DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHELACH LECHA *
Nr. 569
21. Sivan 5766

*(außerhalb Israels: Beha'alotecha) 

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 13,1-15,41):
12 Fürsten kundschaften das Land Kana'an aus; 10 bringen positiven, aber entmutigenden Bericht, 2 optimistisch und verweisen auf göttlichen Beistand; Volk hört auf Mehrheitsbericht, göttliche Strafe: 40 Jahre Wüste, bis Ungläubige ausgestorben sind; jetzt wollen sie doch, aber G~tt läßt sie nicht mehr; weitere Opfergesetze; Strafe für G~tteslästerung; der Holzsammler am Schabbat; Zizit.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

"Wohl werden wir hinaufziehen"

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Die Kommentatoren konzentrieren sich im allgemeinen auf die Sünde der Kundschafter und auf die spirituellen und psychologischen Ursachen, die ihr zugrundeliegen, und auf die verzweifelten Versuche von Kalew, das Volk umzustimmen und den Mut zur Eroberung des Landes zu erwecken, doch läßt sich diesem Abschnitt in jedem Lehrhaus noch ein neuer Aspekt abgewinnen. Trotzdem wähle ich für meine Betrachtung eine andere Fährte zur Ausspähung in dieser Parascha, die uns einige Zwischenbewertungen des Streites zwischen Jehoschua und Kalew einerseits sowie den übrigen Kundschaftern und dem Volk andererseits abverlangen wird. Bekanntlich unterlagen Jehoschua und Kalew in diesem Streit.

Auf den ersten Blick läßt sich nicht der geringste Nutzen ausmachen, den die dem Gebote von der Eroberung des Landes Treuen aus diesem Streit gezogen hätten, trotz der Macht ihres Glaubens - "Wohl werden wir hinaufziehen und es in Besitz nehmen" (Num. 13,30) und ihrer Opferbereitschaft "selbst in den Himmel; wenn er sagt, macht Leitern und steigt zu ihm hinauf, so werden wir in allen seinen Worten Gelingen haben" (Raschikommentar ebda., nach Sota 35a). Nicht nur, daß sie am Prüfstein, das Volk zu überzeugen, scheiterten, im Gegenteil, ihr Streit richtete obendrein Schaden an, und ohne ihn wäre wenigstens das spirituelle Ergebnis weniger schlimm ausgefallen. Während sich vor ihrer Ansprache die Diskussion vor allem um die Sicherheitsaspekte drehte und die praktische Unmöglichkeit der Gebotsausführung vor G~tt straffrei bleibt, da das professionelle Urteil der Kundschafter von den Israeliten kritiklos angenommen wurde - führte gerade die Opposition dagegen durch Kalew und Jehoschua beim Volk zum Ausdruck von Verabscheuung und Worten der Verleumdung des Landes.

Wenn auch darüberhinaus die beiden unter dem Eindruck standen, die Legitimität ihrer Führungsposition und ihr religiöser Standpunkt ermöglichten ihnen, einen effektiven Einfluß auf die öffentliche Meinung und den politischen Entscheidungsprozeß ausüben zu können, mußten sie zu ihrer schweren Enttäuschung feststellen, daß alle Mittel recht waren, sie an den Rand der Bedeutungslosigkeit zu drängen. Seit damals haben sich die Methoden verfeinert, und heutzutage braucht man g~ttesfürchtige und toratreue Juden schon nicht mehr mit Steinen zu bewerfen; ihr Kampf läßt sich mit anderen Mitteln neutralisieren, ihre Willensstärke in der Liebe zum Lande Israel aushöhlen und ihre Rufe zum Schweigen zu bringen. Sie konnten sich höchstens mit dem persönlichen Versprechen trösten, selber eines Tages das Land zu betreten, doch erst 40 Jahre später, während ihr gegenwärtiges Lebenswerk zu Zusammenbruch und Verfall verurteilt war. 

In diesem Lichte fragte der Torakommentar "Meschech Chochma", warum Moscheh speziell für Jehoschua betete und seinen Namen änderte, damit G~tt ihn vom Ratschluß der übrigen Kundschafter rettete. Ging es ihm nur um die persönliche Rettung seines ihm so nahen Schülers vor etwaiger Sünde, oder um eine Bedeutung für das ganze Volk Israel in allen seinen Generationen? Die Antwort: Jehoschua war es doch, der das Volk in seinen ersten Krieg, gegen Amalek, führte, und darum brauchte er einen besonderen Segen im Namen der ganzen Allgemeinheit, damit es g~ttbehüte nicht zu einer Siegeserklärung Amaleks komme, der im Süden des Landes Israel wohnte. So eine Erklärung aus dem Munde Jehoschuas hätte die Krise nur vertieft und den Mut der Israeliten für weitere Generationen gebrochen. Diese Errungenschaft war von entscheidender Bedeutung für die nächste Generation.

