DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BO
Nr. 550
6. Schwat 5766

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 10,1 - 13,16):
Die letzten drei Plagen: Heuschrecken, Finsternis und Tötung 
der Erstgeborenen; Definition des "ersten Monates"; 
Vorbereitungen zum Auszug aus Ägypten: Opferblut an 
Türpfosten, Opferlamm essen; Pessachgesetze; Kinder Israels 
backen Matze; Gesetze von Tefillin und Erstgeborenen der 
Haustiere zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Das erste Gebot der Tora

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

"Rabbi Jizchak sagte, die Tora hätte erst bei dem Abschnitt 
dieser Monat sei euch (Ex. 12,2) zu beginnen brauchen". So 
fängt Raschi seinen Kommentar der Tora an. Dazu läßt sich 
natürlich fragen, welche besondere Bedeutung gerade das 
Gebot von der Weihung des Neumonds hat, die es zum ersten 
Gebot macht, und nicht eines der allgemeinen Gebote wie "Ich 
bin der Ewige, euer G~tt" oder "Liebe deinen Nächsten wie dich 
selbst", ein wichtiges Prinzip der Tora. Desweiteren gilt zu 
fragen, warum G~tt dieses Gebot noch vor der Übergabe der 
Tora am Berge Sinai befiehlt, während sich das Volk noch in 
Ägypten befindet? Als Antwort bietet sich zunächst die mögliche 
Erklärung, daß das Volk ja für "den Zehnten des Monats" ein 
Schaf pro Haushalt als Pessachopfer bereithalten sollte, und 
wenn man nicht weiß, wann der Monat anfängt, dann weiß man 
auch nicht, auf welchen Tag der Zehnte des Monats fällt. 

Folgen wir allerdings dem Midrasch, erhalten wir eine viel 
generellere Bewertung des Gebotes der Neumondsweihe als 
eine bloße Ordnung des jüdischen Kalenders: "dieser Monat sei 
euch - womit läßt sich dies vergleichen? Mit einem König, der 
eine Uhr besaß; als sein Sohn alt genug war, sagte er zu ihm: 
Mein Sohn, bis jetzt war diese Uhr in meiner Hand, ab jetzt ist 
sie dir übergeben - so weihte der Heilige, gelobt sei er, die 
Monate und entschied über Schaltjahre, und als Israel reif war, 
sagte er zu ihnen: Noch ist die Berechnung der Monate und der 
Jahre in meiner Hand, von jetzt ab seien sie euch übergeben" 
(Tanchuma). Der Midrasch gibt noch eine weitere 
Beschreibung: "Sagte der Heilige, gelobt sei er: Von der Stunde 
an, als ich meine Welt schuf, trug ich meine Last, die 
Berechnung der Monate zu kalkulieren, ab jetzt ist sie euch 
gegeben, ihr aber seid nicht in ihre Hände gegeben". 

Das Gebot der Neumondsweihe bezieht sich auf die Herrschaft 
des Menschen über die Dimension der Zeit. Die Zeit ist eines 
der drei Dinge, von denen sich der Mensch nicht abkoppeln 
kann: 1. Ort, 2. Zeit, 3. Willen. Die Bedeutung der Zeit besteht 
darin, daß sie dem Menschen den Rahmen für die 
Verwirklichung seiner Lebensziele bietet, und der Schlüssel 
dazu ist die Frage, ob der Mensch über seine Zeit herrscht, oder 
ob die Zeit über seinen Tagesablauf herrscht. In Ägypten waren 
die Israeliten als Sklaven Pharaos nicht Herren über ihre eigene 
Zeit, denn dem Sklaven wird nicht nur sein Lebensweg von 
Anderen bestimmt, sondern auch sein ganzer Tagesablauf, sein 
Lebensrhythmus und die Form, die sein Leben annimmt. Darum 
kann es nicht verwundern, wenn das jüdische Volk in Ägypten in 
49 Stufen der Unreinheit versank, trotz Wahrung seiner 
jüdischen Identität. Als nun G~tt dem Volke Israel Tora und 
Gebote geben wollte, hielt er es für angebracht, damit bereits in 
Ägypten zu beginnen und zu verkünden, daß ihr Zustand in 
Ägypten nicht unwiderruflich sei, und im Gegensatz zu ihrer 
momentanen Lage würden sie ab sofort Herren über ihre eigene 
Zeit sein, wie es weiter im Midrasch heißt: "dieser Monat sei 
euch - euch sei er gegeben, und ihr seid nicht in seine Hände 
gegeben". Solange nämlich der Mensch nicht der Herr über sein 
eigenes Leben ist, macht es keinen Sinn, ihm zum Einhalten der 
Toragebote zu verpflichten. Darum mußten die Israeliten diese 
Information noch vor der Übergabe der Tora am Sinai erhalten, 
um die neue Gegebenheit der Herrschaft über ihre eigene Zeit 
schon verinnerlichen zu können.

