DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHA'ALOTECHA *
Nr. 568
14. Sivan 5766

* (außerhalb Israels: Nasso) 

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 8,1-12,16):
Dienstweihung der Leviten; 1.Pessach in der Wüste und Ersatztermin für Verhinderte; Reise und Lagern nach der Wolken-/Feuersäule; die silbernen Alarmtrompeten; Zugordnung des Lagers; Trennung von Jitro; Klage über einseitige Diät; Wachtelschwemme und Strafung; Einsetzung von 70 Weisen zur Unterstützung Moschehs; 2 neue Propheten im Lager; üble Nachrede von Mirjam und Aharon über Moscheh, Aussatzstrafung Miriams.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Sieben Lichter

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Wir, die wir uns an elektrisches Licht gewöhnt haben, sehen im Kerzenlicht eine eher unbedeutende Beigabe, die im Licht der übrigen Lampen untergeht. Wir messen dem Kerzenschein allerhöchstens symbolische Bedeutung zu, etwa um eine besondere, festliche Atmosphäre zu schaffen. Diese Realität erweckt in unserer Generation die nicht unerhebliche religionsgesetzliche Frage, worin der Sinn der rabbanitischen Verordnung zum Zünden der Schabbatlichter besteht [damals die einzige Lichtquelle]. Es gibt sogar rabbinische Autoritäten, die verlangen, man müsse beim Zünden der Schabbatkerzen auch das elektrische Licht im Sinn haben.

Demgegenüber sollten die Lichter des Tempelleuchters tatsächlich für eine besondere Atmosphäre sorgen, und außerdem wirkliche Beleuchtung bewirken - "so sollen die sieben Lampen leuchten nach der Vorderseite des Leuchters" (Num. 8,2); dazu ist der Standort des Leuchters von Bedeutung. Gibt es denn einen besseren Ort als die Halle des Tempels, das Heiligtum, für die Aufstellung der Menora, im Zentrum, wo sich auch die anderen Geräte befinden und darum dort Beleuchtung nötig ist? Und dennoch tun sich Talmud, und in der Folge die Kommentatoren, mit der Erklärung des Gebotes vom Zünden dieser Lichter schwer und brachten andere Deutungen und Gedanken zu diesem Thema vor.

Der Talmud fragt verwundert: "Brauchte er etwa deren Licht?" (Schabbat 22b) und fügt hinzu: "wo doch die Kinder Israels die ganzen vierzig Jahre bei Seinem Lichte gewandert sind?!" Allem Anschein nach bezieht sich diese Frage nicht auf die Gesamtheit der Dienste im Heiligtum, über die man alle fragen könnte, wozu G~tt sie denn nötig habe; vielmehr bezieht sie sich spezifisch auf die Lichter der Menora. Vielleicht aus dem Grund, weil das Zünden der Menoralichter keinen direkten Nutzen für den Dienst im Heiligtum bringt, im Gegenteil, sie werden erst am Ende des Arbeitstages angezündet, nachdem alle Opfer bereits dargebracht wurden. Die Lichter brannten nämlich vor allem während der Nacht, wenn die Tore des Tempels verschlossen sind und dort gar kein Dienst verrichtet wird.

Darum bevorzugte der Sforno-Kommentar die Deutung des Menoralichtes als Selbstzweck, nicht zu äußerlichem Nutzen, d.h., die westliche Lampe bildet den Mittelpunkt, und die übrigen, rechts und links davon, wenden sich ihr zu. Nach seiner Ansicht soll dieses Gebot daruf hinweisen, daß die Tora alle Kräfte Israels um sich schart, auf der rechten Seite jene, die für die Weisheit zuständig sind, und auf der linken Seite, die für die tatkräftige Ausführung zuständig sind. Ähnlich erklärt auch der Kommentar "Ha'emek davar", daß die sieben Lichter des Tempelleuchters die sieben Säulen der Weisheit symbolisieren, auf denen die Welt ruht, und diese haben solange Bedeutung, wie sie dem Torastudium dienen und die Tora im Mittelpunkt steht.

