DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJEZE
Nr. 487
7. Kislev 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Gen. 28,10 - 32,3):
G~ttes Versprechen an Jakov, ihn im Exil zu schützen, 
Begegnung mit Rachel, Jakov in Charan bei Lawan, Leah, die 
vertauschte Braut, Hochzeit mit Rachel, Geburt der Stämme, 
Lawans Betrügereien und göttliche Wende zu Jakovs Vorteil, 
beschleunigte Abreise nach Kana'an und Showdown mit Lawan 
auf dem Wege.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Das Verdienst von Rachel

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Spannungen zwischen Brüdern - gang und gäbe im ganzen 
Buche Bereschit (Genesis). Angefangen von Kain und Hewel 
("Abel"), über Jizchak und Ischma'el, weiter mit Jakov und Eßaw 
bis hin zu Josef und seinen Brüdern. Anscheinend liegt das in 
der Natur des Menschen, so ist der Lauf der Welt. Manchmal 
kommt es sogar zu Mord (Kain) oder versuchtem Mord (Josefs 
Brüder, Eßaw, vielleicht auch Ischma'el) und manchmal endet 
die Geschichte mit der Vertreibung aus dem Hause (Ischma'el, 
Josef). Doch im ganzen Buche Bereschit kommt es nur ein 
einziges Mal vor, daß Gegensätze gerade zu gemeinschaftlicher 
Kreativität in einem Hause führen - nämlich bei der Geschichte 
von Rachel und Lea. Im Hinblick auf die menschliche Natur und 
den Lauf der Welt hätte dieser Fall zu einer wahren Explosion 
führen müssen. Wie etwa können wir uns die Gefühle eines 
jungen Mädchens vorstellen, das sieben Jahre lang 
sehnsuchtsvoll auf ihren Herzenserwählten wartet und dann ihre 
Schwester an ihrer Stelle unter dem Hochzeitsbaldachin 
vorfindet, wobei allerlei Hinterlist angewendet wurde?

Die Hintergründe dieser Geschichte kamen etwa tausend Jahre 
später ans Licht der Öffentlichkeit, bei der Zerstörung 
Jerusalems. Die talmudischen Weisen berichten im Midrasch 
(Petichta, Eicha raba) über die Stammväter und -mütter der 
Nation, die vor G~tt erschienen, um Gnade für das Volk zu 
erbitten. Dort wird von Awraham und Jizchak erzählt, von Jakov 
und Moscheh, von denen jeder weinend und unter Bittgebeten 
vor G~tt kam. Awraham und Jizchak erwähnen ihre Hingabe 
und Opferbereitschaft, Jakov und Moscheh erinnern an ihre 
Anstrengungen bei der Aufzucht und der Erhaltung des Volkes. 
Doch ihre Bitten werden auf der Stelle abgewiesen. Ihre 
Verdienste reichen nicht aus, um die Sünde des Volkes zu 
sühnen und dessen Erlösung herbeizuführen. Danach fährt der 
Midrasch fort:

In jener Stunde erschien plötzlich unsere Stammutter Rachel 
vor dem Heiligen, gelobt sei er, und sagte: "Herr der Welt! Es ist 
offenbar vor dir, daß dein Diener Jakov mich mit 
außerordentlicher Liebe geliebt hat und für mich bei meinem 
Vater sieben Jahre lang arbeitete. Und nachdem diese sieben 
Jahre abgelaufen waren und die Zeit meiner Hochzeit mit 
meinem Gatten gekommen war, faßte mein Vater den Rat, mich 
auszutauschen meinem Gatten gegen meine Schwester. Diese 
Sache war furchtbar schwer für mich, denn dieser Ratschluß 
wurde mir bekannt, und ich teilte es meinem Gatten mit, und 
verabredete mit ihm ein Kennzeichen, damit er zwischen mir 
und meiner Schwester unterscheiden könne und mein Vater 
mich nicht vertausche. Nachher bereute ich das und 
unterdrückte meine Begierde und erbarmte mich meiner 
Schwester, daß sie nicht Scham und Schande erfahre; und am 
Abend tauschte man meine Schwester meinem Gatten für mich, 
und ich gab meiner Schwester alle Kennzeichen, die ich mit 
meinem Gatten verabredet hatte, damit er glaube, sie wäre 
Rachel; und nicht nur das - ich legte mich unter das Bett, in dem 
er mit meiner Schwester lag, und wenn er zu ihr sprach, 
schwieg sie, und ich antwortete jedes Mal, damit er nicht die 
Stimme meiner Schwester erkenne; so erwies ich ihr Gnade, 
hatte keine Eifersucht und verursachte ihr keine öffentliche 
Beschämung".

