DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ERA
Nr. 549
28. Tewet 5766

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 6,2 - 9,35):
G~tt erinnert Moscheh an seinen Bund mit den Vorvätern und 
das Versprechen, ihren Nachkommen das Land Kanaan zu 
geben; schickt ihn zu den Kindern Israels, den Auszug 
anzukündigen, doch sie wollen nichts davon hören; kleine 
Stammeskunde; Moscheh und Aharon wieder bei Pharao; 
Wunderzeichen, Pharaos Zauberer machen es nach; die ersten 
7 der 10 Plagen.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Verzweiflung und Erlösung

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Moschehs Lage zu Beginn des Wochenabschnitts Wa'era ist 
gar nicht leicht. Seine erste Mission bei Pharao scheiterte 
kläglich. Erst erweckte er weitreichende Hoffnungen auf baldige 
Erlösung, doch diese ließ dann auf sich warten. Er versuchte 
bei Pharao mit der Überzeugungsmethode "Von Angesicht zu 
Angesicht", einen kurzen Urlaub für die Israeliten zu erreichen. 
"Der G~tt der Hebräer ist uns gegenwärtig geworden; wir 
möchten drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen, daß wir dem 
Ewigen opfern, unserem G~tt, auf daß er uns nicht anfalle mit 
Pest oder Schwert" (Ex. 5,3). Moscheh wandte sich an Pharaos 
Verstand und an sein menschliches Herz, das in seinem Innern 
schlagen mochte. Leider umsonst. Pharaos Antwort triefte von 
Bosheit und Unverständnis gegenüber den Leiden des Volkes. 
"Geht an eure Lastarbeiten!" (V.4). "Schwer liege der Dienst auf 
den Leuten, daß sie damit zu schaffen haben und sich nicht 
unterhalten von eitlen Dingen" (V.9).

Und Moscheh, der weder an Präsidentensessel noch 
Ministerressorts interessiert war, befand sich nun in seiner 
ersten Führungskrise. Die Aufseher der Kinder Israels waren 
ihm böse und sahen in ihm eine Art Lügenmessias. Man darf 
wohl annehmen, daß Konspirationstheorien gesponnen wurden, 
da Moscheh bekanntlich im Hause Pharaos aufgewachsen war 
und nun mit ihm wohl gemeinsame Sache machte, das Joch 
des Volkes zu erschweren und jede Hoffnung auf Erlösung zu 
begraben. Moscheh hatte dem nichts entgegenzusetzen. Er 
wußte genau, daß eine gewaltsame Lösung des Problems nicht 
infrage kam. Schließlich handelte es sich um Sklaven, die nichts 
von Kriegführung verstanden. Die einzige vernünftige 
Möglichkeit der Rettung bestand in Bittgesuchen auf friedlichem 
Wege - doch diese hatte bereits genau das Gegenteil bewirkt. 
Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als voller Verzweiflung 
gen Himmel zu rufen: "Wozu hast du mich gesandt?!" (Ex. 
5,22), "denn seitdem ich zu Pharao gekommen, um in deinem 
Namen zu reden, macht er es ärger mit diesem Volke, gerettet 
aber hast du dein Volk nicht" (V.23).

G~ttes erste Antwort darauf fällt kurz und bündig aus. Eigentlich 
konzentriert sie sich in einem Satze: "Nun sollst du sehen" (Ex. 
6,1). Jetzt ist die Zeit reif, wie Rabbiner Samson Raphael Hirsch 
erklärte: Das ist der Moment, auf den ich gewartet habe. Zuerst 
müssen sich die vollkommmene Hilflosigkeit und die 
Verzweiflung offenbaren. Es wird bewiesen, daß die Hand des 
Menschen nichts erreicht, und daß alle Gesuche an Pharao 
keinen Nutzen bringen. Zuerst müssen Moscheh und Aharon 
vor dem Volk in absoluter Ratlosigkeit dastehen, und erst dann 
beginnt die Erlösung als Werk G~ttes. In diesem Augenblick 
verschwinden die letzten Spuren aller Dinge, die wie natürliche 
Hilfsmittel erscheinen könnten; und es wird erkennbar und 
bewußt, daß Moscheh nichts anderes als ein Mittel und seine 
Taten nichts anderes als das Werk G~ttes sind. 

