DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJESCHEW
Nr. 489
21. Kislev 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Gen. 37,1 - 40,23):
Josefs Träume, Feindschaft seiner Brüder, als Sklave nach 
Ägypten, Jehuda und Tamar, Josef im Hause Potifar, im 
Gefängnis, deutet die Träume Pharaos Mundschenks und 
Bäckers.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Das Opferschwein

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Der Kampf zwischen der jüdischen Lebensweise und der 
hellenistischen Kultur endete nicht mit dem Sieg der Makkabäer 
über die Griechen. Er ging viele Generationen weiter, indem er 
die eine oder die andere Form annahm. Ein erschütterndes 
Beispiel für das Aufeinanderprallen der Kulturen schildert der 
Talmud (Baba kama 82b) gerade aus der Endzeit des 
Chaschmonäer-Königtums:

"Als die [Könige des] chaschmonäischen Hauses einander 
bekämpften, befand sich Hyrkanos außerhalb [der Mauer 
Jerusalems] und Aristobulos innerhalb. Täglich ließen sie ihnen 
Denare in einem Korbe herab und zogen dafür [Vieh für] das 
tägliche Opfer herauf. Unter ihnen befand sich ein Greis, der in 
der griechischen Weisheit kundig war, und er sprach zu ihnen: 
Solange sie den Opferdienst üben, geraten sie nicht in eure 
Hände. Als sie ihnen am folgenden Tage wiederum Denare in 
einem Korbe herabließen, zogen sie ein Schwein herauf, das, 
als es die Mitte der Mauer erreichte, die Klauen gegen die 
Mauer stemmte, und das Israelland wurde vierhundert 
Parasangen zu vierhundert Parasangen erschüttert". 

Die Lehre, die die Weisen jener Generation aus diesem Vorfall 
zogen, erstaunt ganz außerordentlich:
"In jener Stunde sprachen sie: Verflucht sei der Mann, der 
Schweine züchtet, und verflucht sei der Mensch, der seinen 
Sohn griechische Weisheit lehrt".

Auf den ersten Blick scheint dieses Resultat unverständlich. 
Zwar zog der Ratschlag dieses Greises schwere Konsequenzen 
nach sich, und die Ausführung erschütterte alle. Wie aber kann 
ein einzelner Vorfall, so schlimm er auch gewesen sein mag, ein 
so weitreichendes Resultat mit Bedeutung für alle Zeiten 
verursachen? Überdies fragt man sich: Was ist mit der 
Hauptsache? Gibt es denn keine Lehren aus dem Bruderkrieg 
zwischen den Chaschmonäern zu ziehen?! Muß man sich nicht 
über die Übergabe Jerusalems an die Legionen des Pompejus, 
den römischen Heerführer, ernsthaftere Gedanken machen? 
Warum ließ man die Hauptsache außer acht, das furchtbare 
nationale Verbrechen des Bruderkrieges und die Auslieferung 
des ganzen Landes an den Feind, und nahm etwas ganz 
Nebensächliches, einen Einzelfall, bei dem ein einzelner 
Mensch vorschlug, ein Schwein als Opfertier zum Tempel zu 
schicken, zum Anlaß für eine Verordnung?

Auf diese Frage antwortete Rabbi Zadok Hakohen aus Lublin in 
seinem Buch "Diwre Sofrim": Die Hauptsache wird nämlich gar 
nicht zugunsten der Nebensache vernachlässigt, vielmehr 
symbolisiert die Geschichte vom Heraufschicken des 
Schweines genau diese Hauptsache. Die talmudischen Weisen 
schon betonten die Verwendung des Schweines als Symbol für 
die römische Gewaltherrschaft. "Und das Schwein - Edom", wie 
es heißt: "Es benagt ihn das Schwein aus dem Walde..." (Psalm 
80,14; Midrasch Wajikra raba §13). Mit dieser Frage 
beschäftigten sich die Weisen jener Generation: Wie konnte es 
zu jener nationalen Katastrophe kommen, daß es unsere 
eigenen Brüder, Söhne des gleichen Volkes, vorzogen, das 
Land, das Volk, die Regierungsherrschaft und den Tempel 
jenem "Schwein" auszuliefern, dem römischen Heerführer 
Pompejus? Auch richtete sich die Anschuldigung wirklich nicht 
nur gegen jenen Einzelnen, den Greis, der sich in griechischer 
Weisheit auskannte, sondern gegen einen großen Teil des 
Volkes, der der hellenistischen Kultur folgte und von ihr 
mitgerissen wurde. Dort war die Wurzel der Feindseligkeit zu 
suchen. Von daher stammte das zynische Verhältnis zur 
Heiligkeit des Tempels. Das führte weiter zum Verlust des 
Bewußtseins der Heiligkeit von Volk und Land und säte die 
Grundlage in den Gemütern für den Bruderkrieg. So konnte es 
schließlich zur Bevorzugung des römischen Adlers vor der 
jüdischen Unabhängigkeit kommen. 

