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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN
IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT HA'ASINU
Nr. 534
12. Tischri 5766
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage:
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-Archiv der
"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Dt. 32,1-32,52):
Weltgeschichte von ihren Anfängen
bis zum Ende in kurzer
Gedichtform, nochmalige Ermahnung des
Volkes, Vorschau auf
Moschehs Tod.
| Am
Schabbes-Tisch...
Von "feist" zu
"König"
Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret" |
In einem Brief an seinen
Schwiegervater, Rabbiner Elijahu
David Rabinowitsch-Teomim
(genannt "Aderet", u.a.
Oberrabbiner von Jerusalem)
offenbarte Rabbiner Awraham
Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner
Israels) seine Befürchtungen
bezüglich des Toraverses:
"du wurdest feist, stark, beleibt" (Dt.
32,15), der auf die drei
Generationen vor dem Kommen des
Maschiach ("Messias") anspielt.
Dieser Vers ist wirklich nicht
leicht zu verdauen: "Da
ward feist Jeschurun und schlug aus; -
du wurdest feist, stark,
beleibt; da verließ er den G~tt, der es
geschaffen, und erniedrigte
den Felsen seines Heils".
Anscheinend läßt
sich aber auch Trost aus genau diesem Vers
schöpfen, aus einem
bestimmten Wort, wie wir im Folgenden
sehen werden.
Drei Namen gab die Tora dem
Volke Israel: Jakov, Israel und
Jeschurun - einen Namen
der Vergangenheit, einen Namen der
Gegenwart und einen Namen
der Zukunft. Der Name "Jakov"
steht für das Volk
Israel in seiner schwierigen Lage, verstrickt
und erniedrigt im Exil (Galut).
Jakov hält bei seiner Geburt die
Ferse (akev) seines
Zwillingsbruders Eßaw und folgt den
Fußspuren Anderer
(akevot); wie eine Ferse immer unten und
getreten; er kommt gewunden,
listig, hintergehend (ja'akveni,
"weil er mich schon zweimal
hintergangen hat", Gen. 27,36).
Der Name "Israel" zeigt
unser Volk in einem fortschrittlicherem
Stadium, "Ssar-la'el"
(etwa: Minister G~ttes), der mit den ihm im
Wege Stehenden umzugehen
weiß. Am Ende des Pentateuch
erscheint ein weiterer Name:
"Jeschurun".
Dieser Name enthält
drei Bedeutungen. Die erste drückt
Geradheit ("Joscher")
aus "und es werde die Krümmung (akum,
Jakov) zur Ebene (mischor,
jaschar; Jeschurun)" (Jeschajahu
40,4), sowohl Geradheit
im moralischen Sinne von Ehrlichkeit,
als auch im Sinne des geraden
und konsequenten Weges im
Lichte der großen
Bestimmung, ohne den Weg zu krümmen und
die Zielsetzung zu verlassen.
Die zweite Bedeutung hat
mit dem Ausblick zu tun. "Denn vom
Gipfel des Felsens sehe
ich's und von den Hügeln herab
schaue (aschurenu)
ich's" (Num. 23,9). Die dritte Bedeutung
zielt in Richtung Gesang
(schira).
Alle drei Bedeutungen weisen
in die Zukunft [Je-schurun, das
jud am Anfang deutet
grammatikalisch auf Zukunft]; und sie
wenden sich an die ganze
Menschheit. Jeschurun - nicht nur sie
selbst werden geradlinig
sein, sondern werden die ganze
Menschheit veranlassen,
den geraden Weg zu gehen.
Jeschurun - sie werden ihren
Blick nicht nur auf die Umgebung
richten, sondern werden
zum Blickfang der Menschheit, die von
ihnen den Weg G~ttes lernen
will. Auch der Gesang bedeutet
einen Ausdruck unserer innerlichen
Welt gegenüber der
Außenwelt, gegenüber
der ganzen Welt.
