geistigem Tiefgang und Höhe. Das Fasten soll den Menschen nicht zerstören, sondern seinen wahren, tieferen Willen offenbaren.

Darum gibt es das Gebot des Essens und Trinkens am Vortage des Jom Kippur. Darum gibt es das Gebot, mit dem Bau der Sukka (Laubhütte) gleich nach Ausgang von Jom Kippur zu beginnen. Die "Ruhe des Zehnten" soll die Seele des Menschen nicht quälen. Sie soll ihm ein viel wesentlicheres Vergnügen ermöglichen. Sie soll zu einer viel höheren "Lebensqualität" führen, uns aus der tagtäglichen Kleinheit herausheben, unsere großen, ideellen Bestrebungen offenbaren und die Begegnung mit der tieferen Bedeutung, die wir unserem Leben geben, ermöglichen.

Aufgrund dieses tiefgehenden Erlebnisses der "Ruhe des Zehnten" mögen wir Verzeihung und Sühne, Vergebung und Reinheit erhalten.
 
 
 
Frage und Antwort

Wähl dir einen Rav

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich bin ganz verwirrt. Es gibt so viele Rabbiner, mit so vielen verschiedenen Ansichten. Wie kann ich da wissen, auf wen ich hören muß? Warum schließen sie sich nicht zusammen in einer Art Sanhedrin? Und warum folgen nicht alle Rabbiner den als größte rabbinische Autoritäten anerkannten Rabbinern? 

Antwort: Eine schmerzliche Frage stellen Sie da. Was das Sanhedrin angeht, schrieb bereits Rabbiner A.J. Kuk, dafür seien Rabbiner von solch immenser Weisheit nötig, die heute nicht mehr existieren (Igrot I, S.341). Und er sprach damals von seiner Generation, vor etwa 100 Jahren - was sollen wir erst sagen?! Allerdings wirkte er mit großer Selbstaufopferung für die Vorbereitung der Grundlage eines neuen Sanhedrins (Igrot II, S.59-60), und zwar in Gestalt des israelischen Oberrabbinats (Ma'amarej Hara'aja S.455).

Wenn Sie also an der Einheit der Rabbiner interessiert sind, dann stärken Sie das Ansehen und den Status des israelischen Oberrabbinates. Sagen Sie aber nun nicht, es repräsentiere nicht genau Ihre Linie. Wer nämlich sagt: "Ich bin für Einheit der Rabbiner - aber unter der Bedingung, daß die Einheit auf meiner Linie liegt", hat keine Ahnung, was Einheit bedeutet (siehe dazu Rosch Haschana 25b). Darum führt der Weg zur Einigkeit der Rabbiner über die Institution des Oberrabbinats. Wir dürfen uns aber nichts vormachen: Den Zeitpunkt, wenn sich die Rabbiner einigen, werden wir weder heute noch morgen erleben. 

In Ermangelung des Sanhedrins müssen wir uns also an die Größen der jeweiligen Generation halten, die nach dem "Sefer HaChinuch" das Sanhedrin ersetzen (Gebot 492). Entsprechend schrieb einer der Tossafisten, daß ein außergewöhnlicher Toragelehrter eine vergleichbare Autorität hat wie der Rabbiner, von dem man am meisten gelernt hat (Baba kama 41b). Wer entscheidet aber, welcher Rabbiner als "außergewöhnlicher Toragelehrter dieser Generation" gilt? Fragt man einen Chassid, wird er sicher auf seinen Rebben verweisen, fragt man einen Anhänger der litauischen Richtung, wird er auf eine der halachischen Autoritäten verweisen, fragt man einen Nationalreligiösen, wird er einen großen Toragelehrten nennen, ein breslaver Chassid wird sagen: Rabbi Nachman, und ein lubawitscher Chassid wird sagen: der letzte Rabbi von Lubawitsch. Und alle haben sie recht, alle sind groß, "alle sind sie in Liebe vereint, alle auserlesen, alle voll Kraft, und alle vollziehen in Bangen und Ehrfurcht den Willen ihres Schöpfers, alle öffnen ihren Mund in Heiligkeit und Reinheit" (Morgengebet) - doch sind sie sich nicht einig untereinander.

Es gibt aber eine Vorhalle, die zum Palast führt. Im "Palast" sind sich alle Rabbiner einig, und in der "Vorhalle" hält jeder an seiner Ansicht fest, respektiert aber die anderen. Anderenfalls würde die Vorhalle niemals zum Palast führen.

Während der Periode der "Vorhalle" - von der wir nicht wissen, wie lange sie andauern wird - wählen Sie sich einen Rabbiner und folgen Sie ihm, während Sie die anderen Rabbiner respektieren - und respektieren Sie auch die Leute, die sich andere Rabbiner wählen. Zwingen Sie niemandem Ihre Ansicht auf, und versuchen Sie nicht, die Alternativen zu unterdrücken.

Wenn Sie sich nun einen Rabbiner ausgewählt haben, folgen Sie ihm und fürchten nichts, auch wenn er alleine gegen viele steht.

