DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in
der Tora (Num. 19,1-22,1):
Ein großes Leid befiel das Volk Israel bei seinem Aufbruch zum Lande Israel. "Da hörte der Kana'aniter, König von Arad, der Bewohner des Negev, daß Israel auf dem Wege der Kundschafter heranrückte, und er stritt gegen Israel und führte Gefangene von ihm weg" (Num. 21,1). Wenn wir dieses Ereignis mit anderen Rückschlägen bei den Kriegen des jüdischen Volkes vergleichen, stellen wir sofort fest, daß dieser Vorfall im nationalen Bewußtsein nicht als besonders traumatisch registriert wurde. Die Reaktion der Kinder Israels gleicht in keiner Weise der Reaktion des Jehoschua ben Nun nach der Niederlage bei Ai, als etwa 36 seiner Kämpfer fielen und er daraufhin seine Kleider zerriß, auf sein Gesicht fiel, zu G~tt aufschrie, Achan steinigte und eine gründlich geänderte Strategie für die folgende Schlacht vorbereitete (siehe Jehoschua 7.Kap.). In unserem Fall erfolgte die Reaktion in örtlich und sachlich begrenzter Hinsicht. "Da tat Israel ein Gelübde dem Ewigen und sprach: Wenn du dieses Volk in meine Hand gibst, so will ich ihre Städte bannen" (Num. 21,2). In diesem Lichte ist die Deutung der talmudischen Weisen nur zu verständlich, wonach jene "Gefangene" nur eine einzelne Dienstmagd war. Israels Verlust war bloß symbolisch und nicht wirklich ernst. Zwischen den Zeilen jedoch schimmert die Schwere des Vorfalls durch. Die Sache klingt in zwei Worten an: "und führte Gefangene von ihm weg". Die Gefangene ist "von ihm", vom Volke. Das Volk begreift, daß die Sache es angeht. Es tröstet sich nicht damit, daß es alles in allem nur um eine Dienstmagd geht, die noch nicht einmal dem jüdischen Volk angehört. "Von ihm" - sein eigen Fleisch und Blut. "Von ihm" - wegen ihm und von ihm verschuldet (Or HaChajim). Die Schuld des Volkes kommt im Tode Aharons des Hohepriesters zum Ausdruck, der auch das Verschwinden der "Wolken der Ehre" bewirkte. Aharon "liebt den Frieden und verfolgt den Frieden, liebt die Geschöpfe und bringt sie der Tora näher". Sein Abgang bedeutete einen schweren Schlag für die nationale Solidarität. Die Gefangennahme der Dienstmagd vertiefte nun aufs Neue das Gefühl der Schicksalsgemeinschaft sogar mit dieser Dienstmagd. Das Volk Israel reagierte in zweifacher Weise. Zuerst einmal folgte es den Pfaden seines Vorvaters Awraham, der nur hörte, daß sein Neffe gefangen genommen worden war und schon zum Kriege ausrückte, um ihn zu retten. Und in einer weiteren Weise folgte es Awraham: im Verzicht auf Beute. Awraham sagte: "Wenn von Faden bis Schuhriem, wenn ich nehme irgend was dein ist!" (Gen. 14,23), und die Kinder Israels gelobten: "..so will ich ihre Städte bannen". Jener Krieg hatte eine doppelte Bedeutung. Die talmudischen Weisen lenken unsere Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß es gar nicht die Kana'aniter waren, die uns angriffen, sondern Amalekiter, die sich als Kana'aniter verkleidet hatten. Mit den Kana'anitern hatten die Kinder Israels bloß einen territorialen Streit, nämlich um das Land Israel. Gegen die Amalekiter führten wir allerdings einen Kampf um unsere Existenz, um die bloße Existenz des jüdischen Volkes. Die Amalekiter verbargen ihre Identität und ihre "Nazi"-Ideologie und verkleideten sich als Kana'aniter, die nur ihr Land und ihren Besitz vor dem fremden Eindringling verteidigen wollen. Im Endeffekt bestand ihre ganze Beute ausschließlich aus materiellem Besitz - "Sklaven rechnen wie Grundbesitz". Auf den ersten Blick gelang es ihnen nicht, unsere Existenz anzurühren, sondern nur materiellen Besitz. Die Kinder Israels verstanden jedoch die tiefere Bedeutung. Auch wenn Amalek nur um "Händel von Heu und Stroh" daher kommt, will er wirklich unsere Seele, ohne jeglichen Unterschied, ob Aharon, der Hohepriester, oder bis hinunter zur letzten Dienstmagd. Darum zieht das Volk gegen den König von Arad entschlossen in den Krieg, auch wenn es dabei Gefallene unter der nationalen Elite geben sollte. Und um zu betonen, daß es in diesem Kampf nicht um Besitz oder Territorien geht, sondern um die Existenz an sich, geben sie verstärkt durch ein Gelübde bekannt, nichts von der Beute anrühren zu wollen. Entsprechend erhörte G~tt das Gebet seiner Kinder: "Und der Ewige hörte auf die Stimme Israels und gab den Kana'aniter in seine Hand, und er bannte sie und ihre Städte" (Num. 21,3). * * * Diese Worte sind dem Gebet
an G~tt geheiligt, die Befreiung unserer Gefangenen und Verschollenen zu
beschleunigen, unter ihnen - Gil'ad Schalit, der vor genau einem Jahr vor
Gasa in Gefangenschaft geriet, und Jonathan Pollard, der seit 22 Jahren
in einem US-amerikanischen Gefängnis dahin vegetiert.
