DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KORACH *
Nr. 570
28. Sivan 5766

*(außerhalb Israels: Schelach lecha) 

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 16,1-18,32):
Putschversuch Korachs und seiner Anhänger gegen Moscheh und Aharon; harter Kern versinkt im Erdboden, andere werden von himmlischem Feuer verzehrt; deren Räucherpfannen dienen als Altarüberzug zum Mahnmal; anschließender Unmut im Volk wird mit Seuche bestraft; Aharon heilt; göttliches Wunder mit Aharons Stab bestätigt Führung durch Moscheh und Aharon; Bestimmung der Priester und der Leviten zum Tempeldienst und die ihnen zustehenden Abgaben.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Himmlisches Streitende

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Wie einige Lästermäuler behaupten, wird gerade ein "Streit um des Himmels willen" als Streit auf ewig bestehen [in Anspielung auf die Mischna der "Sprüche der Väter", 5.Kap., siehe weiter unten] - denn unter keinen Umständen wird eine der Streitparteien einem Kompromiß zustimmen, wohingegen ein Streit, der nicht "um des Himmels willen" geführt wird, am Ende nicht bestehen wird - weil die Parteien früher oder später eine Lösung finden. Solange der Streit um Interessen geführt wird, um persönliche oder um Gruppeninteressen, werden die Seiten eines Tages einsehen, daß der Preis für die Fortsetzung des Streites höher ist als eine der Seiten Nutzen davon erwarten kann. Darum werden sie einen Weg zur Zusammenarbeit finden. Man braucht sich bloß einmal die israelischen Politiker anzuschauen, wo die ärgsten Widersacher von gestern plötzlich zu engsten Gesinnungsgenossen werden. Wo es aber um einen Streit in himmlischen Angelegenheiten geht - wie viele Meinungsverschiedenheiten zwischen den Toragelehrten - der wird Bestand haben. Die beiden Seiten handeln ja nicht aus Motiven persönlichen Nutzens. Jeder fühlt eine tiefe Verpflichtung gegenüber seinen religiösen Grundwerten, dem Glauben und den Prinzipien, die er vertritt. Ein Kompromiß würde unter diesen Voraussetzungen zu recht als Verrat an der Idee und als Mißachtung der übernommenen Aufgabe verstanden werden. Darum wird der Streit monate- oder jahrelang weitergehen. 

So ein Streit hat allerdings einen großen Vorteil, da er zu intensiver Vertiefung in das Thema und gegenseitiger Befruchtung führt. Dabei besteht andererseits die Gefahr, daß die Tora wie "zwei Torot" aussieht, was in der breiten Öffentlichkeit Verwirrung stiftet, besonders, wenn negative Begleiterscheinungen auftreten. Darum muß man sich um einen Ausgleich des Streites bemühen. Den Weg zu einer klaren Entscheidung können wir von dem berühmtesten Streit im Volke Israel lernen. "Welcher Streit ist um des Himmels willen? Der Streit von Hillel und Schammai" (s.o.). Der Streit zwischen den beiden Lehrhäusern Bet Hillel und Bet Schammai währte viele Jahre lang, bis eine himmlische Stimme verkündete: "Diese und jene sind die Worte des lebendigen G~ttes, aber das Gesetz wird wie Bet Hillel entschieden" (Eruwin 13b). Und das war kein Zufall, obwohl dafür weder ihre Verstandesschärfe noch ihre Toragelehrsamkeit angeführt wurden. 

"Weshalb war es der Schule Hillels beschieden, daß die Halacha nach ihr entschieden wurde? - Weil sie verträglich und bescheiden war, und sowohl ihre eigene Ansicht als auch die der Schule Schammais studierte; noch mehr, sie setzte sogar die Worte der Schule Schammais vor ihre eigenen" (ebda.). 

Im Lehrhaus Bet Hillel herrschte eine aufgeschlossene Atmosphäre. Man lernte dort alle Lehrmeinungen, und befaßte sich sogar zuerst mit der Ansicht Bet Schammais. Das Prinzip, von dem das Studium dort geleitet wurde, war die Erkenntnis, daß das unendliche Wort G~ttes so vielseitig ist, daß es kein einzelner Mensch in vollkommener Genauigkeit erfassen kann. Jeder Toragelehrte betrachtet das Wort G~ttes aus seinem besonderen Blickwinkel, und darum neigt er dazu, spezifischen Aspekten auf Kosten anderer Ausdruck zu geben. Darum sah man es bei Bet Hillel als besonders wichtig an, jedes Thema auch vom Blickpunkt Bet Schammais aus zu betrachten, soviel wie möglich daraus zu lernen, und dann die eigene Lehrmeinung zu bestimmen. Und weil Bet Hillel ein weiteres Blickfeld hatte, wurde ihm die Autorität der Gesetzesentscheidung zugesprochen (MaHaRaL, Be'er Hagola). 