Nachdem Rachel ihre erschütternde Geschichte beendigt hat, 
wendet sie sich an G~tt mit einer nicht leicht zu verstehenden 
Forderung: "Und nun, wo ich doch nur Fleisch und Blut, Staub 
und Asche bin, war ich meiner Nebenfrau nicht eifersüchtig und 
verursachte ihr weder Schmach noch Schande; und du, 
lebendiger und beständiger König, Erbarmungsvoller, warum 
bist du auf die Götzen eifersüchtig, an denen doch nichts dran 
ist, und schickst meine Kinder ins Exil und läßt sie durchs 
Schwert töten und die Feinde machen mit ihnen, was sie 
wollen?" Und wirklich, "sofort zeigte sich sein Erbarmen und der 
Heilige, gelobt sei er, sagte: Für dich, Rachel, bringe ich Israel 
in ihr Gebiet zurück".

Keine einfachen Behauptungen, die Rachel da vorbringt. Soll 
etwa der gigantische Verzicht Rachels auf Exklusivität, die 
alleinige Frau Jakovs zu sein, als Legitimation für Götzendienst 
herhalten? Soll G~tt von nun an und bis in alle Ewigkeit der 
Schlechtigkeit und dem Bösen, die der Götzendienst mit sich 
bringt, einen Platz lassen, nur wegen Rachels Taten? 

Dazu gibt es zwei Antworten, eine auf die andere aufbauend. 
Nach der ersten redet dieser Midrasch zwar von der Zerstörung 
des ersten Tempels, spielt aber auf die Zerstörung des zweiten 
an. Der erste Tempel wurde wegen Götzendienstes zerstört, der 
zweite wegen "grundlosen Hasses". Der Hasser glaubt, nur für 
ihn allein sei Platz auf der Welt. Das Objekt seines Hasses muß 
restlos verschwinden. Rachels Verhalten zeigt, daß es auch 
umgekehrt geht. In Rachels weiter Welt hat auch ihre 
Schwester platz; und nicht nur in ihrer Welt im allgemeinen, 
sondern auch bei sich persönlich, im Hause. Unsere 
Stammutter Rachel legte das moralische Fundament für die 
Erlösung aus der Zerstörung, die von grundlosem Haß 
verursacht wurde. (Diese Erklärung hörte ich von Ahuvia 
Tabenkin).

Der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw") aus Prag führt uns durch 
seine, wie es seine Art ist, weit tiefsinnigere Deutung zurück zur 
ersten Tempelzerstörung. Die Welt G~ttes - "der einzig ist und 
nichts ist gleich seiner Einzigkeit" (Jigdal) - sollte doch eine Welt 
der Einheit sein, eine Welt der Einheitlichkeit, eine Welt ohne 
Widersprüche, ohne Gegensätze und ohne 
Meinungsverschiedenheiten. Und so wird es wirklich in der 
kommenden Zukunft sein, "an jenem Tage, an dem G~tt ein und 
sein Name einzig sein wird". Doch der Weg zu dieser idealen 
Welt führt über eine Welt der Dualität, eine Welt voller 
Gegensätze in Mentalität und Überzeugung. Auch das Haus 
Israels wurde auf diese Weise erbaut: Zwei Stammütter, und 
nicht nur eine, zwölf Stämme, die miteinander auf Tuchfühlung 
gehen, zwei Königreiche (Israel und Jehuda) und viele andere 
tiefe Gegensätze, die unser Volk während seiner ganzen 
Geschichte begleiteten. 

Was Rachel für ihre Schwester Lea tat, stammte aus dieser 
Erkenntnis. Unsere gegenwärtige Welt der Dualität ist voller 
Widersprüche. So eine Welt ist noch nicht bereit, G~ttes eine 
und einzige Königsherrschaft aufsichzunehmen. Darum gibt es 
in ihr auch Götzendienst, Unzucht (= Verletzung der 
Familieneinheit) und Blutvergießen (= Verletzung der Einheit der 
menschlichen Gesellschaft). Einheit und Vollkommenheit 
werden noch erst kommen; allerdings führt ein langwieriger 
Prozeß von Widersprüchen, Gegensätzen und 
Meinungsverschiedenheiten dorthin. In der Zwischenzeit findet 
sich Vollkommenheit in keinem der Teilbereiche. Es sind alle 
Kräfte nötig: alle positiven, aber auch alle negativen Kräfte. Sie 
alle gemeinsam treiben die Entwicklung in Richtung auf das 
erhabene Ziel voran. Alle gesellschaftlichen Gruppierungen 
haben ihren Platz im Hause Israel, auch wenn es sehr 
schwerfällt. Doch selbst die größten Schwierigkeiten werden 
das göttliche Versprechen an unsere Stammutter Rachel nicht 
aufheben:
"Halte zurück deine Stimme vom Weinen und deine Augen von 
Tränen; denn ein Lohn ist für dein Tun, ist der Spruch des 
Ewigen... Und Hoffnung ist für deine Zukunft, ist der Spruch des 
Ewigen, und es werden zurückkehren die Kinder in ihr Gebiet 
(Jirmijahu 31, 15-16). 
 
