DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJAKHEL
Nr. 502
24. Adar I 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 35,1 - 38,20):
Kein Feuermachen am Schabbat; Aufruf zu Materialspenden für 
alle Teile des Heiligtums; künstlerische Fertigung und genaue 
Beschreibung des Stiftszeltes, der Bundeslade, des Tisches der 
Schaubrote, des Räucheraltars und des Wasserbehälters.
 
Am Schabbes-Tisch...

Mit Gefühl und mit Verstand

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Nach einem bekannten Prinzip "wurde nur diejenige Prophetie 
niedergeschrieben, die auch für die späteren Generationen 
nötig war" (Megilla 14a), was erst recht für die Erzählungen des 
Pentateuch gilt. Darum ist besonders verwunderlich, warum die 
Tora so ausgiebig Bezalel hervorhebt und seine besonderen 
Eigenschaften beschreibt - was haben wir von all diesen 
Dingen? Und nicht nur, daß sein Name im Zusammenhang mit 
der dokumentarischen Beschreibung des Wüstenheiligtums 
genannt wird, ihm wurde sogar eine besondere Erwähnung 
durch Moscheh gegenüber dem ganzen Volk zuteil: "Sehet, der 
Ewige hat mit Namen berufen Bezalel..." (Ex. 35,30), unter 
ausdrücklicher Nennung seiner Abstammung. Daraus läßt sich 
schließen, daß seine Berufung an die Spitze der Schaffenden 
beim Bau des Heiligtums die ganze Öffentlichkeit angeht, bis hin 
zur Einholung allgemeiner Zustimmung, wie bei der Wahl der 
politischen Führung (Ba'al Haturim).

Diese herausstechende Geschichte fällt um so mehr auf, wenn 
man ihre Einbettung in den Abschnitt der Spenden für das 
Heiligtum berücksichtigt, den eher Volkstümlichkeit 
kennzeichnet, was durch die Anonymität der Spender aus dem 
einfachen Volke zum Ausdruck kommt. "Und es kamen Männer 
samt Frauen... jeglicher... Jeder, der eine Hebe an Silber und 
Kupfer erhob..." (Ex. 35,22+24). Im Gegenteil - die talmudischen 
Weisen äußerten Kritik an den Stammesfürsten, die sich nicht 
als gleichwertige Beteiligte mit den übrigen Spendern sahen, 
sondern zusätzliche Preisung durch besondere Gaben suchten, 
die das Fehlen notwendiger Bestandteile bei den Spenden des 
Volkes ausgleichen sollten. Während es allerdings den Gebern 
der Spenden nicht vergönnt war, mit ihren Namen in den 
Schriften genannt zu werden, lesen wir ausführlich über die 
Empfänger der Spenden und über deren besondere 
persönliche Eigenschaften. Darüberhinaus wurde das ganze 
Werk nach ihnen benannt. Doch damit immer noch nicht genug, 
denn nachdem das Volk bereits alles Nötige gespendet hatte, 
begannen sie ihre erste Mission damit, den volkstümlichen 
Abschnitt des Werkes am Heiligtum zu vervollständigen. 

Wie es scheint, soll dieser Abschnitt als Vorbild für alle weiteren 
Werke von Freiwilligkeit im jüdischen Volke dienen, wenn die 
breite Öffentlichkeit zu relevanten Projekten aufgerufen ist. Eine 
breite öffentliche Basis ist gerade in den ersten Stufen solcher 
Projekte nötig, doch müssen wir wissen, daß es auf Dauer 
weder möglich noch gut ist, darauf zu bauen; dadurch kann die 
ganze Arbeit zunichte werden. Darum sollte man von vornherein 
solche Werke auf eine bestimmte Zeit und/oder auf eine 
engumgrenzte Zielvorgabe beschränken. Nicht umsonst betonte 
die Tora Bezalels besondere Persönlichkeit, der seine Weisheit 
durch göttlichen Segen erhielt, damit man ihm nicht irrtümlich 
bloß die organisatorische und logistische Arbeit anrechnet. 

