DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Lev. 16,1-20,27):
Jeder kennt den Ausspruch Hillels des Älteren zu jenem Manne, der konvertieren wollte und darum bat, ihn die ganze Tora zu lehren, während er auf einem Bein stehe: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu - das ist die ganze Tora, und jetzt geh' und lern die Einzelheiten" (Schabbat 31a). Daneben gibt es den nicht weniger bekannten Spruch von Rabbi Akiva: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst - das ist ein großes Prinzip der Tora" (Talmud jeruschalmi, Nedarim 9.Kap., Hal.4). Und so lautet die Halacha (Gesetz): "Jedem ist es geboten, jeden einzelnen Juden wie seinen eigenen Körper zu lieben, wie es heißt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Maimonides, Sittenlehren, 6,3). Jenseits des Gesetzes gibt es Leitlinien für besonders Fromme. Unser Lehrmeister, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk sel. zitierte in seinen Vorträgen häufig die Worte von Rabbiner Chajim Vital [bedeutendster Schüler des Kabbalisten Rabbiner Jizchak Luria; lebte vor etwa 400 Jahren] aus dessen Werk "Scha'arej Keduscha", das den Interessierten zum Erreichen der Stufe heiliger Inspiration anleitet: "Das fünfte Kapitel bei der Erläuterung der Stufe des Frommen... auch sind diese Dinge strikter als der ganze Rest... erstens die Angelegenheit der guten Eigenschaften... und er liebe alle Geschöpfe, sogar Nichtjuden...". Diese Liebe zu jedem Menschen, der im "Ebenbilde G~ttes" geschaffen wurde, rührt aus verschiedenen Quellen. Die erste ist die Liebe zu G~tt: "Es ist unmöglich, G~tt nicht zu lieben... und es ist unmöglich, nicht mit Liebe zu jedem Geschöpf erfüllt zu werden; leuchtet doch die Fülle G~ttes Lichtes in Allem, und alles ist eine Offenbarung des Begehrens göttlicher Milde, die Gnade G~ttes füllt die Erde" (Rabbiner A.J.Kuk, Midot Hara'aja, Ahawa §3). Sein Sohn, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, fügte dem hinzu (in einem Kommentar zu Parschat Wajera): "Wer den Schöpfer wirklich liebt, liebt folglich auch die Geschöpfe des Schöpfers... Demgegenüber gibt es eine Sorte Menschen, die in keinem guten Verhältnis zu den Geschöpfen stehen, sondern in Pessimismus. Sie sind dem Herrn der Welt 'böse', sie haben etwas an ihm zu kritisieren, und deshalb sind sie böse auf die Geschöpfe". Auch die Bestimmung des Volkes Israel, die Welt durch die G~ttesherrschaft zu vervollkommnen, verpflichtet zu einem positiven Verhältnis zu den Nichtjuden. "Es ist überhaupt unmöglich, zur spirituellen Erhebung im Sinne von 'Danket dem Ewigen, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern seine Taten' (Jeschajahu 12,4) zu kommen, ohne eine innere Liebe, aus den Tiefen von Herz und Seele, den Völkern allesamt Gutes zu tun, ihre Erwerbungen zu verbessern, ihr Leben glücklicher zu machen. Diese Eigenschaft ist es, die den königlich-messianischen Geist befähigt, Israel zu überkommen" (Midot Hara'aja, Ahawa §5). Und darum "muß die Liebe zu den Geschöpfen lebendig sein in Herz und Seele, besonders die Liebe zu jedem Menschen, und die Liebe zu allen Völkern ausnahmslos, begehrt ihre Erhebung und ihren spirituellen und materiellen Bestand; und der Haß darf sich nur gegen das Böse und den Schmutz in der Welt richten" (ebda.). Ein Lehrer, der seine Schüler nicht liebt, sollte seinen Job aufgeben. Und weil das Volk Israel seinen