DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT CHAJE SARA
Nr. 540
24. Marcheschwan 5766

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 23,1-25,18):
Saras Tod, Kauf der Höhle Machpela bei Chewron ("Hebron"), 
Awrahams Hausverwalter Elieser auf Brautschau für Jizchak, 
bringt Riwka, Awrahams neue Frau Ketura und ihre 
Nachkommen, Awrahams Tod, seine Beerdigung in der Höhle 
Machpela durch Jizchak und Jischma'el, Jischma'els 
Nachkommen und Tod.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Von Saras Zelt zum Stiftszelt

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Die Lücke, die Sara durch ihr Ableben hinterließ, ermöglicht 
uns, ihre Persönlichkeit vielleicht noch besser kennenzulernen, 
als es nach den Beschreibungen von ihren Lebzeiten möglich 
wäre. Der Raschikommentar (zu Gen. 24,67) erwähnt einen 
Midrasch, der besonders anschaulich den in Saras leerem Zelt 
nach ihrem Tode bis zur Ankunft Rivkas herrschenden Trübsinn 
schildert. Dieser Midrasch läßt uns ein wenig die besondere 
Atmosphäre der Heiligkeit spüren, die im Zelte unserer 
Stammutter Sara vorherrschte, danach im Zelte unserer 
Stammutter Rivka, und zwar gerade bei den kleinen Dingen des 
täglichen Lebens. Dieses Zelt zeichnete sich durch drei Dinge 
aus, die mit dem Tode Saras verschwanden und mit der 
Ankunft Rivkas zurückkehrten. "..ruhte der Segen auf dem 
Teige, brannte ein Licht von Erew Schabbat bis Erew Schabbat, 
und eine Wolke war an das Zelt geknüpft".

Der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw") aus Prag lehrte uns, daß 
diese drei Dinge nicht dem Zufall entsprangen, vielmehr hatte 
es seinen guten Grund, die Heiligkeit ihres Hauses gerade auf 
diese Weise zu demonstrieren. Er verband diese drei Dinge mit 
den drei besonderen von der Frau zu erfüllenden Geboten: 
Familienreinheit, Absondern der Teighebe und Lichterzünden. 
Diese drei Gebote werden nicht in aller Öffentlichkeit erfüllt, 
sondern drinnen im Zelte, und darum ruhen sie vor allem auf der 
Frau. Durch ihre Erfüllung erhält das ganze Haus seinen 
besonderen und heiligen Charakter. Der in diesem Midrasch 
verborgene Grundgedanke ist das Ruhen der göttlichen 
Präsenz in den Zelten von Sara und Rivka als direkte Folge 
ihrer individuellen Erfüllung dieser den Frauen eigenen Gebote. 
Das Gebot der Teighebe, das in Vollkommenheit und Reinheit 
durch Sara erfüllt wurde, zeigte sich im auf dem Teig ruhendem 
Segen, das Lichterzünden am Erew Schabbat sorgte für 
fortgesetzen Segen bis zum kommenden Erew Schabbat, und 
die Wolke der Heiligkeit über dem Zelt bezeugte die sorgfältige 
Einhaltung der Regeln von der Familienreinheit. 

Entsprechend fallen diese Gebote besonders als Gebote des 
Einzelnen auf, gekennzeichnet durch individuelle Erfüllung, für 
die gerade die Frau auf dem jeweiligen Gebiete verantwortlich 
ist. Überhaupt gilt im Religionsgesetz (Halacha) ganz allgemein, 
daß die Frau in Allem, was ihre eigene Person betrifft, volle 
alleinige Glaubwürdigkeit genießt [und nicht zwei Zeugen wie 
sonst üblich nötig sind]. Diese Regel hat ihren Ursprung in den 
Gesetzen der Familienreinheit, bei denen die Tora die 
Verantwortung für Zählung der Tage und der Reinheit in die 
Hände der Frau legte. Demzufolge beruhen auch die Kaschrut-
Gesetze auf dem Prinzip, daß ein Mensch für alles, was in 
seinen Händen und in seinem Hause ist, gesetzgültige 
Glaubwürdigkeit besitzt, "weil sonst kein Mensch im Hause 
seines Nächsten essen könnte". Auch das Gebot vom Zünden 
der Schabbatlichter dient dem Erhalt des individuellen 
Hausfriedens, eine "zeltinterne" Angelegenheit, die die 
persönlichsten Beziehungen von Mann und Frau angeht. 

