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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN
IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJESCHEW
Nr. 489
21. Kislev 5765
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
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"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Gen. 37,1
- 40,23):
Josefs Träume, Feindschaft seiner
Brüder, als Sklave nach
Ägypten, Jehuda und Tamar, Josef
im Hause Potifar, im
Gefängnis, deutet die Träume
Pharaos Mundschenks und
Bäckers.
| Am
Schabbes-Tisch...
Das Opferschwein
Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret" |
Der Kampf zwischen der jüdischen Lebensweise und der
hellenistischen Kultur endete nicht mit dem Sieg der Makkabäer
über die Griechen. Er ging viele Generationen weiter, indem er
die eine oder die andere Form annahm. Ein erschütterndes
Beispiel für das Aufeinanderprallen der Kulturen schildert der
Talmud (Baba kama 82b) gerade aus der Endzeit des
Chaschmonäer-Königtums:
"Als die [Könige des] chaschmonäischen Hauses einander
bekämpften, befand sich Hyrkanos außerhalb [der Mauer
Jerusalems] und Aristobulos innerhalb. Täglich ließen sie
ihnen
Denare in einem Korbe herab und zogen dafür [Vieh für] das
tägliche Opfer herauf. Unter ihnen befand sich ein Greis, der
in
der griechischen Weisheit kundig war, und er sprach zu ihnen:
Solange sie den Opferdienst üben, geraten sie nicht in eure
Hände. Als sie ihnen am folgenden Tage wiederum Denare in
einem Korbe herabließen, zogen sie ein Schwein herauf, das,
als es die Mitte der Mauer erreichte, die Klauen gegen die
Mauer stemmte, und das Israelland wurde vierhundert
Parasangen zu vierhundert Parasangen erschüttert".
Die Lehre, die die Weisen jener Generation aus diesem Vorfall
zogen, erstaunt ganz außerordentlich:
"In jener Stunde sprachen sie: Verflucht sei der Mann, der
Schweine züchtet, und verflucht sei der Mensch, der seinen
Sohn griechische Weisheit lehrt".
Auf den ersten Blick scheint dieses Resultat unverständlich.
Zwar zog der Ratschlag dieses Greises schwere Konsequenzen
nach sich, und die Ausführung erschütterte alle. Wie aber
kann
ein einzelner Vorfall, so schlimm er auch gewesen sein mag, ein
so weitreichendes Resultat mit Bedeutung für alle Zeiten
verursachen? Überdies fragt man sich: Was ist mit der
Hauptsache? Gibt es denn keine Lehren aus dem Bruderkrieg
zwischen den Chaschmonäern zu ziehen?! Muß man sich nicht
über die Übergabe Jerusalems an die Legionen des Pompejus,
den römischen Heerführer, ernsthaftere Gedanken machen?
Warum ließ man die Hauptsache außer acht, das furchtbare
nationale Verbrechen des Bruderkrieges und die Auslieferung
des ganzen Landes an den Feind, und nahm etwas ganz
Nebensächliches, einen Einzelfall, bei dem ein einzelner
Mensch vorschlug, ein Schwein als Opfertier zum Tempel zu
schicken, zum Anlaß für eine Verordnung?
Auf diese Frage antwortete Rabbi Zadok Hakohen aus Lublin in
seinem Buch "Diwre Sofrim": Die Hauptsache wird nämlich
gar
nicht zugunsten der Nebensache vernachlässigt, vielmehr
symbolisiert die Geschichte vom Heraufschicken des
Schweines genau diese Hauptsache. Die talmudischen Weisen
schon betonten die Verwendung des Schweines als Symbol für
die römische Gewaltherrschaft. "Und das Schwein - Edom", wie
es heißt: "Es benagt ihn das Schwein aus dem Walde..." (Psalm
80,14; Midrasch Wajikra raba §13). Mit dieser Frage
beschäftigten sich die Weisen jener Generation: Wie konnte es
zu jener nationalen Katastrophe kommen, daß es unsere
eigenen Brüder, Söhne des gleichen Volkes, vorzogen, das
Land, das Volk, die Regierungsherrschaft und den Tempel
jenem "Schwein" auszuliefern, dem römischen Heerführer
Pompejus? Auch richtete sich die Anschuldigung wirklich nicht
nur gegen jenen Einzelnen, den Greis, der sich in griechischer
Weisheit auskannte, sondern gegen einen großen Teil des
Volkes, der der hellenistischen Kultur folgte und von ihr
mitgerissen wurde. Dort war die Wurzel der Feindseligkeit zu
suchen. Von daher stammte das zynische Verhältnis zur
Heiligkeit des Tempels. Das führte weiter zum Verlust des
Bewußtseins der Heiligkeit von Volk und Land und säte die
Grundlage in den Gemütern für den Bruderkrieg. So konnte
es
schließlich zur Bevorzugung des römischen Adlers vor der
jüdischen Unabhängigkeit kommen.
