DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
SCHABBAT CHOL HAMO'ED SUKKOT
Nr. 535
19. Tischri 5766

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 
 
 

Der Stand der Dinge...
Freiheit > Tora > Freude
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Die drei Wallfahrtsfeste - Pessach, Schawu'ot und Sukkot - 
bilden eine Kette, die das jüdische Volk mit seiner 
Vergangenheit und seiner Zukunft verbindet. 

Pessach - die Zeit unserer Freiheit, als das Volk Israel als 
einzigartige und ausschließliche göttliche Kreation geschaffen 
wurde, wie es beim Propheten heißt: "Das Volk, das ich mir 
gebildet, meinen Ruhm sollen sie erzählen" (Jeschajahu 43,21). 
Wir wurden geschaffen und aus der Sklaverei in die ewige 
Freiheit unter Zeichen und Wundern entlassen, die G~tt vor 
Aller Augen vollbrachte. An Pessach offenbart sich das Volk 
Israel als erstgeborener Sohn des Herrn der Welt. Es ist das 
von allen Völkern auserwählte Volk, nicht nur in der 
Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart und in alle 
Zukunft. So wie wir jeden Tag beten: "..der sein Volk Israel in 
Liebe erwählt" (Segensspruch vor dem Schma-Gebet).

Schawu'ot - die Übergabe der Tora, wie sich an uns der Segen 
über die Tora erfüllte und erfüllt: "..der aus allen Völkern uns 
erwählt und seine Lehre uns gegeben hat". Nicht nur in der 
Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart, wie wir 
anschließend sprechen: "Gesegnet seist du, G~tt, Geber der 
Lehre". Und auch in Ewigkeit: "Und ich - dies ist mein Bund mit 
ihnen, spricht der Ewige - mein Geist, der auf dir ist, und meine 
Worte, die ich in deinen Mund gelegt, sie sollen nicht weichen 
aus deinem Munde und aus dem Munde deiner Nachkommen, 
und aus dem Munde der Nachkommen deiner Nachkommen, 
spricht der Ewige, von nun an bis in Ewigkeit" (Jeschajahu 
59,21).

Sukkot - die Zeit unserer Freude. Die Sukka erinnert an den 
Auszug aus Ägypten und an die "Wolken der [göttlichen] Ehre", 
mit denen G~tt uns derzeit schützte (siehe Schulchan Aruch, 
O.C. §625,1), wie es heißt: "wie ich euch getragen auf 
Adlerflügeln und euch gebracht habe zu mir" (Ex. 19,4), "Wie 
ein Adler sein Nest ausführend, über seinen Jungen flattert; er 
spannt seine Fittiche, ergreift es, trägt es auf seinen 
Schwingen" (Dt. 32,11). Nicht nur in der Vergangenheit, 
sondern durch alle Generationen behütet uns der Ewige, von 
unserem Vorvater Awraham an, dem Samenkorn, aus dem das 
Volk Israel sproß, bis hin zur Generation des Königs Maschiach, 
der "Frucht" des Volkes Israel, wie wir im Gebet sagen: "Schild 
Awrahams", und im Segen über die Haftara: "Schild Davids".

An Sukkot, der Zeit unserer Freude, offenbart sich die 
Bestimmung und die Vollkommenheit des jüdischen Volkes als 
"Licht den Völkern", darum die große und mächtige Freude, wie 
die talmudischen Weisen sagten: "Wer die Lustbarkeit bei der 
Wasserprozession nicht gesehen hat, hat im Leben keine 
Lustbarkeit gesehen" (Sukka 51a, Mischna).

Nach dem Stand der Dinge müssen wir uns stärker in unsere 
historischen Ursprünge vertiefen, damit wir klarer unsere 
Zukunft sehen können. So wie wir an Pessach seinerzeit aus 
der Sklaverei in die Freiheit gelangten, erreichte auch unsere 
Generation Freiheit und staatliche Unabhängigkeit nach 
jahrtausendelanger Unterdrückung im Exil. Staatliche 
Selbständigkeit allein reicht aber nicht, wir brauchen vor allem 
spirituelle Selbständigkeit, wie es heißt: "Lies nicht charut 
[eingraviert, auf den Bundestafeln], sondern cherut [Freiheit]" 
("Sprüche der Väter", 6.Kap.). So wie wir in der Wüste Sinai die 
Tora nach dem Auszug in die Freiheit erhielten, erhält auch in 
unserem Zeitalter das Volk Israel die Tora in immer stärkerem 
Maße, mit G~ttes Hilfe. Damit gelangen wir zum Höhepunkt 
unserer Freudenzeit - nämlich die Tage des Maschiach und der 
Bau des dritten Tempels, bald und in unseren Tagen. Dann 
werden wir mit eigenen Augen sehen, wie das Prophetenwort 
Wirklichkeit wird: "Sie werde ich bringen nach meinem heiligen 
Berge, und sie erfreuen in meinem Bethause, ihre Ganzopfer 
und ihre Schlachtopfer werden gnädig aufgenommen auf 
meinem Altare; denn mein Haus soll ein Bethaus genannt 
werden für alle Völker" (Jeschajahu 56,7).

