DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese
Woche in der Tora (Ex. 10,1 - 13,16):
Da die Erlösung aus Ägypten sowieso durch Wunder erfolgte, hätte G~tt den Auszug aus Ägypten auch ganz ohne menschliches Eingreifen einrichten können, so wie z.B. bei der Belagerung durch die Assyrer, wo es heißt: "Da ging aus ein Engel des Ewigen und schlug im Lager Aschurs einhundertfünfundachtzigtausend" (Jeschajahu 37,36), und in Chronik II, 32.Kap. wurden dazu weitere Einzelheiten genannt: "Und der Ewige sandte einen Engel, und er vertilgte jeden starken Helden und Fürsten und Obersten im Lager des Königs von Aschur, und mit beschämtem Angesicht kehrte er nach seinem Lande zurück" (V.21). Dennoch legte die göttliche Vorsehung Wert darauf, daß in Ägypten eine menschliche Führung beteiligt war - daraus entnehmen wir, daß sie einen wesentlichen Bestandteil im Prozeß der Erlösung darstellt. Eines der schwersten Probleme unserer Generation birgt das Fehlen von Führung. Das Volk Israel gibt sich heute wahrlich wie eine Herde ohne Hirten. Ein Musterbeispiel für einen jüdischen Führer finden wir in unserem Lehrer Moscheh. Über den Vers: "und siehe, ein weinender Knabe (na'ar)" (Ex. 2,6) sagten die talmudischen Weisen: "Na'ar, n - ne'eman, bewährt, wie im Vers: "in meinem ganzen Hause hat er sich treu bewährt" (Num. 12,7), a - anaw, bescheiden, wie es heißt: "Und der Mann Moscheh war sehr bescheiden" (Num. 12,3), r - ro'e, Hirte, wie es heißt: "Und Moscheh hütete die Schafe" (Ex. 3,1)". Ein bescheidener Mensch rückt sich nicht in den Vordergrund, sondern ordnet sich anderen unter. Moschehs Bescheidenheit erkennen wir bereits zu Beginn seiner Karriere, als Prinz am Hofe Pharaos, wo er alle Annehmlichkeiten der Welt genoß. Trotzdem verzichtete er auf seine Würde und ging hinaus zu seinen Brüdern, nicht wie ein Tourist, der sich das lokale Treiben abseitsstehend betrachtet, sondern als aktiver Helfer seiner unterdrückten Brüder, wobei er sich sogar in Lebensgefahr begab und daraufhin als Gesuchter fort aus Ägypten in ein fremdes und fernes Land flüchten mußte. Moscheh war gleichzeitig treu bewährt; die Treue eines Führers besteht nicht nur in der Vorsicht, keine uneinhaltbaren Versprechungen unter das Volk zu streuen, oder nicht mit dem Wind zu reden, heute so und morgen anders, mit der Ausrede, daß von seinem neuen Posten aus betrachtet die Dinge anders aussehen - seine "bewährte Treue" zeigt sich auch darin, keine Opponenten niederzuwalzen, die seiner Karriere im Wege stehen. Moscheh lehnte zum Beispiel anfangs die Rolle des Volksführers ab, weil er seinen älteren Bruder Aharon nicht übergangen sehen wollte, wie der Midrasch Tanchuma (Schemot §27) erklärt: "Vielleicht glaubst du, Moscheh zögerte, weil er einfach nicht gehen wollte? Dem ist nicht so, vielmehr ehrte er Aharon. Sagte Moscheh: 'Bevor ich auftrat, prophezeite ihnen in Ägypten mein Bruder Aharon achtzig Jahre lang... und jetzt dringe ich in das Gebiet meines Bruders und gräme ihn?!' Darum wollte er nicht gehen". Ein weiteres Beispiel für Moschehs Treue finden wir, als G~tt ihm vorschlägt, Israel auszulöschen und stattdessen ihn zu einem großen Volke