DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT DEWARIM (Chason)
Nr. 575
4. Aw 5766


Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 1,1-3,22):
Im 40. Jahr, am 1. des 11. Monats, spricht Moscheh zu den Kindern Israels, bevor sie den Jordan überqueren: Rückblick auf die Reise, Einsetzen von Richtern, Aussenden der Kundschafter+Sünde dazu, welche Länder in Ruhe gelassen und welche erobert werden.

9.Aw Donnerstag - Fasttag zum Gedenken an die Tempelzerstörung "Tischa Be'Aw"
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Zerstörung und Exil

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Als G~tt zum Propheten Jecheskel sagte: "Habe ich denn Wohlgefallen am Tode des Frevlers, ist der Spruch G~ttes, des Herrn, nicht an seiner Umkehr von seinem Wandel, daß er lebe?" (18,23). Dieser Ausspruch lehrt uns, daß die Strafen des Himmels keine Strafung aus Rache bedeuten, dem Menschen Schmerz zuzufügen, sondern erzieherische Strafen, die den Menschen zur Korrektur seiner Abwegigkeit bringen sollen. Es fragt sich also, warum es die göttliche Vorsehung für richtig hielt, am Ende der Periode des zweiten Tempels die Strafe der Tempelzerstörung zu wählen, die Vernichtung jüdischer Staatshoheit und die Exilierung des jüdischen Volkes aus seinem Lande, so wie wir im Gebete sagen: "Wegen unserer Sünden wurden wir aus unserem Lande vertrieben und von unserem Boden entfernt" (Mussafgebet an den Wallfahrtsfesten). Eigentlich hätte die Vorsehung die Israeliten auf ihrem Boden belassen und sie in ihrem eigenen Lande auf andere Weise bestrafen können, z.B. durch Hungersnot, Plagen, Kriege usw. - warum wurden von allen Strafen ausgerechnet Zerstörung und Exil gewählt? Die Antwort darauf gab Rabbiner A.J. Kuk in seinem Werk Ejn Aja, daß nämlich die höchste Vorsehung die jüdische Nation mit der Zerstörung ihres nationalen Zentrums (Tempel) und der Exilierung bestrafte, weil es das einzige Heilmittel war, die Probleme der Nation zu beseitigen. Die talmudischen Weisen überlieferten uns den Grund für die Zerstörung des zweiten Tempels: die Sünde des "sinnlosen Hasses". Diese Sünde schlug tiefe Wurzeln im Volke und breitete sich über die gesamte Nation aus, so daß keine andere Möglichkeit bestand, als die ganze Nation in der Fremde zu zerstreuen, durch Auflösung aller gesellschaftlicher Rahmen und Umwandlung der Öffentlichkeit in eine Menge Individuen. Auf diese Weise konnte jeder Einzelne seine Eigenschaften und Taten bessern, um dann, nach Einsammlung der Verstreuten ins Land Israel, ein neues Zentrum mit den Seelen zu erbauen, die im Tiegel des Exils gereinigt wurden. Solange nämlich die alten Rahmenbedingungen weiterexistierten, blieben auch die Nachteile der individuellen Taten, Eigenschaften und Ansichten der Generation der Zerstörung intakt. - Dieser Deutung zufolge muß man den "sinnlosen Haß" als eine Art tödliche Krankheit betrachten, die sich immer weiter ausbreitet und die ganze Nation ins Unglück zu stürzen droht. Mit dieser Einschätzung der Lage läßt sich die Bitte Rabbi Jochanan ben Sakkais verstehen: "Gib mir Jawne und seine Weisen", die keine Notlösung darstellte, sondern mit voller Absicht geäußert wurde, so wie man manchmal ein Körperteil amputieren muß, um den Körper zu retten. 

