DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT PINCHAS
Nr. 573
19. Tammus 5766

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 25,10-30,1):
G~ttes Friedensbund mit Pinchas, dem Priester; Musterung der Kinder Israels vor Jericho; Auslosung der Anteile am Lande Israel; auch Töchter erben Land; Jehoschua zum Nachfolger Moschehs erwählt; Opfergesetze für Wochentage, Schabbat, Neumond und Feiertage.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Der rechte Mann am rechten Platz

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Die israelische Gesellschaft unseres Zeitalters muß viele Krisen durchstehen, und die größte Krise betrifft die Qualität der Staatsführung. Diese Krise erfaßt alle Bereiche, und vielleicht sind auch alle anderen Krisen letztendlich auf diese zurückzuführen. Im Buche "Herzenspflichten" machte Rabenu Bechaje auf die wundersame Erscheinung der göttlichen Vorsehung aufmerksam, die den Menschen die Einsicht einpflanzte, sich einen Menschen zu wählen, der an ihrer Spitze stehe und ihr Anführer sei, und sie gehorchen ihm und hören auf seine Stimme, auch wenn die menschliche Natur sich gegen die Akzeptierung anderer Ansichten sträubt. Doch diese Übereinkunft ist für den Bestand menschlicher Gesellschaft unbedingt erforderlich, und ohne sie würden die Menschen keine Mauer und keinen Turm [zu ihrer Verteidigung] zustande bringen und stattdessen im Zustand allgemeinen Anarchismus' vegetieren. Dazu sagten die talmudischen Weisen: "Bete stets für das Wohl der Regierung, denn wäre nicht die Furcht vor ihr, so würde einer den andern lebendig verschlingen" (Mischna "Sprüche der Väter" 3,2). Eine Führung gehört zu den Notwendigkeiten menschlichen Zusammenlebens, und darauf spielte Jotam bei seinem Gleichnis an (Richter, 9.Kap.): "Einst gingen die Bäume, einen König über sich zu salben" (V.8) Er beschrieb dort verschiedene Arten der Führung: Es gibt einen Anführer, der dem Ölbaume gleicht, der die Öffentlichkeit wie das Öl der Olive durch seine Erleuchtung bereichert, und einer, der wie eine Feige das Leben seiner Bürger versüßt, ein anderer Staatsmann gleicht dem Weinstock, der G~tt und Mensch erfreut. In der Praxis jedoch herrscht keiner der Vorgenannten, vielmehr reißt der Dornbusch die Herrschaft an sich, ein stacheliges Gestrüpp, das der Öffentlichkeit keinen Nutzen bringt, sondern nur Zerstörung und Schmerz verursacht. Manchmal ist die Öffentlichkeit selber Schuld an der Herrschaft des Dornbusches, weil sie ihn in ihrer Abwegigkeit selber über sich gebracht hat, und manchmal bedeutet die Herrschaft des Dornbusches eine himmlische Strafe für pervertiertes Verhalten der Öffentlichkeit, wie es im Traktat Baba kama (52a) heißt: "Der Bock, der an der Spitze der Herde geht" (Raschi: "Der Eigentümer der Herde hat einen besonders angriffslustigen Bock, und die Böcke wollen immer an der Spitze gehen, und die Herde folgt ihnen"). "Zürnt der Hirt der Herde, so blendet er den Leithammel" (Raschi: Der blinde Leithammel stolpert und fällt in Gruben, und die Herde hinterdrein; so zahlt es G~tt den Hassern Israels heim, indem er ungeeignete Führer über sie einsetzt" ["Hasser Israels" ist hier ein Euphemismus für Israel selber]. Der blinde Leithammel steht als Beispiel für versagende politische Führung. 