Darum erklärten die Weisen jener Generation: "verflucht sei der
Mensch, der seinen Sohn griechische Weisheit lehrt". Es
besteht zwar manchmal eine gewisse Notwendigkeit, die Kultur
der Nachbarvölker kennenzulernen, damit sollten sich allerdings
nur reife und charakterfeste Erwachsene beschäftigen. Die
Jugendlichen lehre man im Lichte der Weisheit des Heiligen,
damit sie keine fremden Inhalte in ihre Persönlichkeit
integrieren, solange sie nicht über die nötige Kritik- und
Urteilsfähigkeit den Dingen gegenüber verfügen, denen
sie
begegnen. - Weiter erklärten sie: "Verflucht sei der Mann, der
Schweine züchtet"; zwar müssen manchmal mit den im Lande
herrschenden Römern Verhandlungen geführt werden -wir
dürfen sie jedoch nicht mit eigenen Händen großziehen
und
noch stärker machen!
Von dieser Geschichte lassen sich mit Leichtigkeit Vergleiche
mit unserer heutigen Zeit anstellen. Wer wohl der heutige
"Hyrkanos" oder "Aristobulos" wäre, der "Greis, der sich in
griechischer Weisheit auskennt", und wer wohl das "Schwein"
unseres Zeitalters ist... An dieser Stelle sollte man sich
allerdings vor übertriebenen Vereinfachungen hüten.
Bruderkriege haben viele Ursachen, und am Ende stehen
Zerstörung und Exil, seit dem Haß der Brüder Josefs,
die ihn
töten wollten und ihn am Ende an vorüberziehende
Ischma'eliten verkauften, bis hin zum grundlosen Haß, der zur
Zerstörung des zweiten Tempels führte. Zur Vervollständigung
des Bildes wollen wir einen Blick in unseren Wochenabschnitt
werfen, Parschat Wajeschew. Was waren die Wurzeln des
Bruderhasses, weit bevor Griechen und Hellenisten in unserer
Welt erschienen? Dazu gibt es mehrere Punkte zu
berücksichtigen: Zum einen die Diskriminierung zwischen den
Brüdern: "Israel aber liebte den Josef vor all seinen Söhnen,
weil er ihm ein Sohn hohen Alters war, und machte ihm einen
bunten Rock" (Gen. 37,3). Das Ergebnis ließ nicht lange auf
sich warten: "Als seine Brüder sahen, daß ihn sein Vater
liebte
vor allen seinen Brüdern, da haßten sie ihn" (V.4). Zweitens
üble Nachrede: "..und Josef brachte üble Nachrede von ihnen
an ihren Vater" (V.2). Drittens: die Träume und Bestrebungen
eines der Brüder (und dazu noch fast der Jüngste dieser
Gemeinschaft) auf die Vormachtstellung innerhalb der ganzen
Familie. "Da hatte Josef einen Traum... und siehe, ringsum
stellten sich eure Garbenbunde und beugten sich vor meinem
Garbenbunde... Siehe, ich habe noch einen Traum gehabt, und
siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne bückten sich vor
mir" (V.5-9). Auch hierbei lautet das Ergebnis: "..und sie haßten
ihn noch mehr" (V.5). Und nicht nur das, der Träumer verkündet
seine Träume in aller Öffentlichkeit! Hier zeigt sich eine
doppelte Wirkung: "Und sie haßten ihn noch mehr, wegen
seiner Träume und wegen seiner Reden" (V.8).