Dieser Deutung Rabbiner Kuks, die Strafe von Zerstörung und Galut sollte die allgemeine Sünde des sinnlosen Hasses korrigieren, läßt sich hinzufügen, daß die höchste Vorsehung gar keine andere Wahl hatte, denn selbst wenn die Juden im Lande verblieben wären und dort ihre Strafe erhalten hätten, spräche nach dem Kommentar des "Neziw" aus Woloschin folgender Grund dagegen: Die Leute jener Periode "waren Gerechte, Fromme und Toratreue, doch kam das in ihren weltlichen Angelegenheiten nicht zum Ausdruck. In ihren Herzen haßte einer den anderen, sie verdächtigten jeden, der nicht ganz genau ihre Ansicht teilte, als Sadduzäer oder Abtrünnigen, bis der Tempel zerstört war". Bei genauerem Hinsehen stellen wir fest, daß die so Verdächtigten alles himmelsfürchtige Juden waren, die nur nicht genau genug der Glaubensauffassung der Verdächtiger entsprachen, die sich wegen dieses kleinen Unterschiedes den Haß erlaubten. Jede Gruppierung glaubte nämlich, die Wahrheit für sich alleine gepachtet zu haben, und alle anderen seien fehlgeleitete Sünder. Stellen wir uns nun in so einer Lage einmal vor, daß alle gesellschaftlichen Rahmen weiterbestünden und G~tt das Volk in seinem Lande bestrafte, mit Hunger, Plage oder ähnlichen Katastrophen - hätte diese Strafe die Sünde des Hasses wirklich korrigiert?! Keinesfalls! Das Gegenteil wäre eingetroffen, die Strafe hätte den gegenseitigen Haß nur noch vertieft, denn jede Gruppierung hätte mit dem Finger auf die andere gewiesen und gesagt: 'Euretwegen kam dieses Unheil über uns!'. Darum mußten alle diese alten Gruppierungen aufgebrochen und die Juden ins Exil geschickt werden, damit das Volk ganz neu erbaut werden konnte, wie Rabbiner Kuk schrieb (s.o.). An dieser Stelle fragt der Sohn: Was aber hat das ganze Exil eigentlich genützt, wenn wir uns auch heute in Streitereien ergehen? Vielleicht aber ist der heutige "Haß" meilenweit von der Situation entfernt, die vor der Tempelzerstörung herrschte. Und vielleicht hatten die talmudischen Weisen genau das im Sinn, als sie feststellten, daß die Erlösung auch ohne bußfertige Umkehr am letztendlich festgelegten Zeitpunkt stattfinden werde, entsprechend den Worten des Propheten Jecheskel (Kap.36): "Und ich werde euch sammeln aus all den Ländern und euch nach eurem Lande bringen", und danach "reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein von allen euren Unreinheiten... und ich gebe euch ein neues Herz" (V. 24-26). Möge G~tt unser Gebet erhören und sich schnell und in unseren Tagen erfüllen.
 
 
HaRav Aviner

Wer einreißt - wird aufbauen
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Nach alter Sitte wird dem Bräutigam unter der Chuppa zum Andenken an die Tempelzerstörung etwas Asche aufs Haupt gestreut. Wenn ich eine Hochzeitszeremonie leite, benutze ich dafür Sand vom Katif-Gebiet. Einmal fing eine Braut dabei zu weinen an... Auch ich weine innerlich.

Gleichzeitig werden wir aber auch "Gläubige, Nachkommen von Gläubigen" genannt, und sagen: "Erinnerung - und Rückkehr!". Doch um den furchtbaren Riß zu heilen, müssen wir seinen genauen Grund kennen, so wie Maimonides schrieb: "Wer ist weise? Der eine Sache durch ihre Gründe kennt". Oder wie es die talmudischen Weisen ausdrückten: "Wer ist weise? Wer die Folgen voraussieht" (Tamid 32a). Das bedeutet aber dasselbe, denn wer die Gründe kennt, kann die Folgen voraussehen.

Zu unserem Thema aber wurden schon viele Gründe von verschiedenen Leuten aufs Tapet gebracht, was den interessierten Laien ganz verwirrt. Manche sagen, das hat uns alles unser rücksichtsloser Regierungschef eingebrockt; oder die Regierung; oder sogar die ganze Knesset; oder weil die Medien der Öffentlichkeit etwas vormachen; oder vielleicht wegen des verkrummten Rechtswesens. Manche sagen, die Linke sei schuld, die langsam aber sicher ein verfälschtes öffentliches Bewußtsein schuf; oder die brutale Unterdrückung demokratischer Rechte; oder weil wir nicht genug daran glaubten, "es werde niemals, niemals geschehen!"; oder weil wir nicht nachdrücklich genug kämpften; oder weil wir keine bußfertige Umkehr taten; weil wir keine flächendeckende Öffentlichkeitsarbeit leisteten; weil wir uns nicht genug an der Aktion "von Angesicht zu Angesicht" beteiligten, usw. usf. So viele Gründe!

