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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN
IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJERA
Nr. 539
17. Marcheschwan 5766
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage:
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-Archiv der
"Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag'
den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Gen. 18,1-22,24):
Besuch der 3 Engel bei Awraham, Ankündigung
Saras Sohn,
Verhandlung mit G~tt über Sdom, Engel
bei Lot, Vernichtung
von Sdom und Amora, Lot und seine Töchter,
Awraham und
Sara bei Awimelech, Geburt Jizchaks, Vertreibung
Hagars und
Jischma'els, Bündnis mit Awimelech,
Opferung
Jizchaks/Widder, göttliches Versprechen
zahlreicher
Nachkommenschaft und Segen für alle
Völker der Erde.
| Am
Schabbes-Tisch...
Verlust des Lebenswerkes
Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret" |
Dreimal steht unser Vorvater
Awraham vor dem
Zusammenbruch seines Lebenswerkes,
und jedes Mal wiegt
schwerer als das vorangegangene.
Das erste Mal begann mit
der göttlichen Rede
an ihn: "Gehe aus deinem Lande..." (Gen.
12,1). Der Weggang von Ur-Kasdim
war nicht nur ein Verlassen
seiner gewohnten Umgebung,
seines Wohnorts und der
Erinnerungen an seine Kindheit.
Es handelte sich um die
Zerstörung eines ganzen
Lebenswerkes. Viele Jahre lang war
Awraham in Aram-Naharajim
damit beschäftigt gewesen, eine
Massenbewegung zur Rückkehr
zum Monotheismus auf die
Beine zu stellen. "Awraham
konvertiert die Männer, und Sara
konvertiert die Frauen"
(Raschikommentar zu Gen. 12,5). Das
Wunder seiner Errettung
aus dem Feuerofen erhöhte sein
Ansehen in den Augen der
Öffentlichkeit. Sein Name eilte ihm
voraus, und an allen Orten
rief er den Namen G~ttes an. Viele
strömten zu ihm, um
seinen Segen und spirituellen Einfluß zu
erhalten. Auch wurde eine
weitverzweigte wirtschaftliche
Infrastruktur aufgebaut,
um dieses große Werk zu unterhalten.
Das Einzige, was ihm noch
fehlte, war ein "Thronfolger", der
das Werk in den nächsten
Generationen weiterführt. Und
plötzlich kommt der
göttliche Befehl: "Gehe aus deinem Lande
und aus deinem Geburtsorte
und aus dem Hause deines Vaters
in das Land, das ich dir
zeigen werde". Der lange Weg ins
Ungewisse bedeutet ein großes
Risiko. "Weil die Reise drei
Dinge verursacht, sie verringert
die Fortpflanzung, verringert
das Vermögen und verringert
den Namen" (Raschi zu Gen.
12,2). Gefahr für die
Kontinuität, Gefahr für das wirtschaftliche
Fundament, Verlust einer
mühsam erworbenen Anhängerschaft
und Ansehen in der öffentlichen
Meinung. Awraham sieht die
Risiken, doch erhält
er ein ausdrückliches Versprechen: "Und
ich werde dich zu einem
großen Volke machen [=gesicherte
Nachfolge], und dich segnen
[=wirtschaftliche Sicherung] und
groß machen deinen
Ruf [=Ansehen]" (Gen. 12,2). Awraham
macht sich auf den Weg,
nimmt mit, was sich mitnehmen läßt,
auch "die Seelen, die sie
erworben in Charan" (12,5), und
beginnt mit dem Neuaufbau
in dem Glauben, daß er dort, "in
dem Land, das ich dir zeigen
werde" - das nicht nur das Land
ist, "das ich dir zeigen
werde", sondern auch das Land, wo "ich
dich ausersehen werde" -
den rechten Ort finden wird, sein
Lebenswerk mit neuem Schwung
und neuer Kraft zu erneuern.
Der Midrasch Tanchuma gibt
dazu folgendes Beispiel: "..wie ein
Fläschchen mit wohlriechendem
Öl, das im Friedhof steht. So
wußte niemand von
seinem Duft. Was geschah? Man nahm es
und brachte es von Ort zu
Ort, und so wurde sein Duft in der
Welt bekannt. So war es
mit Awraham, er lebte unter
Götzendienern. Sagte
G~tt zu ihm: Gehe aus deinem Lande,
und ich verkünde deine
Qualitäten in der Welt".
Es vergeht keine lange Zeit,
und schon wieder steht sein
Lebenswerk vor dem Zusammenbruch.
"Und es ward
Hungersnot im Lande" (12,10).
Hier kann er nicht weiterleben,
er muß nach Ägypten
auswandern. Wiederum Gefahr für das
Vermögen und den guten
Namen. Und die allergrößte Gefahr -
für die Zukunft der
Familie. Man darf wohl annehmen, daß viele
von "den Seelen, die sie
erworben in Charan" es vorzogen, das
"sinkende Schiff" des unglücklichen
Propheten zu verlassen,
der sie mit leeren Versprechungen
in ein Land schleppte, in
dem man nicht existieren
kann. Doch Awrahams Glauben bleibt
unerschütterlich. Er
wußte schon, "aus dem Starken kommt
Süßes" (Richter
14,14), auch wenn der Weg momentan nicht
ganz klar ist. Und wirklich,
schon bald kehrt Awraham ins Land
zurück, "sehr reich
an Vieh, an Silber und an Gold" (13,2), und
stellt sein Lebenswerk wieder
auf die Beine "an der Stelle des
Altars, den er dort zuerst
gemacht hatte, und wo Awram den
Namen des Ewigen angerufen
hatte" (13,4).
