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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN
IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJISCHLACH
Nr. 488
14. Kislev 5765
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage:
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-Archiv der
"Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag'
den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Gen. 32,4
- 36,43):
Jakovs Heimkehr nach Kana'an, Kampf mit
dem Engel,
Geschenke an Eßaw, Jakov trifft
Eßaw, Landkauf bei
Sch'chem, Entführung Dinas durch
Herrscher von Sch'chem,
Scheinvertrag, Tötung der Verantwortlichen
durch Levi und
Schimon, Jakov>Israel, Beschränkung
des Awraham und
Jizchak gegebenen Versprechens des Landes
Israel auf Jakov
und seine Nachkommen, Tod Rachels bei
der Geburt
Benjamins.
| Am
Schabbes-Tisch...
Mein Bruder Eßaw
Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch |
Der Torakommentar "HaEmek Dawar" zu Gen. 33,1 macht auf
eine Änderung in Jakovs Vorbereitungen auf das Treffen mit
Eßaw aufmerksam, und zwar in der Anordnung seines Lagers in
Hinblick auf diese schicksalsschwere Begegnung. Zuerst plante
unser Vorvater Jakov für drei verschiedene Szenarios:
Geschenk, Gebet und Gefecht, und deshalb teilte er das ihn
begleitende Fußvolk in zwei Lager - "wenn Eßaw über
das eine
Lager kommt und es schlägt, so bleibt dem übriggebliebenen
Lager Entrinnung" (Gen. 32,9). Die Kommentatoren versuchten,
eine rationale Erklärung für dieses Vorgehen zu finden, das
die
Überlebens- und Fluchtchancen wenigstens eines Teiles seiner
Leute erhöht oder sogar eine kämpferische Erwiderung
ermöglicht. Die talmudischen Weisen lobten diesen Schritt und
entnahmen daraus eine Lehre für alle Zeiten: "Hier lehrte dich
die Tora praktisches Verhalten, daß ein Mensch nicht all sein
Geld in eine einzige Ecke tue" (Midrasch), und so wie der
Prophet Ovadia hundert Propheten G~ttes versteckte, fünfzig in
einer Höhle und fünfzig in einer anderen Höhle (Kö.I,
18,4).
In diesem Lichte gilt es nun, Jakovs Verhalten zu betrachten,
der im letzten Moment seine Pläne änderte und seine ganze
Familie zusammen in einer Gruppe Eßaw präsentierte.
Der Neziw (Rabbiner Naftali Zwi Jehuda Berlin, Autor des
"HaEmek Dawar") aus Woloschin brachte diese Änderung in
Zusammenhang mit Jakovs nächtlicher Begegnung mit dem
Engel, in deren Verlauf Jakov der Charakter der
Auseinandersetzung mit Eßaw klar wurde. - Diese Deutung ist
noch zu vertiefen: Der Kampf mit dem Engel verstärkte in Jakov
die verdeckte Befürchtung, die ihn während der Vorbereitung
auf die Begegnung mit Eßaw begleitete, daß Eßaw ihn
gar nicht
zu schlagen beabsichtigte, sondern ihn im Gegenteil umarmen
wollte. Nach dem Kampf mit dem "Fürsten von Eßaw" erkannte
er die Größe der kulturellen Gefahr, die ihm gerade aus
dieser
Verbindung mit ihm drohte, die keineswegs geringer als die
existenzielle Gefahr des Krieges mit Eßaw, vielleicht sogar
größer einzustufen war.
Bereits zu Anbeginn brachte Jakov eine doppelte Befürchtung
zum Ausdruck: "Rette mich doch aus der Hand meines Bruders,
aus der Hand Eßaws" (Gen. 32,12), vielleicht zeigt er einerseits
seine Bosheit, und andererseits seine Brüderlichkeit. Der
Kommentar "Schem MeSchmu'el" fügte auf seine scharfsinnige
Weise hinzu, daß in Wirklichkeit kein Widerspruch darin
bestand, ob Eßaw Jakov aus vollem Herzen küssen oder aber
ihm einen tödlichen Nackenbiß verpassen wollte (siehe Raschi
zu 33,4). Selbst wer die Ansicht vertritt, Eßaw wollte "beißen",
räumt ein, daß er Jakov tatsächlich einen Bruderkuß
gab, doch
dieser Kuß zählte für Jakov wie ein Biß, der
noch in viel
späteren Generationen viele Opfer im jüdischen Volk forderte,
mehr als ein einmaliger, physischer Biß.
Solange sich die Gefahr im Bereich des Existenziellen bewegte,
hielt Jakov richtigerweise eine Aufteilung seiner Leute für
vorteilhafter, und erhöhte damit die Überlebenschancen des
jüdischen Volkes. Je deutlicher ihm aber die spirituelle
Gefahr
vor Augen erschien, sah er ein, daß ein Zusammenfassen aller
Kräfte angezeigt war, um gemeinschaftlich die Gefahr der
Assimilation und der Zerstreuung abzuweisen.