Im weiteren ging er auf die Führungskrise ein, in der das Volk Israel steckte, besonders nach der Prophezeiung Eldads und Mejdads, "Moscheh stirbt und Jehoschua führt ins Land". Diese Prophezeiung war vielleicht von der breiten Öffentlichkeit noch nicht ganz verinnerlicht worden, die Kundschafter hingegen verstanden sehr wohl die militärische Lage für den Eintritt ins Land ohne die Wunder und Verdienste unseres Lehrers Moscheh, und sie bezweifelten das Vermögen jener Generation, diese Krise erfolgreich durchstehen zu können. Der "Meschech Chochma" betonte allerdings ihre Beipflichtung, daß diese Probleme nicht unbedingt die nächste Generation befallen müßten, "denn es [das Volk der Kana'aniter] ist uns zu stark" (Num. 13,31) - aber nicht der nächsten Generation. Auch diese teilweise Beipflichtung kann als Errungenschaft bezeichnet werden. 

All dies lehrt uns, daß selbst bei einer schweren Krise im Verhältnis zum Lande Israel und zur Tora dem Aufruf "Wohl werden wir hinaufziehen" echter Wert beizumessen ist, und wie an anderer Stelle erwähnt wird, "sogar hundertmal". Auch wenn den Menschen einer Generation vielleicht noch nicht der Genuß der Früchte ihres Kampfes vergönnt ist, so bedeutet er dennoch den einzigen Hebel, um den Menschen späterer Generationen zu größerem Erfolg zu verhelfen, bis am Ende das "Modell des Glaubens" der Minderheit anstelle des "Modells des Aufgebens" der Mehrheit allgemein akzeptiert wird. So wie die Treue zu G~tt und seinem Land durch jene Minderheit einen spirituellen Einfluß hatte, leistete sie auch einen offensichtlichen Beitrag zum Bewußtsein der Öffentlichkeit allein durch die Erkenntnis, daß jene fatale Entscheidung der Minderheit aufoktroyiert wurde, die sich niemals damit abfand. In Zukunft, mit G~ttes Hilfe unter günstigeren Bedingungen, wenn sich die Wenigen gemehrt haben, die Zeit reif ist und sie zu ihrem Eid zurückkehren, "Wohl werden wir hinaufziehen" - dann werden sie beweisen, daß selbst nach der schwersten Krise, und vielleicht gerade ihretwegen, "wir es bewältigen können" (Num. 13,30).
 
 
 
HaRav Aviner

Frau Professor

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Ja, ich werde Professorin! Mein Mann macht gerade sein Doktorat in Physik, und ich bin nicht eifersüchtig auf ihn, aber ich werde Professorin! Ich fühle, daß ich das Zeug dazu habe. Ich will Titel und Karriere, Professorin, piekfein, und meine Studenten werden mich verehren. Ich will Gleichberechtigung. Das soll keine Empfehlung sein, vielmehr hat der Herr der Welt Mann und Frau gleich geschaffen, beide "im Ebenbild G~ttes". Ich habe eine reine Seele, und ich glaube an mich selbst. Sicher unterscheide ich mich von meinem Ehemann, aber ich bin nicht weniger wert, - und ich werde Professorin. Seit der Oberstufe schwebt mir das schon vor, ich bin ganz darauf versessen, und genaue Pläne habe ich auch schon seit damals: Ich werde eine Professorin in Erziehung, in der Erziehung meiner Kinder, mit vielen Fachgebieten, z.B. dem Gebiet der Weiblichkeit, dem Gebiet des Ehelebens und dem Gebiet der Mütterlichkeit. 

Warum belächeln Sie mich? Das ist kein Witz! Mein Mann entwickelt elektronische Bauteile für irgendein wichtiges Gerät, und ich entwickele Kinder, ich produziere Seelen. Was ist daran lächerlich? Ist das etwa weniger wichtig? Nein, das ist viel wichtiger. Ich werde eine Professorin für die Erziehung meiner Kinder.

Sicher liebe ich alle Kinder auf der Welt, aber meine eigenen Kinder haben Vorrang. Momentan erziehe ich eine Schulklasse, als gute und hingebungsvolle Erzieherin. Ich liebe diese Arbeit, die mir viel Freude macht. Aber sobald s.G.w. mein erstes Baby zur Welt kommt, höre ich auf. Dann bin ich nur noch für meine Kinder da. Wenn ich unbedingt etwas zu unserem Lebensunterhalt mitverdienen muß, werde ich das auf ein Minimum beschränken. Natürlich werde ich meine Arbeit nach besten Kräften erledigen, aber nicht mehr, als wir benötigen ...oder wenn ich mal Tapetenwechsel brauche.

