DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BERESCHIT
Nr. 536
26. Tischri 5766

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 1,1-6,8):
Schöpfung, Adam und Chawa, Schlange, Vertreibung aus dem 
Garten Eden, Kain und Hewel, die Generationen bis Noach, 
Planung der Sintflut.
 
 
 

Der Stand der Dinge...
Am Anfang schuf G~tt ... Israel
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Die Tora beginnt mit dem Wort "Bereschit" ("Am Anfang..") und 
endet mit dem Wort "Israel", ein Hinweis auf das zentrale 
Thema der Tora, nämlich das Volk Israel. Israel ist das Herz der 
Schöpfung - Herz der Welt und Herz der Völker - wie die Tora 
mit den Buchstaben "Lammed"+"Bet" andeutet, gelesen "Lev", 
Herz; Anfangsbuchstabe von "Bereschit" und der 
Schlußbuchstabe von "Israel", erster bzw. letzter Buchstabe der 
Tora. So schrieb Rabbiner Jehuda Halevi (jüdischer Gelehrter 
und Dichter, geb. in Spanien ca. 4843 / 1083) in seinem Buche 
"Kusari": "Israel verhält sich zu den anderen Völkern wie das 
Herz zu den übrigen Gliedern" (II,36). Überhaupt wurde nach 
dem Raschikommentar die ganze Welt nur für Israel 
geschaffen: be reschit - das be von bereschit weist auf die 
Frage, wofür und für wen die Welt geschaffen wurde, und auf 
die Antwort, "be reschit = bischwil reschit, 'für das Erste schuf 
er', um der Tora willen, die das Erste Seines Weges genannt 
wird, und um Israels willen, das das Erste Seines Ertrages 
genannt wird". 

Auch der MahaRaL (der "hohe Rabbi Löw") aus Prag schrieb 
über das Volk Israel als das von G~tt auserwählte Volk, die 
ganze Welt zu erleuchten: "Die Israeliten werden 'das Erste' 
genannt und 'mein erstgeborener Sohn' (Ex. 4,22), denn der 
Erstgeborene wird 'Erstes' genannt, und für dieses Erste wurde 
Alles geschaffen" (Nezach Israel §11).

Rabbiner A.J.Kuk bezog sich ebenfalls auf das Volk Israel als 
universaler Konzentrationspunkt und schrieb: "Die israelitische 
Allgemeinheit (knesset israel) ist die Essenz der gesamten 
Existenz... die höchste spirituelle Offenbarung der menschlichen 
Existenz...", und "der Wunsch, Allen gut zu sein, ohne jegliche 
Beschränkung in der Welt, sowohl in Bezug auf die Anzahl der 
Begünstigten als auch auf die Qualität des Guten, das ist der 
innere Kern des Wesens der Seele der israelitischen 
Allgemeinheit..." (Orot Israel I,1.-4.).

Die Offenbarung göttlichen Königtums und Güte in der Welt 
erfolgt durch das Volk Israel in seinen Generationen. Das ist 
unser Wesen und unser Anliegen, wie bereits in der 
Schöpfungsgeschichte angedeutet wird: "Und G~tt sah 
alles,was er gemacht, und siehe, es war sehr gut" (tov me'od
Gen. 1,31) - me'od: die gleichen Buchstaben wie adam 
(Mensch) - das Gute offenbart sich durch den Menschen. Und 
über Israel heißt es: "Ihr seid adam genannt" (Jewamot 61a).

