DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BESCHALLACH
Nr. 551
13. Schwat 5766

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 13,17 - 17,16):
Ägypter verfolgen die Kinder Israels nach dem Auszug; 
Spaltung des Schilfmeeres; Übergang der Israeliten, Untergang 
der Ägypter; 2 Lobgesänge; erste Beschwerden; Man 
("Manna"); freitags doppelte Menge, reicht auch für Schabbat; 
wiederum Zank um Trinkwasser; Moscheh schlägt den Felsen; 
Überfall der Amalekiter; Gebot, Amalek in allen Generationen zu 
bekämpfen.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Willensfreiheit und Vorsehung

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Die Entscheidungsfreiheit bildet das Fundament für jegliche 
menschliche Verantwortlichkeit, wie Rabbiner Moscheh ben 
Maimon ("Maimonides") in den Gesetzen der Umkehr (Tschuwa
5,1) schrieb: "Jedem Menschen ist die Willensfreiheit gegeben. 
Will er sich dem guten Wege zuneigen, um ein Gerechter zu 
werden, so hat er die Freiheit, will er sich dem schlechten Wege 
zuwenden, um so ein Bösewicht zu werden, so hat er auch 
hierzu die Freiheit" und fügte hinzu: "Diese Idee der 
Willensfreiheit ist eine wichtige Grundwahrheit, sie ist das 
Fundament der Tora und der Gebote" (5,3). Trotz der 
Bedeutung der Willensfreiheit schrieb Rabbiner A.J.Kuk in 
seinen Erklärungen zum Sidur: "Eine Grenze hat die Freiheit 
des Willens, der durch die Eigenschaft der Wahl hervorsticht, 
überall, wo er sich findet. Ebenso bestehen auch bei jenen 
Erscheinungen, die uns von seiten der Wahl des Menschen frei 
zu sein dünken, in der Tiefe ihres Wesens dem Auge 
verborgene und unsichtbare Zwangsläufigkeiten" (Olat Ra'aja
S.85). Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß es im 
Allgemeinen der Mensch ist, der die Entscheidungen über sein 
Verhalten trifft, manchmal allerdings liegt die Entscheidung nicht 
bei ihm, sondern bei verborgenen Gründen oder offenen 
Zwangsläufigkeiten, die ihn zu bestimmtem Handeln 
veranlassen. Wür müssen noch ein weiteres Prinzip nennen: Mit 
all ihrer Wichtigkeit betrifft die Willensfreiheit nur den Bereich 
des Individuums, der allerdings auch eine große Zahl von 
Individuen einschließen kann, doch die Auswirkungen der Wahl 
beeinflussen das individuelle Leben, im Gegensatz zu 
historischen Abläufen von Nationen und Völkern im 
Allgemeinen, und denen des jüdischen Volkes im Besonderen. 
Hier entscheidet nicht die Willensfreiheit, vielmehr sind wir das 
Mittel in der Hand der göttlichen Vorsehung zur 
Implementierung eines vorausbestimmten Planes. Die jüdische 
Geschichte ist voll von Beispielen dafür. Nehmen wir einmal den 
Auszug aus Ägypten; dort heißt es: "Und es geschah, als 
Pharao das Volk ziehen ließ" (Ex. 13,17) - Pharao vertrieb die 
Juden schließlich gegen ihren Willen, wie der "Chatam Sofer
erklärte: "Die Massen des Volkes wollten nicht von alleine aus 
Ägypten ziehen... und der Auszug aus Ägypten machte sie böse 
und zornig, und ohne die Vertreibung wären sie nicht 
ausgezogen". In diesem Fall bestimmte also die himmlische 
Vorsehung den Ablauf der Geschichte, und nicht unsere 
Willensentscheidung.

