DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Num. 1,1-4,20):
Mittwoch (+Do.):
Wochenfest
In der Tora finden wir Gebote, die ewig gelten und die für alle Generationen niedergeschrieben wurden, es gibt in der Tora aber auch Geschichten. Beschreiben diese nur eine bestimmte Situation zu einer bestimmten Zeit, oder enthalten sie auch eine Mitteilung für weitere Generationen? Zur Schöpfungsgeschichte bringt der Raschikommentar die Deutung von Rabbi Jizchak, daß diese Dinge niedergeschrieben wurden, um eine Antwort auf die Behauptung der Völker zu geben, die unser Anrecht am Lande Israel verneinen. Zum Buche "Bereschit" (Genesis) in seiner Gesamtheit sagten die Weisen: "Die Taten der Vorväter - Zeichen für die Nachkommen", wonach die Geschichten der Vorväter nicht nur für ihr eigenes Zeitalter aufgeschrieben wurden, sondern um alle zukünftige Generationen die richtige Lebensführung zu lehren. Das 2. Buch Moscheh (Schemot/Exodus), gemäß Nachmanides "das Buch des Exils (Galut) und die Erlösung daraus" wird beim Propheten Micha so beschrieben: "Wie in den Tagen deines Auszuges aus Ägypten werde ich es Wunder sehen lassen" (7,16). Was unsere Vorfahren beim Auszug aus Ägypten erlebten, wird sich demnach bei der künftigen Erlösung wiederholen. Unsere Vorfahren zogen bekanntlich nach dem Verlassen Ägyptens durch die Wüste - soll uns das nur Geschichtsunterricht erteilen, oder haben wir das auch in Zukunft zu erwarten? Welche Lehren können wir für die Zukunft aus dem Buche "Bemidbar" (4.B.M., Numeri) ziehen? Beim "Bund zwischen den Opferteilen" zeichnete G~tt uns die Route aus dem Exil in die Erlösung vor: "Fremdlinge werden deine Nachkommen sein in einem Lande, das nicht das ihre, und sie werden sie knechten und drücken vierhundert Jahre. Aber auch strafen werde ich das Volk, dem sie dienen... und das vierte Geschlecht soll zurückkehren hierher [nach dem Lande Israel]" (Gen. 15, 13-14,16). Diese Reiseroute des Auszuges aus dem Exil und des Eintritts in das Land Israel wiederholt sich bei der göttlichen Offenbarung vor Moscheh im brennenden Dornbusch, wo G~tt den Ablauf der Erlösung schildert: "Und ich bin herab gekommen es zu retten aus der Hand Ägyptens und es hinauf zu führen aus diesem Lande in ein gutes und geräumiges Land, in ein Land, fließend von Milch und Honig, in den Wohnplatz des Kenaani und Chitti und Emori und Perisi und Chiwi und Jebusi" (Ex. 3,8). Das Volk Israel wanderte in der Wüste zwischen diesen beiden Punkten; was lernen wir aus den Wüstengeschichten? Die Überbrückungsperiode zwischen dem Auszug aus Ägypten und dem Eintritt ins Land Israel hätte ursprünglich nur einige Tage dauern sollen, es wurden aber vierzig Jahre daraus. Die Ereignisse dieser Periode lehren uns, daß unser Weg nicht auf Rosen gebettet war, vielmehr gab es ständig Versuche der Behinderung oder gar Vereitlung jeglichen Vorankommens. Diese Versuche gingen zum Teil von den Völkern aus, aber auch von Teilen des jüdischen Volkes selber. Schon eine Woche nach dem Auszug überlegt es sich Pharao anders und sagt: "Was haben wir da getan, daß wir Israel entlassen aus unserem Dienste?" (Ex. 14,5), und er versucht mit seiner ganzen Armee, die Israeliten wieder nach Ägypten zurück zu bringen. Dieser Versuch scheiterte bekanntlich und endete mit seinem Untergang im Schilfmeer. Nach den Ägyptern fiel Amalek, ohne jegliche Provokation, über das Volk Israel her und wurde am Ende zurück geschlagen. So war es am Anfang der Reise, und so geschah es auch am Ende der Reise. Kurz vor dem Eintritt ins Land versuchen Sichon, König der Emoriter, und Og, König von Baschan, gegen Israel Krieg zu führen, und auch sie werden zurück geschlagen und besiegt. Dazu kommt der Versuch von Balak und Bil'am, Israel mit einem Fluch zu belegen und es aus dem Land zu treiben, was ebenfalls mißlingt. Das alles waren Versuche von außen, doch gab es auch Störungen von innen, den Ablauf der Erlösung zu behindern. Von Mal zu Mal erhoben sich Kreise Unzufriedener, die keine