Mit den besten Segenswünschen für ein freudiges 
Laubhüttenfest,
Rav Dov Begon 
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Aus Jonas Hütte gesehen

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Die zeitliche Nähe des Laubhüttenfestes (Sukkot) zu den hohen 
Feiertagen zeugt von einem besonderen Charakter des Festes 
selber und der an ihm üblichen außergewöhnlichen Freude, wie 
man den Vers deutete: "Geh', iß in Freuden dein Brot, und 
trinke mit frohem Herzen deinen Wein; denn längst ist G~tt 
zufrieden mit deinem Tun" (Prediger 9,7). Über die Bedeutung 
dieser zeitlichen Nähe wurden schon viele Erklärungen 
geschrieben.

Einen zusätzlichen Aspekt der Verbindung von Sukkot und Jom 
Kippur liefert das Prophetenbuch Jona [das zu Mincha an Jom 
Kippur gelesen wird]. Die Geschichte spielt sich hauptsächlich 
an drei Schauplätzen ab: im Inneren des Schiffes, im Inneren 
des Walfischs - und in der Laubhütte vor Ninive. Diesen 
Stationen ist ein längeres Warten des Propheten Jona 
gemeinsam, der zusieht, wie sich die Dinge entwickeln werden, 
und jeweils ein Höhepunkt durch einen Ausbruch in Flehen und 
Protest über die göttliche Leitung der Welt. Seine Bitte an die 
Matrosen "Nehmet mich und werfet mich in das Meer" (1,12) 
läßt sich als scharfer Protest gegen die ihm auferlegte Mission 
verstehen, vor der er flüchtet, der noch stärker ausbricht in der 
improvisierten Sukka, die er gegenüber von Ninive aufstellte, 
"war das nicht meine Rede, als ich noch in meinem Lande war - 
darum kam ich zuvor, nach Tarschisch zu fliehen" (4,2). Im 
mittleren Fall, gerade nach drei Tagen Verweilens im Inneren 
des Fisches, bricht ein Gebet hervor aus seinem Munde, das 
sich versöhnlich anhört, wobei er verständig die göttliche 
Anleitung akzeptiert und nun bereit ist, seine Aufgabe zu 
erfüllen.

Es ist kein Zufall, daß G~ttes Antwort auf die Beschwerden 
Jonas gerade bei der Sukka erfolgt, und sie läßt seine ganze 
verwundene Reise in neuem Licht erscheinen. Wenn ihn die 
Erlebnisse auf dem Schiff zu der Erkenntnis brachten, daß sein 
Schicksal in den Händen G~ttes liegt, und sein Aufenthalt im 
Walfischbauch die weitere Erkenntnis hinzufügte, daß G~tt ihn 
beschützt und ihm nichts an seinem Tod liegt, so ziehen wir die 
bedeutendste Lehre des ganzen Buches gerade aus der 
Geschichte um die Sukka vor Ninive. Dort, in "G~ttes Schatten", 
ist uns vergönnt, einen Schimmer von der Verhältnismäßigkeit 
zu ergattern, mit der G~tt seine Welt lenkt, und zwischen der 
menschlichen Freude über den wurzellosen Rhizinusbaum (aus 
dem Jona seine Sukka baute) und der würdigen Freude über 
die Sukka der "Wolken der Ehre" zu unterscheiden (Anspielung 
auf das Toragebot, das auf die Laubhütten der 
Wüstenwanderung der Kinder Israels zurückgeht). Der Mensch 
läßt sich leicht von jedem dahergelaufenen "Rhizinusbaum" 
beeindrucken, "der als Kind einer Nacht entstanden und als 
Kind einer Nacht verschwunden ist" (4,10), und entwickelt 
davon eine Abhängigkeit, als ob er ihn schon immer besessen 
hätte. Demgegenüber hat die göttliche Oberlenkung gerade die 
sich aufsummierende Mühe im Aufbau einer großen Stadt vor 
ihren Augen und die herzzerreißende bußfertige Umkehr ihrer 
Einwohner, auch wenn sie sie nicht lange aufrechterhalten 
können. 

Es ergibt sich, daß der Aufenthalt in der Sukka den Menschen 
zu einer tiefgehenderen Betrachtung seiner Umgebung bringen 
kann und nicht nur die Tatsache, daß er im Prinzip ein Diener 
ist, der seinem Herrn ein Glas Wasser reicht und die 
wohlgefällige Aufnahme seiner Gabe erwartet (siehe Traktat 
Sukka, Mischna, Ende des 2.Kap.). Das Herausgehen aus dem 
Hause erlaubt uns, von einem außengelegenen 
Beobachtungsposten einen kleinen Einblick in das System der 
göttlichen Weltlenkung zu erhalten. Die an den hohen 
Feiertagen angestellte Selbstkritik kann jetzt eine weitere 
Perspektive annehmen und den Gesang der bußfertigen 
Umkehr (von Jom Kippur) zu dem Bewußtsein des "Wie groß 
sind deine Werke, Ewiger, wie sehr tief deine Gedanken!" 
(Psalm 92,6) bringen.
 