Unsere drei Namen stehen
für drei verschiedene Weisen der
Verbindung mit der uns umgebenden
Welt: Jakov - erniedrigt
und bedrückt von den
Stiefeln der Nichtjuden - das in Ägypten
versklavte Volk bis hin
zum Auszug in die Freiheit (=Pessach).
Israel "ein Volk,
abgesondert wohnt es, und unter die Völker
läßt es sich
nicht rechnen" (Num. 23,9) als ausschließliches
Volk G~ttes, nur dieses
Volk allein erhält die Tora am Sinai
(=Wochenfest "Schawuot").
Und Jeschurun schließlich steht
für "das Licht den
Völkern" (=Sukkot, das Fest des
Weltfriedens).
Diese Bestimmung, ein "Licht
den Völkern" zu sein, betont das
ethische Fundament, das
wir mit der ganzen Welt teilen, und
darum ist dessen wesentlicher,
zentraler Inhalt das moralische
Fundament, die Geradheit.
Die Betonung der Gemeinsamkeiten
mit den Völkern bedeutet
allerdings nicht nur eine Chance,
sondern auch ein Risiko.
Die Gründung einer Monarchie ("da
ward er in Jeschurun König"),
die "ein Königreich von Priestern
und ein heiliges Volk" (Ex.
19,6) sein soll, beginnt mit "ich will
über mich einen König
setzen, wie all die Völker, die rings um
mich" (Dt. 17,14). Wer sich
intensiv mit materiellen Dingen der
Regierung, der Sicherheit,
der Wirtschaft usw. beschäftigt und
dabei der ganzen Menschheit
zeigen will, wie man diese Dinge
auf einer nationalen Ebene
leitet kraft eines höchsten Standards
von Moral und Prinzipien,
bis hin zu ihrer Erhebung in den
Bereich der Heiligkeit -
läuft auch Gefahr des Abstürzens. Und
so wird es auch kommen,
wie wir in unserem Wochenabschnitt
erfahren: "Er ließ
es ersteigen die Höhen der Erde und es aß
die Früchte des Gefildes;
und ließ es Honig aus dem Gestein
saugen und Öl aus Kieseln
und Felsen. Rahm der Rinder und
Milch der Schafe mit dem
Fette der Mastlämmer und der Widder
der Söhne Baschans,
und der Böcke, samt des Weizens
Nierenfett, und der Traube
Blut, das du schäumend trinkst" (Dt.
32,13-14), mit dem Resultat:
"Da ward feist Jeschurun und
schlug aus; - du wurdest
feist, stark, beleibt; da verließ es den
G~tt, der es geschaffen,
und erniedrigte den Felsen seines
Heils" (V.15).
Doch gerade der Gebrauch
des Namens "Jeschurun" in diesen
Versen begründet einen
optimistischen Ausblick in die Zukunft.
Wir verfallen den Abgründen
des Materialismus gerade wegen
unserer großen Bestimmung,
"Jeschurun" zu sein, das die
Wege der ganzen Menschheit
begradigen soll; doch selbst auf
dem Tiefpunkt des Sturzes
werden wir immer noch "Jeschurun"
genannt, und das Versprechen
von der großartigen Zukunft
rückt keinen Zentimeter
von der Stelle.
"Die materielle Sorglosigkeit,
die einem Teil der Nation zuteil
wird, der sich einbildet,
das ganze Ziel bereits erreicht zu haben,
wird die Seele verkleinern,
und es werden Tage kommen, wenn
man sagen wird, man finde
an ihnen keinen Gefallen. Das
Streben nach erhabenen Idealen
und Heiligkeit wird
nachlassen, und dadurch
wird der Geist sinken und auf der
Stelle treten, bis daß
ein Sturmwind kommen wird und eine
Umwälzung verursacht...