Beim Volke Israel gibt es einige Dinge, die nicht der 
Willensfreiheit unterstehen, wie die Ausführung der Toragebote 
oder die Existenz des Volkes Israel. Bezüglich der Toragebote 
hat wohl jeder Einzelne Entscheidungsfreiheit, ob er sie 
einhalten oder ob er sie vergessen will, wenn aber viele 
Individuen in Anwendung ihrer Willensfreiheit die Ausübung der 
Gebote überhaupt gefährden und die Tora g~ttbehüte in 
Vergessenheit zu geraten droht, dann wird die göttliche 
Lenkung eingreifen und uns notfalls gegen unseren Willen zur 
weiteren Einhaltung der Tora nötigen: "Rabbi Schimon bar 
Jochai sagte: Behüte und bewahre, daß etwa die Tora bei Israel 
in Vergessenheit geraten könnte, denn es heißt: es wird 
unvergessen im Munde seiner Nachkommen bleiben" (Dt. 
31,21; Schabbat 138b). Oder wie beim Propheten Jecheskel: 
"Und meinen Geist gebe ich in eure Brust und mache, daß ihr 
nach meinen Satzungen wandelt und meiner Rechte wahret und 
sie tut" (36,27). Gleiches gilt für das Bestehen des jüdischen 
Volkes, das nicht von der Entscheidungsfreiheit abhängt, auch 
wenn jeder einzelne Jude assimilieren und sein Volk aufgeben 
kann. Sobald die Vorsehung an den Punkt gelangt, an dem die 
Assimilation den Weiterbestand des Volkes gefährdet, wird sie 
eingreifen und auf ihre Weise dafür sorgen, daß wir weiter als 
Juden leben. So erklären zwei Toragrößen der neueren Zeit, 
Rabbiner Naftali Z.J. Berlin aus Woloschin ("Neziw"; 1817-1892) 
und Rabbiner Me'ir Simcha aus Dvinsk ("Or Same'ach"; 1843-
1926) in ihren Torakommentaren. Zum Vers Num. 23,9 "Siehe 
da ein Volk, abgesondert wohnt es und unter die Völker läßt es 
sich nicht rechnen" schrieb der Neziw, wenn das Volk Israel 
seine Besonderheit wahrt und sich absondert, dann wird es in 
Sicherheit wohnen. Wenn es sich aber mit den Völkern 
vermischen will, dann wird es unter ihnen nichts gelten, und die 
Völker werden es hassen und verfolgen. Das ist einer der 
Gründe des Antisemitismus, der jene Juden zur Treue zu ihrem 
Volk zwingt. Einen ähnlichen Gedanken, aber auf anderem 
Wege, brachte Rabbiner Me'ir Simcha zum Vers Lev. 26,44 
"Und auch dann noch, wenn sie im Lande ihrer Feinde sind, 
habe ich sie nicht so verworfen, und nicht so ausgestoßen, daß 
ich sie völlig aufriebe..": Wer die Wege der himmlischen 
Vorsehung betrachtet, sieht in dem Fall, wenn die höchste 
Weisheit für das Volk Israel Wanderschaft durch das Exil in den 
Ländern der Völker bestimmt hat, daß sie gleichzeitig an 
Vorsichtsmaßnahmen dachte, wie die Juden bestehen bleiben 
und sich nicht den Völkern assimilieren, denn wenn die 
Israeliten sorglos hunderte von Jahren in ihrem Exil sitzen, 
werden sie vergessen, Fremdlinge in einem fremden Land zu 
sein, bis sie das Exil sogar als ihren Ursprung ansehen und sich 
in ihrem Exil für aktive Bürger halten; dann wird er das Lernen 
seiner Religion zugunsten des Studiums fremder Sprachen 
aufgeben und Berlin für Jerusalem halten, und dann ist es nicht 
mehr weit bis zu vollständiger Assimilation. Und um das zu 
verhindern, wird G~tt einen sausenden Sturmwind wehen 
lassen, wird ihn von seiner Stelle entwurzeln, die Völker werden 
ihn vertreiben, und dann wird es ihm bewußt werden, daß er nur 
ein Fremdling in seinem Exil ist, und seine Sprache die Sprache 
unseres Heiligen und sein Ursprung vom Stamme Israel, und so 
werden die Nachkommen Awrahams im langen Exil überdauern. 
Ferner führte Rabbiner Me'ir Simcha aus, daß sich diese Dinge 
in der Geschichte des jüdischen Exils in Zyklen von 100-200 
Jahren wiederholen. Im Prinzip können wir diese Gedanken 
auch auf das Zeitalter der Erlösung des Volkes Israel anlegen 
und so die Vorgänge während der letzten hundert Jahre 
verstehen, seit unser Volk begann, in sein Land 
zurückzukehren. Auch hier laufen die Dinge nicht immer, wie wir 
geplant haben, und manchmal stören wir mit unserer Bosheit 
die Pläne G~ttes, der es nur gut mit uns meint, aber damit 
kommen wir nicht durch. In Wahrheit handelten wir nach den 
Wegen G~ttes bis zum Sechstagekrieg durch die Rückkehr des 
Volkes ins Land, die Einsammlung der Verstreuten, 
Bepflanzung der Öde und Gründung des Staates. Dann 
erhielten wir als Überraschung ein Geschenk vom Schöpfer der 
Welt in Gestalt der Ausweitung unserer Grenzen. Anscheinend 
war die Generation noch nicht dazu bereit, und wir versuchen 
sogar, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. 
Nichtsdestoweniger gehen die historischen Prozesse weiter 
voran, auch wenn die Willensfreiheit hier und da für Rückzüge 
sorgt.
 