Darum komme ich zum Grund aller Gründe: Der Herr der Welt, der Grund aller Dinge! Sicher unterliegen die Läufe der Geschichte bestimmten Gesetzen, doch der Herr der Welt steht über allen Gesetzen und wirkt in den Gesetzen. Das Katif-Gebiet [der ehemals jüdisch besiedelte Teil des Gasastreifens] und der nördliche Schomron [Samaria] wurden zerstört, denn so hatte es der Herr der Welt bestimmt. Wie konnte aber der Allen gute G~tt, dessen Erbarmen auf Allem ruht, uns so etwas Böses antun?! Darüber heißt es bereits: "Der das Licht bildet und Finsternis schafft, Frieden stiftet und Unheil schafft, ich, der Ewige, tue dies alles" (Jeschajahu 45,7). Alles kommt vom Herrn der Welt, das Gute und das Unheil; über ersteres sprechen wir den Segensspruch "der du gütig bist und Gutes erweisest", und über letzteres "gerechter Richter". Das ist zwar ein hartes Urteil, doch ist es Wahrheit. "Der Hort, untadlig ist sein Werk; denn alle seine Wege sind recht; ein G~tt der Treue, ohne Trug, gerecht und gerad' ist er" (Dt. 32,4). Wenn wir also ein Unheil gewahr werden, müssen wir wissen, daß es zu unserem Besten geschieht. Jetzt sieht es schlecht aus, in der Zukunft jedoch wird es sich als gut offenbaren, auch wenn wir uns nicht vorstellen können, wie genau. G~tt liebt uns nämlich die ganze Zeit, "mit großer Liebe hast du uns geliebt", "der sein Volk Israel liebt" (Segenssprüche vor dem Schma-Gebet).

Natürlich befreit das nicht die Bösewichte von ihrer Verantwortung, sie werden für ihre Taten Rechenschaft ablegen müssen. Es besteht nämlich absolute Entscheidungsfreiheit, anderenfalls wäre die ganze Tora sinnlos (siehe Maimonides, Gesetze von der Umkehr, 5.Kap.). Daneben wirkt die absolute göttliche Vorsehung, auch wenn wir mit unserem schwachen Geist diese beiden Enden nicht zusammenbringen können (ebda., am Ende des Kapitels). Vielmehr "führt man Böses herbei durch einen Bösen" (Schabbat 32a). Darum bestraft er auch jene, die sein Strafgericht ausführen: "Wehe über Aschur, Rute meines Zornes" (Jeschajahu 10,5) und "Nebukadnezar, mein Knecht" (Jirmijahu 25,9). 

G~tt ist der "urerste Beweggrund", und er wirkt durch zwischengeschaltete Gründe. Wer aus eigenem Willen so ein zwischengeschalteter Grund zum Bösen sein will - den wird das Böse verfolgen. Ebenso bringt uns der große Glauben an die lenkende Hand G~ttes nicht zum Verschränken der Hände, wie uns die bequemliche Denkart der Fatalisten weismachen will. Denn wie wir bereits erwähnten, wirkt G~tt über Zwischengründe, und "bringt Verdienstliches durch einen Verdienstlichen" (Schabbat ebda.), und wir sind aufgerufen, diese Zwischengründe zu sein, und mit G~tt zusammenzuarbeiten, mit Eifer und Behendigkeit.

Alle unsere Mühen für das Katif-Gebiet und den nördlichen Schomron waren sehr gut eingesetzt, und für G~tt taten wir es - auch wenn wir keinen Erfolg hatten. Wir taten, was wir konnten, und der Rest lag in den Händen G~ttes - und dieser entschied, unseren Regierungschef aufs Krankenlager zu bannen, aber erst nach der Vertreibung, nicht vorher. 

Wie gesagt, wir geben nicht auf, wir ergehen uns nicht in Selbstzerfleischung oder in der Beschuldigung anderer im Zusammenhang mit der Vergangenheit, sondern mit noch stärkerer Sehnsucht streben wir vorwärts in die Zukunft.

Und wir sagen: "Denn du, Ewiger, im Feuer hast du sie verbrannt, und mit Feuer wirst du sie einst wieder erbauen" (aus dem Gebet am 9. Aw), durch deine treuen Boten, dein Volk der Kinder Israels. 
 
 

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