Darum war das Wissen um die Tatsache, daß der Mensch über 
die Zeit herrscht und nicht die Zeit über den Menschen, so sehr 
wichtig für die Generation des Auszugs aus Ägypten, doch ist 
sie nicht weniger bedeutsam für jeden Menschen, gleich 
welcher historischen Periode. Denn nicht nur ein Sklave, 
sondern auch jeder, der formal über sich selbst und seine Zeit 
herrscht, ist nicht immer wirklich frei, wie es Rabbi Jehuda 
Halevi in einem Gedicht beschrieb: "Knechte der Zeit sind 
Knechte von Knechten". Darum betont das Gebot der 
Neumondsweihe auch den "Freien" gegenüber die Bedeutung 
der Zeit, und die Fähigkeit des Menschen, sie zu heiligen, den 
Lebensrahmen, den der Mensch als Geschenk des Himmels 
erhielt. 

Das Leben besteht aus "Zeiteinheiten", der eine Mensch erhält 
mehr, der andere weniger, und jeder hat nun die Aufgabe, die 
ihm zugeteilten Einheiten mit Bedeutung zu füllen. Hier setzt die 
Tora an mit ihren Geboten, dem Menschen zu helfen, seine Zeit 
sinnvoll zu nutzen. Die Notwendigkeit dieser Unterstützung 
ergibt sich aus dem Umstand, daß der Mensch auf sich allein 
gestellt in der Wirklichkeit wie im Dunkeln herumtappt, 
Überlegungen anstellt und sich fragt, mit welchen Werten 
seinen persönlichen Lebensweg richtig zu gestalten. Zwar 
gelingt es dem Menschen häufig, aus eigener Kraft einen Teil 
seines Lebens erfolgreich zu führen, sei es durch 
verstandesmäßige Einsicht, sei es auf Weisung seines 
Gewissens oder seine natürliche Anständigkeit, "da G~tt den 
Menschen schlicht geschaffen" (Kohelet 7,29). Dennoch ist der 
Mensch nicht gegen Fehler und Irrtümer gefeit, sei es durch 
natürliche Beschränkungen, sei es durch ein eingeschränktes 
Vermögen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, zwischen 
Wahrheit und Lüge. Darum war es nur angebracht, an die 
Spitze der 613 Ge- und Verbote der Tora das Gebot der 
Neumondsweihe zu stellen, die die Herrschaft des Menschen 
über die Zeit symbolisiert. Ohne diese Herrschaft wäre es 
unmöglich, den richtigen Lebensweg nach dem Willen G~ttes 
einzuschlagen.
 
