DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHAR-BECHUKKOTAI
Nr. 565
22. Ijar 5766

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 25,1-27,34):
Gesetze des Siebentjahres, des Joweljahres (alle 50); Bodenrecht; Auslösung des Verarmten; Zinsverbot; Sklaven- und Arbeitsrecht; Götzenverbot; Schabbat heiligen; Wohlstand und Frieden bei Gebotsbeachtung, Armut, Tod und Exil bei Nichtbeachtung; Geldgegenwerte von dem Tempel geheiligten Personen und Sachwerten.

28. Ijar: Jom Jeruschalajim
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Manche sind gleicher

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Häufig umgibt eine apologetische Nebelwand jene Dinge im Judentum, die den Stand der Frau betreffen. Einerseits besteht Gleichheit zwischen Mann und Frau, denn beide beziehen sich auf das "Ebenbild G~ttes" im Menschen. "Und G~tt schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde G~ttes schuf er ihn; Mann und Weib schuf er sie" (Gen. 1,27), und weiter: "Am Tage, da G~tt schuf den Menschen, - in der Ähnlichkeit G~ttes machte er ihn - schuf er sie, Mann und Weib... und nannte ihren Namen Mensch, am Tage, da sie geschaffen wurden" (Gen. 5,1-2). Der Talmud bestärkt noch die Feststellung der Gleichheit der Geschlechter (Kiduschin 35a) mit drei grundsätzlichen Behauptungen: "..die Schrift hat damit die Frau dem Manne hinsichtlich aller Strafgesetze der Tora gleichgestellt... hinsichtlich aller Zivilgesetze der Tora... hinsichtlich aller Todesarten der Tora". Andererseits bestehen deutliche Unterschiede in vielen religionsgesetzlichen Bereichen, z.B. bei den zeitabhängigen Geboten, im Erb- und im Eherecht.

Es besteht keine prinzipielle Schwierigkeit, diese Unterschiede zu verstehen, denn sie bringen einerseits die unterschiedlichen Aufgaben der Geschlechter zum Ausdruck und andererseits deren unterschiedliche Mentalität. Ein Thema allerdings läßt sich nur sehr schwer erklären, nämlich die Liste der Schätzwerte. Dabei ist weder von einer bestimmten Aufgabe noch von einer bestimmten Funktion die Rede, sondern von Geldwert. Durch das gesamte Spektrum, vom einmonatigen Säugling bis zum Sechzigjährigen und darüber, ist der Geldwert des Mannes höher als der Geldwert der Frau.

Eine gründlichere Betrachtung dieses Themas ließe allerdings als eine vorschnelle Schlußfolgerung erscheinen, hierin eine Verachtung des absoluten Wertes der Frau zu sehen. Zuerst wollen wir unsere Aufmerksamkeit der Tatsache zuwenden, daß bei den "Schätzwerten" kein Unterschied zwischen einem Juden und einem Nichtjuden oder einem Sklaven gemacht wird. Daraus wird sofort ersichtlich, daß der in diesem Abschnitt beabsichtigte "Wert" gar nichts mit der spirituellen Einstufung des Menschen zu tun hat. Auch die Herabstufung des Übersechzigjährigen bei den Schätzwerten steht nicht im Einklang mit der Hochschätzung des Greises in unserer Tora, entsprechend dem Gebote "Vor einem grauen Haupte stehe auf und ehre den Greis" (Lev. 19,32), ganz im Gegensatz zu der Behauptung, "der Jugend gehöre die Welt"... Wir müssen zwangsläufig feststellen, daß der Wert, von dem in diesem Abschnitt die Rede ist, keinen absoluten spirituellen Wert betrifft, sondern eher etwas mit den Aufgaben und den Funktionen einer Person zu tun hat.