Und wirklich zeigte sich Jakovs Befürchtung vor Eßaws
Brüderlichkeit als begründet, als letzterer so sehr sich
mit ihm
zu verbinden suchte: "Und er sprach: Laß uns aufbrechen und
weiterziehen, und ich will neben dir her ziehen" (33,12). Es sieht
so aus, als ziehe sich Jakov diplomatisch aus der Affäre, indem
er angibt, die Kinder seien klein und schwach und bedürfen
besonderer Pflege, und auch das Kleinvieh komme nicht so
schnell mit. Doch Rabenu Bechaje sah in Jakovs Worten einen
deutlichen Hinweis auf ein Zurückschrecken vor übermäßiger
Annäherung an Eßaw. Solange die Kinder noch klein und
schwach in der Gebotserfüllung sind, muß man sie langsam
auf
ihrem langen Wege begleiten, bis sie über die nötige spirituelle
Festigkeit verfügen, um so eine Begegnung mit dem nötigen
Rückgrat zu bestehen. Wenn sie nämlich den kulturellen
Einflüssen unkontrolliert ausgesetzt werden, können die Juden,
die auch "Herde" genannt werden, ihre spirituelle
Widerstandskraft verlieren und jeder geistigen Mode
nachlaufen.
Die Kinder Jakovs sind es würdig, seinem langsamen Weg zu
folgen und sich fürs erste ins Lehrhaus von Schem und Ewer
zurückzuziehen, um dort die geistigen Batterien gründlich
aufzuladen, "bis daß ich komme zu meinem Herrn nach Se'ir"
(Gen. 33,14).
| HaRav
Aviner
Rachel
Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa
von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt |
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Heute nacht schlief ich nicht gut. Ich war beunruhigt. Auch pfiff
der Wind durch alle Ritzen, und die Türen knarrten. Schließlich
schlief ich doch ein. Plötzlich weckt mich die große Standuhr.
Ich zähle zwölf Glockenschläge. Gleichzeitig reißt
der Wind das
Fenster auf, ich spüre seine Kälte im Gesicht. Die Gardinen
flattern hin und her. Etwas zieht mich ans Fenster. Draußen -
tiefste Finsternis, kein Mond und keine Sterne. Nur der Wind,
der heulende Wind. Ich lehne auf der Fensterbank. Schließlich
bricht etwas Mondlicht durch die Wolken. Es beginnt ein
Wechselspiel von Licht und Schatten in einer Luft voller
Nebelfetzen. Ich strenge meine Augen an, und siehe, langsam
erscheint eine Figur aus dem Dunkel.
Ich sehe eine große Frau, von aufrechter aristokratischer Statur,
sensibel, ganz und gar Himmelsfurcht, edel, sittsam, mit
langem, weiten schwarzen Kleid, nur mit einem hohen weißen
Kragen versehen, der den Hals bedeckt. Um den Kopf trägt sie
ein großes schwarzes Tuch, ohne jegliche Verzierung, das alle
ihre Haare bedeckt, außer einzelnen, die auf ihre Stirn fallen.
Plötzlich bewegen sich ihre Lippen, und eine tiefe Stimme
spricht: "Ich bin Rachel". - "Unsere Stammutter Rachel!", sagte
ich, fast ohnmächtig vor Angst. "Ja. Rachel. Ich bin gekommen,
um euch zu sagen, wie ihr mich erniedrigt, mit den Füßen
tretet
und verunglimpft", und eine Träne zeigte sich an ihrem Auge.
"Wie denn?", fragte ich.
"Ich war mit euch in allen euren Exilen. Für euch wurde ich auf
dem Wege begraben, und nicht zusammen mit Jakov, meinem
geliebten Mann, dem Gerechten. Alleine war ich in meinem
Grab. Als ihr nach der ersten Tempelzerstörung ins Exil zogt in
langen Kolonnen, Männer, Frauen und Kinder, gebrochen und
verarmt, den Schikanen des Feindes ausgesetzt, stieg ich auf
mein Grab, weinte und bat um Erbarmen für euch. "Eine
Stimme der Klage wird zu Ramah gehört... Rachel weint um ihre
Kinder". Und der Herr der Welt antwortete: "Ein Lohn ist für dein
Tun... es werden zurückkehren die Kinder in ihr Gebiet".
"Ja, ich erinnere mich", sagte ich, "so steht es beim Propheten
Jirmijahu (31, 14-16) und auch der Raschikommentar (zu Gen.
48,7) erwähnt es". Erst dann fiel mir auf, daß diese wundersame
Erscheinung vor mir ein Buch in ihren Händen hielt. Mit einiger
Anstrengung gelang es mir, die Schrift auf dem Buchrücken zu
entziffern: Chumasch - Raschi.