Rabbiner A.J.Kuk formulierte diesen Gedanken, wie es seine Art war, auf allgemeinere Weise, entsprechend der Antwort, die der Talmud zur Stelle gibt: "Vielmehr, dies sei ein Zeugnis für alle Weltbewohner, daß die Göttlichkeit in Israel weilt". Er betonte, daß die Bedeutung des Leuchters vor allem darin besteht, daß sich das Licht der Göttlichkeit nicht auf das Allerheiligste beschränkt, und das Wunder, das mit ihm geschah [Chanukka], soll gerade das Gegenteil hervorheben - daß die Göttlichkeit im Volke Israel ruht und über den engbegrenzten Raum der Bundeslade hinausreicht. Darin besteht die wirkliche Prüfung der Erleuchtung durch die Tora, wie sie im Volke Israel und im täglichen Leben außerhalb des Tempels zum Ausdruck kommt.

Auf ähnliche Weise erklärte er das Gebet der Neumondsweihe, wo es heißt: "gib uns... Leben, daß wir erfüllt seien von Liebe zur Tora und Furcht des Herrn". Er wies darauf hin, daß es in dem Gebet nicht direkt um Liebe zur Tora und G~ttesfurcht geht, sondern um das Leben! Um ein Leben, das außerhalb des Lehrhauses geführt wird und nicht in der spirituellen Anspannung, die ganz natürlich in der Welt des Torastudiums existiert. Darum geht es in dieser Bitte: dieses Leben möge nicht abgekoppelt sein von den Werten des Lehrhauses, sondern von diesen erleuchtet werden, und der Ausdruck von "Liebe zur Tora und Furcht des Herrn" einen integralen Bestandteil davon darstellen.

Darin besteht die Essenz des Lichterzündens - "bis die Flamme von selbst emporstieg" (Raschikommentar zu Num. 8,2 nach Schabbat 21a), und von der geistigen Flamme ausgehend breitet sich das Feuer am Dochte des materiellen Lebens aus und erleuchtet es. 
 
 
 
Frage und Antwort

Liebe oder Krieg?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wir haben immer behauptet: "Die Bruderliebe wird siegen", aber das war ein Irrtum. Anscheinend eignet sich diese Parole hervorragend für Vorträge und Zeitschriften, in der harten Wirklichkeit hat sie sich jedoch nicht bewährt. Wir liebten - und verloren. Wenn man also das nächste Mal kommt, um uns aus unseren Häusern zu vertreiben, werden wir es nicht friedlich über uns ergehen lassen [wie bei der Judenvertreibung aus dem Katif-Gebiet], sondern zu anderen Mitteln greifen: Wir werden kämpfen und die entsprechenden Absichten mit Macht stoppen. Außerdem werden wir schon vorher bekanntmachen, daß wir nicht auf den Händen zu sitzen gedenken, und das wird seine abschreckende Wirkung sicher nicht verfehlen.

Antwort: 1. Ihr schlagt ein "Gleichgewicht des Schreckens" vor. Doch bevor wir darüber abwägen, ob dieser Weg gut und recht ist, sollten wir fragen, ob er überhaupt etwas nützen kann. Wir brauchen dafür nicht zum zweiten Mal das Rad zu erfinden, sondern können auf bereits gemachte Erfahrungen zurückgreifen. 

2. Begriffe wie "Gleichgewicht des Schreckens", "Abschreckung" und dergleichen stammen aus dem Vokabular der Kriegführung. Seit der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen und Interkontinentalraketen trat das "Gleichgewicht des Schreckens" an die Stelle des "Gleichgewichtes der Feuerkraft", was diverse Verteidigungsstrategien wertlos machte, an deren Stelle die Drohung mit tödlichen Vergeltungsschlägen trat.

3. In unserem Fall allerdings funktioniert die Geschichte nicht, denn ihr verfügt über keine Drohmittel. Die Sicherheitskräfte sind doch viel stärker als ihr. Wenn ihr vorhabt, "den Zionisten die Zähne zu brechen", wie in jenem dämlichen charedischen Lied, werden wir noch sehen, wer hier wem die Zähne bricht. Mit anderen Worten: Ihr werdet doch nicht auf unsere eigene Armee schießen wollen, und selbst wenn ihr wolltet, würdet ihr den kürzeren ziehen. Ihr wollt sicher auch keinen Bürgerkrieg, und selbst wenn ihr wolltet, könntet ihr ihn nicht gewinnen. Womit könnt ihr dann drohen? Mit Vandalismus an Armeeausrüstung! Vertreibung der Armee aus den Siedlungen, keine Soldaten mehr als Anhalter mitzunehmen und ihnen kein Benzin mehr zu verkaufen. Von solchen "Drohungen" läßt sich niemand beeindrucken.