Geduld für den Erlösungsprozeß hatten und ihn in andere Bahnen lenken wollten. Schon während der Wüstenwanderung können wir die interessante Beobachtung machen, wie die Versuche der Völker scheiterten, Israel zu vernichten, wohingegen die Versuche von innerhalb die Erlösung zwar nicht verhindern konnten, sie aber doch verzögerten und störten. Das hervorstechendste Beispiel dafür war die Sünde der Kundschafter, denn wenn die Israeliten nicht das begehrenswerte Land abgewiesen und keine üble Nachrede darüber vorgebracht hätten, wären sie schon nach kurzer Zeit im Lande gewesen, aber jetzt, wo sie nicht einwandern wollten, wurde nicht nur die Erlösung um 40 Jahre verzögert, sondern sie wurden auch mit der Unmöglichkeit ihrer Einwanderung bestraft. Aus den Geschichten der Wüstenwanderung ersehen wir, daß die Störversuche der Völker weit weniger effektiv und gefährlich waren als die Fehlschläge und Sabotagen an der Erlösung aus den eigenen Reihen, die ihren Ablauf anhaltend aus der Bahn warfen. Die Lehre daraus galt sicher nicht nur für die damalige Zeit, sondern auch für die Zukunft. Die Dinge wiederholten sich während der Periode des zweiten Tempels, als weder Haman noch Antijochus die Zerstörung unseres Volkes bewirken konnten, vielmehr führten ihre Versuche zu großer Errettung. Der grundlose Haß jedoch im eigenen Lager führte am Ende zum Verlust der Souveränität, der Zerstörung des Tempels und der Zerstreuung Israels in alle vier Winde des Exils. Die Lehren aus der Wüstenwanderung
gelten auch in unserer heutigen Zeit, d.h. seit dem Beginn der Rückkehr
der Juden nach ihrem Lande, die von ständigen Attacken der Nichtjuden
gegen die jüdische Siedlung begleitet ist, sei es bei den "Unruhen"
in den Jahrzehnten vor der Staatsgründung, sei es bei der Unabhängigkeitserklärung,
sei es bei den weiteren Kriegen und den Terroranschlägen. Alle jene
Kriege endeten mit G~ttes Hilfe und der Opferbereitschaft unserer Soldaten
siegreich für uns. Und wenn die Erlösung dennoch nicht so glatt
verläuft, so geht das eher auf das Konto von kurzsichtigen und ungeduldigen
Leuten aus unseren eigenen Reihen. Die Geschichte der Wüstenwanderung
lehrt uns also, daß die wirkliche Gefahr für den Fortgang unserer
Erlösung von den Entmutigten und den Entfremdeten unter uns droht,
weit mehr als von äußeren Feinden, wie es heißt: "Deine
Zerstörer und Verwüster gehen aus dir hervor" (Jeschajahu 49,14).
Unser Verhältnis zum Straßenverkehr Verkehrsunfall - der Verkehr als Unfall. Der Ausdruck "Verkehrsunfall" überrascht durch seine Genauigkeit. Für die meisten Menschen bedeutet der Verkehr eine Art Unfall. Das Ziel besteht darin, an einem bestimmten Ort anzukommen. Wie wunderbar wäre es, hätte der Fahrer die Möglichkeit, im Moment anzukommen, wäre ihm nur so ein Blitzsprung vergönnt! Da er ihm aber nicht vergönnt ist, bedeutet für ihn die Teilnahme am Straßenverkehr ein notwendiges Übel, eine Last, die er tragen muß, bis er ankommt. Aus diesem Grunde hält er jeden Moment auf der Straße für Zeitverschwendung, und der Durchschnittsfahrer bemüht sich, diese Notwendigkeit auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu erhöht er seine Geschwindigkeit auf das ihm mögliche Maximum, überholt bei jeder Gelegenheit und denkt die ganze Zeit nur an eines: Ankommen! Diese Einstellung zu den zahllosen Stunden, die der Mensch auf dem Wege verbringt, erzeugt Nervosität, Wut im Stau und das Eingehen unnötiger Risiken. Vor einigen Jahren warb das Verkehrsministerium mit dem Motto: "Lieber einen Moment im Leben verlieren als das Leben in einem Moment", nur daß so ein Motto nicht über ausreichend Überzeugungskraft verfügt, einen wirklichen Wandel zu bewirken, denn solange wir den Straßenverkehr als konstante Verlustquelle wertvoller Lebensmomente ansehen, werden wir weiterhin unserem Ziel entgegen hasten. Eine Wende wird erst stattfinden, wenn sich unsere Einstellung zum Wege, zu den Stunden hinter dem Lenkrad ändert, wenn der Weg nicht mehr als Last empfunden