Nur auf diese Weise kann sichergestellt werden, daß die 
Erlösung zwangsläufig und ohne Hinzutun aller Beteiligten 
erfolgt. "..denn durch starke Hand soll er sie entlassen und 
durch starke Hand soll er sie treiben aus seinem Lande" (Ex. 
6,1).

In diesem Lichte muß G~ttes zweite Antwort gesehen werden. 
"Und G~tt (Elohim) redete zu Moscheh und sprach zu ihm: Ich 
bin der Ewige (jud-heh-waw-heh)" (Ex. 6,2). Er wendet sich an 
ihn mit dem Namen Elohim, d.h. der in den Abläufen der Natur 
Verborgene, und teilt ihm mit: Ich bin der Ewige. Ich bin 
derjenige, der ganz offen Wunder wirkt, und ich bin derjenige, 
der die Natur aus dem Verborgenen lenkt. Erst jetzt, da du die 
Tiefen der Verzweiflung erreicht hast, ist die Zeit reif für die 
Offenbarung: Ich bin der Ewige. Um Moscheh die Geheimnisse 
der göttlichen Lenkung zu erläutern, wird sein Blick auf die 
fernere Vergangenheit gerichtet, zu den Tagen der Vorväter, 
und zu ihren Auseinandersetzungen. "Ich bin auch Awraham, 
Jizchak und Jakov erschienen mit [dem Namen]: G~tt, 
allmächtiger (el schadai); aber [mit] meinem Namen: Ewiger, bin 
ich ihnen nicht kund geworden. Sowohl mit ihnen habe ich 
meinen Bund errichtet, daß ich ihnen das Land Kana'an gebe, 
das Land ihres Aufenthaltes, in dem sie geweilet" (Ex. 6,3-4). 
Die Offenbarung gegenüber den Vorvätern erfolgte nur unter 
dem Namen "G~tt, allmächtiger" (el schadai), unter dem sich 
G~tt in der Welt verbirgt, unter allen Verwicklungen und Leiden, 
Versagen und Rückschlägen. Die Periode der Vorväter begann 
in besonderem Glanz, den Tagen der "ersten Einwanderung" 
Awrahams, der in das ihm versprochene Land ein ums andere 
Mal einzieht. An jedem Orte verkündet Awraham den Namen 
G~ttes, besiegt in nächtlicher Schlacht die vier Könige und wird 
von den Bewohnern des Landes als "Fürst G~ttes" anerkannt. 
Darauf folgen Tage niedrigeren Profils, Jizchak wohnt in den 
Gefilden der Philister und wird von seinem Boden mehrmals 
vertrieben, und schließlich die Zeit des Leidens von Jakov, der 
Streit mit seinem Bruder Eßaw, mit seinem Schwiegervater 
Lawan und mit Schchem ben Chamor, dazu die Konflikte seiner 
Söhne im engeren Kreis der Familie. Diese Periode endet mit 
dem Abstieg nach Ägypten in die Knechtschaft. Zwar hielten die 
Vorväter den Bund mit G~tt über die Herrschaft über das ganze 
Land Kana'an hoch in ihren Herzen, doch in der Praxis bot 
ihnen das Land nur Wohngelegenheit, ein Dasein als Beisaß 
und der Zeitweiligkeit, des Niedergangs und der Furcht, "das 
Land ihres Aufenthaltes, in dem sie geweilet" (s.o.).

Also sprach G~tt zu Moscheh: Du mußt von den Vorvätern die 
Stärke des Glaubens lernen, die Stärke der Geduld. "..und 
wenn er [der Maschiach] auch zögert, trotzdem hoffe ich täglich 
auf ihn, daß er kommen wird" (aus den 13 Glaubensartikeln des 
Maimonides). Wäre die Gründung des Volkes in ständig 
aufsteigender Tendenz erfolgt, hätte man meinen können, daß 
wir selber die Abläufe bestimmen und sie auch vorantreiben. 
Der Aufbau des jüdischen Volkes wurde jedoch von langen 
Perioden des Niedergangs begleitet, in denen nur selten das 
göttliche Licht durchschimmerte und verkündete: "Und auch 
dann noch... habe ich sie nicht verworfen und nicht so 
ausgestoßen, daß ich sie völlig aufriebe und meinen Bund mit 
ihnen bräche" (Lev. 26,44). Nur so werden Alle wissen, daß die 
Erlösung nur von G~tt kommt, und alle menschlichen Taten und 
Kombinationen nützen nur insofern, wie sie den vor dem 
menschlichen Auge verborgenen göttlichen Plan verwirklichen. 
Gerade der Zustand der Verzweiflung, der dem Menschen seine 
Nichtigkeit bewußt macht, bereitet ihn auf das Anhören der vier 
Sprüche der Erlösung vor (siehe Pessach-Hagada).

