DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT CHUKKAT *
Nr. 571
5. Tammus 5766

*(außerhalb Israels: Korach) 

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 19,1-22,1):
Wasser mit Asche der roten Kuh zur Beseitigung von Leichenunreinheit im Tempel; Mirjam stirbt, Brunnen versiegt, Volk murrt; Moscheh eröffnet neue Quelle, aber nicht genau wie von G~tt befohlen; Edom verweigert Durchreise; Aharon stirbt nach Übertragung der Hohepriesterschaft auf seinen Sohn Elasar; Kana'aniter greifen an und werden geschlagen; Volk will kein Manna mehr, Strafung durch Giftschlangen; kupferne Schlange; Volk singt Loblied; Eroberung von Moaw und Baschan (Transjordanien und Golan).
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Von Wasser zu Wasser

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

In kaum einem andereren Wochenabschnitt geht es so sehr um das Thema Wasser wie in Parschat Chukkat. Es fängt bereits an mit der Sprengung des Sühnewassers mit der Asche der roten Kuh, und führt mit einem historischen Abstand von 38 Jahren zum Haderwasser (Num. 20,13), und dann noch zum Lied am Brunnen (21,17). Dazwischen fallen die Verhandlungen mit Edom, bei denen sich Israel verpflichtete: "Wir werden nicht Wasser aus den Brunnen trinken...; und wenn wir... dein Wasser trinken, so will ich den Preis dafür geben" (Num. 20,17+19). Schließlich sind noch die Wunder des Krieges gegen die Emoriter zu erwähnen, als man die Feinde im "Ausfluß der Bäche" sah (21,15, Raschikommentar).

Fast von alleine bietet sich der Vergleich zwischen den Wasser-Wundern an, die den Kindern Israels zu Beginn ihrer Wüstenwanderung widerfuhren, und jenen, die in unserem Wochenabschnitt vor dem Eintritt ins Land beschrieben werden. Die auffälligste Parallele, die die Kommentatoren beschäftigte, betrifft die Sünde am Haderwasser, zwischen dem Gebot, zum Felsen zu sprechen, und dem Gebot, den Felsen zu schlagen, wie im Abschnitt Beschallach in Refidim. Es gibt aber noch andere Parallelen: Das Lied am Brunnen im Vergleich mit dem Lied nach der Durchschreitung des Schilfmeeres, das Kriegswunder am Bache Arnon (Emoriter, s.o.) gegenüber der Teilung des Schilfmeeres (Ägypter), und in den Worten Raschis: "Ebenso, wie man von den Wundern am Schilfmeer erzählt, so ist auch von den Wundern an den Bächen des Arnon zu erzählen" (zu Num. 21,14; die Feinde lauerten in Höhlen und Felsspalten, wo sie von den Naturgewalten zerquetscht wurden).

Der Kommentar "Sfat Emet" lernte aus diesem Vergleich, daß so, wie der Gesang am Schilfmeer die Übergabe der schriftlichen Tora am Sinai vorbereitete, das Lied des Brunnens eine Art Vorbereitung auf die Übergabe der mündlichen Tora darstellte, und damit wird auch der wesentliche Unterschied dieser beiden Abschnitte beschrieben. (Nebenbei bemerkt: Dieser Gedanke des "Sfat Emet" paßt sehr gut zu einem ähnlichen Kommentar des "Meschech Chochma" zur Stelle, wonach das "Schlagen" auf den Fels durch Zureden, wie es Moscheh geboten worden war, die Offenbarung am Berge Sinai fortsetzt, wo das Hören der Stimmen so stark fühlbar war, daß man es sogar sehen konnte). Bei der Teilung des Schilfmeeres erscheint unser Lehrer Moscheh als die dominante Persönlichkeit - "und sie glaubten an den Ewigen, und an Moscheh, seinen Diener" (Ex. 14,31). Er ist es, der das Meer mit seinem Stabe teilt, und er ist es, der das Meer in seinen Urzustand zurückkehren läßt, ebenfalls mit dem Stabe. Diese Eigenschaft kennzeichnet auch sein Verhältnis zur schriftlichen Lehre, er ist es, der sie übergibt, und wir empfangen sie von ihm. Unsere Aufgabe dabei beschränkt sich darauf, uns der Tora zuzuneigen, wie der Stab zum Meer.