Ein weiteres Beispiel für das Versagen der Führer gibt es bei der Aussendung der Kundschafter, die das Land Kana'an ausspionieren sollten. Unser Lehrer Moscheh erkannte gegen Ende seiner Karriere hin, daß die Regelung seiner Nachfolge keineswegs eine selbstverständliche Sache war, und er konnte dabei nicht auf die Öffentlichkeit vertrauen. Gleichzeitig aber wollte er auch nicht alleine die Verantwortung übernehmen, so wie unser Vorvater Jakov, der jedem seiner Söhne genaue Aufgaben für die Zukunft übertrug. Vielmehr erbat Moscheh vom Schöpfer der Welt: "Es bestelle der Ewige... einen Mann über die Gemeinde" (Num. 27,16). Warum übertrug Moscheh G~tt die Auswahl eines Nachfolgers? Dazu bemerkten die talmudischen Weisen Folgendes: "Niemand erfaßt [den Sinn] der Worte der Tora, ohne an ihnen gestrauchelt zu sein" (Gittin 43a). So ein "Straucheln" erfaßte Moscheh bei der Auswahl der Kundschafter, und er wurde gewahr, daß die Auswahl eines Führers die Fähigkeiten von Fleisch und Blut übersteigt, selbst von unserem Lehrer Moscheh, und darum bat er G~tt um Erledigung dieser Angelegenheit. 

Woher aber wissen wir, die Auswahl der Kundschafter als Fehler zu bezeichnen? Rabbiner Moscheh ben Nachman ("Nachmanides") schrieb dazu in seinem Torakommentar, daß die Zustimmung G~ttes bezüglich der Kundschafter nur für die Auswahl "jeweils eines Mannes aus jedem Stamme" galt, doch G~tt nannte keinen beim Namen, sondern befahl Moscheh: "Je einen Mann für den Stamm seiner Väter sollt ihr ausschicken" (Num. 13,2), und es sollten Fürsten sein. Die endgültige Auswahl lag aber dann bei Moscheh, er schickte sie los und das ging böse aus. Gemäß Nachmanides wurden die Kundschafter ausschließlich von Moscheh bestimmt. Dabei stellt sich die Frage, welchen Fehler Moscheh eigentlich beging, denn zur Stunde ihrer Aufstellung wurden sie noch als "fromme Männer" bezeichnet! (siehe Raschi zu Num. 13,3). Es bestand also überhaupt kein Grund, sie nicht auszuwählen. Moscheh bedachte allerdings nicht, daß ein politischer Führer nach der Wahl ganz andere Töne anschlagen kann, wie z.B. "von hier sehen die Dinge ganz anders aus" und ähnliches. Und selbst wenn wir annehmen wollten, daß Moscheh diese Möglichkeit durchaus in Betracht gezogen hatte - schließlich änderte er Hoscheas Namen in Jehoschua, und nach den Kommentatoren tat er das, um ihn vor dem Ratschluß der übrigen Kundschafter zu retten - so wählte er zwar die bestmöglichen Leute aus, aber wenn wir das Ergebnis zum Maßstab nehmen, so kann man es nur eine Fehlentscheidung nennen. Als es also darum ging, dem Volke Israel einen neuen Führer zu bestellen, wollte sich Moscheh nicht mehr auf sich selbst verlassen, sondern bat G~tt: "Es bestelle der Ewige, G~tt der Geister in allem Fleische, einen Mann über die Gemeinde, welcher ausziehe vor ihnen, und der sie ausführe und der sie einführe, daß nicht sei die Gemeinde des Ewigen wie Schafe, die keinen Hirten haben" (Num. 27,16-17). Entsprechend heißt es im Midrasch: "Es bestelle der Ewige einen Mann über die Gemeinde - als Moscheh hörte, daß er sterben werde, begann er, Erbarmen für Israel zu erflehen, daß ihnen ein Hirte gegeben werde, der Geist habe, sie zu erdulden, und begann zu sagen: Herr der Welt, du kennst den Geist aller Menschen, wer Geduld hat, wer leicht in Zorn gerät; setze du einen Mann über die Gemeinde, der vor ihnen in der Wüste zieht, und der vor sie komme, für all ihre Bedürfnisse zu sorgen, und der sie geschwind ausführe, und sie mit seinen Gebeten zurückführe". 

