DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL 
Tel. +972 2 6511906
Fax +972 2 6514820             http://www.machonmeir.org.il

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJEZE
Nr. 542
9. Kislev 5766

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage: www.kimizion.org
-Archiv der "Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag' den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update) als die Machon-Meir-Seite

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 28,10 - 32,3):
G~ttes Versprechen an Jakov, ihn im Exil zu schützen, 
Begegnung mit Rachel, Jakov in Charan bei Lawan, Leah, die 
vertauschte Braut, Hochzeit mit Rachel, Geburt der Stämme, 
Lawans Betrügereien und göttliche Wende zu Jakovs Vorteil, 
beschleunigte Abreise nach Kana'an und Showdown mit Lawan 
auf dem Wege.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Jakovs Wahrheit

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Der Streit zwischen Jakov und Lawan am Ende des 
Wochenabschnittes bietet uns einen gewissen Begriff von der 
immensen Größe unseres Vorvaters Jakov. Dieser Streit 
begann im Zorn, mit der Erniedrigung durch Verfolgung und 
Durchsuchen der Habseligkeiten des eigenen 
Schwiegersohnes, der ihm so treu gedient hatte. Ausgerechnet 
die Pedanterie Jakovs, die in jener Stunde erwachte, zeichnet 
uns ein genaues Bild des treuen und vertrauenswürdigen 
Angestellten, der es sich in keiner Weise leicht machte, obwohl 
sein Arbeitgeber, Lawan, sein derzeitiger Streitpartner, die 
versprochenen Arbeitsbedingungen nicht nur nicht einhielt, 
sondern sie immer wieder willkürlich änderte.

Der Midrasch macht auf den sanften und doch konsequenten 
Stil des Auserwählten der Vorväter aufmerksam, in dem er 
Lawan ermahnte, und auf die sanften Worte, mit denen ihm 
schnell die Versöhnung gelang: "Die [ausgleichende] Pedanterie 
der Väter und nicht die [zwiespältige] Demut der Söhne" 
(Bereschit raba 74,10). Doch nicht nur der Stil ist 
beachtenswert, sondern vor allem der Inhalt. Bei dieser 
Ermahnung erwähnte Jakov nämlich nicht so sehr das von 
Lawan begangene Unrecht, sondern hauptsächlich seine eigene 
Verläßlichkeit bei der Arbeit als Hirte. Ein Aspekt dieser 
Verläßlichkeit war seine ununterbrochene Wachsamkeit bei Tag 
und bei Nacht, bei Hitze und Kälte, weit über alles hinaus, was 
in diesem Beruf als recht und billig galt. Unser Vorvater Jakov 
bezeugte über sich selbst, wie er weit strengere Maßstäbe an 
sein Verhalten anlegte als gesetzlich vorgeschrieben und sich 
nicht mit der üblichen Wachsamkeit begnügte (wie ein 
"Stadtwächter" und nicht wie ein Viehhirte, siehe Baba mezia 
93b), darum ersetzte er Verluste aus eigener Tasche. 
Besonders deutlich wird Jakovs Ehrlichkeit im Kontrast zu 
Lawans Hinterhältigkeit, der keine Gelegenheit ausließ, seinen 
eigenen Schwiegersohn und sein eigen Fleisch und Blut um 
dessen Lohn zu betrügen. 

Wer jemals in seinem Leben Wache schieben mußte, kann 
bezeugen, wie sehr diese abstumpfende Beschäftigung von der 
Ehrlichkeit des Wächters und seiner Arbeitsmoral abhängt. 
Stunde um Stunde vergeht, ohne daß irgendetwas 
Außergewöhnliches geschieht. Das kann leicht in Sorglosigkeit 
und Apathie enden. Nur eine eiserne Selbstdisziplin läßt ihn bei 
dieser monotonen Arbeit durchhalten. Nicht umsonst steht der 
Beruf des Wächters am unteren Ende der Lohnskala und der 
beruflichen Befriedigung, da doch selbst ein Schwerbehinderter 
noch als "Hüter eines Gurkenfeldes" tauglich ist. Und für wen 
dieser ganze Einsatz? Für Lawan, den Betrüger, der Treue mit 
Hinterlist dankt? Sollte Jakov nicht seine hohe Arbeitsmoral 
etwas dessen dubioser Zahlungsmoral anpassen? (Als jemand, 
der ungezählte Stunden auf Wache verbrachte, kann ich die 
Größe der Frustration bezeugen, die sich gerade während des 
Dienstes wegen erlittenen Unrechts einstellt, wie zum Beispiel 
verspätete Ablösung und ungerechte Diensteinteilung, was sich 
unmittelbar auf den weiteren Dienst auswirkt).