Im Gegensatz zu diesen Deutungen betont der Kommentar 
"Schem MeSchmu'el" gerade die Parallele zwischen dem Ruhen 
einer individuellen göttlichen Präsenz auf den Zelten der 
Stammütter, und einer der Allgemeinheit dienenden göttlichen 
Präsenz auf dem Stiftszelte [im Wüstenheiligtum]. Auch in 
Bezug auf das Stiftszelt finden wir drei ähnliche Ausdrücke für 
die dortige Anwesenheit der göttlichen Präsenz, die in ganz 
wunderbarer Weise auf die drei obengenannten Dinge bei den 
Zelten der Stammütter abgestimmt zu sein scheinen. Auch im 
Stiftszelte ruhte ein besonderer Segen auf dem Teig der 
Schaubrote, deren Frische durch Wunder von einem Schabbat 
bis zum nächsten unvermindert erhalten blieb. Auch im Stiftszelt 
gab es ein immerleuchtendes "ewiges" Licht, und auch auf dem 
Stiftszelt ruhte die Wolke der göttlichen Herrlichkeit. Diese 
Parallele lehrt insbesondere von der allgemeinen göttlichen 
Präsenz, die den Stammvätern und -müttern vergönnt war, mit 
dem Schwerpunkt auf der Vollkommenheit des öffentlichen 
Lebens, und nicht unbedingt hinsichtlich des Aufbaus von 
privatem Heim und Familie. 

Dieses Thema des Verhältnisses von Dienst des Individuums 
und dessen Vollkommenheit zum Dienst der Allgemeinheit ist so 
tiefgründig wie das Meer und wurde entsprechend intensiv in 
Kommentaren behandelt, doch ist hier nicht der rechte Ort 
dafür. Konzentrieren wir uns auf einen bestimmten Aspekt, der 
die individuellsten Seiten des menschlichen Lebens mit den 
öffentlichsten Angelegenheiten des jüdischen Volkes in allen 
seinen Generationen verbindet, der gerade in den genannten 
drei Dingen besondere Bedeutung erhält. Nicht umsonst 
verbindet die Mischna im Traktat Schabbat (2.Kap.) die drei der 
Frau besonderen Gebote mit ihrer besonderen Aufgabe, neues 
Leben in die Welt zu bringen: "Dreier Übertretungen wegen 
sterben Frauen bei ihrer Niederkunft: wenn sie nicht achtsam 
sind bei der Familienreinheit, bei der Teighebe und beim 
Lichterzünden". Eine Geburt ist das bedeutungsvollste 
individuelle Erlebnis im Leben der Familie, doch hat sie auch 
große Bedeutung für den Aufbau zukünftiger Generationen. 

Der Hausfrieden, der selbst die intimsten Sphären des 
Familienlebens betrifft, die Reinheit des Hauses, bei der es um 
die sensibelsten Feinheiten der Sittlichkeit geht, und der 
Schabbat-Lichterglanz, der die höchsten spirituellen 
Bestrebungen der Familie symbolisiert, all jene berühren 
gleichzeitig zwei gegensätzliche Pole. Einerseits das individuelle 
Allerheiligste, das auf wundersame Weise mit seinem 
Gegenüber, dem Allerheiligsten aller Generationen 
zusammengenommen, eine innige Bindung eingeht. Darin liegt 
die Macht des Zeltes der Stammeltern, dessen Individualität so 
eng mit dem Einfluß auf alle zukünftigen Generationen 
verbunden ist, daß sie sich nicht mehr voneinander trennen 
lassen. 
 
 
 
Zum Gebet
 

Der die Toten wiederbelebt
 

Rav Uri Scherki
MACHON MEIR

Der zweite Segensspruch der Schmone-Esre will uns die 
Mächtigkeit G~ttes bewußt machen, oder, modern ausgedrückt, 
sein Können. Der Talmud erklärt bereits, man könne gar nicht 
alle Machttaten G~ttes nennen, wie es heißt: "Wer spricht aus 
die Machttaten des Ewigen, verkündet all seinen Ruhm?" 
(Psalm 106,2), und beschränkt sich bei der Deutung der 
"Mächtigkeit" hauptsächlich auf die Fähigkeit, die Toten 
wiederzubeleben (Traktat Ta'anit). 

Dieser Segensspruch zählt sechsmal das Thema der 
Totenbelebung auf, was auf den ersten Blick übertrieben 
erscheint. Es heißt: "belebst die Toten, bist stark zum Helfen", 
danach "belebst die Toten in großem Erbarmen", und wiederum 
"hälst die Treue denen, die im Staube schlafen", und wieder 
"König, der du tötest und belebst und Heil aufsprießen läßt". 
Und wenn das alles noch nicht genug war, so heißt es am 
Ende: "Und treu bist du, die Toten wieder zu beleben", gar nicht 
zu reden vom Abschluß des Segens: "Gelobt seist du, Ewiger, 
der du die Toten wieder belebst". Wozu erwähnt der Beter 
sechsmal die Wiederbelebung der Toten? Anscheinend werden 
hier grundverschiedene Dinge angesprochen, obwohl sie sich 
hinsichtlich des Stils ihrer Präsentation sehr ähneln. 