Ein weiteres Beispiel für mögliches Versagen bei der Auswahl eines Führers des jüdischen Volkes finden wir beim Propheten Schmu'el, dem geboten worden war, einen Ersatz für König Scha'ul zu finden. Selbst Schmu'el, der ganz und gar dem Volke Israel ergeben war, der nicht einmal jemanden um einen Esel zum Reiten bat, irrte bei der Auswahl und hielt Eliaw von den Söhnen Jischais wegen seiner stattlichen Erscheinung für einen geeigneten Kandidaten. G~tt allerdings machte ihn auf seinen Irrtum aufmerksam: "Der Mensch sieht nach den Augen, aber der Ewige siehet nach dem Herzen" (Schmu'el I, 16,7).

Machen auch wir uns Moschehs Bittgebet zu eigen, das nichts von seiner Gültigkeit verloren hat: "Es bestelle der Ewige, G~tt der Geister in allem Fleische, einen Mann über die Gemeinde, welcher ausziehe vor ihnen, und der sie ausführe und der sie einführe"; wie diese Bitte auch in allen Generationen ihren Wert haben mochte, in unserer Generation ist sie besonders nötig, und möge G~tt unser Gebet so bald wie möglich erhören.
 
 
 
 
HaRav Aviner

Von innen und von außen

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Jede ernsthafte Aufgabe, sei sie persönlicher oder nationaler Natur, hat sowohl ihre äußerliche als auch ihre innerliche Seite. Die Außerlichkeit alleine ist wie ein Körper ohne Seele und wird am Ende nicht standhalten. Aber auch bei Beschränkung auf die Innerlichkeit allein gibt es kein sicheres Fundament. Alles ist in der Schwebe, wie ein Poltergeist, eine Seele ohne Körper. Auch der Kampf um Jehuda und Schomron, der uns auf den Fingern brennt, braucht sowohl die innerliche als auch die äußerliche Seite.

Ein Beispiel für "außen": Weisheit, Erkenntnis, Torastudium; für "innen": Himmelsfurcht, Gebet, Dienst an G~tt, guter Willen (Orot Hakodesch III, S.88). Sogar das Torastudium bedeutet nur äußerliche Besserung, wenn es nur eine oberflächliche Erkenntnis erbringt, die nicht ins Innere vordringt, wie z.B. bei Do'eg dem Edomiter, dessen Tora nur ein Lippenbekenntnis war, - wir bemühen uns auf jeden Fall, daß unser Torastudium auch im Inneren Wirkung zeigt und zur Erhebung des Willens führt.

Noch ein Beispiel für "außen": Einwanderung nach Israel, Besiedlung des Landes, Gründung des Staates, Hoheit über das Land, Gründung von Siedlungen, Aktivitäten zugunsten der Siedlungsbewegung; "innen": Demut, Reinheit von Begierden und Neid, Sittlichkeit.

Welche "äußeren" Strukturen wir für Jehuda und Schomron und die Besiedlung des Landes schaffen müssen, wissen Viele, und auch, daß es dabei viele unterschiedliche Ansichten gibt, wie bei jedem Thema, das ist nur ganz natürlich, und überhaupt sind die Unterschiede gar nicht so groß.

Jetzt wollen wir aber einmal über die "inneren" Strukturen reden, denn auch damit lassen sich unser Volk und unser Land heilen.

Dazu müssen wir bußfertige Umkehr tun, an jedem Tag und zu jeder Stunde. Dadurch werden wir natürlich auch auf andere Einfluß ausüben, Umkehr zu tun, doch wir selber sind zuerst an der Reihe.

Wür müssen unseren Glauben an G~tt stärken und uns von Depressionen, Druck und Verzweiflung fernhalten; daran glauben, daß die Welt einen Herrn hat, und an die individuelle Vorsehung.