Gerade deswegen glänzt Jakovs Persönlichkeit besonders im 
Maße ihrer Wahrhaftigkeit - "Gib Wahrheit an Jakov" (Micha 
7,20). Jakov lehrt uns, Werte von Verläßlichkeit und 
Arbeitsmoral nicht an den niedrigen Maßstäben von Lawan zu 
messen, sondern an ganz anderen Begriffen, nämlich denen der 
Ewigkeit. Die vielschichtigen Beziehungen mit Lawan machten 
zwar den Erwerb von einer gewissen Übung in der Grauzone 
von Intrige und Listigkeit notwendig, und deren Einsatz, wo 
nötig - "mit dem Krummen windest du dich" (Psalm 18,27) - aber 
wehe dem Menschen, der sie sich zu eigen macht und selber zu 
den "Krummen" übergeht. Ein Mann der Wahrheit wie Jakov 
kennt den Wert der Einhaltung seines Wortes und versteht, daß 
G~tt ihm diese wichtige Aufgabe des Hütens der Herden 
zugespielt hat, und wenn er Zeugnis über seine Verläßlichkeit 
hätte ablegen müssen - "Mein Elend und die Mühe meiner 
Hände hat G~tt angesehen und entschied gestern" (Gen. 
31,42).

Und so, wie bei Jakov sein Glauben die Treue zu seinem 
konsequenten Wege vertiefte, möge es auch uns beschieden 
sein, diesem seinem Wege zu folgen.
 
 
 
HaRav Aviner

Meine Welt ist nicht verloren
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Ich gehöre zu den aus dem Katif-Gebiet Vertriebenen. Meine 
Welt zerbrach. Wir waren gute Bürger, mein Mann arbeitete, 
auch ich arbeitete, und wir verdienten einen würdigen 
Lebensunterhalt . Nicht reich, aber ok. Es gelang uns sogar, 
etwas Geld auf die Seite zu legen und ein kleines Häuschen zu 
kaufen. Keine Luxusvilla, aber doch sehr schön. Dort sind 
unsere Kinder glücklich aufgewachsen, und überhaupt waren 
wir da sehr glücklich. "Wenn du deiner Hände Arbeit genießest, 
Heil dir, und dir ist wohl" (Psalm 128,2). Im ganzen Katif-Gebiet 
gab es keine Arbeislosigkeit. 

Jetzt haben wir schon ein paar Monate lang keine Arbeit. Die 
wenigen Ersparnisse sind aufgezehrt. Früher konnten wir den 
Bedürftigen spenden, und jetzt müssen wir selber Almosen 
annehmen, um Nahrungsmittel kaufen zu können. Was für eine 
Schande! Am Anfang war man an meinem früheren Arbeitsplatz 
bereit, mir einen Halbtagsjob zu geben, doch jetzt sitzen wir am 
anderen Ende des Landes, und die endlose Fahrerei zur Arbeit 
und die damit verbundenen Unkosten haben mich geschafft. 