Demgegenüber glänzt Moschehs Name beim Lied am Brunnen durch seine gänzliche Abwesenheit, und das aus dem Grunde, weil sich die Kraft der mündlichen Tora im Lande Israel entfaltet und sich nicht auf eine bestimmte Persönlichkeit konzentriert, sondern im ganzen Volk Israel verwurzelt ist. Und so wie der Brunnen nicht an einen bestimmten Ort gebunden war, sondern das Volk Israel bei seinen Höhen und Tiefen begleitete, sprießt und entwickelt sich auch die mündliche Tora im alltäglichen Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft. Die Sünde am Haderwasser nun betraf das feine Bindeglied zwischen den Anleitungen der Lehre jener beiden Generationen. Moscheh war zwar geboten worden, den Stab zu nehmen und die Israeliten zu lehren, sich der Tora zuzuneigen, doch innerhalb dieses Erziehungsprozesses fand er nicht den rechten Weg, die Öffentlichkeit zu beteiligen, und seine Worte wurden ihm als Zornesausbruch ausgelegt. 

Der "Sfat Emet" fügt hinzu, daß der Unterschied zwischen diesen beiden Perioden noch woanders Ausdruck findet. Das Wunder der Rettung am Schilfmeer war ihnen bereits während des Ablaufes der Geschehnisse bewußt, wohingegen das Wunder der Rettung im Krieg gegen die Emoriter den Israeliten erst im nachhinein bekannt wurde, als das Blut der Emoriter das Bachwasser rot färbte. Dieser Unterschied hat eine tiefere Bedeutung, weil die Anleitung der Tora, die wir beim Eintritt in das Land Israel auf uns nahmen, uns zu Geduld verpflichtet und uns zu verstehen gibt, daß die Mühen des Lernens und der Erziehung nicht immer sofort erkennbare Ergebnisse zeitigen müssen. Im Gegenteil, sofortiger, spontaner Erfolg bei den Bemühungen um die Lehre muß einer gründlichen Prüfung unterzogen werden, ob sich denn das Ergebnis dieser Mühen wirklich einen Platz im Herzen dieses Schülers erworben hat oder vielleicht zu den Dingen gehört, die schnell erworben werden, aber genausoschnell auch wieder verschwinden...

Darin besteht die Herausforderung der Sünde am Haderwasser für alle Generationen. Alle großen Toralehrer sind dazu angehalten, sich der Kraft der Rede zu bedienen und an die Kraft des fortwährenden Einflusses der Tora auf die Schüler zu glauben, auch wenn er nicht sofort erkennbar ist. Andererseits muß sich die Allgemeinheit der Tora zuneigen und sich den jüdischen Gesetzen anpassen - und nicht umgekehrt.
 
 
 
HaRav Aviner

Die neue Front - Sderot

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Für den Erwerb des Landes Israel braucht man Opferbereitschaft. Jedesmal an einem anderen Ort. Einmal in den Siedlungen des Negev, ein andermal in den Kibbuzim am Kinneret ("See Genezaret"). Einmal in Bet Sche'an (Jordantal), ein andermal in Kirjat Schmona (Nordisrael). Einmal in Jerusalem, ein andermal in Jehuda und im Schomron (Judäa/Samaria). Heute verläuft die Front bei Sderot, zwischen Negev und Gasastreifen. Sderot für uns alle, und wir alle für Sderot!

"Eisen und Kupfer deine Riegel" (Dt. 33,25), das sind die Helden Israels an der Grenze des Landes, die das Land Israel wie mit Schlössern von Eisen und Kupfer abriegeln (Raschikommentar). 

Man muß sich nämlich bewußt sein, daß wir hier von böswilligen Völkern umgeben sind, wie von stechenden Wespen. Aber keine Sorge! Sie werden verschwinden. So wie alle anderen verschwanden, die uns in der Vergangenheit zusetzten. Denn der Herr der Welt hat bereits die Errettung seines Volk in Gang gebracht. Schon vor über hundert Jahren hat die Rückkehr nach Zion begonnen. Wir erleben bereits den "Sonnenaufgang" [Symbol der Erlösung, Talmud jeruschalmi Brachot 4b]. Auch wenn es sich um eine "Morgenröte" handelt [Codewort für Raketenalarm]. Denn um uns herum gibt es hunderte Millionen Feinde, und im Inland Millionen. Es ist dies eine Zeit des Krieges, und für den Krieg braucht man Mut.

G~ttseidank haben wir keine Angst vor ihnen, schon gar nicht vor schäbigen Terroristen, die über keine wirkliche Macht verfügen und nur auf Angst und Schrecken bauen. Darum darf man ihnen keinesfalls nachgeben, und entsprechend haben wir keine Angst vor ihnen. Sie sind sicher weniger gefährlich als Verkehrsunfälle, die 600 Todesopfer jährlich fordern, oder als das Rauchen, das jedes Jahr über zehntausend Menschen dahinrafft. Gefährlich ist nur die Furcht.

