DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in
der Tora (Lev. 6,1 - 8,36):
Schabbat Hagadol
Eine facettenreiche Persönlichkeit, der Prophet Elijahu, voller Geheimnisse und sogar Widersprüche. Wir kennen ihn als den Urtypus des Fanatikers. Er verursacht Jahre der Dürre, er holt Feuer vom Himmel, er läßt das ganze Volk ausrufen: "Der Ewige, der ist G~tt!" (Kö.I, 18,39) und schlachtet die Ba'al-Propheten am Kischonbache. Vollkommenheit und Konsequenz fordert er mit seinem Ausruf: "Wie lange noch wollt ihr hüpfen auf die beiden Zweige [d.h. sowohl G~tt als auch den Götzen dienen]?!" (V.21). In der Überlieferung der talmudischen Weisen heißt es: "Vater Elijahu war empfindlich" (Sanhedrin 113a/b), und er wird mit Pinchas, dem ersten Eiferer identifiziert (siehe Num. 25,7-8). In der Prophezeiung Maleachis, in den Versen, die der Haftara von Schabbat Hagadol vorangehen, kommt dieser Eifer wieder zum Vorschein. "Siehe, ich sende meinen Boten... und er wird sitzen schmelzend und reinigend das Silber, und er wird reinigen die Söhne Levi und sie läutern wie Gold und Silber" (Maleachi 3,1). Plötzlich erscheint er in ganz anderem Aufzug, in Kleidern des Friedens und der Toleranz. "Und er wird zurückführen das Herz der Väter zu den Kindern, und das Herz der Kinder zu ihren Vätern" (V.24). Wenn die Herzen der einen den anderen zurückgeführt werden müssen, dann war es wohl mit den gegenseitigen Beziehungen nicht zum Besten bestellt, es mußte also Frieden gestiftet werden. So sagten auch die Weisen am Ende des Traktates Edujot. Nach einigen Meinungsverschiedenheiten darüber, ob Elijahu kommen und jene ausstoßen wird, die es verdient haben, sagten die Weisen: "weder auszustoßen noch aufzunehmen, sondern Frieden unter ihnen zu stiften". Wohin ist der Eifer verschwunden? Wo ist die Selbstsicherheit abgeblieben? Was wurde aus der Forderung nach absoluter Vollkommenheit? Doch das ist genau der Punkt. Gerade der Eifer des Propheten Elijahu schafft ihm die Fähigkeit "aufzunehmen und nicht auszustoßen". Wenn bei Jemandem das Akzeptieren von Standpunkten mit Verzichten verbunden ist, die eine Legitimation für Bosheit und Verdorbenheit schaffen - der darf so eine Annäherung nicht durchführen. Bei wem die Liebe zum Sünder das Gefühl der Abscheu in Bezug auf den Sünder schwächt - ist höchste Vorsicht geboten. Der große Eiferer jedoch, der sich voll und ganz mit sonnenklarem Glauben dem großen Namen G~ttes ergibt, der darf aufnehmen, ohne Gefahr zu laufen, mitgerissen zu werden, er darf aufnehmen, ohne wie jemand angesehen zu werden, der Bosheit und Verdorbenheit einen Ehrenplatz verschafft, und ohne sich einzuschmeicheln. Der Prophet Elijahu kommt nicht daher auf den Schwingen pluralistischer Duldsamkeit, die "auf beiden Zweigen hüpft", die Jedem rechtgibt, Jedem seine eigene Wahrheit zugesteht - vielmehr bringt er Geduld in die Welt. Bekanntlich ist die Welt noch nicht vollkommen, noch gibt es viel zu verbessern. Doch gleichzeitig erkennt er an, daß sie im Grunde gut ist, und am Ende eines langwierigen und mühsamen Entwicklunsprozesses wird das Gute zum Vorschein kommen. Er ist sich auch bewußt, "daß die Wahrheit vermißt [ne'ederet] ward - sie wird sich in Herden [ederim] teilen und auswandern" (Sanhedrin 97a, nach Jeschajahu 59,15). Jede Herde führt einen Teil oder ein Teilchen der Wahrheit mit sich, und eine halbe Wahrheit - ist gar keine Wahrheit, sondern eine ganze Lüge. Die Väter und die Kinder führen jeder einen Teil der Wahrheit mit sich. Und Elijahu - der "Engel des Bundes" - "sitzt an jedem Schabbatausgang unter dem Baum des Lebens und schreibt die Verdienste Israels nieder" (Rav A.J.Kuk, Orot Hakodesch I, S.136, nach Seder Olam 17.Kap.), er erkennt genau den guten Kern und die Wahrheit eines Jeden aus dem Volke Israel. Darum kann er sowohl die Väter als auch die Kinder die jeweiligen Vorzüge der anderen Seite lehren, und ein Jeder lerne vom Guten und der Wahrheit des Anderen, im Sinne von "und alle nehmen auf sich das Joch der himmlischen Herrschaft, einer vom anderen, und erteilen sich Erlaubnis, einer dem anderen, ihren Schöpfer zu heiligen in seliger Ruhe" (Morgengebet). In der Prophezeiung Maleachis
laufen die Dinge folgendermaßen ab: Zuallererst Abstellen jeglichen
Anklingens einer Verwischung der Grenzen zwischen Heiligem und Weltlichem,
zwischen Reinem und Unreinem. "Und ihr werdet euch bekehren und sehen den
Unterschied zwischen dem Frommen und dem Frevler, zwischen dem Diener G~ttes
und dem, der ihm nicht gedient" (Maleachi 3,18). Danach eine weitreichende
Forderung nach Fortschaffung der Bosheit aus der Welt: "Denn siehe, der
Tag kommt, brennend gleich dem Ofen, und es werden alle Übermütigen,
alle, die Frevel geübt, Stoppeln sein, und es wird sie entzünden
der kommende Tag..." (V.19). Dann endlich wird vor uns die große
göttliche Wahrheit in ihrer ganzen Vollkommenheit offenbar, jene große
göttliche Wahrheit, die kein Mensch wegen ihrer Komplexität vollständig
aufzunehmen imstande ist: "Gedenket der Lehre Moschehs, meines Knechtes,
dem ich aufgetragen beim Chorew an ganz Israel Satzungen und Rechte" (V.22).