 
 
HaRav Aviner

Hör mir bitte zu!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Du hörst mit nicht zu, wenn ich mit dir rede. Auch wenn du sehr 
schlau mir sagst: "Stimmt nicht, ich hab' dir zugehört, gerade 
hast du dies und das gesagt", dann haben wohl deine Ohren 
gehört, aber nicht deine Augen, nicht deine Gesichtszüge, nicht 
deine Körperhaltung; das war keine Herzensantwort. Ich fühle 
sofort, wenn du nicht zuhörst, schließlich bin ich deine Frau, und 
ich habe dir etwas Wichtiges zu sagen, aber du hörst gar nicht 
hin, und das tut mir weh. Manchmal hörst du wirklich zu, und 
das ist ganz wunderbar, ich bin glücklich und dankbar - leider 
kommt es nur zu selten vor. Du hörst nicht zu, du blickst aus 
dem Fenster, spielst mit deinem Kugelschreiber, klick - die Mine 
raus, klick - die Mine rein, klick - klick, klick - klick... Du rutschst 
auf deinem Stuhl hin und her; oder versinkst im Sessel, die 
Arme verschränkt; manchmal drehst du dich in eine andere 
Richtung; streckst die Beine hin und her, seufzst und schaust 
auf die Uhr; wenn das Telefon klingelt, atmest du auf. Und ich 
fühle mich frustriert, zornig, zum Schweigen gebracht und 
abgesperrt. Mir fehlen die Worte, mein Selbstwertgefühl fällt auf 
den Nullpunkt. Traurig und einsam. Ich spüre Nervosität und ein 
Fehlen von Selbstvertrauen. Manchmal fühle ich ein 
Herzklopfen. Mir wird plötzlich bewußt, daß ich 
zusammenhanglos rede. Alles gekünstelt. Ich fühle mich dumpf, 
müde, gleichgültig. Alles verschließt sich vor mir, alles scheint 
mir fremd. Manchmal hasse ich mich selber, fühle Scham, 
Schuld - und Rache.

Es wäre doch so schön, wenn du mir zuhörtest. Du sitzt mir 
entspannt gegenüber und schaust mir in die Augen, und ich 
schaue dir in die Augen. Du bist offenherzig, positiv, strahlst 
Wärme aus. Du fühlst dich gut und wendest dich mir zu. Du 
nickst mir zu. Du reagierst auf mich. Du bist einfach da. Du 
unterbrichst mich nicht, fragst nur kurz, um sicherzustellen, daß 
du richtig verstanden hast. Dann fühle ich Selbstvertrauen und 
innere Harmonie. Ich ströme Wärme, Freundschaft, Freude und 
Kraft aus. Ich bin kreativ. Ich bin klug. Mein Selbstvertrauen 
wächst. Ich bin offen und schenke Vertrauen - wie ein Kind, 
voller Hoffnung und Dankbarkeit. Ich liebe dich. 
So würde ich gerne jedesmal fühlen, wenn ich mit dir rede. 

Doch immer, wenn ich dir mein Herz ausschütten will, gibst du 
mir zu verstehen, daß du meinem Redeschwall entkommen 
willst, daß ich schwatzhaft bin, daß zehn Maß Rede in die Welt 
herabkamen und ich elf davon nahm; doch das kommt nur 
davon, weil du mir nie zuhörst. Nie! Darum hungere ich nach 
Aufmerksamkeit. Wenn ich einmal anfange zu reden, stürze ich 
mich natürlich auf die Gelegenheit. Aber du hörst gar nicht hin.

Ich merke sofort an deinen Augen, daß du nicht zuhörst. Du 
kaufst mir viele Geschenke, und ich danke dir dafür. Doch 
möchte ich viel lieber nur ein einziges Geschenk: ein 
aufmerksames Augenpaar. Dafür schicke ich dir ein Gedicht 
von einem anonymen Autor, das ich dir aus dem Englischen 
übersetzt habe: LISTEN -

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören
und du anfängst, mir gute Ratschläge zu erteilen
dann war das nicht das, worum ich gebeten.

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören,
und du anfängst, mir zu erklären, 
warum ich nicht so fühlen darf,
dann zertrampelst du meine Gefühle.

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören,
und du glaubst, du müßtest gleich etwas tun,
um meine Probleme zu lösen,
dann läßt du mich im Stich,
wie seltsam das auch klingt.

Vielleicht hilft darum manchmal ein Gebet,
manchen Leuten - wenn G~tt schweigt
und keine Ratschläge gibt
und nicht versucht, die Dinge zu ordnen,
sondern zuhört
und uns traut, die Probleme selber zu lösen.

Also bitte ich dich ganz einfach hör' mich,
und wenn du etwas sagen möchtest,
dann warte ein wenig, bis du an der Reihe bist,
und ich werde dir zuhören.
 
 

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