wird, sondern als etwas notwendiges und wertvolles. Die Gereiztheit auf den Wegen im Straßenverkehr bildet bloß die Spitze des Eisberges der Gereiztheit auf allen unseren Lebenswegen. Wir sind einer Kultur ausgesetzt, die das Ziel zum Heiligtum erhebt, das Erreichen einer Bestimmung, eines Lebensstandards, und der die Mittel dazu gleichgültig sind. Die Mühe gilt als überflüssige Belastung. Der sich mühende Mensch gilt als weniger wert als der brilliante Denker, der dank seiner Begabung mit Leichtigkeit sein Ziel erreicht. Die Kultur der Eroberung des Zieles mit einem Minimum an Anstrengung erzeugt eine bleibende Atmosphäre des Versagens, denn der Großteil des Lebens besteht nun mal aus den Wegen, die zum Ziel führen, und nur während kurzer Zeitabschnitte verwirklichen wir die gesteckten Ziele. Der Zweck heiligt die Mittel. Man kann allgemein behaupten, die Kultur des Erreichens von Zielen ist die Kultur des Materialismus. In der Welt des Materialismus hat die Mühe keine Bedeutung, nur das Ergebnis zählt. Alles wird an seinem Ergebnis gemessen. In der Welt des Geistes jedoch hat der Weg große Bedeutung: "Wenn der Mensch ein Gebot auszuüben dachte, und durch einen Notfall es auszuüben verhindert wird, so rechnet die Schrift es ihm an, als hätte er es ausgeübt" (Brachot 6a). Am Resultat gemessen hat dieser Mensch sicher versagt, offensichtlich hat er gar nichts vollbracht, doch in der Welt des Geistes liegt der Schwerpunkt auf der Absicht und den Bemühungen, und obwohl das Ziel tatsächlich nicht erreicht wurde, war die Mühe nicht umsonst. Der Weg hat sein eigenes Gewicht: "Vier Verschiedenheiten gibt es hinsichtlich des Lehrhaus-Gehens: Wer ins Lehrhaus geht, aber nichts erfüllt, hat doch einen Gewinn am Gehen in den Händen. Wer erfüllt, aber nicht ins Lehrhaus geht, hat den Gewinn des Erfüllens in den Händen. Wer geht und erfüllt, ist ein Frommer, wer nicht geht und nicht erfüllt, ist ein Gesetzloser" (Mischna "Sprüche der Väter", 5,17). Wer geht und erfüllt ist größer als der, der erfüllt, ohne zu gehen, er wird ein "Frommer" genannt, weil alle seine Wege von ihrer Bestimmung erleuchtet werden. Sein Gebet und sein Torastudium fangen bei ihm bereits auf dem Weg an. In der Kultur des Materialismus geht das Ziel über die Mittel, in der Kultur des Geistes heiligt das Ziel die Mittel, das dem Weg Wert und Heiligkeit verleiht. Teure Zeit.Wenn der Mensch zu einem sinnvollen Zweck fährt, zu einer Hochzeit, zum Torastudium, oder einfach nach Hause zu seiner Familie, so hat der Weg schon etwas vom Geschmack des Zieles. Er bemüht sich um eine wichtige Sache, und ganz automatisch ist er schon jetzt damit beschäftigt und damit verbunden. Manchmal tut sich der Mensch
schwer, in seinem Bewußtsein den Weg mit der Bestimmung in Zusammenhang
zu bringen. Trotzdem hat der Weg große Bedeutung. Man kann ihn mit
Inhalten füllen. Man hat dabei die Gelegenheit, Vorträge zu jüdischen
Themen zu hören, oder einfach mit sich und seinen Gedanken allein
zu sein, sich seine Taten durch den Kopf gehen zu lassen und seine Schritte
abzuwägen. Im allgemeinen lassen wir uns durch unsere Umgebung von
den wirklich wichtigen Dingen ablenken. Wer sich aber angewöhnt, seine
Fahrten zum Denken zu nutzen, wird großen Segen erfahren. Wer mit
Frau und Kindern fährt, kann die Reise zu einer wertvollen Stunde
inniger Unterhaltung verwandeln, wozu im sonstigen Alltagsleben "keine
Zeit" ist, und auf einmal beschert uns der Weg eine seltene Gelegenheit,
kaum mit Gold aufzuwiegen. Anstatt die Zeit totzuschlagen, kann man sie
ausnutzen und eine Stunde glücklichen Familienlebens gewinnen. Jeder
kann auf seine eigene, besondere Weise, die Verborgenheiten des Weges entdecken
und dem Glück der Reisenden teilhaftig werden. So verlieren wir auch
nicht den kleinsten Moment im Leben, und mit G~ttes Hilfe wird niemand
sein Leben im Moment verlieren.
Kommentare von Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
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