Und aus dem Eifer für die große Wahrheit erwächst die Stärke
der Geduld in Anerkennung der Tatsache, daß die Zeit die Brücke
bildet zwischen dem Erhabenen und dem Wünschenswerten einerseits,
und der unvollkommenen Wirklichkeit andererseits. Daraus wiederum erwächst
die Verantwortung (und auch der Glauben an das Vermögen), aus Allen
- Vätern und Kindern - eine Vereinigung zu bilden, den Willen ihres
Vaters im Himmel zu erfüllen. "Siehe, ich sende euch Elijah, den Propheten,
bevor eintrifft der Tag des Ewigen, der große und furchtbare. Und
er wird zurückführen das Herz der Väter zu den Kindern,
und das Herz der Kinder zu ihren Vätern..."(V.23-24).
Ein Mensch ist nur ein richtiger Mensch, wenn er Verstand hat. Ohne Verstand gleicht er dem Tiere. Darum ist der Verstand das Erste, worum wir in der Schmone-Esre bitten. Ist das aber nicht ein Widerspruch? Wie kann man um etwas bitten, wenn man keinen Verstand hat? Darum kann es nicht angehen, daß der erste Segensspruch der "mittleren" Segenssprüche mit "Gib uns Verstand" anfängt, so wie die anderen Bitten: Heile uns, segne uns, usw. Zwangsläufig müssen wir ein Minimum von Verstand beim Beter voraussetzen, den er gratis vor dem Gebet erhalten hat. Darum beginnt dieser Bittsegensspruch ausgerechnet mit einem Lob für das bereits Bestehende: "Du begnadest den Menschen mit Erkenntnis...". Erkenntnis wird dem "Menschen" gegeben, der durch das Essen vom Baum der Erkenntnis gesündigt hatte, "und lehrst den Menschen Einsicht", und Einsicht den Menschen, die wegen fehlender Einsicht sündigten. Von dieser Grundlage ausgehend bitten wir um eine Zugabe: "...begnade uns". Wir bitten darum, daß die Weisheit "von dir" sei. Auf den ersten Blick scheint diese letztere Bitte überflüssig zu sein. [Von wem sonst?!] Ihre Bedeutung besteht vielmehr darin, das Ziel dieser Einsicht sei die Mitteilung an uns, wer du seist. Die Einsicht über das Wesen G~ttes ist von allen Weisheiten die begehrteste, und nicht etwa das intellektuelle Erlebnis. "Nicht rühme sich der Weise seiner Weisheit... sondern dessen rühme sich, wer sich rühmen mag: einzusehen und mich zu erkennen" (Jirmijahu 9,22-23). Über den Inhalt der Weisheit, um die wir beten, bestehen zwei Lesarten: "Erkenntnis, Einsicht und Verstand" (aschkenas und sfaradi), "Weisheit, Einsicht und Wissen" (Chassisdim und Edot hamisrach). "Erkenntnis", im Gegensatz zu "Wissen", bedeutet ganz einfach eine Erkenntnis erleben und direkt einen Standpunkt beziehen zu können. Durch die Einsicht (bina) gelangt der Mensch zum Ursprung der Erkenntnis, der Schlußfolgerung, der Grundlage seines Standpunktes, d.h. der Fähigkeit zur Unterscheidung. (Bina ist die weibliche Form des Wortes bin, das zwischen Dingen unterscheidet). Der "Verstand", im biblischen Sinne des Wortes, bezeichnet die Fähigkeit, aufgrund der Einsicht einen praktischen Erfolg zu erzielen. Die zweite Lesart, "Weisheit, Einsicht und Wissen", beschreibt die Reihenfolge der Bildung. "Weisheit" bedeutet das Erlangen des Dings an sich, die "Einsicht" die Untersuchung darüber, was durch die Weisheit erlangt wurde, und "Wissen" bedeutet die Verinnerlichung, die die theoretische Erkenntnis der Lebenswirklichkeit näherbringt. "Gelobt seist du, Ewiger,
der du mit Erkenntnis begnadest". Der in der Gegenwartsform gehaltene Abschluß
aller Bittsegenssprüche will ausdrücken, daß bevor wir
überhaupt unser Gebet anfangen, G~tt uns das Erbetene schon geben
will, nur fehlte dazu noch das Erwecken des menschlichen Willens, sich
dem göttlichen Willen anzugleichen. Durch das Gebet wird der Wille
des Menschen eins mit dem Willen G~ttes.
HALACHA - PESSACH Wegen der Vielfalt der Pessach-Gesetze sollen hier nur die Hauptge-
und verbote erwähnt werden:
Chag
ssame'ach!
Kommentare von Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
in:
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