Job, "ein Licht den Völkern" zu sein, nicht aufgeben kann, darf es auf der prinzipiellen Ebene kein negatives Verhältnis zu den Völkern entwickeln. Den Haß gilt es auf die Bösewichte und die Feinde zu richten, und dort wiederum auf die Schlechtigkeit und die Feindseligkeit zu konzentrieren, und nicht auf die positiven Aspekte, die bei ihnen existieren; "wir dringen vor bis in die Tiefe der göttlichen Gnade, und wir dürfen uns nicht mitreißen lassen von der Strömung des Hasses selbst gegen den furchtbarsten Feind..." (Orot Hakodesch III, S.326). Ein Verhältnis der Liebe zu den Völkern verleiht der nationalen Eigenliebe, der Ahawat Israel, eine tiefergehende Dimension: "Nur aus einer an Liebe zu den Geschöpfen und an Liebe zum Menschen reichen Seele kann sich die Liebe zur Nation erheben, im Stolz auf ihre Vornehmheit und ihre spirituelle und praktische Größe. Die Mißgunst aber, die dazu führt, bei allem, was außerhalb der Grenze der besonderen Nation liegt... nur Häßlichkeit und Unreinheit zu sehen, gehört zu den fürchterlichen Verfinsterungen, die zu allgemeiner Zerstörung jedes Bauwerkes des spirituell Guten führen, dessen Licht jede feinfühlige Seele erwartet" (Midot Hara'aja, Ahawa §10). Es ist jedoch verboten, die Liebe zum Menschen die Erkenntnis von der Auserwähltheit Israels und seiner Bestimmung verwischen zu lassen, die zu viel tieferer Liebe zu jedem Juden verpflichtet. Rufen wir uns ins Gedächtnis, daß die Liebe zu einem jeden Juden von der Tora geboten wird: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Lev. 19,18), zusammen mit dem Verbot: "Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen" (V.17), wohingegen die generelle Liebe zum Menschen und die Zügelung des Hasses gegen die Feinde zu den Eigenschaften der besonders Frommen gehören. "Die Weitherzigkeit, die manchmal daherkommt... die ganze Menschheit in der für Israel reservierten Liebe einzuschließen, muß genau untersucht werden. Wenn die Erkenntnis von der kennzeichnenden Heiligkeit der Eigentümlichkeit Israels im Zeichen dieser [Heiligkeit] steht, und von der Klarheit dieser Erkenntnis breitet sich die Liebe zu jedem Volk und jedem Menschen gemeinsam aus, dann gleicht das der Eigenschaft unseres Vorvaters Awraham, des 'Vaters vieler Völker', und mit dir werden sich segnen alle Geschlechter der Erde, und mit deinen Nachkommen (Gen. 28,14). Es kommt aber auch vor, daß der Ursprung dieser Ausweitung der Liebe vagem Gefühl entspringt und der Abdunkelung des Lichtes der Heiligkeit der Erkenntnis von der höchsten Eigenartigkeit Israels - dann ist [diese Ausweitung] giftig, und der Inhalt ihrer Tätigkeit voll furchtbarer Zerstörung, von der man sich entfernen muß wie von einem stößigen Ochsen..." (Orot Israel 8,5). Damit haben wir den "goldenen
Mittelweg" vorgezeichnet, auf dem wir als Volk der besonderen Eigenart
wandeln sollten, das seine Schritte in der Familie der Völker macht.
"Und geschehen wird es in späten Zeiten, da wird aufgerichtet sein
der Berg des Hauses des Ewigen über den Bergen, und er überragt
die Hügel, und es strömen zu ihm all die Völker. Und viele
Nationen werden ziehen, und sprechen: Wohlan, laßt uns hinaufgehen
zum Berge des Ewigen, zum Hause des G~ttes Jakovs, daß er uns lehre
von seinen Wegen, und wir wandeln auf seinen Pfaden, wenn von Zion wird
ausgehen die Lehre, und das Wort des Ewigen von Jeruschalajim" (Jeschajahu
2,2-3).