In der nächsten Stufe des Werkes waren die Israeliten dazu 
aufgerufen, eine mit besonderen Begabungen gesegnete 
Persönlichkeit aufzustellen, die sich nicht nur seitens des 
Gefühles wie die anderen Spender auszeichnete, sondern 
gerade durch ihren Verstand und ihre künstlerischen 
Fähigkeiten. "Und hat ihn erfüllt mit dem Geiste G~ttes an 
Kunst, Erfindung, Einsicht und an aller Fertigkeit; und 
Sinnreiches zu ersinnen..." (Ex. 35,31-32). Die Weisheit 
Bezalels zur Ausführung dieser Arbeit machte ihn besonders 
geeignet, diese Aufgabe als sein Lebenswerk auf sich zu 
nehmen, weil zu so einer Aufgabe eine tiefe 
verstandesorientierte Einstellung nötig ist im Gegensatz zu 
einstweiliger gefühlsmäßiger Begeisterung. Wenn einerseits das 
Einsammeln der Spenden nach ihrer Quantität bemessen wird - 
"das Volk bringt mehr als zur Genüge" (Ex. 36,5), so wird 
andererseits die ausführende Arbeit an ihrem qualitativen Wert 
gemessen - zu denken, zu tun und anzuweisen bezüglich des 
gesamten Spektrums möglicher Arbeiten. Dazu braucht man 
einen Menschen, der über den großen Überblick verfügt, der 
sich mit dem tiefen geistigen Inhalt dieses großen Werkes in 
allen seinen religionsgesetzlichen und künstlerischen 
Einzelheiten solidarisiert.

Daraus ziehen wir unsere Lehren für jedes freiwillige Projekt, 
das aus Mitteln der Allgemeinheit finanziert wird, nämlich es 
nicht wie ein privates Hobby zu betreiben, sondern mit 
tiefsinniger Überlegung, die vor dem geistigen Auge das 
vollumfängliche Gesamtbild sieht, vom kleinsten Detail bis hin 
zum gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, von den Mitteln 
bis zum Zweck, die Bestrebungen und die Beschränkungen. 
Nicht umsonst lehrten die talmudischen Weisen im 
Zusammenhang mit dem Gebot der Armenhilfe: "die Beiträge für 
die Armenkasse werden durch drei [Personen] verteilt, wie bei 
Gerichtsverhandlungen in Geldsachen" (die vor drei Richtern 
verhandelt werden; Baba batra 8b). Damit verglichen sie den 
Status der Verwalter der Armenkasse mit dem eines 
Gerichtshofes, der durch Abwägung und verstandesmäßige 
Entscheidung zum Urteil gelangt, und verließen sich nicht auf 
die natürliche Barmherzigkeit der Öffentlichkeit und deren 
Repräsentanten, die sich mit der Armenkasse aus 
gefühlsmäßiger Begeisterung beschäftigen. In der Realität zeigt 
sich nur zu deutlich, wie dieses teure Gebot mißbraucht werden 
kann, wenn die Prioritäten zwischen den verschiedenen 
Hilfsbedürftigen durch subjektive Gefühle und nicht nach 
objektiven Maßstäben bestimmt werden. 

"Die Kenner der [göttlichen] Geheimnisse sehen in der 
verborgenen Bedeutung der Fertigung des Wüstenheiligtums 
'Sinnreiches zu ersinnen, zu arbeiten...' (Ex. 31,4) eine 
Überführung aller höheren Kraft des Denkens in die Arbeit und 
die Tat" (Rabbiner Sewin, Einleitung zum 2. Teil der 
talmudischen Enzyklopädie).
 
 
HaRav Aviner

Sprich dich aus! 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Ehepartner müssen miteinander reden. Wenn sie das nicht 
können, geht ihre Ehe in die Binsen. Nicht die tiefen 
Meinungsverschiedenheiten führen in die Krise - man darf ruhig 
anders sein, anders denken, anders wollen und anders fühlen. 
Hauptsache, man weiß gemeinsam zu diskutieren. Die Zukunft 
der Partnerschaft bestimmt nicht, worüber man diskutiert, 
sondern wie man diskutiert. Natürlich gilt das auch für 
Diskussionen mit anderen Menschen, und sogar in der Politik.