Und sieheda, schon wieder
steht er vor dem Zusammenbruch.
Doch jetzt, anders als beim
ersten Mal, als er sich auf ein
ausdrückliches göttliches
Versprechen stützen konnte, und
anders als beim zweiten
Mal, als die Zukunft wenigstens
ungewiß erschien,
steht er nun vor dem endgültigen und totalen
Aus. "Nimm doch deinen Sohn,
deinen einzigen, den du liebst,
den Jizchak... und bringe
ihn dort zum Opfer" (Gen. 22,2). Wer
wird Awrahams Weg fortführen,
der inzwischen 137 Jahre alt
ist? Wer wird noch auf einen
greisen Rabbiner hören, der genau
das Gegenteil von allen
moralischen und religiösen Werten tut,
zu denen er erzog - Werte,
die Mord und Blutvergießen aufs
Schärfste ablehnen,
die sich von Menschenopfern radikal
distanzieren, Werte, die
nach "Recht und Gerechtigkeit"
verlangen?
Das ist Awrahams große
Prüfung. Nachdem er hundert Jahre
lang an seiner "Karriere"
gearbeitet hatte, nach der Errichtung
eines wunderbaren Lebenswerkes,
steht er vor einem
unmöglichen Dilemma.
Soll er seinem Lebenswerk treu bleiben
und all den treuen Freunden,
die mit ihm gingen "wie du mir
gefolgt durch die Wüste,
durch unbesäetes Land" (Jirmijahu
2,2), oder soll er weiterhin
demjenigen folgen, der ihm dieses
Lebenswerk auferlegt und
für den er alle diese Dinge vollbracht
hatte? Soll er alles, was
er aufgebaut hat, zerstören und zeigen,
daß alle Anstrengungen,
die er investierte, alle Opfer, die er
brachte, alle Leiden, die
er litt, alle Sorgen, die er sich machte -
vergeblich waren, und alle
Tage seines Lebens nachträglich
anscheinend bedeutungslos
werden? Wird er eine neue
Bedeutung im Leben finden
können, wenn das Einzige, was ihm
noch verbleibt, ist, auf
die Stimme G~ttes zu hören?
Awraham besteht diese Prüfung.
Er ergreift das
Schlachtmesser, das sein
ganzes Lebenswerk
zunichtezumachen droht.
Zwar identifizierte er sich mit seinem
Lebenswerk aus ganzem Herzen,
doch wußte er, daß alle seine
Taten nicht seine Privatangelegenheit
sind, sondern eine große
göttliche Mission.
Er wußte genau, daß der göttliche Überblick
auf Leben und Geschichte
bei Weitem mehr umfaßt als das
menschliche Auge, selbst
das des "Großen unter den Riesen"
[=Awraham], und mit diesem
höchsten Überblick erkennt man
tiefste Bedeutung selbst
bei einem Lebenswerk, das scheinbar
hoffnungslos verloren dasteht.
Am Ende wird Awraham klar,
daß der Gegensatz zwischen der
Treue zur Mission und zum
Lebenswerk gegenüber der Treue
zum Gebieter nur eingebildet
war. Ein Engel ruft vom Himmel:
"Strecke nicht deine Hand
nach dem Knaben aus, und tue ihm
nicht das Geringste" (Gen.
22,12). G~ttes Wort kommt und
verkündet, daß
Awraham nicht nur G~tt liebt und sich aus
vollem Herzen mit seinem
Weg und seiner Mission identifiziert,
sondern auch G~tt fürchtet
und versteht, daß er wohl für G~tt
arbeitet, aber nicht G~tt
bei ihm. Gerade dadurch war er das
Versprechen wert: "Der Mächtige
Israels wird nicht lügen und
sich nicht bedenken" (Schmu'el
I, 15,29), und sein Lebenswerk
wird wirklich niemals unterbrochen
werden, bis schließlich "die
Sieger hinauf auf den Berg
Zion ziehen, zu richten den Berg
Eßaw, und des Ewigen
wird sein das Königtum" (Ovadia 1,21).
[Diese Worte sind in Liebe
und Hochschätzung dem Gebiets-Rabbiner
der Siedlungen von Gusch
Katif, Jigal Kaminetzky gewidmet, der in
diesen Tagen sein Lebenswerk
von Stärkung der Tora, des Volkes
und des Landes neu erbaut].
| HaRav
Aviner
Schon von Ehrung
der Eltern gehört?
Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa
von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt |
 |
Vom Gebot der Besiedlung
des Landes Israel haben Sie doch
sicher schon gehört.