Und dennoch, ein Fenster der Hoffnung öffnet sich den Kindern
Israels, als Josef, der "wegen seiner Träume und wegen seiner
Reden" Verhaßte, sich nicht von diesem Haß mitreißen
ließ,
sondern lautstark verkündete: "Meine Brüder suche ich..."
(Gen.
37,16).
| HaRav
Aviner
Der Kampf um die
Erziehung
Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa
von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt |
 |
Kürzlich wurde eine Untersuchungskommission zur Prüfung von
Wegen der Verbesserung des Erziehungswesens im Staate
Israel eingesetzt - jascher koach! Die Kommission setzte sich
zusammen aus Leuten unterschiedlicher Gesellschaftsgruppen,
die sich ernsthaft mit der Frage beschäftigten - jascher koach!
Die Kommission wollte u.a. die Kosten für die Erziehung
herabsetzen - jascher koach! Die Kommission wollte sich um
das Fortkommen und die Einheit aller Schüler aus allen Kreisen
und Schichten kümmern - jascher koach! Sicher muß
man sich
mit den Erkenntnissen dieser Kommission respektvoll und
ernsthaft auseinandersetzen.
Das gilt allerdings nur solange, wie es sich um ein Gutachten
handelt. Wenn man diese Ergebnisse dem religiösen
Erziehungswesen im Lande aber aufzwingen will - dann sind
wir dagegen. Wir lehnen jeden religiösen Zwang ab - aber auch,
und nicht minder, anti-religiösen Zwang. Eine überwiegend
aus
Religionsleugnern zusammengesetzte Kommission wird uns
nicht vorschreiben, wie wir Religion lehren. Zum Beispiel ist der
Vorschlag, die Schulwoche auf fünf Tage zu verkürzen und
den
Freitag frei für die Familie, nicht fürs Lernen zu machen,
eine
Überlegung wert, doch entscheiden werden wir darüber,
und
zwar auf der Grundlage von Tora und Glauben.
Wir sehen uns nicht als ein Häuflein Armseliger, die die
heranstürmenden Kosakenhorden um Gnade für sich und ihr
Erziehungswesen anflehen, als ob jene die Herren im Staate
wären. Vielmehr kommen wir mit allen anderen als Herren im
Lande zusammen und sagen: Nein! In Liebe und Brüderlichkeit,
in Frieden und Freundschaft, aber - Nein! Die Entscheidung der
Kommission, die Hälfte aller religiösen Schulen zu schließen,
die selbständige Leitung des religiösen Erziehungswesens
abzuschaffen und alles dem generellen Erziehungministerium
anzugliedern, das von nun an Lehrer, Direktoren und
Aufsichtspersonal auswählt, die Lehrpläne erstellt und die
Lehrerausbildung kontrolliert - dazu wird es nicht kommen!
Nicht die Kommission entscheidet über die Lernziele, die
nunmehr als Bemessungsgrundlage für die jeder Schule
zuzuteilenden Gelder dienen sollen, sondern die Tora!
Bei Erlassen gegen die Tora sind wir zu Opferbereitschaft
aufgefordert. Auch für die Erziehung muß man sich aufopfern!
"Selbst bei Todesgefahr nicht das Gebot übertreten"! Natürlich
hat hier niemand die Absicht, irgendwen umzubringen, um
G~ttes Willen. Vielmehr wollen wir damit sagen, daß man jetzt
nicht untätig beiseitestehen darf, sondern in das Geschehen
eingreifen muß. Nach einer Responsa von Rabbiner Moscheh
Feinstein (USA, eine der größten halachischen Autoritäten
der
vorigen Generation) gelten solche Situationen als
Ausnahmefälle, und das rechtfertigt, das gesamte
Erziehungswesen zum Stillstand zu bringen, um das gesamte
Erziehungswesen zu retten.