Wollen Sie vielleicht einen Zaubertrank für ein langes und gesundes Leben? Möchten Sie ihrem Leben zehn Jahre hinzufügen und Ihre Lebensqualität verbessern? Ganz einfach! Pflegen Sie immer gut diese wunderbare Maschinerie, die Ihnen G~tt in seiner Gnade gegeben hat: den Körper! Natürlich ist die Seele die Hauptsache, doch muß sie auch in einem gesunden Körper hausen, wie schon die alten Römer wußten: Mens sana in corpore sano. Neben gesunder Ernährung gehören zu den Hauptbedingungen dafür die Leibesübungen. Wenn Sie Landarbeiter sind oder einer sonstigen manuellen Tätigkeit nachgehen, üben Sie Ihren Körper jeden Tag. Wenn aber nicht, geht es mit ihm stetig bergab. So schrieb unser großer Lehrer Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides"): "Und noch ein Prinzip sagte man bezüglich der Gesundheit des Körpers: Solange der Mensch seinen Leib übt und sich sehr anstrengt... kommt keine Krankheit über ihn und seine Kraft steigt... Und jeder, der sorglos sitzt und seinen Leib nicht übt... werden alle seine Tage von Schmerzen begleitet sein, und seine Kraft läßt nach" (Sittenlehren, 4.Kap., Hal. 14-15). An anderer Stelle schrieb er: "Würde der Mensch sich nur so führen, wie er das Tier behandelt, auf dem er reitet, wäre er von vielen bösen Krankheiten verschont. Findet sich doch nicht ein einziger Mensch, der seinem Tiere mehr Futter als nötig verabreicht, vielmehr mißt er es dem Tier genau zu - und er selber esse mehr als nötig, ohne Maß und Verstand?! Ebenso berechnet er genau das Maß der Bewegung seines Tieres und dessen Anstrengung, damit es ihm lange in Gesundheit zur Verfügung stehe und nicht krank werde - und er verfahre nicht entsprechend mit seinem eigenen Körper?! Und lenke nicht seine Gedanken auf Leibesübungen, dem Hauptpfeiler beständiger Gesundheit und Schutz vor den meisten Krankheiten?" (Maimonides, Medizinische Schriften, Ausgabe Süssmann Muntner I, S.32). Siehe auch das Rundschreiben des Direktoriums des Gesundheitsministeriums (29. Nissan 5765), das zu sportlicher Ertüchtigung aufruft und Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation und anderer aufführt, wonach ein Mangel an sportlicher Betätigung zu vorzeitiger Sterblichkeit und Krankheiten führt: Herzinfarkt, Krebs, Diabetes, Bluthochdruck, Fettleibigkeit u.v.m. Regelmäßige Leibesübungen vermindern auch Stress und Depression, verhindern Müdigkeit, erhöhen die Arbeitsproduktivität, verbessern die seelische Ausgeglichenheit und verlangsamen den Prozeß der Alterung. Kurz gesagt: Sport verlängert das Leben um durchschnittlich zehn Jahre. Von König Chiskijahu steht geschrieben, daß er bußfertige Umkehr tat, woraufhin ihm G~tt weitere 15 Jahre schenkte (Kö.II, 20.Kap., siehe auch Jewamot 50a). Tuen auch Sie bußfertige Umkehr! Natürlich ist die bußfertige Umkehr eine spirituelle Angelegenheit, es gibt aber auch "natürliche, körperliche Umkehr", wie uns Rabbiner A.J.Kuk lehrte, im Zusammenhang mit den "Sünden gegen die Gesetze der Natur", denn "am Ende jeder schlechten Führung stehen Krankheiten und Schmerzen; und sehr leidet darunter sowohl der einzelne Mensch als auch die Allgemeinheit... seitens der