In der Tora beziehen sich diese Worte auf die Erlösung aus 
Ägypten. Einerseits bietet sie das Musterbeispiel für alle 
weiteren Erlösungen, andererseits unterscheidet sie sich von 
ihnen. Diese Erlösung erfolgte durch offene Wunder, während 
die Erlösungen vor dem Bau des zweiten und des dritten 
Tempels auf natürlichem Wege erfolgen. Das Prinzip allerdings, 
daß die göttliche Rettung gerade aus dem Abgrund der 
Verzweiflung erwächst, ist allen gemeinsam. Darum heißt es im 
Talmud: "Der Sohn Davids kommt nicht eher,... bis sie an der 
Erlösung verzweifelt haben werden" (Sanhedrin 97a). Und so 
schrieb unser Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk im Namen 
seines Vaters, Rabbiner Awraham Jizchak Kuk, Autor der 
"Lichter" (Orot):
"Denn der Weg der Erlösung selber ist gerade so, daß man auf 
ihm zur Verzweiflung gerät, und genau diese erzeugt die 
Erlösung und bringt den Sohn Davids - so wird sie durch jene 
drei Ereignisse klar, durch unsere Unterdrückungen und unsere 
Leiden der Wehen bei der Geburt des Volkes und des Landes... 
und aus der Kraft der Verzweiflung erscheint der große 
Glauben, prangend in Heiligkeit. 'Blicke vom Gipfel Amanas' 
(Hohelied 4,8) [Emuna=Glauben] - die Diaspora wird in Zukunft 
nicht erlöst außer für den Lohn des Glaubens".
 
 
 
HaRav Aviner

Vergiß' nicht die Hauptsache!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Aber bei der Tora ist doch Alles Hauptsache, Alles heilig, Alles 
göttlich! - Richtig, aber wenn das Schiff sinkt, rettet man zuerst 
das Wichtigste, wie bei einem Schwerkranken, wo man 
zwischen einem Körperteil, von dem das Leben abhängt, und 
einem anderen unterscheidet. So schrieb Rabbiner A.J.Kuk in 
seinem Aufsatz "Ha-Ikarim" (Ma'amarej Hara'aja S.14), wobei er 
betonte, daß die großen Rabbiner früherer Generationen 
Grundprinzipien festlegten. Auch in unserer Generation, die sich 
an einem historischen Wendepunkt von Wirren und 
Umwälzungen befindet, müssen wir wissen, worauf es 
zuallererst ankommt.

Entsprechend lehrte uns unser großer Meister Rabbiner Zwi 
Jehuda Kuk [Sohn des obigen]: Zuerst kommen "Emuna
(Glauben) und "Ahawa" (Liebe) [siehe Überschrift unseres 
Parscha-Blattes].

"Emuna" - stellt die Basis für alles Andere. Man muß sich immer 
vergegenwärtigen, daß der Herr der Welt die Realität lenkt. Es 
stimmt, in letzter Zeit gehen wir durch eine schwierige Periode 
mit diversen Krisen. Psychologen definieren "Krise" als 
Ereignisse gegen den Willen - und solche gibt es immer. Man 
darf die Dinge aber nicht wie mit den Augen der Massenmedien 
betrachten, die Nachrichten produzieren müssen. Vielmehr 
müssen wir den Maßstab des Glaubens anlegen und die letzten 
hundert Jahre im Gesamtüberblick betrachten und erkennen, 
wie wir von Neuem geboren wurden, Aufbauphasen durchleben, 
wie unser Land blüht und gedeit, wie sich hier Millionen Juden 
ansammeln, frei in ihrem eigenen Staat, und die Tora an ihren 
Stammplatz zurückkehrt. Das ist alles kein Zufall, sondern von 
der Hand G~ttes, auch wenn diese Entwicklung von Leiden und 
Komplikationen begleitet wird, von Krisen und von Schwächen. 
"..denn Aug' in Auge sehen sie, wenn der Ewige nach Zion 
zurückkehrt" (Jeschajahu 52,8), wenn wir unsere Augen in 
Glauben und Himmelsfurcht auf das göttliche Auge ausrichten: 
"Siehe, des Ewigen Auge ist auf die, die ihn fürchten" (Psalm 
33,18) - dann sehen wir, "wenn der Ewige nach Zion 
zurückkehrt". 