zu machen, was ihn in den Rang und an die Stelle von Awraham, Jizchak und Jakov erhoben hätte, Stammvater des neuen Volkes zu werden. Moscheh lehnte diesen Vorschlag ab und bat: "Denke an deine Diener Awraham, Jizchak und Jakov" (Ex. 32,13). Außerdem war er bereit, zugunsten Israels auf seinen Anteil an der kommenden Welt zu verzichten, indem er G~tt bat: "so lösche mich aus deinem Buche" (Ex. 32,32), und "G~ttes Buch" bedeutet die Welt der Ewiglichkeit. Die Eigenschaft des wahren Hirten sah G~tt bei Moscheh, als diesem ein Zicklein entlief, er ihm nachlief und es schließlich trinkend vorfand. "Sagte er: 'Ich wußte nicht, daß du aus Durst wegliefst, müde bist du', und legte es auf seine Schultern. Sagte G~tt: Du hast das Erbarmen, eine Herde von Fleisch und Blut zu leiten - bei deinem Leben, du wirst meine Herde Israel hüten" (Midrasch Schemot raba 2,2). Sagte Rabbi Jehoschua zu Raban Gamli'el [der als Oberhaupt des Sanhedrins abgesetzt wurde]: "Wehe dem Zeitalter, dessen Vorsteher du bist, und wehe dem Schiffe, dessen Steuermann du bist" (Brachot 28a). Rabbiner A.J.Kuk erlärte den Unterschied zwischen "Vorsteher" [wörtl.: Versorger] und "Steuermann" in seinem Kommentar "Ejn Aja" wie folgt: Der Vorsteher ist der Führer, der die Bedrängnisse des Einzelnen anhört, der sich um die Bedürfnisse des Einzelnen kümmert, denn die "Versorgung" betrifft die Erfüllung der Bedürfnisse eines jeden Einzelnen, die individuell von Mensch zu Mensch verschieden sind. Das trifft jedoch nicht auf den "Steuermann" zu, der sich nämlich nicht um die Einzelheiten kümmert, sondern um das Schiff in seiner Ganzheit, es aus dem Abfahrtshafen zu steuern und an seinen Zielhafen zu bringen, ohne sich der individuellen Bedürfnisse eines jeden Passagiers bewußt zu sein. Ein wahrer Führer des jüdischen Volkes weiß diese beiden Eigenschaften miteinander zu verbinden, nämlich sich sowohl um die Bedürfnisse und Nöte der Einzelnen zu kümmern, als auch zu wissen, wie er seine Politik und Staatsführung gestaltet, um den Bedürfnissen der Allgemeinheit gerecht zu werden. Moscheh vereinigte beide
Eigenschaften auf sich: "..als Moscheh groß war, da ging er aus zu
seinen Brüdern und sah ihre Lastarbeiten" (Ex. 2,11) - dem Midrasch
nach sah Moscheh hier die Dinge unter zwei Aspekten, einmal als "Vorsteher"
und einmal als "Steuermann": Moscheh sah die Last eines Erwachsenen auf
einem Kinde, und die eines Kindes auf einem Erwachsenen, die Last der Frau
auf dem Manne und des Mannes auf der Frau, die Last des Greises auf dem
Jüngling und des Jünglings auf dem Greise, da ging er, ihre Lasten
richtig zu verteilen (Wajikra raba 37,2). Hier verhielt sich Moscheh wie
ein "Vorsteher", er kümmerte sich um die Nöte des Einzelnen.
Gleichzeitig aber dachte er auch an den Nutzen der Allgemeinheit: "Er sah,
daß sie keine Ruhe hatten, und sagte zu Pharao: Wenn jemand einen
Sklaven hat - wenn er nicht einen Tag in der Woche ruht, wird er sterben,
und deine Sklaven, wenn du sie nicht einen Tag in der Woche ruhen läßt,
sterben sie. Da sprach Pharao zu Moscheh: Geh und tue ihnen, wie du gesprochen,
da ging Moscheh und richtete ihnen den Schabbattag zur Ruhe ein".