Sünden, die den Körper und seine Kräfte zerstören" (Orot Hatschuwa, 1.Kap.). Darum bitte ich Sie, treiben Sie Sport - welcher auch immer Ihnen am meisten zusagt: aerobische Betätigung, die den Herzfunktionen zugute kommt, Laufen, Laufen auf der Stelle, schnelles Gehen, Schwimmen, Fahrrad fahren, Turnen, Ballspiele, Volkstanz usw. Das ist wichtig! Das ist lebensnotwendig! Rabbi Eli'eser Papo, Autor des "Pele Jo'ez" ("Der wunderbare Ratgeber") mahnte zum Thema "Eigenliebe". Gibt es denn auch nur einen Menschen, der nicht sich selber liebt?! Leider zuviel davon. Wegen eines "Geistes des Unsinns", der ihn überkommt, "begeht er praktisch Selbstmord" und zerstört seinen Körper. Wer darum "Gehirn in seinem Schädel hat, denke daran, daß es dem Menschen gut ansteht, sich selber zu lieben, seinen Körper und seine Seele", "seinen Körper mehr als sein Geld" zu lieben, damit erweist er sich selber Gutes (nach Sprüche 11,17)". Manche sagen, man sollte 15 Minuten Sport treiben, oder 20, oder 30 Minuten; zweimal die Woche, dreimal oder jeden Tag. Je mehr, desto besser. Manche mögen einwenden: Die Zeit geht aber fürs Torastudium verloren! - Und Essen nennt sich verlorene Zeit? Oder Schlafen? Vielmehr sind all diese notwendig, auch der Sport. Und nicht nur das, die mit Sport verbrachte Zeit bekommt man zurück mit Zins und Zinseszins, "werden sich dir mehren Jahre deines Lebens" (Sprüche 9,11). Auch hinsichtlich der Lebensqualität: besseres Verkraften körperlicher Anstrengung, erhöhte Widerstandskraft gegen Krankheiten und psychologischen Druck. Darüberhinaus läßt sich der Sport direkt der Tora zuordnen. Maimonides definiert den Erwerb guter Eigenschaften als Gebot der Tora "und du gehest in seinen Wegen" (Sittenlehren 1,5), und dazu gehört der Schutz der Gesundheit als einer der Wege G~ttes (ebda. 4,1). Natürlich soll man sich auf das Nötige beschränken und nicht übertreiben. Und sicher reden wir hier nicht von Zuschauersport, sondern von der eigenen körperlichen Betätigung des Menschen, ob Mann oder Frau, Junge oder Mädchen, junger Mensch, Erwachsener oder Greis. Und wenn jemand einwenden sollte, wie er denn als Erwachsener oder Greis mit Sport anfangen soll, ob das nicht gefährlich ist? Dem sei gesagt, in der Tat, übertriebener Sport kann gefährlich sein. Darum sollte sich ein Erwachsener mit seinem Arzt beraten und sich ein entsprechendes Übungsbuch besorgen. Natürlich fängt man mit leichten Übungen an und steigert sich schrittweise. Während der Leibesübungen sollte man gelegentlich Wasser trinken. Nutzen Sie auch andere Gelegenheiten für die Körperertüchtigung. Meiden Sie den Fahrstuhl und gehen stattdessen die Treppe hinauf. Gehen Sie kurze Wege zu Fuß, und wenn Sie schon das Auto benutzen, parken Sie es etwas weiter weg. Steigen Sie eine Station (Autobus, U-Bahn usw.) vorher aus. Sie strengen sich an, und
G~tt wird Sie segnen. Der Prophet Jeschajahu zählt im 58. Kapitel
elf Segnungen auf. "Rabbi Elasar sagte, dies sei das beste unter den Segnungen:
und
wird deine Gebeine stärken (V.11), und Raba erklärte, dies
heiße die Gebeine rüsten" (Jewamot 102b).
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