Wir leben aus unseren Koffern in diesem verfluchten Hotel, das 
bereits die fünfte Station seit unserer Vertreibung darstellt. Wir 
leben alle zusammen in zwei kleinen Zimmern. Ich gebe zu, 
Andere haben es schlechter. Manche haben die Großmutter mit 
dabei, und bei Anderen leben die großen Kinder, Jungen und 
Mädchen zusammen in einem Raum. Manche haben zwar zwei 
Zimmer nebeneinander, aber ohne direkten Durchgang. Es ist 
zwar nicht nett, so zu reden, aber ich hasse dieses Hotel. Was 
für eine Strafe! Menschenunwürdig! Noch nicht einmal eine 
Klobürste gibt es hier. Wir haben keine eigene Telefonleitung, 
und die Rechnung für das Handy wird langsam unbezahlbar. 
Man läßt uns nicht in die Küche. Das Essen schmeckt nicht, 
und es fehlt an Abwechslung. Mittags und abends gibt es 
fleischig, was die Kinder nicht gewohnt sind und deshalb nicht 
essen. Auch uns kommt es schon zu den Ohren heraus. Es 
versteht sich von selbst, daß wir keine Gäste einladen dürfen, 
nicht einmal meine alte Mutter - und wie sollen wir in Kürze Bat-
Mitzwa feiern? Und dann müssen wir für unseren 
Zwangsaufenthalt in diesem verdammten Hotel auch noch 
selber bezahlen, d.h., die Kosten werden von unserer 
Entschädigung abgezogen. 

Wegen all dieser Dinge kommt es zwischen meinem Mann und 
mir zu Spannungen. Wir streiten und sind einander böse. Mein 
Mann, der immer ruhig und gutmütig war, wurde depressiv und 
macht sich Sorgen. Er besucht bereits einen Psychiater, der wie 
alle Vertreter dieses Berufsstandes ein Vermögen für die 
Behandlung nimmt, das wir nicht haben. Unser ältester Sohn ist 
mit der ganzen Welt böse, mit der Regierung, mit dem Staat, mit 
der Armee, mit den Rabbinern, mit uns, mit Allem. Die Schule 
betritt er schon nicht mehr. So wie ihn gibt es schon Hunderte. 
Die große Tochter lassen wir in der Schule zu 
Internatsbedingungen, denn die Hin- und Herfahrerei wurde 
unerträglich. Sie weint die ganze Zeit und sehnt sich nach 
Hause. Dazu kostet das Internat eine Stange Geld. Aber wir 
wollen uns gar nicht einmal beklagen, denn wir haben Bekannte 
in ähnlicher Lage, deren Kinder mit Drogen angefangen haben 
oder an Selbstmord denken. 

Verglichen mit diesen Zores, können einem die Nervereien in 
den Behörden fast unbedeutend vorkommen, obwohl auch 
diese jeden normalen Menschen verrückt machen können. In 
den Büros der Umsiedlungsbehörde hat man anscheinend 
entschieden, uns das Leben so schwer wie möglich zu machen: 
Ahh, Sie wollen eine Entschädigung? Beweisen Sie, daß Sie im 
Katif-Gebiet gewohnt haben!... Meldebestätigung reicht nicht, 
da kann man ja alles Mögliche eintragen lassen!... Beweisen 
Sie, daß Sie das Haus gekauft haben!... Bringen Sie den 
Kaufvertrag... Bringen Sie eine Bestätigung von der Baufirma in 
Be'er Schewa, daß Sie dort registriert sind... Das reicht aber 
immer noch nicht, beweisen Sie, daß Sie auch wirklich dort 
gewohnt haben!... Bringen Sie eine Bestätigung des E-Werkes 
in Be'er Schewa, daß Sie alle Jahre Ihren Strom bezahlt 
haben!... Und jetzt verlangen sie noch Bestätigungen, daß 
unsere Kinder im Katif-Gebiet zur Schule gingen, aber auch das 
reicht noch nicht aus, denn vielleicht ist die Bestätigung fiktiv... 
Bringen Sie die Schulzeugnisse der 1. und 2. Klasse! ... Die 
sind in Ihrem Container? Ihr Problem!