 
 
HaRav Aviner

Rabbiner sind keine Zauberkünstler

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Rabbiner sind keine Zauberkünstler, die die Welt auf den Kopf 
stellen und jedes Problem mit einem Segen lösen können. Zwar 
heißt es im Talmud: "Wer einen Kranken in seinem Hause hat, 
gehe zu einem Weisen, daß er für ihn um Erbarmen flehe" 
(Baba batra 116a), und im Kommentar "Nimukej Josef" dazu: 
"Ein Brauch, daß jeder, der einen Kranken hat, zu einem 
bedeutenden Rabbiner gehe und einen Segen für ihn erbitte", 
und so schrieb auch Rabbiner Isserles in seinen Anmerkungen 
zum Schulchan Aruch: "Wer einen Kranken in seinem Hause 
hat, gehe zum Weisen der Stadt, daß er Erbarmen für ihn 
erbete" (J.D. §335,10). Unerschütterliche Wahrheit - aber 
glauben Sie nicht, daß es damit getan sei. Das ist nur ein Teil, 
und zwar von "Gebet, Umkehr und milde Gaben wenden das 
böse Urteil ab" (Jomkippur-Gebet). Auch die Kraft des 
Rabbiners beruht auf seinem Gebete, und wie die talmudischen 
Weisen sagten, bekümmert er sich so sehr , bis er selber davon 
krank wird (Brachot 12b). 

Viele wenden sich an den Rabbiner mit Bitten wie: "einen Segen 
für vollständige Genesung", "gegen meine starken 
Rückenschmerzen", "für einen angemessenen und guten 
Ehepartner, himmelsfürchtig, Abstammung von Gerechten und 
Wahrheitsliebenden, mit gutem Charakter", "für meinen 
Lebensunterhalt", "weil meine Tochter nicht auf mich hört", "für 
Rettung vor sündigen Gedanken", "für schnelle, vollkommene 
Erlösung", "für himmlische Hilfe auf allen Gebieten", "zum 
Erreichen höherer Stufen des Glaubens und des 
G~ttvertrauens". So wird der Rabbiner zu einem Segens-
Automaten. Das ist nicht der rechte Weg - selber gar nichts zu 
unternehmen und zu glauben, der Rabbiner zaubert das schon 
hin. 

Nein! Sondern: "Gebet, Umkehr und milde Gaben"! 
Torastudium und Gebotserfüllung! Himmelsfurcht und gute 
Charaktereigenschaften! Diese sind es doch, die wir der 
schriftlichen und mündlichen Tora entnehmen. Denen läßt sich 
natürlich Segen und Gebet des Rabbiners hinzufügen, aber 
man darf nicht glauben, dies sei alles, eine Art Universalpatent. 
Nicht mit einem Wort steigt man in den Himmel, wie Rabbi 
Jehuda Halevi schrieb, und nicht mit einem Wort löst man alle 
Probleme. Man muß dafür was tun. 

Überhaupt sollte man Rabbiner nicht mit Dingen belästigen, von 
denen sie nichts verstehen. Zum Beispiel sind sie keine Ärzte. 
Manche sammeln zwar im Laufe der Zeit einige Erfahrung an 
und können hier und da einen Ratschlag erteilen - wie jeder, der 
Erfahrung sammelt - aber nicht wie ein gelernter Arzt. Ebenso 
sind sie keine Wirtschaftsfachleute, aber auch hier können sie 
aus gesundem Menschenverstand mal einen guten Rat erteilen, 
aber nicht in ihrer Eigenschaft als Rabbiner. Schon der Autor 
des "Tanja" (Chabad/Lubawitsch) beschwerte sich über die 
Belästigung mit Fragen zu materiellen Angelegenheiten, mit 
Fragen der Berufswahl, wo bereits die talmudischen Weisen 
sagten, sieben Dinge seien vor dem Menschen verborgen, 
darunter, wieviel er verdienen wird, und wann das messianische 
Königtum erstehen werde. Daraus ersieht man, daß in diesen 
Fragen auch ein Rabbiner keine Auskunft geben kann. Wenn 
die Tora dennoch den Rabbinern Rat und Rettung zuschreibt - 
dann nur in Fragen der Tora (Igrot Hakodesch 22). 