1. Beim ersten Mal heißt es: "belebst die Toten", Gegenwart, 
nicht Zukunft; nicht, daß G~tt in Zukunft die Toten 
wiederauferstehen läßt, vielmehr belebt er Tote hier und jetzt. 
Und wer sind diese Toten, die G~tt derzeit belebt? Wir haben 
keine andere Wahl als zu sagen, daß diese Toten wir alle selber 
sind, die in dieser Welt leben. Wir alle, denn ohne die göttliche 
Lebenskraft, die uns existieren läßt, wären wir alle nicht am 
Leben. Das ist der absolute monotheistische Glauben, wonach 
sich der Schöpfer, gepriesen sei er, in Allem befindet, und ohne 
seine lebensspendende Kraft nichts existieren könnte. Darum 
heißt es: "belebst die Toten", du belebst uns. Wir sind die 
Toten, die durch dich leben. 

2. "belebst die Toten in großem Erbarmen" - es gibt Tote, die 
großes Erbarmen zum Leben brauchen. Und wer sind diese 
Toten? "Die Bösewichte heißen schon zu Lebzeiten 'Tote', und 
die Gerechten heißen selbst im Tode 'Lebendige'" (Talmud 
jeruschalmi, Brachot 15b). Die Bösewichte verfügen nicht über 
genug Anrechte, damit ihnen das Leben vergönnt sei, und G~tt 
erbarmt sich ihrer und läßt sie trotzdem weiterleben - vielleicht 
werden sie bußfertig umkehren. Ist dies doch das Grundprinzip 
des Erbarmens, wie im Buche "Der Weg der Frommen" 
eingehend erläutert wird, daß nämlich das Erbarmen den 
Sündern als Fristverlängerung für die bußfertige Umkehr 
gewährt wird. Das ist die Bedeutung von  "belebst die Toten in 
großem Erbarmen". Bereits Rabbiner Schmu'el di Modina 
(Saloniki/Zfat, lebte vor etwa 450 Jahren; "MaHaRaSchdaM") 
erwähnte in einer seiner Responsen, daß die den talmudischen 
Weisen nachgesagte Fähigkeit der Totenbelebung nicht in 
ihrem einfachen Wortsinn zu verstehen sei, vielmehr 
veranlaßten sie viele Menschen zu bußfertiger Umkehr, da doch 
die Bösewichte "Tote" genannt werden, und ihre Umwandlung in 
Gerechte bedeutet praktisch ihre Wiederbelebung. An dieser 
Stelle läßt sich vielleicht ein Hinweis aus den Grundsätzen von 
Rabbiner Jehuda Aschkenasi einfügen: Wer behauptet, die 
Auferstehung der Toten sei kein Prinzip der Tora [und damit 
seinen Anteil an der kommenden Welt verwirkt], dessen Tora 
hat nicht die Kraft, zu bußfertiger Umkehr zu bewegen, d.h. 
Tote auferstehen zu lassen... - Weiter im Segensspruch:

3. "hälst die Treue denen, die im Staube schlafen". Wer sind 
jene, die im Staube schlafen, die nicht "im Staube tot" sind? So 
werden in allen unseren Quellen unsere Stammväter und -
mütter bezeichnet, die in der Höhle Machpela in Chevron 
(Hebron) begraben liegen - sie heißen überall die "Schlafenden 
von Chevron". Und was hat es mit der Treue auf sich, die G~tt 
ihnen hält? Damit ist der Bund gemeint, den G~tt mit ihnen 
schloß, daß nämlich ihre Kindeskinder eines Tages nach dem 
Lande Israel zurückkehren werden. Demnach bedeutet die 
Rückkehr der Nation in ihr Land, Gründung des Staates und 
Einsammlung der Verstreuten die dritte Wiederauferstehung der 
Toten, die im Segensspruch erwähnt wird; die Totenbelebung 
im nationalen Sinne. Und so drückte sich auch der Prophet 
Jecheskel aus, als er in der Vision der trockenen Gebeine 
sagte, die Rückkehr nach Zion sei wie die Auferstehung der 
Toten. 

4. Danach heißt es: "König, der du tötest und belebst und Heil 
aufsprießen läßt", ein Hinweis darauf, daß vor dem "Sprießen 
des Heils" das jüdische Volk eine Periode des "tötest und 
belebst" durchmachen muß, der Tötung des Exils und der 
Auferstehung des Volkes Israel in Vorbereitung des "Sprießens 
des Heils"; zu unserem Leidwesen ereigneten sich diese Dinge 
vor 60 Jahren im Holocaust. 

5. Der Segensspruch endet mit "Und treu bist du, die Toten 
wieder zu beleben". Hier ist bereits von der Zukunft die Rede, 
und gemeint ist die individuelle Auferstehung eines jeden 
Einzelnen, die wir für die kommende Zukunft erwarten. 

6. Der Segensspruch schließt mit "Gelobt seist du, Ewiger, der 
du die Toten wieder belebst". In diesem Satz werden alle 
Formen der Totenbelebung in einer Wesensheit 
zusammengefaßt, nämlich in der Mächtigkeit G~ttes.
 
 

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