Sagt mal, wollt ihr uns umbringen?! Erst vertreiben, und dann 
umbringen! Wir wissen auch gar nicht, wo sich genau unser 
Container zwischen all den anderen befindet. Die Regierung hat 
nicht für eine genaue Auflistung gesorgt. Wieviel Kummer hat 
uns dieser Container schon bereitet! Noch während des 
Packens wurden uns einige wertvolle Sachen gestohlen, z.B. 
der Computer, und ich verstehe auch gar nicht, warum der 
Container, der uns von der Behörde zur Verfügung gestellt 
wurde, mehr kosten muß als einer von einer Privatfirma. 

Nebenbei bemerkt, wenn es darum geht, von uns Geld zu 
kassieren, braucht es gar keine besonderen Bestätigungen: Wir 
zahlen der Bank weiter die Hypothek für ein Haus, das schon 
gar nicht mehr existiert, wir zahlen weiter Versicherung für ein 
Haus, aus dem wir vertrieben wurden, und wir mußten sogar 
dem E-Werk viel Geld für die Entfernung des Zählers bezahlen. 
In den Büros der Umsiedlungsbehörde aber werden wir gequält, 
dort gelten wir grundsätzlich als Lügner, und wir müssen uns 
beide Beine ausreißen, um zu beweisen, daß wir die Wahrheit 
sprechen. Sie schicken mich vom Norden des Landes nach 
Be'er Schewa, um eine Bescheinigung des E-Werkes zu 
besorgen, wo sie sämtliche Informationen über alle Siedler per 
Knopfdruck austauschen könnten, da alle Regierungsbehörden 
und -betriebe per Computernetz miteinander verbunden sind. 
Uns ist absolut klar, daß dafür nicht die bekannten Mühlen der 
Bürokratie verantwortlich sind, sondern eine bestimmte Planung 
dahintersteckt, kein bürokratisches Versagen, sondern Befehl 
von oben. Sie wollen uns brechen. Übrigens betreffen diese 
Schikanen auch diejenigen, die von vornherein mit der 
Umsiedlungsbehörde zusammengearbeitet haben.

Das sind schon echt verbrecherische Menschen, die unser 
Leben und unsere Familie ruiniert haben und weiterhin in den 
Medien die Öffentlichkeit belügen, daß alles in Ordnung sei. 
"Für jeden Siedler haben wir eine Lösung!" So verkündeten sie, 
und das behaupten sie immer noch. Verdammte Lügner! Wir 
dürfen auch nicht den Mund aufmachen, denn dann heißt es 
gleich: Heulsusen, Parasiten, Entschädigungsjäger! Wir?! Im 
Gegenteil! Wir hatten uns in einer trostlosen Gegend 
niedergelassen und in einen blühenden Garten G~ttes 
verwandelt, trotz ständigen Granatwerferbeschusses. Und jetzt 
sagt man uns: Wir sollen verzeihen und vergessen. Die 
Vergangenheit vergessen - und auch die Gegenwart?! 
Trotzdem hegen wir keinen Haß, das paßt auch gar nicht zu 
uns, ich kann überhaupt niemanden hassen, ich habe auch 
keine Lust, jemanden zu hassen. Ich möchte tanzen und fröhlich 
sein, auch in schweren Zeiten. 

Ein Glück, daß es Freunde und Bekannte gibt, die uns mit 
ganzem Herzen unterstützen. National-religiöse Leute und auch 
ein paar Nichtreligiöse, die uns mit Geld helfen, von ihrer Zeit 
opfern, psychologische und medizinische Hilfe, Hilfe bei 
organisatorischen Problemen, mit den Kindern und der Wäsche. 
Vielen Dank, liebe Freunde; wenn ich an euch denke, steigen 
mir Tränen in die Augen. 