Darum erklärten die Weisen jener Generation: "verflucht sei der 
Mensch, der seinen Sohn griechische Weisheit lehrt". Es 
besteht zwar manchmal eine gewisse Notwendigkeit, die Kultur 
der Nachbarvölker kennenzulernen, damit sollten sich allerdings 
nur reife und charakterfeste Erwachsene beschäftigen. Die 
Jugendlichen lehre man im Lichte der Weisheit des Heiligen, 
damit sie keine fremden Inhalte in ihre Persönlichkeit 
integrieren, solange sie nicht über die nötige Kritik- und 
Urteilsfähigkeit den Dingen gegenüber verfügen, denen sie 
begegnen. - Weiter erklärten sie: "Verflucht sei der Mann, der 
Schweine züchtet"; zwar müssen manchmal mit den im Lande 
herrschenden Römern Verhandlungen geführt werden -wir 
dürfen sie jedoch nicht mit eigenen Händen großziehen und 
noch stärker machen!

Von dieser Geschichte lassen sich mit Leichtigkeit Vergleiche 
mit unserer heutigen Zeit anstellen. Wer wohl der heutige 
"Hyrkanos" oder "Aristobulos" wäre, der "Greis, der sich in 
griechischer Weisheit auskennt", und wer wohl das "Schwein" 
unseres Zeitalters ist... An dieser Stelle sollte man sich 
allerdings vor übertriebenen Vereinfachungen hüten. 
Bruderkriege haben viele Ursachen, und am Ende stehen 
Zerstörung und Exil, seit dem Haß der Brüder Josefs, die ihn 
töten wollten und ihn am Ende an vorüberziehende 
Ischma'eliten verkauften, bis hin zum grundlosen Haß, der zur 
Zerstörung des zweiten Tempels führte. Zur Vervollständigung 
des Bildes wollen wir einen Blick in unseren Wochenabschnitt 
werfen, Parschat Wajeschew. Was waren die Wurzeln des 
Bruderhasses, weit bevor Griechen und Hellenisten in unserer 
Welt erschienen? Dazu gibt es mehrere Punkte zu 
berücksichtigen: Zum einen die Diskriminierung zwischen den 
Brüdern: "Israel aber liebte den Josef vor all seinen Söhnen, 
weil er ihm ein Sohn hohen Alters war, und machte ihm einen 
bunten Rock" (Gen. 37,3). Das Ergebnis ließ nicht lange auf 
sich warten: "Als seine Brüder sahen, daß ihn sein Vater liebte 
vor allen seinen Brüdern, da haßten sie ihn" (V.4). Zweitens 
üble Nachrede: "..und Josef brachte üble Nachrede von ihnen 
an ihren Vater" (V.2). Drittens: die Träume und Bestrebungen 
eines der Brüder (und dazu noch fast der Jüngste dieser 
Gemeinschaft) auf die Vormachtstellung innerhalb der ganzen 
Familie. "Da hatte Josef einen Traum... und siehe, ringsum 
stellten sich eure Garbenbunde und beugten sich vor meinem 
Garbenbunde... Siehe, ich habe noch einen Traum gehabt, und 
siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne bückten sich vor 
mir" (V.5-9). Auch hierbei lautet das Ergebnis: "..und sie haßten 
ihn noch mehr" (V.5). Und nicht nur das, der Träumer verkündet 
seine Träume in aller Öffentlichkeit! Hier zeigt sich eine 
doppelte Wirkung: "Und sie haßten ihn noch mehr, wegen 
seiner Träume und wegen seiner Reden" (V.8). 