Die Notwendigkeit dieser
Auflehnung bildet die Neigung zum
Materialismus, der zwangsläufig
auf der allgemeinen Ebene der
Nation in aggressiver Form
entstehen muß, nachdem Perioden
vieler Jahre vergingen,
in denen von der Nation im Allgemeinen
das Bedürfnis und die
Möglichkeit materieller Beschäftigung auf
dem Nullpunkt verharrten.
Und diese Neigung, wenn sie
zur Welt kommt, wird im Zorne
stampfen und Stürme
erwecken; genau diese sind die Leiden
des messianischen Zeitalters,
die schließlich durch ihre
Schmerzen die Welt betören
werden" (Rabbiner A.J. Kuk, Orot
Hatechija §44).
Gerade durch die Komplikationen
des "Da ward feist Jeschurun
und schlug aus" werden sich
zwei Verse aus dem kommenden
Wochenabschnitt verwirklichen:
"da ward er in Jeschurun
König" (Dt. 33,5);
"keiner gleicht G~tt, Jeschurun, befahrend
den Himmel dir zum Heil"
(Dt. 33,26).
| Am
Jontef-Tisch...
Furcht, Liebe
und Freude
Rav Jakov Halevi Filber
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem |
Im Buch "Kusari" (Dialog
zwischen einem Rabbiner und dem
König Kusari über
die Glaubensgrundlagen des Judentums;
2,50) erklärte Rabbiner
Jehuda Halevi (aus der Periode der
Rischonim vor etwa
850 Jahren): Die Tora versklavt uns nicht
mit Peinigungen und Unterdrückung
der Persönlichkeit, sondern
lehrt uns im Gegenteil durch
ihre Gebote, jeder Kraft der
menschlichen Seele und des
Körpers den ihr zukommenden
Anteil in ausgewogener Weise
zu gewähren, ohne dabei eine
der Kräfte gegenüber
den anderen zu bevorzugen. Wie die Tora
dafür sorgt, führte
Rabbi Jehuda Halevi im Weiteren aus: Nach
unserer Tora gibt es drei
Grundregeln für den Dienst an G~tt:
Die Himmelsfurcht, die Liebe
und die Freude; nähere dich G~tt
mit allen dreien; die Annäherung
an G~tt durch Unterwerfung an
den Fasttagen sei nicht
größer als durch die Freude an den
Schabbat- und Feiertagen,
wenn die Freude dem Nachdenken
und gezielter Absicht entspringt.
Die Freude wiederum ist eng
mit der Liebe verknüpft,
und darum freue dich bei der Erfüllung
der Gebote, während
dich die Liebe zum Gebot durchdringt, und
erkenne, wie es dich bessert...
denn durch die Freude der
Feiertage scheint dir, als
ob du zu G~tt nach Hause kommst,
die Festmahlzeit am Tische
des Königs einnimmst und von den
Annehmlichkeiten des Schöpfers
genießt. Und wenn sich deine
Festfreude sogar in Gesang
und Tanz äußert, so gelten auch
diese als Dienst an G~tt
und bringen dich zu großer
Anhänglichkeit an G~tt.
Diese Verbindung von Himmelsfurcht,
Liebe und Freude bringen
die Lebensführung des
Menschen ins Gleichgewicht, die
Bevorzugung einer dieser
Teile hingegen beeinträchtigt nicht
nur seine Persönlichkeit
im Ganzen, sondern trifft auch
diejenige Eigenschaft, die
er in übertriebener oder sogar
ausschließlicher Weise
einsetzt.
Diesen drei Eigenschaften
begegnen wir bei den Feiertagen des
Monats Tischri. An Rosch
Haschana, dem Tag des
Schofarblasens, wie es heißt:
"Oder wird in das Schofar
gestoßen in der Stadt,
und das Volk sollte nicht erschrecken?"