Nach dem Stand der Dinge muß die Frage der Identität und der 
historisch-kosmopolitischen Bestimmung des jüdischen Volkes 
ganz oben auf die nationale Tagesordnung gesetzt werden. 
Endlich haben wir uns vom 2000jährigen Exil befreit, in denen 
es vor allem um unser Überleben ging, um das Retten der 
blanken Haut. Mit G~ttes Hilfe kehrten wir nun allerdings heim, 
wir erlangten sogar unseren eigenen Staat, und wir bauen 
weiterhin an unserer nationalen Heimstatt. Nun ist die Zeit 
gekommen, da wir uns fragen müssen, wozu denn eigentlich 
dieser Staat Israel erstand, worin besteht das Ziel des Staates 
Israel - wie alle Völker zu sein? Vielleicht ein "Staat aller seiner 
Bewohner", g~ttbehüte? Vielmehr müssen die Ziele des Staates 
Israel vom Wesen und der Bestimmung des jüdischen Volkes 
definiert werden - allen Völkern Gutes zu tun und ihnen ein Licht 
zu sein. Bekanntlich "wird das Volk ohne Offenbarung zügellos" 
(Sprüche 29,18). Wir müssen zu der Offenbarung 
zurückkehren, die das jüdische Volk seit seinem Anbeginn 
begleitet, seit unserem Vorvater Awraham, dem versprochen 
wurde: "Und ich werde dich zu einem großen Volke machen... 
und ich werde segnen... und es werden sich segnen mit dir alle 
Geschlechter des Erdbodens" (Gen. 12,2-3). Wenn wir über 
unsere Identität, unsere Besonderheit und unsere Bestimmung 
lernen, werden wir unsere Größe erkennen, "wenn wir unsere 
Größe wüßten, würden wir uns selber kennen, und wenn wir 
unsere Größe vergessen, vergessen wir uns selber, und ein 
Volk, das sich selbst vergißt, ist sicherlich klein und gering. Nur 
durch das Vergessen unseres Selbsts verbleiben wir Kleine und 
Geringe, und das Vergessen unseres Selbsts bedeutet 
Vergessen unserer Größe" (Rabbiner Kuk, Orot Hatechija 
5.Kap.). 

Wenn wir aber unsere Größe erkennen, wird sich an uns der 
Segen erfüllen: "Segne uns, unser Vater, uns alle zusammen 
mit dem Lichte deines Angesichtes... Sei es gut in deinen 
Augen, dein Volk Israel zu jeder Zeit und jeder Stunde mit 
deinem Frieden zu segnen" (Schmone-Esre-Gebet).

In Erwartung der vollständigen Erlösung,
Rav Dov Begon 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Sünde und Vorsehung

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Schwere Tage des Kampfes um das Katif-Gebiet und den 
nördlichen Schomron liegen hinter uns. Große Tage jene, von 
spiritueller Erhebung in höhere Sphären, in Schmerzen und Not, 
die überwältigen. Mögen wir in uns den großen Geist bewahren, 
der uns in jenen letzten Wochen durchströmte; und nun fühlen 
wir den Schmerz der sich vor unseren Augen auflösenden 
Realität. Da wir uns nun erheben, die schweren Brüche zu 
heilen, stehen wir vor großen Fragen, die bis ins Innerste der 
Seele reichen.

Dabei stellt sich uns als gläubigen Juden aber auch die Frage 
aller Fragen, die wir gleichzeitig an die höchste Adresse richten: 
Was hat G~tt uns da getan??? Letztendlich ist doch er, und nur 
er, für Alles verantwortlich, was in der Welt geschieht! Was 
wurde aus all den Gebeten - so etwas gab es doch schon lange 
nicht? Wohin verschwand die göttliche Vorsehung, deren 
wunderbarer Herrschaft wir in der letzten Zeit mit solcher Macht 
gegenwärtig wurden? Warum war den Bösewichten der Erfolg 
beschert? Haben wir etwa gesündigt? Welche Schuld hatten die 
Bewohner des Katif-Gebietes aufsichgeladen, die nach jedem 
Maßstab, nach dem man sie und ihre Gemeinden auch messen 
möge, zu den Ausgezeichneten unserer Gesellschaft zählen? 
Wie sollen wir den Entwicklungsprozeß der Erlösung nach all 
diesen Geschehnissen verstehen? Was möchte G~tt uns 
mitteilen durch die Dinge, die er an uns geschehen ließ? 

Wollen wir uns nicht einbilden, auf diese Fragen antworten zu 
können, sondern vielmehr die Herausforderung annehmen, die 
darin verborgen liegt. Um den Dingen wenigstens eine gewisse 
Richtung zu geben, möchte ich Sie, liebe Leser, an einigen 
Gedanken beteiligen, die in einem Gespräch mit dem Rabbiner 
des Katif-Gebietes, Jigal Kaminetzky am Tage der Vertreibung 
in Neve Dekalim aufkamen, und zwar bezüglich der Worte von 
Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto ("RaMChaL"; Autor von 
Werken jüdischer Ethik und Kabbala vor ca. 260 Jahren) in 
seinem Buch "Da'at Tewunot"; wegweisende Worte, die uns in 
diesen Zeiten zur Seite stehen.