An dieser Stelle möchte ich meinem von Feinden ermordeten Kollegen Rabbiner Schimon Biran von Kfar Darom Dank zollen, der die folgenden Worte von Rabbiner Samson Raphael Hirsch in seiner letzten Predigt vor seinem Tode in der Synagoge von Kfar Darom zitierte: 

Der Geldwert einer Frau erscheint im allgemeinen in Vielfachem der Nummer 3 (3, 30) und 10 (10, 30), der Geldwert des Mannes dagegen als Vielfaches von 5 (5, 15, 50) und 10 (20, 50). Was sollen diese Zahlen andeuten? 

Die Nummer Zehn drückt Vollkommenheit aus. Darum erscheint sie und ihr Vielfaches beim Menschen in seinem Zustand der Vollkommenheit, während der Jugend, wo er den Höhepunkt der Vollkommenheit erreicht, und der Periode des tätigen Lebens, auf dem Höhepunkt seiner Aktivitäten. Zu anderen Zeiten erscheinen eher unvollkommene Zahlen. Die Nummer 3 steht für die Familie (Mann, Frau, Kinder), die Nummer 2 für das gesellschaftliche Leben (zwischen dem Menschen und seinem Nächsten oder seiner Umgebung), und die Nummer 5 weist auf die Kombination von diesen beiden.

Die Hauptaufgabe der Frau findet sich im Hause. Darum wird ihr die Nummer 3 zugeordnet. Als Kleinkind nur 3, als Erwachsene - 30. Während der Jugend, der Vollkommenheit - 10. Und auch im Seniorenalter, nachdem sie das Großziehen der Kinder beendet hat, kehrt sie zum Wert der Vollkommenheit zurück, nämlich 10. Der Mann dagegen hat eine doppelte Aufgabe zu bewältigen: im Hause und außerhalb des Hauses. Darum wird er mit 5 berechnet, 2+3. Als Kleinkind 5, im Alter der Verwirklichung der persönlichen Vollkommenheit durch Aktivität im Hause und in der Gesellschaft - 50, und während seiner Jugendzeit, wenn er noch an seiner Vollkommenheit arbeitet - 20, 10 fürs Haus und 10 für außerhalb. Im Alter besteht ein Unterschied zwischen diesen beiden Anteilen: Einer von ihnen (wohl der Familienanteil) behält seine Vollkommenheit auf Dauer, und der andere Anteil (der nach außen gerichtete, das Arbeitsleben) wird weniger. Darum setzt sich sein Wert nun aus 10 plus der Hälfte von 10 zusammen.

Diese Feststellungen der Tora paßten gut in früheren Zeiten. Heute jedoch, wo man wohl fast jede Frau als eine "wackere Frau" (Eschet chajil) bezeichnen kann, "die dem Kaufmannsschiffe gleicht, das aus der Ferne sein Brot bringt" (Sprüche 31,14), sieht die Lage ganz anders aus. In vielen Fällen investiert die Frau alle ihre Kräfte außerhalb in ihrer Verantwortlichkeit für das Haus, wohingegen sich der Mann wohl auch außerhalb einsetzt, das Haus aber vernachlässigt...

Die Tora kommt nicht daher, Zweifel an den praktischen Funktionen der Frau im modernen Leben anzubringen, sondern an ihrer Aufgabe bezüglich der Rollenerwartung. Man darf von der Frau nicht die Rolle einer "Superwoman" sowohl als Hausfrau als auch Brotverdiener erwarten, so wie man den Mann nicht von seiner Anwesenheit und Tätigkeit im Hause als Familienvater befreien sollte. Die Anwesenheit der Frau im Hause - als Partner und Mutter - ist ihre Aufgabe. Ihre Tätigkeit außerhalb - in Freiwilligkeit gegenüber der Familie oder der Gesellschaft. Die Verantwortung für das Verdienen des Lebensunterhaltes lastet nicht auf ihr, sondern auf ihrem Ehemann. Sie kann dazu einen freiwilligen Beitrag leisten, obwohl sie dazu nicht verpflichtet ist. Sie kann auch das Haus für Arbeit verlassen, um eine gewisse Selbstbestätigung zu fühlen und einen persönlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben zu leisten - aber nicht als Resultat gesellschaftlicher Rollenerwartung, sondern aufgrund persönlicher Entscheidung. 