Wie dereinst ist auch heute unser Lehrhaus durch verschiedene Streite gespalten. Und weil es um einen "Streit um des Himmels willen" geht, wird er Bestand haben. Viele fragen voller Furcht in ihrer Not: Was kann man bloß tun angesichts solch unterschiedlicher Lehrmeinungen? Gibt es denn keinen anderen Weg zur Lösung dieser "Streite um des Himmels willen", bei denen es zu Randerscheinungen von gegenseitigen Beleidigungen kommt? Ist eine ganze prinzipientreue und wertorientierte Gemeinschaft auf immer zur Zerrissenheit durch lähmende Konflikte verdammt, für die sich keine Lösungen finden lassen? "Dieser lehnt den von jenem gewählten Richter als unzulässig ab, und jener lehnt den von diesem gewählten Richter als unzulässig ab" (nach Sanhedrin 23a, Mischna)?

Darum müssen wir uns die Eigenschaft Bet Hillels zueigen machen. Wir brauchen nicht die Zahl der Argumente zu erhöhen, um die Überzeugten von der Richtigkeit ihres Weges zu überzeugen, an dessen Wahrheit sie sowieso glauben, vielmehr sind folgende Maßnahmen zu ergreifen, ein Schritt nach dem anderen:
1. Zustammenstellung aller Grundannahmen, zu denen eine generelle Übereinstimmung besteht. (Dabei wird sich herausstellen, daß 95% der Rabbiner in 95% ihrer Ansichten übereinstimmen).
2. Gemeinschaftlich ein langfristiges Ziel festlegen, dem Alle zustimmen können.
3. Soviele und so genaue Daten wie möglich über die gegenwärtige Lage zusammentragen.
4. Aufzeigen der umstrittenen Aktionsmöglichkeiten unter genauer Definition der Streitpunkte.
5. Anfertigen einer Liste mit den Vor- und Nachteilen jeder einzelnen Aktionsmöglichkeit.
6. Jede Gruppe darum bitten, die für sie akzeptablen Aspekte der Methoden der anderen Gruppen herauszufiltern.
7. Anfertigen einer Liste mit Entscheidungskriterien zwischen den gegensätzlichen Standpunkten.
8. Die Entdeckung, daß das Hinhören auf die andere Meinung die Debatte unendlich befruchtete, und was an strittigen Punkten nach so einem Verfahren übrigbleibt, ist klein genug, um damit in Frieden leben zu können...
9. Händedruck in Liebe und Brüderlichkeit, Frieden und Freundschaft, und gemeinsames Gebet um himmlische Unterstützung.

Wollen wir zum Schluß eine Geschichte erwähnen, die ich in einer Einleitungsrede zu einem Kursus über Schlichtungsverfahren hörte: Zwei Leute stritten sich um eine Sahnetorte. Der eine sagte: Sie gehört mir, und der andere sagte: Sie gehört mir. Weil beide wußten, daß sie vor Gericht jeweils die Hälfte verlieren würden ("Aufteilen!"), beschlossen sie, einen Schlichter einzuschalten. Fragte der Schlichter den einen: Wozu brauchen Sie die Torte? - Weil ich hungrig bin. Danach fragte er den anderen: Wozu brauchen Sie die Torte? - Ehrlich gesagt, ich bin gar nicht hungrig, aber ich liebe Sahne über alles. Da fragte der Schlichter: Was halten Sie davon, die Torte horizontal zu teilen, den Teig für den einen, die Sahne für den anderen?...

Ein "Streit um des Himmels willen" wird wie gesagt Bestand haben. Wenn wir aber anerkennen, daß jede Ansicht ein Körnchen Wahrheit enthält, das wir uns zueigen machen können, wird der Streit am Ende dem gemeinsamen Wege Beständigkeit geben. Dann werden sich an uns die Worte der talmudischen Weisen erfüllen: "Die Schriftgelehrten mehren Frieden in der Welt, denn es heißt: und alle deine Kinder sind G~ttesgelehrte, und viel ist der Friede deiner Kinder; lies nicht banajich [deiner Kinder], sondern bonajich [deiner Erbauer]" (Brachot 64a u.a.).
 
 
 
Frage und Antwort

Das Ende des Zionismus?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Früher gab es noch Zusammenarbeit zwischen den religiösen und den nichtreligiösen Zionisten. Damit ist es jetzt vorbei! Letztere haben an uns mit der Vertreibung aus dem Katif-Gebiet und Amona Verrat geübt. Ihr Zionismus wird immer häßlicher, und wir haben mit ihm schon nichts mehr zu tun.

Antwort: 1. Zuerst muß ich mich über den Zeitpunkt ihrer Fragestellung wundern. Was hat Ihren Zorn ausgerechnet jetzt erregt?! Bot das vermurkste Erziehungswesen nicht schon immer genug Anlaß? Oder das Rechtswesen? Oder die Duldung unzähliger Missionare im Lande? Oder das Aushöhlen der Koscher-Aufsicht? Wie ist es mit der Entweihung des Schabbat, der Zerstörung der Familienwerte, der Familienreinheit und des Ehelebens? Warum können Sie sich nur über den Verlust des Landes erregen?!