Frage: "Mit 18 zur Chuppa!" (Mischna "Sprüche der Väter" 5,24) Zu allen Geboten ist man doch mit 13 bzw. 12 Jahren verpflichtet, warum soll man nicht dann sofort heiraten?! Antwort: Ja, die Frage ist nur, mit welchem Alter ist man 18? Heiraten allein reicht nicht, man muß auch verheiratet bleiben, in einer Ehe voller Glück, Freude, Aufrichtigkeit und Geruhsamkeit, für uns und für unsere Kinder, damit sie in Reinheit und Gesundheit aufwachsen, und das ist nur in einem glücklichen Elternhause möglich. Und so, wie wir vom Bar-/Bat-Mitzwa-Alter bis 18 warteten, werden wir noch ein bißchen länger warten, bis wir soweit sind. Und wieviel ist das "bißchen" genau? Was fehlt uns? Zuerst fehlt uns seelische Reife. Nicht etwa, weil wir mit geistiger Armut und Leere geschlagen wären, sondern weil wir hoch hinaus wollen. Darum brauchen wir mehr Zeit für das Wachstum des Charakters. Ein Fuchs braucht mehr Zeit als ein Küken, und ein Mensch mehr als ein Schimpanse. Wie wird man erwachsen? Es reicht nicht, erbauliche Schriften wie "Überwinde dich und reife" zu lesen. Seelische Reife ist kein Fach, das man sich theoretisch anlernen kann, sondern eher wie ein Lehrling in der Schule des Lebens, mit einer extra Portion Verantwortungsbewußtsein. Doch weil wir in der schützenden Obhut unserer guten Eltern aufgewachsen sind, die sich um alle unsere Belange kümmern und uns alle naslang mit ihren Weisungen bedenken, haben wir nicht gelernt, auf unseren eigenen Beinen zu stehen und den Wirren des Lebens zu trotzen. Dazu müssen wir einige Jahre lang ein selbständiges Leben führen - im Zivildienst (Mädchen), in der Armee (Jungen), beim Studium (beide). Denke daran: Ohne wirtschaftliche Selbständigkeit keine seelische Selbständigkeit. Aber auch wenn wir diese Hürde genommen haben, müssen wir uns vorsehen, nicht in die Falle der Dummköpfe zu gehen, wie Maimonides in seinen Sittenlehren schrieb: Ein Kluger lernt zuerst einen Beruf, dann baut er sein Haus, und dann ist er bereit zur Ehe. Nicht so der Dummkopf: Zuerst heiratet er, dann merkt er, daß er kein Haus hat, und wenn er hungrig wird, erinnert er sich, daß er keinen Beruf hat, sich zu ernähren, und dann beginnt eine schwierige Periode seelischer Unstetigkeit. Der ungebundene Junggeselle verwandelt sich von einem Moment zum andern in einen Arbeiter-Studierenden-Ehemann-Vater, und noch stärker spürt das die freie Junggesellin, die sich in eine Arbeiterin-Studierende-Ehefrau-Mutter verwandelt und unter der Last zusammenbricht. Das glückliche Paar ist gezwungen, sich gleichzeitig in mehreren Bereichen durchzuschlagen, und machen nichts so gründlich, wie es nötig wäre. Dazu gibt es das berühmte Beispiel von der Ente, ein sehr beeindruckender Vogel, der sowohl gehen, fliegen, schwimmen und auch tauchen kann - aber keines dieser Dinge besonders gut. Der richtige Weg lautet: Eins nach dem anderen. Erst Zivildienst/Armee, dann Studium, dann Arbeit, dann Ehe und Kinder. Das ist der Normalfall. Mit welchem Alter sollte man demnach heiraten? Wer diese Frage stellt, hat anscheinend das Vorangegangene nicht verinnerlicht, denn ich habe doch geschrieben, daß man erstmal Selbständigkeit erlangen muß und die Fähigkeit, alleine zu entscheiden. Als Faustregel kann man sagen: Zwischen 20 und 25 Jahren. In der heutigen Zeit erreicht man die Ehereife mit etwa 22 Jahren. Innerhalb dieser Spanne sollte man jeden Fall nach seinen Umständen abwägen, entsprechend den oben genannten Prinzipien. Sei auch ja nicht zu wählerisch, denn inzwischen kannst du graue Haare bekommen. Einmal sagte mir ein junger Mann: Jenes Mädchen, das man mir vorgeschlagen hat, verfügt über diesen und jenen Mangel. Dazu antwortete ich: Sie hat noch viel mehr Mängel, die du erst nach der Hochzeit entdecken wirst. Sie ist nämlich keine Märchenfee. Aber das ist alles nicht so wichtig. Der Mensch wird nach der Mehrheit seiner Eigenschaften beurteilt. Möge es euch vergönnt sein, eine gute jüdische Familie aufzubauen, in Liebe und Brüderlichkeit, in Frieden und in Freundschaft. MJ301
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
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