Es gibt eine Geschichte, die über Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") erzählt wird, als ein Scharlatan ihn von seinem Posten als Arzt des Sultans verdrängen wollte und zu diesem Behufe einen seltsamen Wettbewerb vorschlug: Wem es gelingt, den anderen zu vergiften, der sei der Arzt des Sultans. Natürlich würde Maimonides niemanden vergiften, aber der andere traute ihm nicht und aß nur, was seine vertrauenswürdigen Diener einkauften. Maimonides hingegen lebte normal, nur bewahrte er von jedem Lebensmittel eine Probe auf, die er bei seiner Rückkehr nachhause in seinem Labor untersuchte. Wenn er dabei etwas Giftiges fand, nahm er ein Gegenmittel. Der andere Arzt fürchtete sich jedoch immer mehr, aß nur noch Gemüse, die er selber in seinem Haus zog, und trank die Milch einer Ziege, die an sein Bett gebunden war. So ging es mit ihm bergab, bis er eines Tages starb. Sagte der Sultan zu Maimonides: Du bist der Größte, es gelang dir, ihn zu vergiften. Nein, sagte Maimonides, er ist nicht an Gift gestorben, sondern hat sich zu Tode geängstigt!

Wir verstehen, wenn unsere Knesset und unsere Regierung Angst haben. Auch als wir aus Ägypten zogen, hatten wir Angst, am Schilfmeer, obwohl wir über eine Armee von 600.000 Bewaffneten verfügten, worauf der Torakommentar von Rabbiner Awraham ibn-Esra hinweist. Dann die Sünde der Kundschafter - weil wir Angst hatten. Wir mußten 40 Jahre Wüstenwanderung mitmachen, um Mut zu erwerben, schrieb Maimonides im "Führer der Unschlüssigen". Damals wie heute hätten wir keine Angst zu haben brauchen.

Wir lieben Frieden. Wenn aber ein Feind zuschlägt, schlagen wir zurück. Selbst wenn er sich nur zu einem Schlag vorbereitet, müssen wir ihm zuvorkommen (Schulchan Aruch O.C. 329,6 Anm.) und den Krieg vor dessen Haustür tragen. Als der König von Ammon den Gesandten Davids den halben Bart abrasierte und den halben Mantel abschnitt, war das ein Grund, gegen ihn in den Krieg zu ziehen (Schmu'el II, 10.Kap.). Übertrieben? Nein! So fängt es an und geht böse aus. Darum war die Reaktion absolut moralisch. 

Einmal wurden ein Engländer, ein Franzose und ein Israeli von Kannibalen gefangen. Wie sie für den Kochtopf vorbereitet wurden, fragte der Engländer: "Und was ist mit der letzten Bitte?!". "Aber sicher; was wünschen Sie?" "Noch einmal das Bild der Königin sehen". Brachte man ihm, und er war beruhigt. Der Franzose: "Ich möchte ein Glas Wein aus meiner Heimat". Auch dieser Wunsch wurde erfüllt. Sagte der Israeli: "Und ich möchte, daß mir der Häuptling persönlich einen Tritt versetzt". Das war zwar gegen die Etikette, wurde aber trotzdem erfüllt. Da rappelte er sich auf, zerriß die Fesseln, zog eine Pistole hervor und erledigte alle Kannibalen. "Wenn Sie eine Pistole hatten - warum haben Sie denn nicht gleich zu Anfang geschossen?", fragten ihn seine Genossen. "Dann hätte man mich doch als unmoralisch verurteilt, weil ich angefangen habe"... Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen.

Und wer sind die wirklichen Helden? Die Einwohner von Sderot! Die Situation ist unerträglich mit dem Beschuß der Kassam-Raketen, die jung und alt, Männer, Frauen und Kinder jede Minute bedrohen. Doch keiner verläßt die Stadt. Das ist wirkliche Opferbereitschaft! Mancher opfert sich auf beim Torastudium, und mancher beim Gebet. Manche im Katif-Gebiet, und manche in Amona. Und jetzt gibt es Opferbereitschaft in Sderot, Woche um Woche, Tag um Tag, Stunde um Stunde. Das ist eine Opferbereitschaft für uns alle, und wir müssen uns alle als Bürger von Sderot ansehen. Wahre Helden!
 

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