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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN
IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJEZE
Nr. 487
7. Kislev 5765
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage:
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-Archiv der
"Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag'
den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Gen. 28,10
- 32,3):
G~ttes Versprechen an Jakov, ihn im Exil
zu schützen,
Begegnung mit Rachel, Jakov in Charan
bei Lawan, Leah, die
vertauschte Braut, Hochzeit mit Rachel,
Geburt der Stämme,
Lawans Betrügereien und göttliche
Wende zu Jakovs Vorteil,
beschleunigte Abreise nach Kana'an und
Showdown mit Lawan
auf dem Wege.
| Am
Schabbes-Tisch...
Das Verdienst
von Rachel
Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret" |
Spannungen zwischen Brüdern - gang und gäbe im ganzen
Buche Bereschit (Genesis). Angefangen von Kain und Hewel
("Abel"), über Jizchak und Ischma'el, weiter mit Jakov und Eßaw
bis hin zu Josef und seinen Brüdern. Anscheinend liegt das in
der Natur des Menschen, so ist der Lauf der Welt. Manchmal
kommt es sogar zu Mord (Kain) oder versuchtem Mord (Josefs
Brüder, Eßaw, vielleicht auch Ischma'el) und manchmal endet
die Geschichte mit der Vertreibung aus dem Hause (Ischma'el,
Josef). Doch im ganzen Buche Bereschit kommt es nur ein
einziges Mal vor, daß Gegensätze gerade zu gemeinschaftlicher
Kreativität in einem Hause führen - nämlich bei der
Geschichte
von Rachel und Lea. Im Hinblick auf die menschliche Natur und
den Lauf der Welt hätte dieser Fall zu einer wahren Explosion
führen müssen. Wie etwa können wir uns die Gefühle
eines
jungen Mädchens vorstellen, das sieben Jahre lang
sehnsuchtsvoll auf ihren Herzenserwählten wartet und dann ihre
Schwester an ihrer Stelle unter dem Hochzeitsbaldachin
vorfindet, wobei allerlei Hinterlist angewendet wurde?
Die Hintergründe dieser Geschichte kamen etwa tausend Jahre
später ans Licht der Öffentlichkeit, bei der Zerstörung
Jerusalems. Die talmudischen Weisen berichten im Midrasch
(Petichta, Eicha raba) über die Stammväter und -mütter
der
Nation, die vor G~tt erschienen, um Gnade für das Volk zu
erbitten. Dort wird von Awraham und Jizchak erzählt, von Jakov
und Moscheh, von denen jeder weinend und unter Bittgebeten
vor G~tt kam. Awraham und Jizchak erwähnen ihre Hingabe
und Opferbereitschaft, Jakov und Moscheh erinnern an ihre
Anstrengungen bei der Aufzucht und der Erhaltung des Volkes.
Doch ihre Bitten werden auf der Stelle abgewiesen. Ihre
Verdienste reichen nicht aus, um die Sünde des Volkes zu
sühnen und dessen Erlösung herbeizuführen. Danach fährt
der
Midrasch fort:
In jener Stunde erschien plötzlich unsere Stammutter Rachel
vor dem Heiligen, gelobt sei er, und sagte: "Herr der Welt! Es ist
offenbar vor dir, daß dein Diener Jakov mich mit
außerordentlicher Liebe geliebt hat und für mich bei meinem
Vater sieben Jahre lang arbeitete. Und nachdem diese sieben
Jahre abgelaufen waren und die Zeit meiner Hochzeit mit
meinem Gatten gekommen war, faßte mein Vater den Rat, mich
auszutauschen meinem Gatten gegen meine Schwester. Diese
Sache war furchtbar schwer für mich, denn dieser Ratschluß
wurde mir bekannt, und ich teilte es meinem Gatten mit, und
verabredete mit ihm ein Kennzeichen, damit er zwischen mir
und meiner Schwester unterscheiden könne und mein Vater
mich nicht vertausche. Nachher bereute ich das und
unterdrückte meine Begierde und erbarmte mich meiner
Schwester, daß sie nicht Scham und Schande erfahre; und am
Abend tauschte man meine Schwester meinem Gatten für mich,
und ich gab meiner Schwester alle Kennzeichen, die ich mit
meinem Gatten verabredet hatte, damit er glaube, sie wäre
Rachel; und nicht nur das - ich legte mich unter das Bett, in dem
er mit meiner Schwester lag, und wenn er zu ihr sprach,
schwieg sie, und ich antwortete jedes Mal, damit er nicht die
Stimme meiner Schwester erkenne; so erwies ich ihr Gnade,
hatte keine Eifersucht und verursachte ihr keine öffentliche
Beschämung".
