DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MIKEZ
Nr. 545
30. Kislev 5766

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 41,1 - 44,17):
Pharaos Träume und Josefs Deutung: 7 fette und 7 
Hungerjahre,  Josef Vizekönig, Anlage von Vorratsspeichern, 
Neuordnung der ägyptischen Wirtschaft, Josefs Brüder 
kommen, Getreide zu kaufen, erkennen ihn aber nicht.

Schabbat Chanukka und Rosch Chodesch!

Chanukka ssame'ach!

>>Midrasch "Ma'asse Chanukka"<<



 
Am Schabbes-Tisch...

Draußen vor der Tür

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Drei verschiedene Möglichkeiten wurden bei den Regelungen 
für das Anzünden der Chanukka-Lichter genannt: "Die 
Chanukka-Leuchte: Das Gebot lautet, sie von draußen am Tore 
seines Hauses aufzustellen. Wenn er in einem der oberen 
Stockwerke wohnt [d.h. höher als Erdgeschoß], stellt er sie ans 
Fenster zur Straße. Und in der Stunde der Gefahr 
[Judenverfolgung] - stellt er sie auf seinen Tisch und hat damit 
Genüge getan". 

Der Chanukka-Leuchter symbolisiert das Licht des jüdischen 
Glaubens, dessen Aufgabe in der Erleuchtung der Welt in der 
Finsternis besteht, die von der hellenistischen Kultur ausgeht. 
Im Idealfall soll man das Licht draußen vor dem Tor anzünden 
und das Licht des Glaubens auf alle Kulturen und alle 
Wissensgebiete der Welt ausstrahlen. Allerdings nicht immer, 
und nicht um jeden Preis. Mancher "wohnt in den oberen 
Stockwerken", und mancher befindet sich in der "Stunde der 
Gefahr". Um den Dingen auf den Grund zu gehen, wollen wir 
einen Blick in das Gesetzeswerk des Rabbi Moscheh ben 
Maimon werfen ("Maimonides", Mischne Tora, Gesetze vom 
Götzendienst 2.Kap.): 
"Viele Werke verfaßten die Götzendiener über ihren Dienst... 
gebot uns der Heilige, gelobt sei sein Name, in jenen Büchern 
überhaupt nicht zu lesen, nicht darüber [über diesen 
Götzendienst] zu denken, nicht einmal über irgendeine 
Einzelheit... Und nicht nur Götzendienst... sondern jede Idee, 
die den Menschen veranlaßt, eines der Prinzipien der Tora zu 
entfernen, sind wir gewarnt, nicht in Erwägung zu ziehen... und 
man denkt und läßt sich von den Überlegungen des Herzens 
fortreißen. Weil der Verstand des Menschen kurz ist, und nicht 
jeder Verstand vermag der Wahrheit vollständig auf den Grund 
zu gehen; und wenn jeder Mensch den Überlegungen seines 
Herzens folgte, zerstörte er die Welt wegen der Kürze seines 
Verstandes... er weiß nicht das rechte Maß, danach zu urteilen, 
bis er sich mit der Wahrheit vollkommen vertraut gemacht hat, 
und so gelangt er zur Ketzerei. Und vor dieser Sache warnte 
uns die Tora, und es heißt dabei: 'und ihr nicht nachspähet 
eurem Herzen'...".

Nach Maimonides' Ansicht besteht ein Verbot gegen die 
Erwägung ketzerischer Gedanken und gegen das Lesen von 
Büchern, die zu solchen Gedanken führen. Hier geht es nicht 
um einen guten Rat zur Erziehung, sondern um ein vollgültiges 
Verbot der Tora, wie es heißt: "und ihr nicht nachspähet eurem 
Herzen" (Num. 15,39). Dazu stellt sich sofort die Frage: Wie 
konnte demnach Maimonides sein großes Werk verfassen, den 
"Führer der Unschlüssigen", wo er sämtliche ketzerischen 
Ideologien seiner Zeit aufführt mitsamt ihren Grundgedanken, 
und sich dann mit einer nach der anderen auseinandersetzt? 
Die Antwort, er war gezwungen, den "Unschlüssigen" seiner 
Zeit spirituelle Anleitung zu geben, ist etwas schwach 
angesichts eines ausdrücklichen Toraverbotes. Andererseits 
kann sich Maimonides auf bekannte Gesetze stützen, die auf 
die talmudischen Weisen zurückgehen und an mehreren Stellen 
im Talmud erwähnt werden: "lerne nicht den Greueln der Völker 
gleichtun - wohl aber darfst du es des Wissens wegen und des 
Lehrens wegen lernen" (Schabbat 75a, Rosch Haschana 24b 
u.a.). Demnach besteht kein Verbot im Lernen des "Greuels der 
Völker", wenn dies der religionsgesetzlichen 
Entscheidungsfindung dient. Dasgleiche gilt für die ideologische 
Auseinandersetzung, wie es in der Mischna heißt: "Sei 
wachsam, Tora zu lernen, wisse, was du dem Abtrünnigen 
erwiderst" ("Sprüche der Väter" 2.Kap.).