Forscher wie Professor James Murray ("mathematical biology") 
von der Universität Washington entwickelten eine 
mathematische Formel, mit der man frühzeitig den Erfolg oder 
das böse Ende einer Ehe vorauserkennen kann. 700 Paare 
wurden über eine Periode von 13 Jahren beobachtet, was zu 
einer Genauigkeit der Methode von über 90% führte, eine für 
psychologische Untersuchungen ganz außergewöhnliche 
Quote. Die Paare wurden 15 Minuten lang während einer 
Unterhaltung gefilmt, und hinterher wurde das Gespräch nach 
einer Punkteskala bewertet. *)

Demnach sind Streitgespräche durchaus erlaubt, ebenso 
ausgeprägte Meinungsverschiedenheiten, es darf auch häufig 
debattiert werden - es kommt nur darauf an, wie gestritten wird. 
Geteilte Ansichten - ja, geteilte Herzen - nein. Vor allem muß 
eine gefühlsmäßige Verbindung bestehen.

Sind Ihre Behauptungen und Anmerkungen positiver Natur oder 
nicht? Man darf schon mal lachen, aber nicht auslachen. Humor 
ist eine gute Sache, man muß ihn allerdings mit Verstand 
gebrauchen. Manchmal liegen ein freudiges Lächeln und ein 
augenrollender Ausdruck der Überheblichkeit dicht beieinander.

Beantworten Sie die Worte Ihres Ehepartners mit einem 
schweren Seufzer, oder zeigen Sie Mitgefühl durch ein 
zustimmendes Kopfnicken? Die Regel dazu lautet: Vor jeder 
Antwort oder anderen Reaktion überlege, wie der Partner darauf 
reagieren wird. 

Nun, werden Sie fragen, sollen Sie denn dem Andern etwas 
vormachen, statt sich natürlich zu geben? Meine Antwort: 
Genau das! Lieber vormachen und glücklich als natürlich und 
jämmerlich. Aus diesem Grunde trage ich künstliche 
Augengläser auf der Nase, die mein Sehvermögen ganz 
wundersam verbessern, und hänge nicht hartnäckig an meiner 
natürlichen Kurzsichtigkeit. Einen Trost gibt es jedoch bei 
unserem Thema: Im Laufe der Zeit wandelt sich die 
Künstlichkeit in Natürlichkeit. 

Darüberhinaus folgen die Herzen den Taten. Ihre Persönlichkeit 
wird nach und nach sensibler. Lerne, die Träume des Anderen 
zu respektieren, und im Laufe der Zeit werden Sie eine immer 
größere innere Reinheit verspüren.

Darf man demnach keine Kritik äußern? Natürlich darf man, es 
ist sogar wünschenswert! Die Frage ist nur, wie man das 
anstellt. Man sollte keinen negativen Stil pflegen, etwa wie: "Du 
hast nie genug Zeit für mich!", sondern eine positive 
Ausdrucksweise: "Ich fühle mich einsam, ich sehne mich nach 
dir und brauche dich mehr während des Tages".

Wenn Ihr dieser Methode folgt, werdet Ihr sicher glücklich sein, 
und vergeßt nicht, jeden Tag G~tt dafür zu danken. Denn "ihre 
Paarung [Zuordnung des passenden Ehepartners] ist so 
schwierig wie die Spaltung des Schilfmeeres" (Sota 2a), darum 
muß man auch dafür G~tt danken.

Was für ein wunderbares Geschenk erhielten wir vom Herrn der 
Welt: das Gefühl, und was unser Thema betrifft: die Sensibilität!

*)Webseite: 
http://washingtontimes.com/national/20030810-123124-2379r.htm
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
www.israelnn.com
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