Ich bin immer noch auf einer Reise ins Ungewisse in diesem 
unmöglichen Land - das ich dennoch liebe, trotz alledem. Ich 
wandle auf unsicherem Pfade, in einem langen 
Abnutzungskampf, aber ich halte stand. Das ist schwer und tut 
furchtbar weh, aber ich mache weiter. Ich habe mir immer noch 
etwas von meiner Fröhlichkeit bewahren können, von meiner 
Sanftmütigkeit und meiner Freundlichkeit. Manchmal frage ich 
mich, was sein wird, das schwächt und quält, ich aber mache 
weiter und verzweifle nicht. Ich dachte, wir hätten die Exile 
hinter uns, dem ist aber nicht so, das Exil steckt in uns, 
anscheinend befreit man sich nicht so schnell davon. Sie haben 
eine neue Schikane erfunden, aber ich bin über jeden Tag froh, 
den ich standhalte, über jeden Tag, an dem ich etwas Freude 
habe. Im Buch "Weg der Frommen" steht, daß die Welt voller 
Versuchungen und Schwierigkeiten ist (1.Kap.) - das ist wirklich 
nicht einfach. Ein Leben in wirtschaftlicher Ungewißheit, das 
kann wirklich nerven.

Mein Leben ist schwerer geworden, doch entdeckte ich in mir 
auch neue Seelenkräfte und frischen Glauben. In dem 
stürmischen Meer dieses nationalen Wahnsinns finde ich hier 
und dort sichere Festpunkte, an die ich mich halte. Einmal fand 
ich einen Text von Rabbiner Kuk, der mich sehr rührte:
"Der entwurzelte Mensch: Dieser Schrecken erschüttert die 
Seele am meisten, der Mensch muß einen festen Stand haben, 
und daß dieser Stand nicht hin- und herwankt. Was ist das 
Hauptproblem mit der Galut (dem Exil)? Die Entwurzelung. Sehr 
bedrohlich ist die Sache, wenn der Mensch fühlt, wenn er in 
bestimmten und hauptsächlichem Sinne entwurzelt ist, 
umherwandert, in der Schwebe hängt..." (Ma'amarej Hara'aja 
S.161). 

Doch auch in der Galut gelang uns, weiter zu existieren. Trotz 
allseitiger Verwunderung lebt und besteht das Volk Israel voller 
Mut, weil es in jeder Lage etwas hat, daran festzuhalten. 

Auch König David gibt ein Beispiel dafür. Seit seiner Kindheit litt 
er unter seinen Brüdern: "Ein Entfremdeter bin ich meinen 
Brüdern geworden, und ein Unbekannter den Söhnen meiner 
Mutter" (Psalm 69,9). Woher nehme ich also meine Kraft? Von 
dem, was ich im Laufe der Zeit ansammelte.

Zuallererst kommt der Zusammenhalt. Den haben sie nicht 
brechen können. Mit den anderen Vertriebenen gibt es zwar 
viele Streitpunkte wegen der gemeinsamen Notlage, auch 
innerhalb der Familie, doch wir hüten den Zusammenhalt, es 
gelingt uns sogar, ihn zu stärken. Die goldene Regel der 
Gemeinsamkeit: Es müssen nicht Alle gleich denken, brauchen 
nicht Alle dasgleiche Käppchen auf dem Kopf zu haben, 
brauchen nicht gleich zu glauben und nach dergleichen 
Methode zu verfahren. Aber Allen gemeinsam sind zweifelsohne 
der Schmerz und die Härten des Lebens. Am Schlimmsten ist 
die Ungewißheit, darum machen unterschiedliche Ansichten und 
Gefühle nicht so viel aus. Man darf anders denken, anders sein. 
So wie in einer Jeschiwa: im Bet Midrasch gibt es lautstarke 
Debatten, aber alle respektieren einander. 