Und dennoch, ein Fenster der Hoffnung öffnet sich den Kindern 
Israels, als Josef, der "wegen seiner Träume und wegen seiner 
Reden" Verhaßte, sich nicht von diesem Haß mitreißen ließ, 
sondern lautstark verkündete: "Meine Brüder suche ich..." (Gen. 
37,16).
 
 
HaRav Aviner

Der Kampf um die Erziehung

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Kürzlich wurde eine Untersuchungskommission zur Prüfung von 
Wegen der Verbesserung des Erziehungswesens im Staate 
Israel eingesetzt - jascher koach! Die Kommission setzte sich 
zusammen aus Leuten unterschiedlicher Gesellschaftsgruppen, 
die sich ernsthaft mit der Frage beschäftigten - jascher koach
Die Kommission wollte u.a. die Kosten für die Erziehung 
herabsetzen - jascher koach! Die Kommission wollte sich um 
das Fortkommen und die Einheit aller Schüler aus allen Kreisen 
und Schichten kümmern - jascher koach! Sicher muß man sich 
mit den Erkenntnissen dieser Kommission respektvoll und 
ernsthaft auseinandersetzen.

Das gilt allerdings nur solange, wie es sich um ein Gutachten 
handelt. Wenn man diese Ergebnisse dem religiösen 
Erziehungswesen im Lande aber aufzwingen will - dann sind 
wir dagegen. Wir lehnen jeden religiösen Zwang ab - aber auch, 
und nicht minder, anti-religiösen Zwang. Eine überwiegend aus 
Religionsleugnern zusammengesetzte Kommission wird uns 
nicht vorschreiben, wie wir Religion lehren. Zum Beispiel ist der 
Vorschlag, die Schulwoche auf fünf Tage zu verkürzen und den 
Freitag frei für die Familie, nicht fürs Lernen zu machen, eine 
Überlegung wert, doch entscheiden werden wir darüber, und 
zwar auf der Grundlage von Tora und Glauben.

Wir sehen uns nicht als ein Häuflein Armseliger, die die 
heranstürmenden Kosakenhorden um Gnade für sich und ihr 
Erziehungswesen anflehen, als ob jene die Herren im Staate 
wären. Vielmehr kommen wir mit allen anderen als Herren im 
Lande zusammen und sagen: Nein! In Liebe und Brüderlichkeit, 
in Frieden und Freundschaft, aber - Nein! Die Entscheidung der 
Kommission, die Hälfte aller religiösen Schulen zu schließen, 
die selbständige Leitung des religiösen Erziehungswesens 
abzuschaffen und alles dem generellen Erziehungministerium 
anzugliedern, das von nun an Lehrer, Direktoren und 
Aufsichtspersonal auswählt, die Lehrpläne erstellt und die 
Lehrerausbildung kontrolliert - dazu wird es nicht kommen!

Nicht die Kommission entscheidet über die Lernziele, die 
nunmehr als Bemessungsgrundlage für die jeder Schule 
zuzuteilenden Gelder dienen sollen, sondern die Tora!

Bei Erlassen gegen die Tora sind wir zu Opferbereitschaft 
aufgefordert. Auch für die Erziehung muß man sich aufopfern! 
"Selbst bei Todesgefahr nicht das Gebot übertreten"! Natürlich 
hat hier niemand die Absicht, irgendwen umzubringen, um 
G~ttes Willen. Vielmehr wollen wir damit sagen, daß man jetzt 
nicht untätig beiseitestehen darf, sondern in das Geschehen 
eingreifen muß. Nach einer Responsa von Rabbiner Moscheh 
Feinstein (USA, eine der größten halachischen Autoritäten der 
vorigen Generation) gelten solche Situationen als 
Ausnahmefälle, und das rechtfertigt, das gesamte 
Erziehungswesen zum Stillstand zu bringen, um das gesamte 
Erziehungswesen zu retten. 