Nachdem Rachel ihre erschütternde Geschichte beendigt hat,
wendet sie sich an G~tt mit einer nicht leicht zu verstehenden
Forderung: "Und nun, wo ich doch nur Fleisch und Blut, Staub
und Asche bin, war ich meiner Nebenfrau nicht eifersüchtig und
verursachte ihr weder Schmach noch Schande; und du,
lebendiger und beständiger König, Erbarmungsvoller, warum
bist du auf die Götzen eifersüchtig, an denen doch nichts
dran
ist, und schickst meine Kinder ins Exil und läßt sie durchs
Schwert töten und die Feinde machen mit ihnen, was sie
wollen?" Und wirklich, "sofort zeigte sich sein Erbarmen und der
Heilige, gelobt sei er, sagte: Für dich, Rachel, bringe ich Israel
in ihr Gebiet zurück".
Keine einfachen Behauptungen, die Rachel da vorbringt. Soll
etwa der gigantische Verzicht Rachels auf Exklusivität, die
alleinige Frau Jakovs zu sein, als Legitimation für Götzendienst
herhalten? Soll G~tt von nun an und bis in alle Ewigkeit der
Schlechtigkeit und dem Bösen, die der Götzendienst mit sich
bringt, einen Platz lassen, nur wegen Rachels Taten?
Dazu gibt es zwei Antworten, eine auf die andere aufbauend.
Nach der ersten redet dieser Midrasch zwar von der Zerstörung
des ersten Tempels, spielt aber auf die Zerstörung des zweiten
an. Der erste Tempel wurde wegen Götzendienstes zerstört,
der
zweite wegen "grundlosen Hasses". Der Hasser glaubt, nur für
ihn allein sei Platz auf der Welt. Das Objekt seines Hasses muß
restlos verschwinden. Rachels Verhalten zeigt, daß es auch
umgekehrt geht. In Rachels weiter Welt hat auch ihre
Schwester platz; und nicht nur in ihrer Welt im allgemeinen,
sondern auch bei sich persönlich, im Hause. Unsere
Stammutter Rachel legte das moralische Fundament für die
Erlösung aus der Zerstörung, die von grundlosem Haß
verursacht wurde. (Diese Erklärung hörte ich von Ahuvia
Tabenkin).
Der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw") aus Prag führt uns durch
seine, wie es seine Art ist, weit tiefsinnigere Deutung zurück
zur
ersten Tempelzerstörung. Die Welt G~ttes - "der einzig ist und
nichts ist gleich seiner Einzigkeit" (Jigdal) - sollte doch
eine Welt
der Einheit sein, eine Welt der Einheitlichkeit, eine Welt ohne
Widersprüche, ohne Gegensätze und ohne
Meinungsverschiedenheiten. Und so wird es wirklich in der
kommenden Zukunft sein, "an jenem Tage, an dem G~tt ein und
sein Name einzig sein wird". Doch der Weg zu dieser idealen
Welt führt über eine Welt der Dualität, eine Welt voller
Gegensätze in Mentalität und Überzeugung. Auch das Haus
Israels wurde auf diese Weise erbaut: Zwei Stammütter, und
nicht nur eine, zwölf Stämme, die miteinander auf Tuchfühlung
gehen, zwei Königreiche (Israel und Jehuda) und viele andere
tiefe Gegensätze, die unser Volk während seiner ganzen
Geschichte begleiteten.
Was Rachel für ihre Schwester Lea tat, stammte aus dieser
Erkenntnis. Unsere gegenwärtige Welt der Dualität ist voller
Widersprüche. So eine Welt ist noch nicht bereit, G~ttes eine
und einzige Königsherrschaft aufsichzunehmen. Darum gibt es
in ihr auch Götzendienst, Unzucht (= Verletzung der
Familieneinheit) und Blutvergießen (= Verletzung der Einheit
der
menschlichen Gesellschaft). Einheit und Vollkommenheit
werden noch erst kommen; allerdings führt ein langwieriger
Prozeß von Widersprüchen, Gegensätzen und
Meinungsverschiedenheiten dorthin. In der Zwischenzeit findet
sich Vollkommenheit in keinem der Teilbereiche. Es sind alle
Kräfte nötig: alle positiven, aber auch alle negativen Kräfte.
Sie
alle gemeinsam treiben die Entwicklung in Richtung auf das
erhabene Ziel voran. Alle gesellschaftlichen Gruppierungen
haben ihren Platz im Hause Israel, auch wenn es sehr
schwerfällt. Doch selbst die größten Schwierigkeiten
werden
das göttliche Versprechen an unsere Stammutter Rachel nicht
aufheben:
"Halte zurück deine Stimme vom Weinen und deine Augen von
Tränen; denn ein Lohn ist für dein Tun, ist der Spruch des
Ewigen... Und Hoffnung ist für deine Zukunft, ist der Spruch des
Ewigen, und es werden zurückkehren die Kinder in ihr Gebiet
(Jirmijahu 31, 15-16).
| HaRav
Aviner
Suche nach der
Verlorenen
Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa
von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt |
 |
Suche deine Frau, suche nach deinem Verlorenen, suche am
Anfang, suche am Ende, suche Tag für Tag, wenn du nicht
suchst, wirst du verlieren. Denke immer an die Worte unserer
Weisen: "..weil es die Art des Mannes ist, nach einer Frau zu
suchen, nicht aber ist es die Art der Frau, nach einem Manne zu
suchen. Dies ist mit dem zu vergleichen, der etwas verloren hat;
wer sucht wen? Der Verlierende sucht das Verlorene"
(Kiduschin 2b).