Das ganze Buch hindurch unterscheidet Rabbiner Luzatto zwei 
Methoden göttlicher Lenkung in der Welt: "Lenkung durch Lohn 
und Strafe", die allgemein bekannte und bewußte Lenkung, und 
ihr gegenüber die "Lenkung der Bestimmung". Diese Lenkung 
bestimmt das Schicksal von Menschen und Völkern nicht 
anhand der Taten, sondern gemäß ihres Lebenszwecks und 
ihrer Aufgaben an jenem Ort und zu jener Zeit. Diese 
fundamentalen Vorgänge der "Lenkung der Bestimmung" 
schaffen Raum für die Existenz des Bösen in der Welt, um die 
Welt in ihren endgültigen perfekten Zustand über eine 
Entwicklung vielfältiger Umwälzungen zu bringen. 

"Eine Überhandnahme des Bösen erfolgt immer dann, wenn 
G~tt sein Angesicht vollständig vor seiner Welt verbirgt, wie es 
heißt: Dann werden sie mich rufen, aber ich antworte nicht 
(Sprüche 1,28)... - das nennt sich vollständiges Verbergen, das 
nur dazu dient, hinterher einen vervollkommneten Zustand zu 
offenbaren... d.h., nach diesen Regeln und dieser Lenkung 
werden Verdienst und Schuld nicht berücksichtigt, vielmehr folgt 
die Lenkung ihren eigenen Regeln, wie zum Beispiel dem Bösen 
eine Überhandnahme zu ermöglichen, um hinterher die 
Herrschaft des Guten aufzeigen zu können. Und während der 
Zeit der Überhandnahme des Bösen müssen auch die Guten 
die Leiden durch das Böse erdulden, nicht weil sie ihnen 
gerechterweise zustünden, sondern weil die gegenwärtige Lage 
es erfordert..." (§166).

In diesem Lichte erklärt Rabbiner Luzatto das Schicksal des 
"Gerechten, der Leiden erfährt":
"Doch während der ganzen Zeit der Überhandnahme des Bösen 
nützt [den Gerechten] nicht ihr Verdienst, ihm zu entgehen... 
und nicht nur das, sondern da jede Zerstörung und Verderben 
der Ordnung in der Natur des Bösen liegen - nicht nur, daß den 
Gerechten ihr Verdienst nicht nützt, vor dem Bösen gerettet zu 
werden, sondern im Gegenteil, die Bösewichte haben Erfolg, die 
Gunst der Stunde ist ihnen geneigt, und die Anständigen Leiden 
und Unterdrückung ausgesetzt, wie [die Weisen] sagten: An 
den Fußspuren des Messias wird Frechheit wachsen... die 
Weisheit der Gelehrten wird entarten... (Sota 49b), und in der 
Schrift selber: Und die Wahrheit wird vermißt, und wer vom 
Bösen weicht, gilt für dreist... (Jeschajahu 59,15)" (ebda.).

Diese Lenkung bedeutet keine Abkehr von der Gerechtigkeit, 
denn "Das Gericht ist des Herrn, danach den Gerechten ihren 
guten Lohn zu geben, als sie Gerechte waren und seitens der 
höchsten Lenkung von den Leiden unterdrückt und gequält 
waren, die sie in dieser Welt hatten, und für alle ihre guten 
Taten" (§168).

Rabbiner Luzatto fügt an: "Diese Lenkung im Allgemeinen, die 
sich nicht an Verdienst und Schuld wendet, sondern sich auf 
das richtet, was zur Vervollkommnung der Schöpfung ihrem 
Wesen nach nötig ist, nannten die Weisen Masal, da sie ihrem 
ganzen Wesen nach nichts anderes als göttliches Gesetz 
darstellt und nicht von der Willensentscheidung des Menschen 
und seinem Verdienst abhängt..."; dabei wird einem kaum die 
Parallele zu den Worten Rabbiner A.J.Kuks entgehen zum 
Thema Heiligkeit Israels (Igeret 555), die nicht nur von 
menschlicher Entscheidungsfreiheit abhängt, sondern vor allem 
von der besonderen Schöpfungseigenschaft [segula] und 
göttlicher Auserwählung [bechira].