4. Wenn eine kleine Gruppierung erfolgreich ein "Gleichgewicht des Schreckens" erzeugen will, muß sie sich ein Image des zu-Allem-bereit-sein zulegen, selbst dem größten Verbrechen, wie z.B. eine Handgranate in die Knesset zu werfen. Aber das habt ihr ja nicht vor.

5. Und selbst wenn, würde es nichts nützen, denn ihr habt es mit einer knallharten Generation zutun, die vor nichts Angst hat, "nichts flößt ihnen Angst und Schrecken ein... weder im Bereich der Gefühle noch in der Vorstellungskraft, weder im Materiellen noch im Spirituellen. Die Leiden und die furchtbaren Verfolgungen machten sie hart und stur, bis daß sie alle Wirrungen und Ängste nicht erschüttern können" (Rabbiner A.J.Kuk, "HaDor").

6. Außerdem wurde hier eine Grundannahme außerachtgelassen, nämlich daß ein "Gleichgewicht des Schreckens" nur zwischen verfeindeten Nationen wirkt, wie beim "Kalten Krieg" zwischen Russland und Amerika, oder bei verfeindeten Gruppen innerhalb eines Landes, wir aber sind ein im Wachstum befindliches Volk, das noch viele gemeinschaftliche Dinge zusammen aufbauen muß. Diese Grundannahme schließt seelische Abkopplung des einen vom anderen aus.

7. Macht euch nicht die demagogische Methode der scheinbaren Dichotomie der "Verneinung des Mittelbereiches" zu eigen: Entweder "Gleichgewicht des Schreckens" oder Arme verschränken und nichtstun! Es gibt eine Lösung, und zwar auf politischer Ebene, natürlich begleitet von Überzeugungsvermögen, ohne die sie nach einiger Zeit ins Leere läuft.

8. Damit gelangen wir zur Anleitung unseres Lehrmeisters Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, wonach wir weder mit Gewalt noch mit Druck Erfolg haben werden, auch nicht durch Schimpfen und Fluchen, sondern nur mit Liebe und Glauben (übrigens, auch eine Regierung wird bei ihrer Arbeit keinen Erfolg haben mit der von Zeit zu Zeit aufkommenden perfiden Idee, mit Gewalt innenpolitische Probleme lösen zu können, um damit vollendete Tatsachen zu schaffen).

9. Sicher ist unser Volk krank, doch läßt es sich heilen; die Heilung besteht allerdings nicht in der Spaltung, sondern in der Mehrung des Lichtes, um es zu seiner reinen israelitischen Natur zurückzuführen.

Nicht nur bei den übrigen Geboten geht der Glauben der Tat voran, sondern auch beim Gebote von der Besiedlung des Landes Israel. Genauso, wie wir bei den anderen Geboten nichts durch ein "Gleichgewicht des Schreckens" erreichen, verhält es sich auch beim Zionismus: beim Aufbau des Landes und der Rückkehr nach Zion, der Gründung des Staates und der Besiedlung der später hinzugewonnenen Gebiete; all diese wurden nicht durch ein "Gleichgewicht des Schreckens" erreicht, sondern durch inneren Willen. 

10. Doch dafür braucht man Geduld, wie es dem Lichte der Welt, Rabbi Schimon bar Jochai gesagt wurde: "Um meine Welt zu zerstören seid ihr herausgekommen?! Zurück in eure Höhle!" (Schabbat 33b). Dazu erklärte Rabbiner Awraham Jizchak Kuk: "Die Welt des Heiligen, gelobt sei er, macht einen sehr langsamen Reinigungsprozeß durch, und in der Zwischenzeit herrschen zerstörerische Ordnungen, doch vom Bösen und vom Häßlichen selber wird Gutes ausgehen, wenn es zum Guten umkehrt, darum heißt es Zurück in eure Höhle, um Weisheit zu mehren, um dann in voller Zufriedenheit mit dem Leben herauszukommen; nicht, um plötzliche Umwälzungen durch die Zerstörung der Welt auszulösen, sondern um sie Stück um Stück zu verbessern" ("Ejn Aja" zur Stelle).
 
 

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