Wer wird aber meinen wichtigen Posten als Erzieherin übernehmen? Meine Nachbarin, die mit dem Lehrerberuf aufhörte, als ihr erstes Kind zur Welt kam; jetzt, wo die Kinder groß sind, möchte sie sich wieder ins Arbeitsleben stürzen. 

"Mutter" ist nicht nur eine Professur, sondern auch eine heilige Arbeit, eine gewaltige Aufgabe. Sagte einmal Rabbi Israel Salanter: Der Tischler tritt auf Sägespäne, der Glaser auf Splitter, und der Erzieher auf Seelen. Es handelt sich also um eine außerordentliche Verantwortung, ich fühle aber, daß ich die nötigen Kräfte besitze.

Meine Herrschaft übe ich in unserem Familienheim aus. Ich werde Professorin für das Hauswesen; das Haus, das sich nach den Worten des MaHaRaL in drei Bereiche gliedert: 1. Physischer Schutz vor Regen, Sonne und anderen Umwelteinflüssen. 2. Psychologischer Schutz, ein Ort, wo sich der Mensch zuhause fühlt. 3. Spirituelle Heimstatt, Stärkung des Glaubens und guter Charaktereigenschaften.

Zu den Punkten im Einzelnen: 1. Ich möchte ein angenehmes Heim, mit gespültem Geschirr, sauberen Handtüchern, leerem Mülleimer, bereiten, schmackhaften Mahlzeiten und gedecktem Tisch. Ich möchte gerne gewaschene und gebügelte Wäsche, und angenähte Knöpfe. Die Gewächse im Hause haben zu blühen. Die Kinder werden gebadet und haben geputzte Zähne. Dieses kleine Haus wird ein kleiner Garten Eden sein.

2. Natürlich muß in diesem Haus eine gute, angenehme und warmherzige Atmosphäre herrschen - für meine Kinder und auch für meinen Mann, der das auch sehr braucht. Eine Atmosphäre absoluten Vertrauens. So werden unsere Kinder fröhlich, ausgeglichen und gesund an Leib und Seele aufwachsen. Natürlich werden sie nicht verwöhnt werden, doch werde ich nicht einen Moment lang vergessen, wie sehr sie das Gefühl brauchen, geliebt zu werden - wie die Luft zum Atmen. Das lernte ich von unserem Lehrmeister, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, der uns lehrte, die Kindererziehung fange mit dem Nähren an. Damals verstand ich nicht gleich, was er damit meinte. Er erklärte, Erziehung bedeute Verbindung. Das verstand ich! Das war für mich eine Erleuchtung. Erziehung bedeutet nicht unbedingt das Eintrichtern von Wissen, sondern nahe sein, geliebt und umarmt zu werden. Das Nähren ist ein Beispiel für alle Aspekte der Liebe, wodurch die Persönlichkeit der Kinder geradlinig sprießt. 

Dieses Haus darf nicht für meinen Mann und meine Kinder eine weitere Front im Lebenskampf werden, sondern ein angenehmer Ort, wo jeder akzeptiert wird, wie er ist. Dann werden sie wahre Wunder vollbringen. Sogar die Bewältigung der Hausaufgaben gemeinsam mit den Kindern wird so zu einem angenehmen Erlebnis.

3. Mein Haus wird ein Ort der Stärkung der Tora, des Glaubens, der Himmelsfurcht und guter Eigenschaften sein. Und vor allem werde ich selber danach leben.

Sie sehen also, hier gibt es gar nichts zu belächeln. Das ist ein Professorat mit einigen Titeln in verschiedenen Fachbereichen. Es ist eine heilige Arbeit, die ich von den gerechten Frauen des Auszugs aus Ägypten lernte. 

Und wo befinde ich mich in dieser ganzen Geschichte? Wann werde ich mich um mich selbst kümmern? Aber das ist doch genau der Punkt: Das ist mein Haus. Das ist mein Glück und meine Freude. Wenn ich meinen Kindern - und meinem Mann - von morgens bis abends sage: Ich liebe euch, und ich glaube an euch, und sie beruhigt und entspannt sehe, fröhlich aufwachsend - gibt es nichts auf der Welt, was mich glücklicher machen könnte. 

[Zum Andenken an die große Erzieherin der Frauen unserer Generation, 
Rabbanit Channa Tau, szl.]
 
 

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