Darum befördert uns G~tt selbst unter Leiden und furchtbaren 
Qualen hin zu unserer Selbständigkeit und läßt seine Präsenz 
nach Zion zurückkehren. Wollen wir doch die 
Verhältnismäßigkeit wahren und die Perspektive beachten! 
Sowohl das Gute als auch das Schlechte kommt von G~tt. Und 
selbst das Schlechte entpuppt sich am Ende zum Guten. Das 
Schlechte und das Häßliche gehen vorüber, die Ewigkeit aber 
bleibt der ganzen Allgemeinheit versprochen. Darin besteht 
unsere Erwartung einer besseren Zukunft. Darum kommt es 
weder zu Verzweiflung noch zu Depressionen selbst in einer 
Krise, wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir es gerne hätten 
und es so aussieht, daß viel Mühe g~ttbehüte umsonst war. 

Wir sind keine Müßiggänger oder Faulpelze. Wir kämpfen und 
kämpfen, und wenn uns die Wirklichkeit übel mitspielt, verfallen 
wir nicht in Traurigkeit, Beschuldigungen oder 
Verwünschungen. 

Geh hin und lerne von David, unserem Herrn und König, der 
wirklich genug zu leiden hatte und trotzdem immer fest am 
Glauben hielt, wie im Buche "Chinuch" [kurze Schilderung aller 
613 Ge- und Verbote] erwähnt: "Daß der Mensch wisse und 
sich zu Herzen nehme, daß alles, was ihm von Gut bis Böse 
widerfährt, der Grund, daß es auf ihn komme, vom Ewigen ist, 
gelobt sei er, und von der Hand des Menschen, von der Hand 
des Einen (Gen. 9,5), nichts komme ohne den Willen G~ttes, 
gelobt sei er, und darum, wenn ihn jemand quält oder ihm 
Schmerz zufügt, wisse er in seiner Seele, daß seine Sünden 
ihm das verursacht haben, und G~tt, gelobt sei er, hat ihm dies 
verordnet, und darum wende er seine Gedanken nicht der 
Rache zu, denn der Betreffende ist nicht der eigentliche 
Ursprung des Übels, denn die Sünde brachte die Dinge ins 
Rollen, und so wie David, Friede sei mit ihm, sagte: Lasset ihn, 
daß er fluche; denn der Ewige hat es ihm gesagt (Schmu'el II, 
16,11), d.h. er sah die Ursache für diesen Vorfall in seiner 
eigenen Sünde und nicht bei Schimi ben Gera [von dem im Vers 
die Rede ist]" (Sefer HaChinuch §241).

Um vorschnellen Schlußfolgerungen vorzubeugen: Nicht alle 
heutigen Widrigkeiten sind als göttliche Strafe aufzufassen, es 
geht nur darum, sich jetzt nicht in Rachegedanken zu 
verstricken. 

Damit kommen wir nun zum zweiten Grundprinzip: Liebe - die 
der Tora vorangeht und auf die die Tora gebaut ist. Rabbi Akiva 
hatte 24.000 Schüler, und alle starben zwischen Pessach und 
Schawu'ot, in der Zeitperiode der Vorbereitung zur 
Empfangnahme der Tora - weil sie einander nicht respektierten. 
Damals sagte Rabbi Akiva: Liebe deinen Nächsten wie dich 
selbst (Lev. 19,18) - das ist ein großes Prinzip der Tora, das ist 
die Wurzel der Tora. Wenn das Fundament der Liebe fehlt, 
gerät das ganze Tora-Gebäude schief. Nur durch "Liebe deinen 
Nächsten wie dich selbst" (Lev. 19,18) gelangt man zu "ich der 
Ewige" (ebda.).