Entsprechend mein Aufruf an die Führung der Wirtschaft: Schafft keine Realität, die jede Frau voll und ganz ins Berufsleben einspannt (durch ein aufgeblasenes Netz von Ganztages-Kindergärten usw.), befreit sie, macht mit ihr keine Geschäfte! Gebt ihr die Möglichkeit, freiwillig eine Arbeit nach ihrem Willen auszuüben, in einem Maße, wie es ihr am Besten paßt.
 
 
 
HaRav Aviner

Wehrdienst für Mädchen?
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Unser Lehrmeister Rabbiner Zwi Jehuda Kuk sagte, theoretisch seien auch Frauen zur Teilnahme an einem "Mitzva-Krieg" verpflichtet, wie es in der Mischna heißt: "..sogar der Bräutigam aus seiner Kammer und die Braut unter dem Baldachin" (Sota 44b). Entsprechend entschied Maimonides in seinem Gesetzeswerk: "In den Mitzva-Krieg ziehen alle, sogar der Bräutigam aus seiner Kammer und die Braut unter dem Baldachin" (Gesetze von Königen und Kriegen, 7.Kap, Hal.4). Unsere heutige Lage entspricht der Definition des "Mitzva-Krieges" sowohl nach der Ansicht Nachmanides' als Krieg zur Eroberung des Landes, als auch nach Maimonides als "Hilfeleistung Israels zur Rettung vor Bedrängnis" (ebda. 5,1), was aus dem Toragebot "stehe nicht still beim Blute deines Nächsten" (Lev. 19,16) abgeleitet wird. 

Doch schon sagten die talmudischen Weisen: "Es ist die Weise des Mannes, zu erobern, und es ist nicht die Weise der Frau, zu erobern" (Jewamot 65b), und deswegen wollte Rabbiner David ben Simra, ein Kommentator Maimonides', dessen Entscheidung etwas abmildern, indem er die Aufgabe der Frauen nicht in der aktiven Teilnahme an Kampfhandlungen sah, sondern in der Unterstützung ihrer Ehemänner, "die sie mit Wasser und Nahrungsmitteln versorgen". Doch diese Interpretation findet sich weder in der Mischna noch in der Gemara (Talmud) und auch nicht bei Maimonides, der die Mischna wörtlich übernahm, und er hatte mit Sicherheit sämtliche militärische Funktionen im Sinn.

Entsprechend ist der talmudische Ausspruch "es ist nicht die Weise der Frau, zu erobern" nach Maimonides nicht auf den "Mitzva-Krieg" anzuwenden. Und was das Tragen von Waffen angeht, das den Frauen wegen "es soll nicht sein Gerät des Mannes auf einem Weibe" (Dt. 22,5; Nasir 59a) verboten ist - bei Lebensgefahr hat es keine Gültigkeit.

Soweit die prinzipielle Untersuchung des Themas durch Rabbiner Kuk. Er fügte allerdings sofort hinzu, daß für die in der Praxis anwendbare religionsgesetzliche Entscheidung noch viele andere Faktoren mitberücksichtigt werden müssen, zum Beispiel sittliche Probleme und Versuchungen. "Beim Armeedienst der Mädchen besteht die Gefahr moralischen Verfalls, und ein Mädchen hat es schwer, seine sittliche Unbefangenheit zu bewahren... Es steht fest, daß die Sittlichkeit in der Armee angeschlagen ist". 

Darum verwies Rabbiner Kuk in dieser Sache an "den Richter, der in selbigen Tagen sein wird" (Dt. 17,9), d.h. an das israelische Oberrabbinat. Bekanntlich verbat das Oberrabbinat den Militärdienst für Frauen in jeder Form, und dieses Verbot ist bis heute gültig.