Auf jeden Fall muß es verbessert werden. Übrigens ist die
Erziehung kein Kinderspiel. Kritisieren ist leicht, tagtägliche
Beschäftigung damit ganz und gar nicht. Eine Besserung wird
nur durch eine engere Verbindung zur Tora eintreten, durch
mehr Himmelsfurcht und Glauben. Dadurch wird sich auch die
Motivation für andere Fächer erhöhen.
Überhaupt darf man in der Erziehung die institutionellen
Strukturen nicht so ohne Weiteres ändern, wie seinerzeit
Rabbiner A.J. Kuk sagte. Wenn sich ein bestimmter Rahmen
bewährt hat, zerstöre ihn nicht, um etwas Neues zu schaffen,
von dem man nicht weiß, was am Ende dabei herauskommt.
Eine Synagoge darf man nicht einreißen, selbst wenn man an
ihrer Stelle eine neue bauen will (Baba batra 4a), denn vielleicht
gelingt der Abbruch, nicht aber der Aufbau, und man steht ganz
ohne da. Vielmehr, sagte Rabbiner Kuk, füge dem Alten Neues
hinzu. Vor allem war er an zwei Neuerungen interessiert:
Ordnung und Sauberkeit, und das gründliche Studium unseres
Verhältnisses zu G~tt (Emuna). Natürlich waren diese
Dinge gar
nicht so neu, im Gegenteil. Außer diesen wollte er aber nichts
geändert sehen.
Deshalb können wir nicht verstehen, "wie so die Weisheit der
Weisen verlorenging". Wer käme überhaupt auf den Gedanken,
daß uns das staatliche Erziehungswesen erklären wollte,
wie
man Glauben, Himmelsfurcht und gute Eigenschaften zu lehren
hätte. "Soll denn der, der weder selbst Sprengender [Priester,
der im Tempel Wasser sprengt] noch Sohn eines Sprengenden
ist, zum Sprengenden, dem Sohn eines Sprengenden, sagen:
Dein Wasser ist Spülwasser [kein echtes Sprengwasser], und
deine Asche Herdasche ?!" (Brachot 28a). Unglaublich!
Darum müssen diese Zwangsverordnungen sofort rückgängig
gemacht werden, und wenn nicht, bleibt uns keine andere Wahl,
als ein eigenes, selbständiges Erziehungswesen auf die Beine
zu stellen. Dann werden wir lernen, wie wir unser eigenes
System im Lichte der Tora verbessern, im Lichte der Mischna,
der Gemara, der frühen und späteren Rabbiner, unserer
heiligen und respektierten Rabbiner aller Generationen, bis hin
zu unserer.
Über die Unabhängigkeit der religiösen Erziehung kann
es keine
Kompromisse geben. Sicher gibt es im israelischen
Erziehungswesen ganz allgemein viele Probleme, die beseitigt
werden müssen, doch gerade die religiöse Erziehung kann die
größten Erfolge aufweisen, und was hat man denn davon, sie
zu zerstören?!
Zu Beginn unseres Staates wurde auf barbarische Weise
antireligiöser Zwang ausgeübt. Heute haben sich die Methoden
etwas verfeinert: Verbrennen der Seele bei notdürftiger
Erhaltung der körperlichen Hülle. Diesen Plänen fehlt
die Seele:
Tora, Emuna, Himmelsfurcht, Opferbereitschaft für die Gebote,
stattdessen Seelenlosigkeit, Lippenbekenntnisse und
inhaltslose religiöse Verrichtungen, solange sie nicht zu
schwerfallen und nicht den Werten der staatlichen Erziehung
widersprechen. Besonders verwunderlich ist die Formulierung
der Einleitung: "Seit Anbeginn des Bestehens der zionistischen
Bewegung erstand in ihr eine zionistisch-religiöse Strömung
von
Juden". Nein! Es ist die wahre und ewige Tora, die uns bei
unserer nationalen Wiedererstehung anleitet.
Glücklicherweise bringt der Herr der Welt seine Präsenz zurück
nach Zion, und wir mehren Tora und Erziehung. Mit vereinten
Kräften werden wir gegen diese üblen Verordnungen kämpfen
und sie überwinden.
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