Wir müssen also daraus schließen, daß das Verbot des 
Lernens von antireligiöser Literatur vom Zusammenhang 
abhängt. Wenn das Ziel in der aktiven Auseinandersetzung 
besteht, und auch das Lernen selber in der passenden Weise 
stattfindet - ist es nicht verboten. Maimonides drückt sich in 
dieser Sache sehr exakt aus: Er verbietet "jede Idee, die den 
Menschen veranlaßt, eines der Prinzipien der Tora zu 
entfernen", aber nicht alle Ideen. Gleichfalls warnt er vor einem 
Zustand von "er weiß nicht das rechte Maß, danach zu urteilen, 
bis er sich mit der Wahrheit vollkommen vertraut gemacht hat". 
Wer aber die antireligiösen Ideologien mithilfe des "Führers der 
Unschlüssigen" lernt, der ihn auf dem Wege der 
Wahrheitsfindung anleitet, begeht kein Verbot, im Gegenteil, er 
erfüllt die Weisung "wisse, was du dem Abtrünnigen erwiderst".

Diese Anleitung, sich mit feindlichen Ideologien zwecks 
Auseinandersetzung zu beschäftigen, betrifft im Wesentlichen 
die Größen und die Lehrer der Nation, zu deren Aufgaben die 
"Führung der Unschlüssigen" gehört. Es gibt aber auch Zeiten, 
in denen diese Auseinandersetzung auch einfache Menschen 
mit einbezieht. So schrieb Raschi in seinem Torakommentar 
zum Vers: "lerne nicht den Greueln der Völker gleichtun" (Dt. 
18,9) - "du darfst aber lernen, zu verstehen und zu belehren; 
d.h., zu verstehen, wie verdorben ihre Werke; und deine Kinder 
zu belehren: tue nicht soundso, weil dies eine Satzung der 
Heiden ist".
Ein Vater, der seine Kinder in nichtjüdischer Umgebung 
großzieht, muß ihnen die Fähigkeit vermitteln, zwischen den 
Taten ihrer Nachbarn zu unterscheiden, zwischen positiven 
Dingen, die zur Nachahmung empfohlen sind, und zwischen 
negativen Dingen, die den Gesetzen des Götzendienstes 
entstammen. Darum muß er sich ein wenig in diesen Dingen 
auskennen, um seinen Kindern den rechten Weg weisen zu 
können. 

Dieser Vater - und überhaupt jedermann in unserer Generation - 
gleicht jemandem, "der im Erdgeschoß zur Straße hin wohnt". 
Das Licht seines Glaubens lasse er draußen vom Tore seines 
Hauses aus leuchten. Es strahle aus in die Finsternis der 
Auflehnung, er setze sich damit aktiv auseinander und erleuchte 
selbst diese Finsternis mit seinem kleinen Chanukka-Leuchter. 
Er muß sich nur vorsehen - wenn er das Gebot regelrecht 
erfüllen will, muß er die Öllichter in einen schützenden 
Glaskasten stellen, damit sie von den Winden der Umgebung 
nicht ausgeblasen werden.

Daneben gibt es noch einen anderen Menschen. Er wohnt nicht 
in einem niedrigen Einfamilienhaus, sondern in einem der 
oberen Stockwerke, in einigem Abstand vom lauten Treiben der 
Straße. Er braucht nicht herabzusteigen, um dort das Licht 
seines Glaubens zu zünden. Zwar muß auch er sich mit den 
Winden der Umgebung auseinandersetzen; doch kann er dies 
von einem erhöhten Standpunkt aus und mit einigem Abstand 
tun, vom Fenster des oberen Stockwerkes. Wenn er nicht "dem 
Abtrünnigen zu erwidern" braucht, hat er keinen Grund, und 
wohl auch keine Erlaubnis, auf fremden Wiesen zu weiden, 
wobei er sich vom warmen und lichten Hause entfernen müßte.

Und dann gibt es noch die "schweren Zeiten". Draußen wehen 
stürmische Winde. Vor uns "die Stunde der Gefahr", die die 
winzigen Lichtchen des Glaubens-Leuchters bedrohen. Dann 
kann sich der jüdische Mensch nur ins Innere seiner Stube 
zurückziehen und dort das Licht des Glaubens vom Tische aus 
leuchten lassen, womit er seiner Pflicht Genüge getan hat. Das 
ist nicht gerade der Idealzustand, sondern die Stunde der Not, 
die den Geist und das Bewußtsein in schmerzlich enge Gassen 
nötigt.