 
Frage und Antwort

Was wird nur aus uns werden?!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich kann mich auf gar nichts mehr konzentrieren, die 
täglichen Krisen lassen mich nicht klar denken, so sehr sorge 
ich mich um die geographische Zukunft unseres kleinen 
Landes. Dazu bekümmert mich die Lage der Tora im Lande. 
Gibt es für all das eine Lösung?

Antwort: Sicher gibt es eine Lösung, natürlich außer den 
politischen Möglichkeiten. Da wir ein souveräner Staat sind, hat 
die jeweilige politische Führung großen Einfluß. Wir sind 
allerdings keine Politiker, trotzdem verfügen wir über bestimmte 
Kanäle der Einflußnahme auf das Leben unserer Nation.

Die Lösung finden wir in einem kurzen Spruch der talmudischen 
Weisen: "Zuerst nehme der Mensch das Joch der himmlischen 
Herrschaft auf sich, danach erst das Joch der Gebote" (Mischna 
Brachot 2.Kap.,2) - Glauben kommt vor Gebotserfüllung. Wenn 
ich glaube, dann lasse ich Taten folgen; wenn ich an die 
göttliche Heiligkeit der Gebote glaube, dann führe ich sie auch 
aus, in Ehrfurcht und mit Freude. Wenn ich an die tiefen 
familiären Bindungen zwischen mir und meiner Frau glaube, 
dann werde ich viel zu ihrer Wahrung und Weiterentwicklung 
investieren. Und wenn ich an die Heiligkeit des Landes Israel 
glaube, dann setze ich mich mit Haut und Haar dafür ein. 
Besteht doch der wahre Ratschlag zur Lösung der Probleme um 
das Land Israel darin, unser Volk mit dem Glauben zu 
durchfluten, daß dies unser Land ist, unser begehrenswertes 
Land, das Land unserer Heiligkeit, das Land unseres Lebens. 
Dieser Glauben ist der Motor für alle Taten.

Schon der englische Denker Chesterton stellte fest, daß "nichts 
praktischer sei als die Theorie". Einst unterhielten sich zwei 
Generale, sagte der eine zum anderen: Auch die Franzosen 
mußten am Ende Algerien räumen. Sagte der andere: Sie 
vergleichen unser Verhältnis zu Jehuda, Schomron und dem 
Katif-Gebiet mit dem Verhältnis der Franzosen zu Algerien?! 
Antwortete der erste: Genau das. Erwiderte der zweite: Dann 
haben wir uns nichts zu sagen.
Das ist also hier die Frage: Glauben wir, daß Jehuda, Schomron 
und Katif-Gebiet unser Land ist oder nicht? Wenn nicht, dann 
muß ich das wissen. Ich reise nämlich ab und zu ins Ausland, 
um zu den Herzen und zum Verstand der Juden dort zu reden, 
nach Israel einzuwandern. Ich hasse Reisen ins Ausland, aber 
für so eine wichtige Mitzwa (Gebot) muß man sich überwinden. 
Aber nun kann ich mir die Arbeit leicht machen und nahe bei 
meinem Hause in Bet El, in Psagot und Ofra, die Leute zur Alija 
(Einwanderung) bewegen... Vielmehr hängt alles vom Glauben 
ab, sowohl das Gebot der Besiedlung des Landes wie 
überhaupt alle anderen Gebote. 