Dieses Gebot ist heute sehr gefragt. Das
Gebot der Ehrung der Eltern
hingegen ist ein Mauerblümchen,
eher vernachlässigt,
dieses Gebot hat einfach kein Glück. Nicht
so wie das Gebot vom Lande
Israel, ein wichtiges und
dringendes Gebot - dafür
setzt man sich ohne viel Federlesens
ein. Da habe ich eine ernüchternde
Neuigkeit für Sie: Auch die
Ehrung der Eltern ist eine
Stufe auf dem Weg zum Lande Israel
- geben Sie acht auf das
Ende des Verses: "Ehre deinen Vater
und deine Mutter, damit
deine Tage lang werden in dem
Lande, das der Ewige
dein G~tt dir gibt" (Ex. 20,11). Demnach
gehört die Ehrung der
Eltern ganz sicher zu den "national-
religiösen" Geboten.
Ich rede hier gar nicht von
Ihrer Verhaltensweise als kleines
Kind, als Sie noch herumtobten
und frech waren, sondern von
heute, da Sie schon selber
Kinder haben. Ich hätte eigentlich
von Ihnen erwartet, daß
Sie nun die elterliche Denkweise
besser nachvollziehen können.
Sie sind ein ernsthafter und
intelligenter Mensch, himmelsfürchtig,
sorgfältig bei der
Gebotserfüllung und
dem Toralernen. Warum also besuchen
Sie nie Ihre Eltern?! Warum
laden Sie sie nicht zu sich ein? Und
wenn sie sich selbst einladen,
oder Sie zu sich einladen, finden
Sie alle möglichen
Ausreden: diesen Schabbat paßt es uns
nicht, usw. Bis es ihnen
schon nicht mehr angenehm ist, zu
fragen.
Ich weiß auch, daß
es mit Oma und Opa nicht immer ganz leicht
ist, sie haben zu allem
etwas zu bemerken, kritisieren hier und
da, streiten über jede
Kleinigkeit und stecken ihre Nase überall
rein. Von Dankbarkeit haben
Sie aber schon mal etwas gehört?
Selbst wenn Sie Ihr ganzes
Leben damit zubrächten, Ihren
Eltern das zurückzugeben,
was sie Ihnen haben angedeihen
lassen, würde die Zeit
nicht ausreichen. Seien Sie also froh,
wenn Sie ab und zu Gelegenheit
haben, ein wenig
zurückzugeben. Undankbarkeit
beginnt bei den Eltern und
endet bei G~tt, denn diese
drei sind bei der Schaffung des
Menschen beteiligt. Und
die Dankbarkeit ist das Fundament für
Alles - sagte Rabbiner Bechaje
in seinem Buch
"Herzenspflichten".
Haben Sie wirklich gar nichts
von Ihren Eltern bekommen? Gar
nichts von ihnen gelernt?
Sind Sie ihnen gar nichts schuldig?
Sind Ihre Eltern an Allem
schuld? Vielleicht finden Sie doch
etwas Gutes an ihnen, sowohl
in der Vergangenheit als auch in
der Gegenwart? Vielleicht
werden Sie dann etwas anders über
sie denken?
Wenn Sie sie rundweg ablehnen,
sehen Sie anscheinend nicht
das Gesamtbild, sondern
nur einen kleinen, ärgerlichen
Ausschnitt. Wenn Sie alles
über sie wüßten, ihre ganze
Geschichte, ihren ganzen
Leidensweg, ihre Glücklosigkeit, ihre
Träume, alle ihre Bemühungen
- würden Sie sich anders
benehmen.
Wenn Sie ihre Eltern nur
negativ sehen, müssen Sie wissen,
daß Ihre Kinder Ihnen
das einmal mit gleicher Münze heinzahlen
werden, denn so haben sie
es ja von Ihnen gelernt.
Aber auch heute schon schwächen
Sie sich durch die
Negierung, sie verlieren
Ihre Lebensfreude und Ihre gute Laune.
Wenn Sie sich abweisend
gegenüber Ihren Eltern verhalten,
bedeutet das in gewisser
Hinsicht eine Selbstabweisung, und so
können Sie nicht glücklich
werden.
Sie werden doch Ihre Eltern
nicht mehr ändern. Meine Bitte an
Sie: Ändern Sie
sich, ändern Sie Ihre Einstellung, denken Sie
um, und automatisch werden
Sie anders handeln. Was Sie
entscheiden - so wird sich
das Bild Ihnen darstellen. Wie man in
den Wald hineinruft... Wenn
Sie Ihre Eltern positiv sehen,
machen Sie sich selbst glücklich.
Darum erhält man den Lohn
für die Elternehrung
bereits in dieser Welt.
Das ist eine Herausforderung!
Wie schon Rabbiner A.J.Kuk
schrieb: "Die Ehrung der
Eltern... wirkt sehr stark in den Herzen
der Menschen, und häufig
macht sie selbst die härtesten
Herzen weich. Woher stammt
dieses Gefühl? Nur von der Kraft
der Dankbarkeit, das tief
in den Herzen der Menschen
verwurzelt ist" (Ejn
Aja).
Nehmen Sie die Herausforderung
an! Und plötzlich werden Sie
Reinheit, eine geistige
Erhebung spüren.
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