 
 
HaRav Aviner

Suche nach der Verlorenen

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Suche deine Frau, suche nach deinem Verlorenen, suche am 
Anfang, suche am Ende, suche Tag für Tag, wenn du nicht 
suchst, wirst du verlieren. Denke immer an die Worte unserer 
Weisen: "..weil es die Art des Mannes ist, nach einer Frau zu 
suchen, nicht aber ist es die Art der Frau, nach einem Manne zu 
suchen. Dies ist mit dem zu vergleichen, der etwas verloren hat; 
wer sucht wen? Der Verlierende sucht das Verlorene" 
(Kiduschin 2b). 
Die Suche baut immer nur auf, niemals zerstört sie, die Suche 
ist eine Lebensart, im Hause und draußen. Die Suche ist nicht 
unbedingt eine Frage der Quantität, sondern der Beziehung. Die 
Suche ist deine Aufgabe, Mann, du bist dafür gemacht. 
Wenn du nicht suchst, verlierst du. Der Körper weilt zwar im 
Hause, aber die Seele fehlt, das Herz versagt, die Triebfeder ist 
gebrochen.
Suche ist ein gutes Wort, Suche ist ein Klingeln des Telefons, 
einfach so, Suche ist ein Geschenk und eine Erwartung, Suche 
bedeutet Zuhören, Suche bedeutet Gespräch. 
Suche ist ein Blick, ein Lächeln, ein Augenzwinkern, 
Suche ist Humor, ein Witz, ein fröhlicher Scherz, 
Suche ist ein Kompliment, ein anerkennendes Wort,
Suche deine Frau, damit sie dir nicht verlorengeht, denn die 
Suche ist lebenswichtig, sie ist gar nicht sachlich, darum ist sie 
wichtig, sie ist so weise, so gut,
dabei ist sie gar keine exakte Wissenschaft,
sondern einfach Verbindung, eine gute Verbindung,
so sehr notwendig, so sehr erforderlich.
Suche tief innen, im Hause, und sage: Dein Kleid ist so schön, 
und du bist noch viel schöner, bei mir bist du die schönste Frau 
der Welt.
Mach kein Gesicht, ich mein' es wirklich so, hab' solche 
Sehnsucht nach dir.
Suche ist die große Medizin, Medizin gegen Spannungen, 
gegen Streit, der vor dem Tor steht, ein Wundermittel, 
glückliche Kinder großzuziehen,
die auch wissen werden, wie zu suchen und Suche zu erwidern,
fröhliche Kinder, mutige Kinder, sensible Kinder.
Hast du mich gehört, Mann, das ist dein Job, die Suche.
So ein angenehmer Job.
"Und warum muß ich als Mann suchen, vielleicht sollte lieber die 
Frau suchen?" - weil das die talmudischen Weisen so sagten, 
nun leg dich nicht mit ihnen an, 
sie hatten ihre Gründe: Weil du sie verloren hast, so viele Male 
hast du sie verloren, du hast sie vergessen, du hast sie 
heruntergemacht, du hast sie beleidigt, du hast sie 
zurechtgewiesen, du hast sie verletzt, du hast sie am Boden 
zerstört, du hast sie für nichtswürdig erklärt - und trotzdem blieb 
sie dir treu, deine kleine private Sozialhelferin, die auf die Sonne 
der Suche hinter den Wolken wartet, und wenn die Suche 
wiederkommt, wie schnell zerfließt sie überglücklich, und ist 
ganz dein.
Zur Suche gehören auch Geld und Hilfe, vor allem aber ist 
Suche ein Ding an sich, die süße Suche.
Denk an ihren Geburtstag, an euern Hochzeitstag, gefühlvolle 
Erinnerungen, wie der Tag, an dem eines der Kinder geboren 
wurde, mit Schmerz und Freude, Tränen und Lächeln. 
Sei froh, Mann, daß du eine so dankbare Aufgabe hast.
Einst versteckte sich ein Schüler im Hause seines greisen 
Rabbiners, denn er wollte Tora lernen, und hörte, wie jener um 
seine Frau suchte - als hätte er sie gerade geheiratet, und sie 
ganz und gar nicht satt hatte.
Sei zufrieden, Mann, daß du so ein süßes Gebot auszuführen 
hast, dabei ein so nötiges Gebot, ein so wichtiges, so 
lebenswichtig für deine Frau wie die Luft zum Atmen, wichtiger 
als Essen, wichtiger als Gesundheit, wichtiger als alles. 
Sei froh, daß du dein Verlorenes gefunden hast, verliere es jetzt 
nicht Tag um Tag, wegen dummer Streitereien und 
Mißverständnissen - suche sie jeden Tag.
Suche dein Gutes jeden Tag seit der Schaffung der Welt, und 
denke daran: Diese Suche ist keine exakte Wissenschaft; was 
von Herzen kommt, findet seinen Weg auch ins Herz hinein. 
Wenn du ein verstocktes Herz hast - so wird es gerade und 
sanft. So tust du deiner Frau Gutes, und so widerfährt dir 
Gutes.
Was für ein Glückspilz du bist, daß du jemanden hast, nach 
dem du jeden Tag suchen kannst.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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