Schauen Sie sich einmal im Talmud die Geschichte von Rabbi Jossi Hagalili an, der in seiner Gemeinde das Kochen und Essen von Huhn mit Milch erlaubte, und von Rabbi Eli'eser, bei dem man Holz am Schabbat fällte, um ein nötiges Beschneidungsmesser herzurichten (Schabbat 130a). Und das galt noch viele Jahre nach ihrem Hinscheiden, denn die Einwohner ihrer Städte galten als ihre Schüler, da der Ortsrabbiner für sie die oberste religionsgesetzliche Autorität bedeutet (siehe "Chason Isch" J.D. §150,5). Schon Rabbiner Schlomo ben Aderet ("RaSchbA", aus der Periode der Rischonim) schrieb, man müsse dem Ortsrabbiner folgen, auch gegen eine Mehrheit außerörtlicher Rabbiner. Und Rabbiner J.D.Solovejtschik schrieb, in jeder Generation gab es Toragrößen, die andere Ansichten pflegten und ihre eigenen Wege beim Dienst an G~tt gingen und sich davon nicht abbringen ließen.

Entsprechend erklärte Rabbiner Z. Schechter anhand der Talmudstelle (Jewamot 14), wenn ein Toragelehrter nicht mit den anderen Toragelehrten seiner Generation übereinstimmt, sogar als Einzelner gegen viele, müssen er und seine Schüler an seiner Lehrmeinung festhalten und auch danach handeln, und das Prinzip, sich nach der Mehrheit zu richten, gilt nur für die übrige Bevölkerung, die nicht zu seinen Schülern zählt. Weiter schrieb er, sobald ein Toragelehrter den Rang eines autorisierten Rabbiners erreicht hat, ist er verpflichtet, immer seine eigene Ansicht kundzutun, so wie sich die religionsgesetzliche Lage als Ergebnis seiner Forschungen darstellt. Darüberhinaus bringt er die Worte von Rabbiner Elijahu ("Gaon") von Wilna: Wenn ein Rabbiner zu einer anderen Ansicht gelangt als der im Schulchan Aruch aufgeführten, und er dann das Gesetz nach dem Schulchan Aruch entscheidet, übertritt er "ihr sollt kein Ansehen erkennen im Gericht" (Dt. 1,17).

Selbst ein Schüler, der anders denkt als sein Rabbi, darf nicht schweigen, weil geschrieben steht: "halte dich fern von einer lügenhaften Sache" (Ex. 23,7; Schwu'ot 31a), oder "scheuet euch vor niemand - Rabbi Chanin erklärte: Halte deine Worte vor niemand zurück" (Dt. 1,17; Sanhedrin 6b). Darum beginnt man beim Sanhedrin die Beratung in den schwierigsten Fällen "von der Seite", wo die geringsten Weisen sitzen, weil sie vielleicht nicht wagen, ihre Meinung zu äußern, nachdem bereits der Vorsitzende gesprochen hat und "ihr sollt kein Ansehen erkennen im Gericht" übertreten (Sanhedrin 36a+Rischonim). In Toraangelegenheiten gibt es kein Ansehen der Person; jeder Schüler muß die Wahrheit verfolgen, auch wenn er dafür angegriffen wird. 

So lautet das Prinzip: Nachdem sich ein Toragelehrter die nötige Bescheidenheit zueigen gemacht hat und sich der Geringfügigkeit seiner Bedeutung bewußt ist, er aber einen besonderen Weg geht, der in der Tora und dem Dienst an G~tt seinen Ursprung hat und den sich zu bahnen seine ganze Mühe galt - ist nicht verpflichtet, diese seine Lehrmeinung zu unterdrücken, ja das ist ihm sogar verboten, denn es ist ein heiliger Weg, und "die Tora hat 70 Gesichter", und es ist nicht das "71. Gesicht" [außerhalb der Tora]; darum sehnt er sich danach, daß alle seinem Weg folgen, und das ist seine Pflicht.

Verfahren Sie also nach dem Prinzip "Mache dir einen Rav", folgen Sie ihm, und lassen Sie andere Leute anderen Rabbinern folgen.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.kimizion.org/shiur
- englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
www.israelnn.com
- auf russisch:
www.sedmoykanal.com
 

Radio "Reschet Moreschet" - 
Hören Sie Rabbiner Aviners Fragestunde live
vom Internet und stellen Ihre Frage per Telefon: 
(+972 2) 5302685,  jede Woche Do. 22.30-24.00
israelische Zeit (nur hebräisch!) 
http://media.iba.org.il

Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di. 23.00-24.00, 
Tel. (+972) 50 800 93 93
http://kolchai.moreshet.co.il/web/index.asp
 

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch auf Russisch -Französisch - Spanisch/Portugiesisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
-ULPAN GIUR
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an obige Anschrift von Machon Meir

SPENDEN
Überweisungen an:
MACHON MEIR, Konto bei Postal Bank, Jerusalem, Konto Nr. 4-16179-3
oder per Scheck direkt an
MACHON MEIR
P.O.B. 34107
JERUSALEM 91340
ISRAEL
oder via Kreditkarte nach telefonischer Absprache mit dem
Büro von Machon Meir (+972 2 6511906)

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 17.51/19.02
Tel Aviv: 18.09/19.04
Haifa: 18.01/19.02