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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN
IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MIKEZ
Nr. 545
30. Kislev 5766
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage:
www.kimizion.org
-Archiv der
"Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag'
den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Gen. 41,1
- 44,17):
Pharaos Träume und Josefs Deutung:
7 fette und 7
Hungerjahre, Josef Vizekönig,
Anlage von Vorratsspeichern,
Neuordnung der ägyptischen Wirtschaft,
Josefs Brüder
kommen, Getreide zu kaufen, erkennen ihn
aber nicht.
Schabbat Chanukka
und Rosch Chodesch!
Chanukka ssame'ach!
>>Midrasch
"Ma'asse Chanukka"<<
| Am
Schabbes-Tisch...
Draußen
vor der Tür
Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret" |
Drei verschiedene Möglichkeiten
wurden bei den Regelungen
für das Anzünden
der Chanukka-Lichter genannt: "Die
Chanukka-Leuchte: Das Gebot
lautet, sie von draußen am Tore
seines Hauses aufzustellen.
Wenn er in einem der oberen
Stockwerke wohnt [d.h. höher
als Erdgeschoß], stellt er sie ans
Fenster zur Straße.
Und in der Stunde der Gefahr
[Judenverfolgung] - stellt
er sie auf seinen Tisch und hat damit
Genüge getan".
Der Chanukka-Leuchter symbolisiert
das Licht des jüdischen
Glaubens, dessen Aufgabe
in der Erleuchtung der Welt in der
Finsternis besteht, die
von der hellenistischen Kultur ausgeht.
Im Idealfall soll man das
Licht draußen vor dem Tor anzünden
und das Licht des Glaubens
auf alle Kulturen und alle
Wissensgebiete der Welt
ausstrahlen. Allerdings nicht immer,
und nicht um jeden Preis.
Mancher "wohnt in den oberen
Stockwerken", und mancher
befindet sich in der "Stunde der
Gefahr". Um den Dingen auf
den Grund zu gehen, wollen wir
einen Blick in das Gesetzeswerk
des Rabbi Moscheh ben
Maimon werfen ("Maimonides",
Mischne Tora, Gesetze vom
Götzendienst 2.Kap.):
"Viele Werke verfaßten
die Götzendiener über ihren Dienst...
gebot uns der Heilige, gelobt
sei sein Name, in jenen Büchern
überhaupt nicht zu
lesen, nicht darüber [über diesen
Götzendienst] zu denken,
nicht einmal über irgendeine
Einzelheit... Und nicht
nur Götzendienst... sondern jede Idee,
die den Menschen veranlaßt,
eines der Prinzipien der Tora zu
entfernen, sind wir gewarnt,
nicht in Erwägung zu ziehen... und
man denkt und läßt
sich von den Überlegungen des Herzens
fortreißen. Weil der
Verstand des Menschen kurz ist, und nicht
jeder Verstand vermag der
Wahrheit vollständig auf den Grund
zu gehen; und wenn jeder
Mensch den Überlegungen seines
Herzens folgte, zerstörte
er die Welt wegen der Kürze seines
Verstandes... er weiß
nicht das rechte Maß, danach zu urteilen,
bis er sich mit der Wahrheit
vollkommen vertraut gemacht hat,
und so gelangt er zur Ketzerei.
Und vor dieser Sache warnte
uns die Tora, und es heißt
dabei: 'und ihr nicht nachspähet
eurem Herzen'...".
Nach Maimonides' Ansicht
besteht ein Verbot gegen die
Erwägung ketzerischer
Gedanken und gegen das Lesen von
Büchern, die zu solchen
Gedanken führen. Hier geht es nicht
um einen guten Rat zur Erziehung,
sondern um ein vollgültiges
Verbot der Tora, wie es
heißt: "und ihr nicht nachspähet eurem
Herzen" (Num. 15,39). Dazu
stellt sich sofort die Frage: Wie
konnte demnach Maimonides
sein großes Werk verfassen, den
"Führer der Unschlüssigen",
wo er sämtliche ketzerischen
Ideologien seiner Zeit aufführt
mitsamt ihren Grundgedanken,
und sich dann mit einer
nach der anderen auseinandersetzt?
Die Antwort, er war gezwungen,
den "Unschlüssigen" seiner
Zeit spirituelle Anleitung
zu geben, ist etwas schwach
angesichts eines ausdrücklichen
Toraverbotes. Andererseits
kann sich Maimonides auf
bekannte Gesetze stützen, die auf
die talmudischen Weisen
zurückgehen und an mehreren Stellen
im Talmud erwähnt werden:
"lerne nicht den Greueln der Völker
gleichtun - wohl aber darfst
du es des Wissens wegen und des
Lehrens wegen lernen" (Schabbat
75a, Rosch Haschana 24b
u.a.). Demnach besteht kein
Verbot im Lernen des "Greuels der
Völker", wenn dies
der religionsgesetzlichen
Entscheidungsfindung dient.