Der Zustand jedoch, den wir anstreben, ist das Licht von 
draußen vor dem Tor des Hauses, das die ganze Welt 
erleuchtet.

"Steh' auf, leuchte, denn es kommt dein Licht, und die 
Herrlichkeit des Ewigen strahlt auf dich. Denn siehe, Finsternis 
bedeckt die Erde und Wolkendüster die Völker, - doch auf dich 
wird der Ewige strahlen, und seine Herrlichkeit wird über dir 
erscheinen. Und es wandeln Nationen bei deinem Lichte, und 
Könige bei deinem Strahlenglanze" (Jeschajahu 60,1-3).
 
 
 
HaRav Aviner

Sei nicht deprimiert
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Eine Bitte an dich, hör auf mit deinen Moralpredigten im Stile 
von "Sei nicht deprimiert! Warum bist du so traurig, so 
ängstlich? Warum bist du apathisch? Dazu gibt es gar keinen 
Grund! Mit dir ist alles in Ordnung, du hast gar nichts, du bildest 
dir das alles bloß ein, du bist bloß deprimiert, das ist alles, also 
reiß dich zusammen. Ich versuche, dir zu helfen, und wenn du 
nicht kooperierst, dann bist du wohl nur verwöhnt".

Mit all diesem Gerede hilfst du mir wirklich gar nicht, du machst 
es nur noch schlimmer. Wenn man dich nur reden hört, kann 
man schon in Depressionen verfallen.

Glaubst du wirklich, es macht Spaß, mit Depressionen zu 
leben? Daß ich mir das ausgesucht habe? Diese Krankheit 
macht mich fertig, raubt mir alle meine Kräfte. Ja, das ist eine 
Krankheit, eine echte Krankheit, eine Krankheit im Kopf, eine 
grausame Krankheit, die jeden positiven Winkel verdunkelt, die 
mich beschämt, weil man auf mich herabschaut; nicht wie bei 
Jemandem, der an Herzkrankheit oder an der Leber oder an der 
Lunge leidet.

Wie kannst du behaupten, ich würde nicht kooperieren?! Ich 
habe wirklich alles versucht, Medikamente, psychologische 
Behandlung, Selbsthilfegruppen und rabbinische Beratung. 
Wirklich alles. Ich habe nicht aufgegeben, ich kämpfe weiter. Ich 
lasse mich nicht unterkriegen. 

Darum verurteile nicht deinen Nächsten, bis du nicht an seiner 
Stelle warst. Mit nur einer geringen Kenntnis von meiner inneren 
Welt würdest du mich schätzen und würdigen lernen. Ja, ich 
sage das ohne Eitelkeit: Ich bin stark, ich kann kämpfen, 
kämpfen, kämpfen. Weißt du denn, wieviel seelische Kräfte 
nötig sind, um Selbstmordgedanken zu verdrängen? Du 
kämpfst nicht mal halb so viel wie ich, vielleicht ein Zehntel. Für 
die Ausführung selbst der einfachsten, alltäglichsten Arbeit muß 
ich mehr Energien aufbringen als du in einer ganzen Woche. 
Darum halte bitte den Mund.

Alle deine Moralpredigten helfen mir nicht weiter. Ich habe die 
Hoffnung nicht aufgegeben. Ich kenne Leidensgenossen, die 
vollkommen gesund wurden, jeder auf seine Weise. Auch ich 
habe manchmal gute Tage, und ich komme durch hartnäckigen 
Kampf langsam aber sicher voran. 

Was ich wirklich brauche, sind Freundschaft, eine gute 
persönliche, intime Beziehung. Könnte ich sie doch nur in 
meiner eigenen Familie finden. Ich glaube, wenn meine Familie 
mehr Wärme für mich zeigte, würde mir das alles gar nicht 
passieren. Ohne die Entfremdung meiner Freunde auch nicht. 
Ich lebe in einer kalten und fremden Welt, das treibt mich in den 
seelischen Zusammenbruch. Mein größter Feind: die Isolation.

Wenn du mir also helfen möchtest, sei mein Freund, ein echter 
Freund, und ich werde dir mein ganzes Leben lang dankbar 
sein. Freundschaft - so lautet die Parole. Ja, mein Freund - hier 
geht es um Liebe.

Auch der Glaube an G~tt hilft mir sehr. Würde ich nicht an die 
Güte G~ttes glauben, wäre ich vollkommen kopflos. Ein Glück, 
daß G~tt sich nicht über mich lustig macht, sondern mich immer 
liebhat und an mich glaubt.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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