"Da sah Sarah den Sohn Hagars, der Ägypterin, den sie dem Awraham geboren, spotten. Und sie sprach zu Awraham: Treib aus diese Magd und ihren Sohn, denn nicht erben soll der Sohn dieser Magd mit meinem Sohn, mit Jizchak" (Gen. 21,9-10). Hätte er nicht "gespottet", hätte er bleiben können. Was bedeutet hier "spotten"? Unter anderem Blutvergießen (Raschi, Tossefta Sota). Wären die Araber nicht damit beschäftigt, uns zu morden, gäbe es Raum für Verhandlungen, die Mörder aber, und ihre Helfer, die ihnen Deckung verschaffen und ihnen zu Legitimität verhelfen - haben in unserem Lande nichts zu suchen. Denn das ist eine Grundvoraussetzung für jegliche Verhandlung: Dieses Land gehört uns. So schrieb unser großer Lehrmeister: "Dieses Land gehört uns, und wir regieren es und regeln alle seine Angelegenheiten, und wir mehren unsere Millionen[-Bevölkerung] darin, und mit unserer Erlaubnis können Araber bei uns sein, so wie die Beisaß-Proselyten, die im Lande sein dürfen - wenn sie sich nicht damit beschäftigen, uns zu morden, denn dazu heißt es: Stehe auf und komme ihnen zuvor" (Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, Gespräche über das Land Israel, S.118). Einmal wollte man eine Begegnung mit mir und einem arabischen Führer, der hier in Israel wohnte, organisieren. Dazu erwiderte ich: "Ich rede nicht mit Mördern". "Er ist kein Mörder", sagte man mir. "Dann soll er öffentlich akzeptieren: Du sollst nicht morden". - "Das will er nicht". "Dann möchte ich mich nicht mit ihm treffen". Wenn die Araber keinen Götzen dienen, wenn sie uns nicht morden und unsere Staatshoheit akzeptieren - dann gibt es über etwas zu reden. Und wenn nicht - good bye. Denn das ist der erste Grundsatz: Dies ist unser Land. Die ganze Welt weiß das, inklusive die Araber. Man kann es sogar im Koran lesen: "[Moscheh spricht zum Volke Israel:] Beziehet das geheiligte Land, das G~tt euch verschrieben, und kehrt nicht rückwärts um" (5.Sura, Vers 24). "Und das Volk, das mißhandelt wurde, ließen wir [Allah spricht von sich in der 1. Person Mehrzahl] erben den Osten des Landes und den Westen, das wir gesegnet. Und erfüllt wurde das herrliche Wort deines Herrn an den Kindern Israels, weil sie geduldig waren" (7.Sura, Vers 133). "[Allah erinnert an die Geschichte:] Und er [Pharao] wollte sie aus dem Land drängen, doch wir ertränkten ihn und die mit ihm waren, allesamt. Und nachher sprachen wir zu den Kindern Israels: Bewohnet das Land, und wenn einst die Verheißung des Jenseits kommt, wir lassen euch haufenweise kommen" (17.Sura, Verse 105-106; aus der Übersetzung von Lazarus Goldschmidt 1916). Darum ist die Zeit reif für "Treib aus diese Magd". Es gibt eine Zeit für alles. Schon lange ist die Zeit gekommen für "Wenn ich verdränge Völker vor dir und deine Grenzen erweitere" (Ex. 34,24; siehe RaSchbaM). Denn der Herr der Welt "entwurzelt Bewohner von ihrem Orte und siedelt Bewohner an ihrem Orte an" (Sohar, 2.Teil, S.124a). Doch wir verhalten uns immer "innerhalb der Rechtslinie" [d.h. in etwa: wir lassen Gnade vor Recht ergehen]. Wir ließen Gnade vor Recht ergehen, als wir den Arabern für Grund und Boden bezahlten, der eigentlich uns gehörte (siehe Ansprache von Rabbiner A.J.Kuk vor dem KKL, Ma'amarej Hara'aja S.252), und auch heute werden wir Gnade vor Recht ergehen lassen und jedem Araber, der das Land freiwillig verlassen will, eine anständige Summe bezahlen. Hunderttausende sind schon aus freien Stücken ohne Bezahlung weggezogen, und sehr viele mehr wären gegen Bezahlung dazu bereit. Andere werden sehen, daß es besser so ist, und den vorigen nachfolgen. Sicher wird es auch jene
geben, in deren Augen diese Lösung keinen Gefallen findet. Auch in
den Augen unseres Vorvaters Awraham fand sie anfangs keinen Gefallen, bis
G~tt zu ihm sprach: "In allem, was Sarah dir sagt, hör' auf ihre Stimme"
(Gen. 21,12).
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
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Lichterzünden/Schabbatausgang
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