Dasgleiche gilt für die ideologische
Auseinandersetzung, wie
es in der Mischna heißt: "Sei
wachsam, Tora zu lernen,
wisse, was du dem Abtrünnigen
erwiderst" ("Sprüche
der Väter" 2.Kap.).
Wir müssen also daraus
schließen, daß das Verbot des
Lernens von antireligiöser
Literatur vom Zusammenhang
abhängt. Wenn das Ziel
in der aktiven Auseinandersetzung
besteht, und auch das Lernen
selber in der passenden Weise
stattfindet - ist es nicht
verboten. Maimonides drückt sich in
dieser Sache sehr exakt
aus: Er verbietet "jede Idee, die den
Menschen veranlaßt,
eines der Prinzipien der Tora zu
entfernen", aber nicht alle
Ideen. Gleichfalls warnt er vor einem
Zustand von "er weiß
nicht das rechte Maß, danach zu urteilen,
bis er sich mit der Wahrheit
vollkommen vertraut gemacht hat".
Wer aber die antireligiösen
Ideologien mithilfe des "Führers der
Unschlüssigen" lernt,
der ihn auf dem Wege der
Wahrheitsfindung anleitet,
begeht kein Verbot, im Gegenteil, er
erfüllt die Weisung
"wisse, was du dem Abtrünnigen erwiderst".
Diese Anleitung, sich mit
feindlichen Ideologien zwecks
Auseinandersetzung zu beschäftigen,
betrifft im Wesentlichen
die Größen und
die Lehrer der Nation, zu deren Aufgaben die
"Führung der Unschlüssigen"
gehört. Es gibt aber auch Zeiten,
in denen diese Auseinandersetzung
auch einfache Menschen
mit einbezieht. So schrieb
Raschi in seinem Torakommentar
zum Vers: "lerne nicht den
Greueln der Völker gleichtun" (Dt.
18,9) - "du darfst aber
lernen, zu verstehen und zu belehren;
d.h., zu verstehen, wie
verdorben ihre Werke; und deine Kinder
zu belehren: tue nicht soundso,
weil dies eine Satzung der
Heiden ist".
Ein Vater, der seine Kinder
in nichtjüdischer Umgebung
großzieht, muß
ihnen die Fähigkeit vermitteln, zwischen den
Taten ihrer Nachbarn zu
unterscheiden, zwischen positiven
Dingen, die zur Nachahmung
empfohlen sind, und zwischen
negativen Dingen, die den
Gesetzen des Götzendienstes
entstammen. Darum muß
er sich ein wenig in diesen Dingen
auskennen, um seinen Kindern
den rechten Weg weisen zu
können.
Dieser Vater - und überhaupt
jedermann in unserer Generation -
gleicht jemandem, "der im
Erdgeschoß zur Straße hin wohnt".
Das Licht seines Glaubens
lasse er draußen vom Tore seines
Hauses aus leuchten. Es
strahle aus in die Finsternis der
Auflehnung, er setze sich
damit aktiv auseinander und erleuchte
selbst diese Finsternis
mit seinem kleinen Chanukka-Leuchter.
Er muß sich nur vorsehen
- wenn er das Gebot regelrecht
erfüllen will, muß
er die Öllichter in einen schützenden
Glaskasten stellen, damit
sie von den Winden der Umgebung
nicht ausgeblasen werden.
Daneben gibt es noch einen
anderen Menschen. Er wohnt nicht
in einem niedrigen Einfamilienhaus,
sondern in einem der
oberen Stockwerke, in einigem
Abstand vom lauten Treiben der
Straße. Er braucht
nicht herabzusteigen, um dort das Licht
seines Glaubens zu zünden.
Zwar muß auch er sich mit den
Winden der Umgebung auseinandersetzen;
doch kann er dies
von einem erhöhten
Standpunkt aus und mit einigem Abstand
tun, vom Fenster des oberen
Stockwerkes. Wenn er nicht "dem
Abtrünnigen zu erwidern"
braucht, hat er keinen Grund, und
wohl auch keine Erlaubnis,
auf fremden Wiesen zu weiden,
wobei er sich vom warmen
und lichten Hause entfernen müßte.
Und dann gibt es noch die
"schweren Zeiten". Draußen wehen
stürmische Winde. Vor
uns "die Stunde der Gefahr", die die
winzigen Lichtchen des Glaubens-Leuchters
bedrohen. Dann
kann sich der jüdische
Mensch nur ins Innere seiner Stube
zurückziehen und dort
das Licht des Glaubens vom Tische aus
leuchten lassen, womit er
seiner Pflicht Genüge getan hat. Das
ist nicht gerade der Idealzustand,
sondern die Stunde der Not,
die den Geist und das Bewußtsein
in schmerzlich enge Gassen
nötigt.