Einmal wurde der "Chafez-Chajim" gefragt: Wie kann es 
angehen, daß ein Schüler, der viele Jahre in der Jeschiwa 
verbrachte, am Ende das Käppchen in die Ecke wirft? Wie läßt 
sich diese Krise erklären? Er antwortete darauf mit dem 
Gleichnis vom Kosaken. Der Kosak verkörpert den Höhepunkt 
militärischer Disziplin, und nach Beendigung seiner Dienstzeit 
erhält er eine ordentliche Pension, womit er den Rest seines 
Lebens in Wirtshäusern verbringt, in Suff und Keilereien, die 
häufig in der Ausnüchterungszelle enden. Wie konnte aus dem 
disziplinierten Soldaten ein Säufer werden? Ganz einfach: 
Schon in der Armee war er mit seinen Gedanken im Wirtshaus. 
Ebenso verhält es sich mit jenem Jeschiwa-Schüler. Er lernte 
zwar viel, mit seinen Gedanken und seinem Herzen war er 
allerdings ganz woanders. Taten ohne Glauben. Er geriet in 
überhaupt keine Krise, denn er hatte den Antrieb durch Glauben 
längst vorher verloren. 

Und noch ein Beispiel, von zwei Schulklassen: In einer herrscht 
strikte Ordnung, königliche Stille, saubere Hefte, Hausaufgaben 
immer tiptop. Nur eines fehlt: Das innere Bedürfnis zu lernen 
und zu wissen. In der Parallelklasse hingegen geht es laut zu, 
es herrscht Durcheinander, aber dem Lehrer gelang es, bei den 
Kindern den Wissensdurst zu erwecken, und so werden sie 
immer weitermachen und ihr ganzes Leben lang lernen.

Und noch ein Beispiel: In der Notaufnahme des Krankenhauses 
werden zwei Patienten eingeliefert, der eine blutüberströmt, der 
andere vollkommen sauber und normal, doch gerade für den 
letzteren alarmiert der Notfallarzt die gesamte Belegschaft, 
während er den ersteren ins Nebenzimmer beordert, sich dort 
mit Wasser und Seife gründlich zu waschen und dort zu warten, 
bis man für ihn Zeit hat. Wie kommt das? Ein Arzt läßt sich nicht 
von Blut beeindrucken, daß aus äußerlichen Wunden stammt, 
während der andere Kranke am Rande eines Herzinfarktes 
schwebt. Äußerlich macht er einen gesunden Eindruck, doch 
innerlich droht der Motor stillzustehen. - Dieser Motor ist der 
Glauben.

In dieser Hinsicht dürfen wir optimistisch sein. Wir besitzen ein 
Heilmittel für die Krankheit dieser Generation, ein sicheres 
Heilmittel, aber kein Wundermittel. Kein Wundermittel, in 
kürzester Frist alle so komplizierten Probleme zu lösen, aber ein 
sicheres Mittel, Glauben zu mehren, den Mut zu stärken und 
Freude zu bereiten.

Sehen wir doch, trotz aller schwerwiegenden Mißstände, die 
unser Leben begleiten, wie unsere nationale Wiedergeburt 
voranschreitet. Wir werden von enormer innerer Spiritualität 
erfüllt. "Vom Geiste des Maschiach strömen und wehen Winde, 
und siehe, sie gelangen bis zu uns, und wir lehnen uns auf, 
rütteln und schütteln uns und verlangen nach neuem Leben, 
Erneuerung unserer Tage wie vormals" (Rabbiner A.J. Kuk, 
Orot Hatechija §66).
 
 

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