Auf jeden Fall muß es verbessert werden. Übrigens ist die 
Erziehung kein Kinderspiel. Kritisieren ist leicht, tagtägliche 
Beschäftigung damit ganz und gar nicht. Eine Besserung wird 
nur durch eine engere Verbindung zur Tora eintreten, durch 
mehr Himmelsfurcht und Glauben. Dadurch wird sich auch die 
Motivation für andere Fächer erhöhen. 

Überhaupt darf man in der Erziehung die institutionellen 
Strukturen nicht so ohne Weiteres ändern, wie seinerzeit 
Rabbiner A.J. Kuk sagte. Wenn sich ein bestimmter Rahmen 
bewährt hat, zerstöre ihn nicht, um etwas Neues zu schaffen, 
von dem man nicht weiß, was am Ende dabei herauskommt. 
Eine Synagoge darf man nicht einreißen, selbst wenn man an 
ihrer Stelle eine neue bauen will (Baba batra 4a), denn vielleicht 
gelingt der Abbruch, nicht aber der Aufbau, und man steht ganz 
ohne da. Vielmehr, sagte Rabbiner Kuk, füge dem Alten Neues 
hinzu. Vor allem war er an zwei Neuerungen interessiert: 
Ordnung und Sauberkeit, und das gründliche Studium unseres 
Verhältnisses zu G~tt (Emuna). Natürlich waren diese Dinge gar 
nicht so neu, im Gegenteil. Außer diesen wollte er aber nichts 
geändert sehen. 

Deshalb können wir nicht verstehen, "wie so die Weisheit der 
Weisen verlorenging". Wer käme überhaupt auf den Gedanken, 
daß uns das staatliche Erziehungswesen erklären wollte, wie 
man Glauben, Himmelsfurcht und gute Eigenschaften zu lehren 
hätte. "Soll denn der, der weder selbst Sprengender [Priester, 
der im Tempel Wasser sprengt] noch Sohn eines Sprengenden 
ist, zum Sprengenden, dem Sohn eines Sprengenden, sagen: 
Dein Wasser ist Spülwasser [kein echtes Sprengwasser], und 
deine Asche Herdasche ?!" (Brachot 28a). Unglaublich!

Darum müssen diese Zwangsverordnungen sofort rückgängig 
gemacht werden, und wenn nicht, bleibt uns keine andere Wahl, 
als ein eigenes, selbständiges Erziehungswesen auf die Beine 
zu stellen. Dann werden wir lernen, wie wir unser eigenes 
System im Lichte der Tora verbessern, im Lichte der Mischna, 
der Gemara, der frühen und späteren Rabbiner, unserer 
heiligen und respektierten Rabbiner aller Generationen, bis hin 
zu unserer. 

Über die Unabhängigkeit der religiösen Erziehung kann es keine 
Kompromisse geben. Sicher gibt es im israelischen 
Erziehungswesen ganz allgemein viele Probleme, die beseitigt 
werden müssen, doch gerade die religiöse Erziehung kann die 
größten Erfolge aufweisen, und was hat man denn davon, sie 
zu zerstören?!

Zu Beginn unseres Staates wurde auf barbarische Weise 
antireligiöser Zwang ausgeübt. Heute haben sich die Methoden 
etwas verfeinert: Verbrennen der Seele bei notdürftiger 
Erhaltung der körperlichen Hülle. Diesen Plänen fehlt die Seele: 
Tora, Emuna, Himmelsfurcht, Opferbereitschaft für die Gebote, 
stattdessen Seelenlosigkeit, Lippenbekenntnisse und 
inhaltslose religiöse Verrichtungen, solange sie nicht zu 
schwerfallen und nicht den Werten der staatlichen Erziehung 
widersprechen. Besonders verwunderlich ist die Formulierung 
der Einleitung: "Seit Anbeginn des Bestehens der zionistischen 
Bewegung erstand in ihr eine zionistisch-religiöse Strömung von 
Juden". Nein! Es ist die wahre und ewige Tora, die uns bei 
unserer nationalen Wiedererstehung anleitet.

Glücklicherweise bringt der Herr der Welt seine Präsenz zurück 
nach Zion, und wir mehren Tora und Erziehung. Mit vereinten 
Kräften werden wir gegen diese üblen Verordnungen kämpfen 
und sie überwinden.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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