Rabbiner Kuk veröffentlichte seine Entscheidung gegen den Armeedienst für Frauen erst später, entsprechend der Interpretation von Rabbiner ben Simra, nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern wegen fehlender Sittlichkeit, und sah im Ersatzdienst (Scherut le'umi) die angemessene Weise des Dienstes der Mädchen für das Volk und das Land Israel: "Als ein Zustand konstant bestehender Heiligkeit erreicht war, bei einem Mitzva-Krieg die Braut ihren Baldachin verläßt, bedeutet nach Festlegung und gründlicher Klärung durch den großen der nachmaimonidischen Rabbiner David ben Simra die Ünterstützung der Armeemitglieder, und in dieser Zeit ist dies organisatorisch im Scherut le'umi verwirklicht, unter Berücksichtigung heiligen Respektes der talmudischen Weisen gegenüber Zuständen von Sittlichkeit und Sittenverfall, wie es am Ende des Traktates Kiduschin geschildert und erzählt wird". 

Selbstverständlich gleicht auch beim Scherut le'umi nicht ein Ort dem anderen, es gibt ordentliche Stellen, bei denen ein Toragebot besteht, dort Dienst zu leisten, und leider gibt es auch Stellen, wo das nicht der Fall ist. Darum lassen wir uns hier vom gleichen Prinzip wie beim Essen und Trinken leiten: So wie wir kein Nahrungsmittel zu uns nehmen, das nicht die Koscher-Bescheinigung eines autorisierten Rabbiners trägt, darf man keine Stelle beim Scherut le'umi antreten, die nicht von einem autorisierten Rabbiner (oder seiner Frau) überwacht wird. 

Doch was den Armeedienst für Mädchen betrifft, versperrte das Oberrabbinat diesen Weg vollständig, und so lehrte uns auch unser Meister Rabbiner Zwi Jehuda Kuk. 

Wenn sich ein Mädchen dennoch einberufen läßt, muß man auf jeden Fall den Schaden so gering wie möglich halten. In dieser Beziehung ist die "Aluma"-Organisation lobend hervorzuheben, die die Soldatinnen in weniger gefährdete Karrieren leitet und ihnen während ihres ganzen Dienstes hilfreich zur Seite steht. Wenn jemand schon fällt, muß man ihn ja nicht auch noch treten oder einen Stein hinterherwerfen...

Ebenso muß man die neue Armee-Vorbereitungsschule für Mädchen "Zahali varoni joschewet zion" ["Juble und jauchze, Bewohnerin Zions" (Jeschjahu 12,6); Anspielung auf "Zahal", die israelischen Verteidigungsstreitkräfte] würdigen, denn wenn ein Mädchen sich einmal unwiderruflich für den Armeedienst entschieden hat, muß man es in Tora und Himmelsfurcht stärken - denn Toralernen ist immer gut.

All dieses Lob bedeutet allerdings keine Legitimation des Armeedienstes für Frauen, sondern entstammt dem Verantwortungsgefühl für die jüdische Allgemeinheit, auch wenn sie nicht dem richtigen, guten, religiösen und geraden Weg folgt. Gibt es doch ähnliche, nichtreligiöse Vorbereitungsschulen, wo Jungen und Mädchen gemischt lernen, und auch eine gemischte Schule der Reformjuden, die alle den Einberufenen helfen und der Dachorganisation der Vorbereitungsschulen angehören. Dann besteht doch erst recht Raum für ein entsprechendes Institut für religiöse Mädchen.

Möge es uns vergönnt sein, von "Juble und jauchze, Bewohnerin Zions" (Jeschjahu 12,6) zu "Ganz Herrlichkeit weilt die Königstochter im inneren Gemache" (Psalm 45,14) zu gelangen.
 
 

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