Weiter schreibt Rabbiner Luzatto: "Allerdings teilte er uns mit, 
daß während der 'Fußspuren des Messias' es uns nicht fraglich 
erscheine, wenn den Gerechten große Erniedrigungen 
widerfahren, wenn Menschen schreien und keine Antwort 
erhalten, und alle anderen schlimmen Dinge, von denen unsere 
Rabbiner seligen Andenkens sprachen (im Traktat Sota 49b)... 
denn all dies entsteht, weil die Gerechten noch nicht einmal mit 
ihren Verdiensten jene Verdorbenheiten ausbessern können, 
denn das Zeitalter verursacht jene, um daraus die vollkommene 
Besserung entstehen zu lassen, die sich danach in der 
Einzigartigkeit G~ttes offenbart..." (§170).

Rabbiner Kuk schrieb ebenfalls im vorerwähnten Brief, daß zur 
Zeit der "'Fußspuren des Messias' die Kraft der besonderen 
Schöpfungseigenschaft sehr überhandnimmt [im Gegensatz zur 
Entscheidungsfreiheit]". In den Worten Rabbiner Luzattos finden 
wir die Grundlagen für die Bewältigung der Glaubensfragen, die 
von den Ereignissen der letzen Zeit aufgeworfen wurden, und 
über die Kraft des Gebetes.

Es wäre allerdings ein Irrtum zu glauben, Rabbiner Luzatto wolle 
uns von der Notwendigkeit jeglicher Selbstkritik oder dem 
Ziehen von Lehren und eventueller Konsequenzen befreien. 
Auch wenn wir über die gegenwärtige Zerstörung nicht den 
Gebetsvers zitieren, "in Folge unserer Sünden aber sind wir aus 
unserem Lande vertrieben worden" [Mussafgebet der 
Feiertage], sondern die verwundenen Wege der Erlösung oder 
andere Ursachen, die den verborgenen Seiten der göttlichen 
Lenkung entstammen, müssen wir dennoch unsere Taten 
kritisch unter die Lupe nehmen und unseren Weg prüfen. So 
schreibt Rabbiner Luzatto: "Denn selbst in der Zeit, wenn der 
Herr, gelobt sei er, seine Welt nach dem genannten 'Masal' 
lenken will, dreht und wendet er die Dinge, daß sogar dasjenige, 
das ausschließlich dem Masal entspringt - auf den Wegen der 
Lenkung von Lohn und Strafe eintrifft... und auch das vom 
Masal Bestimmte kommt nicht direkt, sondern nur durch eine 
Angelegenheit, die sich auf 'Lohn und Strafe' bezieht, die man 
dann dafür verantwortlich machen kann, und über dieses 
Vehikel trifft dann alles Nötige ein, auch wenn es für sich selbst 
genommen eher unbedeutend ist" (ebda.).

Wenn wir also nach unseren Fehlern forschen, die den kleinen 
Spalt bildeten, durch den die große Krise über uns kam, stellt 
sich heraus, daß wir unser Ohr der Stimme G~ttes neigten, die 
zu uns durch die Ereignisse und Schrecknisse der Gegenwart 
durchbricht. Und dann wird in unseren Ohren das Lied der 
Teschuwa [bußfertige Umkehr] klingen, im "Liedespsalm für den 
Schabbat-Tag" (Psalm 92) - dem Tag der Teschuwa: "Gut ist 
es, G~tt zu huldigen (lehodot, = gut ist es, vor G~tt Bekenntnis 
abzulegen, lehitwadot)... Am Morgen deine Liebe zu verkünden 
und deine Treue in den Nächten... Wie groß sind deine 
Wirkungen, G~tt, unendlich tief deine Gedanken!... wenn 
Gesetzlose wie Gras aufblühen, wo Machtmißbrauch-
Vollbringer sprossen, daß dies zu ihrer ewigen Vernichtung ist. 
Du aber bleibst in der Höhe, in alle Zukunft hin, G~tt!... zu 
verkünden, daß gerade G~tt ist, mein Fels, nicht an ihm ein 
Unrecht sei".
 
 

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