Der Zustand jedoch, den wir
anstreben, ist das Licht von
draußen vor dem Tor
des Hauses, das die ganze Welt
erleuchtet.
"Steh' auf, leuchte, denn
es kommt dein Licht, und die
Herrlichkeit des Ewigen
strahlt auf dich. Denn siehe, Finsternis
bedeckt die Erde und Wolkendüster
die Völker, - doch auf dich
wird der Ewige strahlen,
und seine Herrlichkeit wird über dir
erscheinen. Und es wandeln
Nationen bei deinem Lichte, und
Könige bei deinem Strahlenglanze"
(Jeschajahu 60,1-3).
| HaRav
Aviner
Sei nicht deprimiert
Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa
von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt |
 |
Eine Bitte an dich, hör
auf mit deinen Moralpredigten im Stile
von "Sei nicht deprimiert!
Warum bist du so traurig, so
ängstlich? Warum
bist du apathisch? Dazu gibt es gar keinen
Grund! Mit dir ist alles
in Ordnung, du hast gar nichts, du bildest
dir das alles bloß
ein, du bist bloß deprimiert, das ist alles, also
reiß dich zusammen.
Ich versuche, dir zu helfen, und wenn du
nicht kooperierst, dann
bist du wohl nur verwöhnt".
Mit all diesem Gerede hilfst
du mir wirklich gar nicht, du machst
es nur noch schlimmer. Wenn
man dich nur reden hört, kann
man schon in Depressionen
verfallen.
Glaubst du wirklich, es macht
Spaß, mit Depressionen zu
leben? Daß ich mir
das ausgesucht habe? Diese Krankheit
macht mich fertig, raubt
mir alle meine Kräfte. Ja, das ist eine
Krankheit, eine echte Krankheit,
eine Krankheit im Kopf, eine
grausame Krankheit, die
jeden positiven Winkel verdunkelt, die
mich beschämt, weil
man auf mich herabschaut; nicht wie bei
Jemandem, der an Herzkrankheit
oder an der Leber oder an der
Lunge leidet.
Wie kannst du behaupten,
ich würde nicht kooperieren?! Ich
habe wirklich alles versucht,
Medikamente, psychologische
Behandlung, Selbsthilfegruppen
und rabbinische Beratung.
Wirklich alles. Ich habe
nicht aufgegeben, ich kämpfe weiter. Ich
lasse mich nicht unterkriegen.
Darum verurteile nicht deinen
Nächsten, bis du nicht an seiner
Stelle warst. Mit nur einer
geringen Kenntnis von meiner inneren
Welt würdest du mich
schätzen und würdigen lernen. Ja, ich
sage das ohne Eitelkeit:
Ich bin stark, ich kann kämpfen,
kämpfen, kämpfen.
Weißt du denn, wieviel seelische Kräfte
nötig sind, um Selbstmordgedanken
zu verdrängen? Du
kämpfst nicht mal halb
so viel wie ich, vielleicht ein Zehntel. Für
die Ausführung selbst
der einfachsten, alltäglichsten Arbeit muß
ich mehr Energien aufbringen
als du in einer ganzen Woche.
Darum halte bitte den Mund.
Alle deine Moralpredigten
helfen mir nicht weiter. Ich habe die
Hoffnung nicht aufgegeben.
Ich kenne Leidensgenossen, die
vollkommen gesund wurden,
jeder auf seine Weise. Auch ich
habe manchmal gute Tage,
und ich komme durch hartnäckigen
Kampf langsam aber sicher
voran.
Was ich wirklich brauche,
sind Freundschaft, eine gute
persönliche, intime
Beziehung. Könnte ich sie doch nur in
meiner eigenen Familie finden.
Ich glaube, wenn meine Familie
mehr Wärme für
mich zeigte, würde mir das alles gar nicht
passieren. Ohne die Entfremdung
meiner Freunde auch nicht.
Ich lebe in einer kalten
und fremden Welt, das treibt mich in den
seelischen Zusammenbruch.
Mein größter Feind: die Isolation.
Wenn du mir also helfen möchtest,
sei mein Freund, ein echter
Freund, und ich werde dir
mein ganzes Leben lang dankbar
sein. Freundschaft - so
lautet die Parole. Ja, mein Freund - hier
geht es um Liebe.
Auch der Glaube an G~tt hilft
mir sehr. Würde ich nicht an die
Güte G~ttes glauben,
wäre ich vollkommen kopflos. Ein Glück,
daß G~tt sich nicht
über mich lustig macht, sondern mich immer
liebhat und an mich glaubt.
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