"Ich war mit euch in allen euren Zerstreuungen", fuhr unsere
Stammutter Rachel fort, "ich war die göttliche Kraft, die in euch
wirkte, und nur dank dieser Kraft hieltet ihr selbst in den
schlimmsten Lagen aus. Ich bewirkte und erhielt in euch die
Hoffnung, nach all diesen Leiden und Verfolgungen, Tötung der
Körper und Verbrennung der Seelen, in euer Land
zurückzukehren: es werden zurückkehren die Kinder in ihr
Gebiet".
"Und wie soll das vonstattengehen?", fragte ich.
"Ich bin Rachel, ich bin die Hirtin, ich bin die göttliche Präsenz,
ich behüte euch vor spirituellen und materiellen Gefahren, damit
ihr überlebt und nachhause zurückkehrt. Ich erhalte euch
den
ganzen Weg bis zum Ende. Der Weg ist lang und beschwerlich,
doch ich bin immer mit euch. Ich leide mit euch. Ich bin mit euch
in eurem Exil" (MaHaRaL, Nezach Israel, Ende des 1. Kap.).
"Ja", sagte ich, schwer atmend.
"Und jetzt seid ihr am Ende des Weges angekommen. Die
Kinder sind in ihr Gebiet zurückgekehrt. G~ttseidank gibt
es
einen Lohn für mein Tun. Nun glaubte ich, auch halte zurück
deine Augen von Tränen könnte Wirklichkeit werden.
Leider ist
das nicht der Fall".
"Warum?", fragte ich zitternd.
"Weil ihr mein Land wie mit dem Messer zerteilt und ganze
Streifen den Söhnen meines bösen Onkels Ischmael geben
wollt. Das ist nicht sein Land! Meine Kinder wollt ihr aus meinem
Land vertreiben! Meine teuren Kinder, die dort mit großer
Opferbereitschaft leben, wo sie böse, grausame Feinde ohne
Unterlaß bedrängen; sie werden getötet oder verletzt,
es gibt
dort Kinder mit amputierten Gliedmaßen, und ihr schützt
sie
nicht mit eurer Armee und wollt sie obendrein von dort
vertreiben".
Eine Flut von Tränen brach plötzlich aus ihren Augen hervor
und strömte zu Boden. Ich fühlte, wie meine Kräfte mich
verließen, wie ich an den Rand der Ohnmacht gelangte und
mich nur mühsam an der Fensterbank festhalten konnte. Ich
wußte nichts zu antworten. Unsere Stammutter Rachel fuhr fort:
"Ich habe immer geschwiegen. Ich schwieg, wie mein Vater
mich tagtäglich betrog und meiner Schwester die Geschenke
gab, die mir mein geliebter Jakov jeden Tag schickte. Ich sagte
zum Herrn der Welt: Es ist offen und bewußt vor dir, daß
alle
Arbeit, die dein Knecht Jakov meinem Vater leistete, nur um
meinetwillen leistete, und trotzdem, als mein Vater mich unter
dem Hochzeitsbaldachin hervorzog und stattdessen meine
Schwester darunterschob, schwieg ich dazu. Und nicht nur das,
ich gab ihr selber die mit Jakov vereinbarten Zeichen. Da sagte
mir der Heilige, gelobt sei sein Name: Für dich, Rachel, bringe
ich die Israeliten in ihr Gebiet zurück" (siehe Raschi zu Jirmijahu
31,14). "Und was geschah?" fragte ich. "G~tt sprach die
Wahrheit, er versprach, und jetzt erfüllt er Halte zurück
deine
Stimme vom Weinen und deine Augen von Tränen; denn ein
Lohn ist für dein Tun, ist der Spruch des Ewigen, und sie
werden zurückkehren aus dem Lande des Feindes. Und
Hoffnung ist für deine Zukunft, ist der Spruch des Ewigen,
und
es werden zurückkehren die Kinder in ihr Gebiet (31, 15-16).
Ich
freute mich schon, aber jetzt macht ihr alles zunichte".
"Warum?", fragte ich mit bebender Stimme. "Weil ihr selber zu
Feinden wurdet. Während eures ganzen Exils schlugen und
vertrieben euch eure Feinde, und ihre Soldaten trieben ihr
grausames Spiel mit euch. Heute habt ihr eure eigene Armee,
doch ihr benutzt sie, um meine Kinder zu schlagen und zu
vertreiben. Habt ihr vergessen, daß ihr Brüder seid?!" "Was
können wir tun?" "Vergeßt niemals die Worte des für
den Krieg
gesalbten Priesters: Höre Israel, ihr tretet jetzt hin zum
Kampfe
gegen eure Feinde - und nicht gegen eure Brüder; nicht Jehuda
gegen Schimon und nicht Schimon gegen Benjamin" (Mischna
Sota 8,1). "Das also müssen wir tun: Unsere Armee gegen
unsere Feinde einsetzen und nicht gegen unsere Brüder", sagte
ich. "Genau! Kampf gegen eure Feinde - und nicht gegen eure
Brüder", sagte sie, und ein fürstliches Lächeln
breitete sich über
ihr Gesicht, wobei ihre Gestalt langsam in den Nebelschwaden
verschwand.
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