DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ERA
Nr. 494
27. Tewet 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 6,2 - 9,35):
G~tt erinnert Moscheh an seinen Bund mit den Vorvätern und das Versprechen, ihren Nachkommen das Land Kanaan zu geben; 
schickt ihn zu den Kindern Israels, den Auszug anzukündigen, doch sie wollen nichts davon hören; kleine Stammeskunde; Moscheh und Aharon wieder bei Pharao; Wunderzeichen, 
Pharaos Zauberer machen es nach; die ersten 7 der 10 Plagen.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Verweile und Erbe

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Unser Wochenabschnitt beginnt mit einer längeren Ansprache 
G~ttes, in der die allgemein gehaltene Vision der Erlösung in 
eine Reihe konkreter Versprechen umgewandelt wird, die uns 
von den vier am Sederabend zitierten Begriffen der Erlösung 
bekannt sind. Dazu gehört auch der fünfte Ausdruck: "Und ich 
werde euch bringen in das Land" (Ex. 6,8):

Schon der Kommentar "Or HaChajim" erwähnte den 
Unterschied zwischen diesem Versprechen und den vier 
vorangegangenen, die sofort und vollständig noch an der 
Generation der Knechtschaft, die aus Ägypten auszog, in 
Erfüllung gingen. Diese Generation erlebte jedoch nicht die 
Erfüllung des fünften Versprechens, sie zog nicht in das Land 
Israel ein. Nach seiner Ansicht stellt dieses Versprechen keine 
separate Einheit dar, sondern hing von Anfang an von der 
Verinnerlichung der tieferen Bedeutung des Auszugs aus 
Ägypten ab: "und ihr sollt erkennen, daß Ich der Ewige euer 
G~tt es bin, der euch wegführt, hervor unter den Lastarbeiten 
Ägyptens" (Ex. 6,7), was jener Generation offenbar nicht 
gelungen war. Dem ist noch ein Grund hinzuzufügen, warum 
gerade dieses Versprechen, das jedem unserer Stammväter 
gegeben wurde, immer noch nicht absolut erfüllt wurde, sondern 
weiterhin von diversen Bedingungen abhängt. 

Andererseits betont die Schrift besonders den Unterschied 
zwischen dem Festhalten der Stammväter am Lande als 
"Lande ihres Aufenthaltes, in dem sie weilten" (Ex. 6,4; von 
Weile, zeitweilig), d.h. ein Ort temporären Aufenthaltes, wo sie 
also nicht fest ansässig waren, sondern nur vorübergehend, und 
zwischen dem "Erbbesitz" und "Geschenk" späterer 
Generationen. Demnach ist das Versprechen an die 
Nachkommen als wertvoller einzustufen, was das Stellen von 
zusätzlichen Bedingungen rechtfertigen würde. Die Sache muß 
allerdings noch etwas näher erläutert werden.

Es sollte betont werden, daß es für einen ausführlichen 
Vergleich zwischen dem Versprechen an die Vorväter und 
dessen Erfüllung einerseits und dem Versprechen an die 
Nachkommen andererseits nicht ausreicht, die Unterschiede 
aufzuzählen, vielmehr müssen die verschiedenen Stufen des 
Ererbens des Landes beleuchtet werden. Die erste Stufe wurde 
von den Vätern begonnen und die zweite Stufe von den 
Nachkommen auf den Fundamenten der Vorväter 
vervollständigt; die Stufe des "Landes ihres Aufenthaltes" und 
die Stufe des "Erbbesitzes".

Die Vorväter übernahmen das Land als Einzelgänger und 
hielten unter schweren Prüfungen an ihm fest, ohne an den 
Maßnahmen G~ttes irgendwelche Zweifel zu hegen. Dieses 
Festhalten am Lande von Einzelnen gilt a priori nicht dem 
ganzen Land, sondern beschränkt sich ganz natürlich auf 
diesen oder jenen Ort, an dem der Betreffende hängt und zu 
dem er eine Beziehung verspürt, auch wenn das mit 
Schwierigkeiten verbunden ist. So verhielt es sich mit den 
Vorvätern, die für teures Geld ein Stück Land zum Leben und 
zum Sterben erwarben, und sahen darin keinen Widerspruch 
zum göttlichen Versprechen auf den Erhalt des ganzen Landes. 
Ihre Liebe zum ganzen Land kam im Aufschlagen ihrer Zelte an 
verschiedenen Orten zum Ausdruck, wo sie in den Augen der 
Bewohner Gefallen fanden. Für sie als Einzelne machte der 
genaue Wohnort keinen Unterschied, solange er sich im Lande 
Israel befand, im "Lande ihres Aufenthaltes, in dem sie weilten".

Diese Taten der Vorväter bereitete die Nachkommen auf die 
Erfüllung dieses bedeutenden Gebotes als Allgemeinheit vor, 
wobei sich die Pflichten der Allgemeinheit bekanntlich von 
denen der Einzelnen unterscheiden. Die Allgemeinheit ist dem 
Lande Israel wesentlich in seiner Gänze verpflichtet und muß 
gebotsmäßig permanent nach vollständigem Festhalten am 
ganzen Lande streben, d.h. "es nicht in den Händen einer 
anderern Nation oder in Öde belassen" (Gebotsliste des 
Nachmanides). Erst recht darf sie nicht ein bereits von G~tt 
empfangenes und sogar besiedeltes Stück des Landes wieder 
aufgeben. Darüberhinaus muß die Öffentlichkeit die Teile des 
Landes als Geschenk betrachten, das ewige Rechte und 
Pflichten bezüglich dieser Orte mitsichbringt, nicht nur eine Art 
zeitweiliges Wohnrecht, das von einem Ort auf einen anderen 
übertragen werden kann. Zwar heißt es, "Taten der Väter ein 
Zeichen für die Nachkommen", allerdings in der Hinsicht, daß 
dieses große Ziel nicht in einer einzigen Generation erreicht 
werden kann. Um den Erwerb weiterer Teile des Landes 
werden sich zukünftige Generationen kümmern müssen, wobei 
jedes Individuum sowieso seinen Wohnort jederzeit verlegen 
darf, die Öffentlichkeit jedoch muß sich immer auf dieses Ziel 
hin bewegen.