Fügen wir dem ein Maß Sittlichkeit hinzu, sowohl bei den Männern als auch den Frauen, sowohl bei der Kleidung als auch bei den Taten, beim Gespräch, bei den Blicken, bei den Gedanken und auch beim Willen.

Seien wir sanftmütig, s u p e r - sanftmütig, ohne den geringsten Hauch von Gewalt, nicht einmal gewalttätige Ausdrucksweise, weder gegen Fremde noch gegen Bekannte.

Wir werden nicht beim Gebet reden und nicht während der Toravorlesung, nicht einmal zwischen den Aufrufen, nicht einmal über Torathemen. Vom Beginn des G~ttesdienstes an bis zu seinem Ende werden wir nicht ein Wort über die Lippen bringen, das nicht dazugehört. Der Autor des Mischnakommentars "Tossfot Jomtov" sah den Grund für die übelsten Pogrome im Gerede während des G~ttesdienstes, und verfaßte einen besonderen "Mischeberach"-Segen für diejenigen, die sich des Geredes enthalten.

Wir werden nicht mehr einen Teil unserer Brüder den ganzen Tag als Bösewichte beschimpfen, vielmehr werden wir den Bösewicht in unserem Innern bekämpfen. Wir werden keinen Tratsch und keine üble Nachrede über sie erzählen. Wir werden versuchen, gute Seiten an ihnen zu finden und daß sie nichts dafür können, daß sie so gar keine Ahnung von religiösen Dingen haben, sowohl was das Gesetz angeht als auch die Besiedlung des Landes Israel. Wir sollten sie lieben. Tätliche Liebeswerke - das ist keine leichte Sache. Mit Worten - noch schwerer. Am allerschwersten: in Gedanken. Dazu braucht man Mut. Jemanden zu beschimpfen, dazu reicht ein wenig Mut. Sich von Haß zu reinigen, dazu gehört großer Mut, heiliger Mut. Wollen wir uns anstrengen und um gegenseitiges Verständnis bemühen.

Laßt uns das Mundwerk reinhalten, laßt uns das Herz reinhalten. Vor allem wollen wir uns vor Klatsch und übler Nachrede hüten. O welch furchtbare Folgen!

Wir alle wissen: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu; was du nicht willst, das man über dich erzählt, das erzähle auch nicht über andere. Ja, das wissen wir. Wissen alleine reicht nicht, man muß es auch erfüllen.

Wir werden nicht räubern. Wir werden nicht bei Geschäften betrügen. Wir werden keine Steuer hinterziehen. Wir werden ehrliche Arbeit leisten. Wir werden keine Privatangelegenheiten während der Arbeitszeit erledigen, auch keine Mitzwot. Mitzwot erfüllen wir in unserer eigenen Zeit, und nicht durch Diebstahl.

Wir werden niemanden beleidigen. Auch wenn wir das Gebot der Ermahnung erfüllen, werden wir dabei sehr behutsam vorgehen und niemanden vor den Kopf stoßen.

Wir werden die Eltern ehren, und wir werden die Kinder ehren, wir werden die Lehrer ehren und wir werden die Schüler ehren, wie werden die Toragelehrten ehren, natürlich von allen Strömungen, wir werden die Greise ehren, wir werden jeden Menschen ehren.

Wir werden keinen Menschen hassen. Das ist gar nicht so einfach. Den Dienstengeln fällt so etwas leicht. Uns fällt es schwer. Darum gehört das zur "Innerlichkeit". 

Reinigen wir uns von Stolz, Zorn, Neid, Begierden, dem Rennen nach Ehre. Reinigen wir uns und reinigen wir uns weiter.

Wenn wir uns so verhalten, werden wir auch das Siedlungswerk von Jehuda und Schomron retten, außerdem werden wir die Nation vor dem Sittenverfall retten, vor Gewalttätigkeit, vor der Entweihung des göttlichen Namens und vor der Zerstörung der Familie. 

Lernen wir hundertmal das Buch "Der Weg der Frommen" (Messilat Jescharim, Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto), und wollen wir uns Mühe geben, diesem Weg zu folgen.
 

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