Die Suche baut immer nur auf, niemals zerstört sie, die Suche
ist eine Lebensart, im Hause und draußen. Die Suche ist nicht
unbedingt eine Frage der Quantität, sondern der Beziehung. Die
Suche ist deine Aufgabe, Mann, du bist dafür gemacht.
Wenn du nicht suchst, verlierst du. Der Körper weilt zwar im
Hause, aber die Seele fehlt, das Herz versagt, die Triebfeder ist
gebrochen.
Suche ist ein gutes Wort, Suche ist ein Klingeln des Telefons,
einfach so, Suche ist ein Geschenk und eine Erwartung, Suche
bedeutet Zuhören, Suche bedeutet Gespräch.
Suche ist ein Blick, ein Lächeln, ein Augenzwinkern,
Suche ist Humor, ein Witz, ein fröhlicher Scherz,
Suche ist ein Kompliment, ein anerkennendes Wort,
Suche deine Frau, damit sie dir nicht verlorengeht, denn die
Suche ist lebenswichtig, sie ist gar nicht sachlich, darum ist sie
wichtig, sie ist so weise, so gut,
dabei ist sie gar keine exakte Wissenschaft,
sondern einfach Verbindung, eine gute Verbindung,
so sehr notwendig, so sehr erforderlich.
Suche tief innen, im Hause, und sage: Dein Kleid ist so schön,
und du bist noch viel schöner, bei mir bist du die schönste
Frau
der Welt.
Mach kein Gesicht, ich mein' es wirklich so, hab' solche
Sehnsucht nach dir.
Suche ist die große Medizin, Medizin gegen Spannungen,
gegen Streit, der vor dem Tor steht, ein Wundermittel,
glückliche Kinder großzuziehen,
die auch wissen werden, wie zu suchen und Suche zu erwidern,
fröhliche Kinder, mutige Kinder, sensible Kinder.
Hast du mich gehört, Mann, das ist dein Job, die Suche.
So ein angenehmer Job.
"Und warum muß ich als Mann suchen, vielleicht sollte lieber
die
Frau suchen?" - weil das die talmudischen Weisen so sagten,
nun leg dich nicht mit ihnen an,
sie hatten ihre Gründe: Weil du sie verloren hast, so viele Male
hast du sie verloren, du hast sie vergessen, du hast sie
heruntergemacht, du hast sie beleidigt, du hast sie
zurechtgewiesen, du hast sie verletzt, du hast sie am Boden
zerstört, du hast sie für nichtswürdig erklärt
- und trotzdem blieb
sie dir treu, deine kleine private Sozialhelferin, die auf die Sonne
der Suche hinter den Wolken wartet, und wenn die Suche
wiederkommt, wie schnell zerfließt sie überglücklich,
und ist
ganz dein.
Zur Suche gehören auch Geld und Hilfe, vor allem aber ist
Suche ein Ding an sich, die süße Suche.
Denk an ihren Geburtstag, an euern Hochzeitstag, gefühlvolle
Erinnerungen, wie der Tag, an dem eines der Kinder geboren
wurde, mit Schmerz und Freude, Tränen und Lächeln.
Sei froh, Mann, daß du eine so dankbare Aufgabe hast.
Einst versteckte sich ein Schüler im Hause seines greisen
Rabbiners, denn er wollte Tora lernen, und hörte, wie jener um
seine Frau suchte - als hätte er sie gerade geheiratet, und sie
ganz und gar nicht satt hatte.
Sei zufrieden, Mann, daß du so ein süßes Gebot auszuführen
hast, dabei ein so nötiges Gebot, ein so wichtiges, so
lebenswichtig für deine Frau wie die Luft zum Atmen, wichtiger
als Essen, wichtiger als Gesundheit, wichtiger als alles.
Sei froh, daß du dein Verlorenes gefunden hast, verliere es jetzt
nicht Tag um Tag, wegen dummer Streitereien und
Mißverständnissen - suche sie jeden Tag.
Suche dein Gutes jeden Tag seit der Schaffung der Welt, und
denke daran: Diese Suche ist keine exakte Wissenschaft; was
von Herzen kommt, findet seinen Weg auch ins Herz hinein.
Wenn du ein verstocktes Herz hast - so wird es gerade und
sanft. So tust du deiner Frau Gutes, und so widerfährt dir
Gutes.
Was für ein Glückspilz du bist, daß du jemanden hast,
nach
dem du jeden Tag suchen kannst.
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