Bei uns gibt es wahre Spezialisten für Debatten: die 
Jugendlichen! Jeder eine zweibeinige Talmudausgabe, jederzeit 
bereit, über alles zu streiten. Alles, was ich sage - sie sagen das 
Gegenteil. Welch ein Glück! Ich streite nicht, ich will keinen 
besiegen. Ich freue mich über meine so integrierten und 
sozialbewußten Kinder. Sie haben viele Verdienste, ich bin 
richtig neidisch auf sie. Sie beschuldigen uns aller möglichen 
Dinge, Tatenlosigkeit - was nicht? Das kann einen aufregen. 
Warum regt mich das eigentlich auf? Bis ich verstand: Ich 
beschuldige mich selber und mache mir Gedanken. Darum 
habe ich beschlossen, mich nicht mehr aufzuregen. Ich suche 
die Punkte der Übereinstimmung, und dann stärken wir die 
positiven Seiten. Ich sehe mich vor, nicht die Psychologin zu 
spielen. Nur ihre Mutter. Meinem Zweijährigen fällt es viel 
schwerer, denn er fühlt sich unter Druck und kann sich nicht 
artikulieren. Die Anzeichen: Nässen, unregelmäßige Verdauung 
und manchmal Fieber. Es wundert mich nicht. Ich umarme und 
küsse ihn und gebe ihm zu trinken. Auch bei meiner Tochter im 
Kindergarten beobachte ich eine ähnliche Entwicklung: 
Zurückgezogenheit, undeutliche Aussprache, Bettnässen. Ich 
spiele mit ihr "wenn ich groß wäre", so fühlt sie eine gewisse 
Entscheidungsmacht.

Nur mein Sohn in der dritten Klasse wird richtig aggressiv. Er 
drückt seine Gefühle so aus: "Ich bringe Soundso um!" Das 
macht mir Sorge. Er wird natürlich niemanden umbringen. Ich 
werde auch keine Energien darauf verschwenden, solche 
Wortausbrüche zu unterbinden. Wenn ich ihn zum Schweigen 
brächte, würde er gar nicht mehr reden. Bei mir darf man reden. 

Ich weiß gar nicht, warum ich euch all diese persönlichen Dinge 
erzähle. Anscheinend muß auch ich loswerden, was mir so 
widerfährt. Ich muß die ganze Zeit einstecken, immer wieder 
den kleinen Kindern antworten: "Ima, der Soldat da, ist das ein 
guter Soldat, der uns beschützt, oder ein böser, der uns 
vertreibt?". Sie fühlen sich immer noch bedroht. Darum sorge 
ich für ein warmherziges Familienleben. Oder ein warmes Bad, 
ohne große Aufpasserei.

Ich bestreite nicht, daß die Zukunft viele Ungewißheiten birgt. 
Ich bemühe mich aber, sie soweit wie möglich einzuschränken: 
"Meine Kinder, ich werde immer bei euch sein, wir werden 
zusammen weitermachen, auch wenn wir nicht wissen, was sein 
wird". "Mein Ehemann, ich bin immer dein, in jeder Lage". Viele 
Dinge in unserer Welt gingen zu Bruch, aber ich nicht. Immer 
wenn es nötig ist, gibt mir der Herr der Welt neue Kraft. Mein 
G~tt, du verläßt mich nicht.
 
 

SPENDEN
Hilfe für die Vertriebenen
per Kreditkarte/Internet:
www.paamonim.com
Alle Zahlungen zugunsten
"Paamonim, Lemaan Echay Fund"
per Scheck: POB 1423, 
IL - 90628 Bet El, Israel
per Überweisung:
Postal Bank Israel
Konto 3-53565-6

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
www.israelnn.com
- auf russisch:
www.sedmoykanal.com
 

Radio "Reschet Moreschet" - 
Hören Sie Rabbiner Aviners Fragestunde live
vom Internet und stellen Ihre Frage per Telefon: 
(+972 2) 5302685,  jede Woche Do. 22.30-24.00
israelische Zeit (nur hebräisch!) 
http://media.iba.org.il

Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di. 23.00-24.00, 
Tel. (+972) 50 800 93 93
http://kolchai.moreshet.co.il/web/index.asp
 

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch auf Russisch -Französisch - Spanisch/Portugiesisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
-ULPAN GIUR
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an obigeAnschrift von Machon Meir

SPENDEN
Überweisungen an:
MACHON MEIR, Konto bei Postal Bank, Jerusalem, Konto Nr. 4-16179-3
oder per Scheck direkt an
MACHON MEIR
P.O.B. 34107
JERUSALEM 91340
ISRAEL
oder via Kreditkarte nach telefonischer Absprache mit dem
Büro von Machon Meir (+972 2 6511906)

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 15.59/17.15
Tel Aviv: 16.17/17.17
Haifa: 16.07/17.14