Das gehört zu den schwersten Versuchungen, nämlich an der 
Liebe festzuhalten angesichts all Jener, die aus unserer Mitte 
hervorgehen und die Tora, das Volk und das Land entwurzeln 
wollen. Wir können nicht in die Zukunft schauen, und darum 
kämpfen wir weiter. Aber nicht mit schiefem Blick und 
Verwünschungen gegen diesen oder jenen Politiker, Soldaten 
oder Polizisten, oder gegen Juden, die den Schabbat 
entweihen, trefe essen und ihre Frauen betrügen, oder 
überhaupt gegen Jeden, der anders denkt als wir - werden wir 
die Erlösung bringen. Die Erlösung bringen wir durch Mehrung 
der Liebe. Darum wurde der "weise Sohn" in der Pessach-
Hagada neben dem "bösen Sohn" genannt, wie der berühmte 
Kabbalist ARI sel. sagte, um ihn durch das große Licht des 
Weisen zu heilen. Schlage nicht deinen Nächsten, und heize 
nicht die Atmosphäre auf, nur Liebe, Liebe, Liebe.

Wir rufen uns die "roten Linien" unseres Lehrmeisters, Rabbiner 
Zwi Jehuda Kuk, bezüglich politischer Auseinandersetzungen in 
Erinnerung: "Ohne Erheben der Hand, ohne Beschimpfung, 
ohne Haß" (Lenetiwot Israel), ohne Nachtragen, nicht in Tat und 
Wort, selbst nicht in Gedanken.

Wir glauben an die Ewiglichkeit Israels, nicht wie die Christen, 
die angesichts des Versagens entschieden, unsere Hoffnung 
als Volk sei verloren und die spirituelle Besonderheit Israels 
ausradiert, g~ttbehüte.

Wir erleben schwere Leiden, und die Heilung: Mehrung des 
Glaubens und Mehrung der Liebe. Was machen Sie, wenn Sie 
am Morgen aufstehen, bevor Sie mit dem Gebet beginnen? 
Lieben! So wurde gemäß ARI sel. das Gesetz entschieden: 
"Auch nehme man vor jedem Gebet das Gebot auf sich: 'Liebe 
deinen Nächsten wie dich selbst', und denke dabei, jeden von 
Israel wie sich selbst zu lieben; denn wenn - was fern sein möge 
- die Herzen Israels auf Erden getrennt wären, dann wären sie 
auch im Himmel nicht einig. Aber ihre körperliche Einigkeit auf 
Erden verursacht Einigkeit und Zusammenschluß ihrer Seelen 
im Himmel; und dadurch vereinigen sich auch ihre Gebete; und 
dann, wenn ihre Gebete sich zusammenschließen, sind sie 
wohlgefällig vor Ihm, gepriesen sei sein Name!" (Kizur 
Schulchan Aruch 12,2).

Ja, ganz Israel sind einander Bürgen (arewim), sie sind sogar 
miteinander vermischt (me'urawim), die Seele des einen mit der 
Seele des anderen, wie der Kabbalist Rabbi Moscheh 
Kordovero im Buch "Tomer Dwora" schrieb, und angenehm 
(arewim) miteinander.

Und was sagen Sie, wenn Sie nachts schlafen gehen? "Herr der 
Welt, hiermit vergebe ich Jedem, der mich erzürnt hat, der mich 
erniedrigt oder gegen mich gesündigt hat..." (Nachtgebet). Das 
ist sehr schwer. Wenn Sie dazu nicht bereit sind, brauchen Sie 
diesen Teil nicht zu sagen. Wenn aber doch, werden Sie 
enorme Reinheit fühlen. 

Das ist eine der schwersten Schlachten, die wir zu bestehen 
haben: Nicht den Kopf zu verlieren, nicht das Herz zu verlieren, 
nicht den Glauben zu verlieren, nicht die Liebe zu verlieren.

Doch nur so werden wir das ersehnte Ufer erreichen. Denk 
daran! Die Erlösung wird nicht den Einzelnen, den Ehrlichen, 
Gerechten, Frommen und Heiligen gegeben, sondern dem Volk, 
dem ganzen Volk, in allen seinen unterschiedlichen Stufen.

"Und durch die Scharen der Myriaden deines Volkes, des 
Hauses Israel..." (Schabbat-Morgengebet). Wir gehen mit 
diesem Volk, immer, auf ewig! Nichtsdestoweniger und trotz 
alledem! Wir gehen mit unserem Volk. Wenn nötig, werden wir 
harte Worte benutzen, doch wir bleiben immer zusammen. Mit 
Liebe und Glauben und erhabener Geistigkeit, denn wir sind die 
Diener G~ttes und sein Volk Israel.
 
 

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