(Amos 3,6), das ist der
Tag des Gerichtes, an dem die
Eigenschaft der Himmelsfurcht
vorherrscht; Jom Kippur, der
Tag des Verzeihens und der
Sühne, an dem die Eigenschaft der
Liebe vorherrscht, und das
Laubhüttenfest (Sukkot), die "Zeit
unserer Freude", an dem
die Eigenschaft der Freude
vorherrscht. Anscheinend
haben wir diese Reihenfolge nicht
dem Zufall zu verdanken,
vielmehr steht die Himmelsfurcht
immer am Anfang, wie es
heißt: "ohne G~ttesfurcht keine
Weisheit" (Mischna "Sprüche
der Väter", 3.Kap.), weil die
G~ttesfurcht den Rahmen
schafft, ohne den keine Liebe
möglich ist, die nämlich
den Kern der G~ttesfurcht bildet, und
ebenso, so bedeutend die
Liebe auch sein mag, kann sie doch
nicht ohne G~ttesfurcht
existieren, wie Raschi zu Lev. 26,12
schrieb: "und ich werde
unter euch wandeln - ich werde wie
einer von euch mit euch
im Garten Eden wandeln (Liebe), und
ihr werdet nicht vor mir
erschrecken. Bedeutet das etwa, es
werde keine G~ttesfurcht
geben? Darum heißt es weiter: und
ich werde euch ein G~tt
sein". Nur die Verbindung von Liebe mit
G~ttesfurcht bringt Vollkommenheit.
An Jom Kippur, wenn sich
der Jude von allen Genüssen dieser
Welt fernhält und von
einem Abend bis zum nächsten durch
Gebet und Umkehr mit dem
Schöpfer verbunden ist, erklimmt er
den Gipfel der Liebe, bis
daß er am Ende des Tages, beim
Ne'ila-Gebet, zusammen mit
der ganzen Gemeinde siebenmal
ausruft: "Der Ewige, er
ist der G~tt!". Danach aber kehrt er in
scharfem Kontrast zurück
- von der erhabenen Stufe des Jom
Kippur in die niedere Alltäglichkeit,
was einen schädliche
Wirkung haben kann. Wie
läßt sich diese "harte Landung"
auffangen? Dazu schrieb
Rabbiner A.J.Kuk: "Durch die
Erhebung an Jom Kippur entfernt
man sich sehr von der
diesseitigen Welt, und man
muß auf der Hut vor jedem
Stolperstein sein, wenn
man diesweltlichen Dingen begegnet;
die Tage zwischen Jom Kippur
und Sukkot wurden zur
Erziehung für die Rückkehr
zu den diesweltlichen Dingen in
angemessener Beschreibung
in Heiligkeit gegeben" (Olat Ra'aja
II S.367). Damit meinte
er, daß der plötzliche Übergang von der
Erhebung des Jom Kippur
zum alltäglichen Leben (der dem
Übergang vom Licht
zur Dunkelheit ähnelt, oder von der Wärme
zur Kälte) die alltägliche
Lebensführung des Menschen
durcheinanderbringen kann.
Um diesen scharfen Kontrast
abzumildern, erhielt er
vier Übergangstage von Jom Kippur bis
Sukkot, an denen man sich
einerseits mit materiellen,
diesweltlichen Dingen beschäftigt,
wie z.B. dem Bau der Sukka,
dem Erwerb des Lulaw (+
Etrog, Myrten- und
Bachweidenzweigen) und dem
Ausschmücken der Sukka usw.,
wobei diese weltlichen Aktivitäten
gleichzeitig der Erfüllung von
Torageboten dienen, und
diese Verbindung von Heiligkeit der
Gebote mit Tätigkeiten
der materiellen Welt bereiten den
Menschen auf eine weiche
Landung von den Höhen der
Heiligkeit des Jom Kippur
auf dem Boden der täglichen
Wirklichkeit vor. Dann besteht
keine Dissonanz mehr zwischen
der materiellen und der
spirituellen Welt, zwischen dem Körper
und der Seele, und in Einigkeit
der beiden wird die Grundlage
für die Freude geschaffen,
die, wenn sie wahrer Liebe
entspringt, eine Freude
des Gebotes [und Erfüllung des
Gebotes der Freude] ist.
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