Entsprechend sind Rabbiner in folgenden Dingen zu 
konsultieren: bezüglich des Dienstes an G~tt, und ob man an 
einem toratreuen Ort wohnen sollte (siehe "Sprüche der Väter", 
Ende des 6.Kap.), ob man seine Kinder an eine religiöse Schule 
schicken sollte, ob man bei einer Hochzeit Männer und Frauen 
gemischt oder getrennt sitzen lassen sollte, ob man lieber Tora 
lernen oder Zeitung lesen sollte, ob man üble Nachrede reden 
und lügen, ob man beleidigen und fluchen darf. Auf allen 
genannten Gebieten sind die Rabbiner wahre Experten. 

Sie verstehen nichts von Immobilienhandel und 
Börsenspekulationen, können aber sagen: Gebe nicht mehr 
aus, als du einnimmst, lebe nicht von Bankschulden oder 
gutherzigen Geldleihern auf Kosten derer, die das Geld wirklich 
brauchen; verzichte lieber auf Auto und Handy. Sie verstehen 
nichts von Autos, können aber wohl sagen: Hüte deine Seele - 
fahr vorsichtig!

Einen Rabbiner braucht man auch nicht um Rat zu fragen, 
welchen Namen man seinem Kind geben sollte; Hauptsache, 
nicht den Namen eines Bösewichtes, auch nicht einen 
Jungennamen für ein Mädchen und umgekehrt, oder einen 
Namen, der dem Kind später unangenehm ist; er kann aber 
guten Rat geben in der Frage segensreichen Einflusses auf die 
spirituelle Entwicklung des Kindes, und deshalb keinen 
Fernseher, Video oder Internet im Hause zu halten, stattdessen 
bestimmte Zeiten dem Torastudium zu widmen. 

Eines aber ist sicher - der Rabbiner ist kein Zauberer, er kennt 
sich nicht auf allen Gebieten aus, und er braucht auch nicht 
Alles zu wissen. Er wird gerne helfen, aber Sie müssen selber 
Verantwortung übernehmen. 

Selbst in den Angelegenheiten, die das Land Israel betreffen, 
verfügen die Rabbiner über keine Patentrezepte. Übrigens, 
schon unser Lehrer Moscheh hatte keine, er konnte z.B. die 
Sünde vom goldenen Kalb nicht verhindern; und auch die 
übrigen Propheten hatten keine, denn sie konnten die 
Zerstörung des ersten Tempels nicht verhindern. Das Land 
Israel gehört zu den Dingen, für die Opferbereitschaft 
erforderlich ist. Dazu sollte man wissen, daß uns für 
Opferbereitschaft keine Wunder versprochen wurden. "..daß ich 
geheiligt werde unter den Kindern Israels" (Lev. 22,32) - "..wenn 
einer sein Leben hingibt, soll er es zum Tode bereit hingeben; 
denn, wer es hingibt, weil er auf ein Wunder rechnet, dem 
geschieht kein Wunder; so finden wir bei Chananja, Mischa'el 
und Asarja, daß sie nicht auf ein Wunder rechneten, als sie ihr 
Leben hingaben" (Raschikommentar), und Jehuda Makkabi 
sagte seinen Soldaten: Wir werden unsere Pflicht tun, "und G~tt 
wird das tun was gut ist in seinen Augen" (Buch der 
Chaschmonäer). 

Ausgezeichnet, daß Sie das Gebot erfüllen: "Wähle dir einen 
Rabbiner", so stehen Sie mit einem Toragelehrten in ständiger 
persönlicher Verbindung - aber nicht, um sich in seinem Glanz 
zu sonnen und selber "Judentum-lite" zu halten ohne jede 
eigene Anstrengung! Nehmen Sie sich ein Beispiel an seiner 
persönlichen Führung, das ist mehr wert als tausend gelehrte 
Vorträge. Übernehmen Sie seine guten 
Charaktereigenschaften, seine Himmelsfurcht, sein 
fortwährendes Toralernen, seine Mildtätigkeit, seine "Liebe 
deinen Nächsten wie dich selbst". 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
www.israelnn.com
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israelische Zeit (nur hebräisch!) 
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Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di. 23.00-24.00, 
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