2. Nun aber zum eigentlichen Kern Ihrer Frage: Es gibt keinen nichtreligiösen Zionismus! Ob sie wollen oder nicht, Zionismus ist immer göttlich und niemals weltlich. 

3. Zwar behaupten das in seltsamer Übereinstimmung die nichtreligiösen und die charedischen Juden - erstere, weil sie die Religion fürchten, und letztere, weil sie den Zionismus fürchten - aber beide bedeuten nicht die Worte des lebendigen G~ttes, sondern wie Rabbiner Awraham Jizchak Kuk [erster Oberrabbiner Israels] einmal sagte, der Herr der Welt ist selber ein Zionist. Schauen Sie einmal in die Bibel, schauen Sie einmal in den Talmud und sehen sie selbst.

4. Nebenbei bemerkt, was dem Zionismus passiert, geschieht mit dessen großem Erwecker, Theodor Herzl, selber in kleinerem Maßstab. Sowohl die Nichtreligiösen als auch die Charedim sprechen ihm jedwede Spiritualität ab, die einen, weil sie sich um Herzl sorgen, die anderen, weil sie sich um die Spiritualität sorgen. Es wird sich noch zeigen, wer Herzl wirklich war. Weil das aber eigentlich nicht zu unserem Thema gehört, möchte ich mich mit einem kurzen Zitat begnügen: "Wir erkennen uns als Nation am Glauben" (Tagebücher I,56). 

5. Was nun den Zionismus angeht, so handelt es sich dabei sicher nicht um eine säkulare Angelegenheit. Der Zionismus ist in der Tora verwurzelt, und auch das zionistische Erwachen entspringt einer heiligen Quelle. Geh hin und lerne, was unser großer Lehrmeister, Rabbiner A.J.Kuk dazu schrieb: "In der Allgemeinheit der ganzen Nation, jedes Verlangen nach Freiheit, und jede Lebenslust, die Lust auf Leben der Allgemeinheit und des Individuums, jede Hoffnung auf Erlösung, strömen nur aus dieser Lebensquelle" (Orot, Erez-Israel,§8). Was meinte er mit "dieser Quelle"? "Heiliges Feuer... brennt seit uralten Tagen im Herzen dieser ganzen Nation. 'Ein beständiges Feuer werde in Brand gehalten auf dem Altar, es erlösche nicht'" (Lev. 6,6; ebda.). Darum erfolgte das nationale Erwachen in Wirklichkeit, "um das israelitische Leben in seiner Gänze zu leben, ohne Widerspruch und ohne Beschränkung" (ebda.). Und so, wie der individuelle Mensch ein Unterbewußtsein hat, das sein Verhalten ohne sein Zutun lenkt, gibt es auch ein nationales Unterbewußtsein, das die Nation unbewußt antreibt. Und sicherlich gibt es ein in den Tiefen der Nation verborgenes Unterbewußtsein, nämlich die Göttlichkeit.

Warum haben Sie nie den Aufsatz von Rabbiner Zwi Jehuda Kuk gelesen, "Auf der Tagesordnung", den er schon vor dem ersten Weltkrieg schrieb? Dort lehrt er nämlich, wie der Herr der Welt die zionistische Bewegung auf verschiedenen Pfaden ins Leben rief. "Aus den vier Winden komme der Geist..." (Jecheskel 37,9). "Unser Leben geht seinen Gang... auch über verschiedene, verschlungene Pfade" (Lenetiwot Israel I, S.12). Doch alles entspringt dem "Lichte der inneren Seele" (ebda.), der inneren, göttlichen Lebendigkeit. 

Es stimmt wohl, daß "der neue nationale Zionismus in seiner ganzen äußeren Erscheinung von außen kommt, getrieben von verschiedenen äußerlichen Ursachen der Situationen unseres Galutlebens" (ebda.,S.13). Wer aber "mit geschärftem Blick heute unser sprießendes und wachsendes Leben im Lande Israel betrachtet... - wird er dabei nicht verstehen und den Verursacher göttlicher Historie erkennen, 'der die Menschengeschlechter berief von Anbeginn' (Jeschajahu 41,4), den Ewigen, G~tt Israels?!" (ebda.).

"Die Quelle der großen Bewegung der israelitischen Nation befindet sich natürlich im tiefsten Innern der Nation, in ihrer innersten Innerlichkeit" (ebda. S.13-14).

Darum merken Sie sich einfürallemal: Es gibt keinen weltlichen und keinen religiösen Zionismus, sondern nur einen einzigen, nämlich aus der Quelle des höchsten Heiligtums, das im Inneren der Nation ruht. 

Und was soll diese Unterscheidung überhaupt, "Nichtreligiöse" und "Religiöse" - wir haben hier ein Volk vor uns, ein heiliges Volk, das Volk G~ttes, ein geliebtes Volk, ein Volk, das zu neuem Leben erstand, ein Volk, über das es trotz aller Schattenseiten heißt: "Ganz bist du schön, meine Traute, und kein Fehl an dir" (Hohelied 4,7), ein Volk, dessen sich G~tt rühmt. 
 

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