Diese Einstellung beeinflußt auch den Einzelnen, der beim 
Eintritt ins Land einen bestimmten Erbbesitz für sich und seine 
Familie erhielt, den er nicht für immer verkaufen darf. Zwar darf 
er seinen Wohnsitz wechseln, falls er durch äußere Umstände 
dazu gezwungen wird, und zur Zeit sieht es so aus, als ob 
dieser Zustand noch eine ganze Weile bestehen bleiben wird, 
weil wir nicht genau unsere jeweilige Stammeszugehörigkeit 
kennen, ebensowenig wie unseren individuellen familiären 
Erbbesitz im Lande. Doch seitens religionsgesetzlicher 
Definition gehört auch heute jedem einzelnen Juden eine 
Parzelle von 4 Amot (ca. 2 qm) im Lande Israel, die er nicht 
gegen etwas anderes eintauschen darf.

Es ergibt sich, daß der Ausdruck "und ich werde euch bringen" 
nicht automatisch aus dem Versprechen an die Vorväter folgt, 
sondern zu einer passenden Haltung der Öffentlichkeit 
gegenüber der vollständigen Erfüllung dieses Gebotes 
verpflichtet.
 
 
HaRav Aviner

Der Mann ohne Selbst 
(2. Teil)

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

[aus der Ansprache bei der Kundgebung für Jonathan Pollard am 4. Kislev 
5765]
Wir, die Kinder Israels, denken an andere, und haben uns hier 
eingefunden für einen Menschen, der sehr viel an andere 
dachte. Dafür müssen wir ihm dankbar sein. Dankbarkeit kommt 
noch vor Gutherzigkeit. Auch wer kein gutes Herz hat, wird sich 
doch wenigstens gegenüber jemandem dankbar zeigen, der ihm 
Gutes erwiesen hat. Das Buch "Herzenspflichten" zählt die 
Dankbarkeit zum ABC aller Ethik und aller guten Eigenschaften. 

Wir gehen mit der Dankbarkeit bis ins Extrem, selbst gegenüber
Ägypten. "Du sollst den Ägypter nicht verabscheuen, denn ein 
Fremdling warst du in seinem Lande" (Dt. 23,8), obwohl dessen 
"Gastfreundschaft" aus schwerster Sklavenarbeit bestand und 
Verordnungen über das Werfen von Neugeborenen in den Nil 
und Schlachten von Kindern für ihr Blut einschloß! Und 
trotzdem - weil wir keinen anderen Ort zum Leben hatten. 

Dankbarkeit muß man sogar den Hunden zollen, die keinen 
Laut von sich gaben, als wir Ägypten verließen. Wir zogen aus 
gegen Mitternacht, und wie es heißt, "ist der Todesengel in der 
Stadt, heulen die Hunde" (Baba kama 60b). Doch nicht ein 
Hund bellte, als Millionen aufbrachen, und welche Panik hätte 
das verursachen können, wenn so viele Menschen vor Angst 
drängen und einander überrennen. Darum erhält er das 
Zerrissene [nicht koscher geschlachtetes Fleisch], "vor den 
Hund sollt ihr es werfen" (Ex. 22,30). Ist das denn aber derselbe 
Hund?! Hat denn ein Hund überhaupt die Macht der 
Entscheidung zum Guten oder zum Bösen?! Vielmehr handelt 
es sich dabei um unsere extreme Dankbarkeit, denn die ist das 
Fundament für alles!

Die Plage der Wandlung der Gewässer in Blut wurde 
darüberhinaus nicht von unserem Lehrer Moscheh veranlaßt, 
weil ihn das Wasser einst gerettet hatte. War es denn dasselbe 
Wasser, und hat Wasser etwa Entscheidungsfreiheit?! Vielmehr 
war es Dankbarkeit gegenüber dem Wasser. Auch bei der 
Plage des Aussatzes war es Aharon, der den Ofenstaub warf, 
weil Moscheh dem Staub der Erde Dank schuldete, wie es 
heißt: "und verscharrte ihn im Sande" (Ex. 2,12).

Dankbarkeit gegenüber den Ägyptern, den Hunden, dem 
Wasser und dem Staube! Ist es denn zu fassen?! Und keine 
Dankbarkeit gegenüber Jonathan Pollard?! Das kann nicht 
angehen! Wie tief sind wir gesunken! Das ganze Volk Israel 
müßte zu seiner Rettung antreten. So verhält sich ein Volk, und 
erst recht der Staat. Einer für Alle und Alle für Einen - das steht 
zwar nicht im Talmud, sondern bei Alexandre Dumas, stimmt 
aber trotzdem. 

Leider leben wir in einer Welt der Lüge, in der man nicht die 
Wahrheit sieht, man sieht nicht, wer ein gutes Herz hat. Und wie 
kämpft man in einer Welt der Lüge? Mithilfe der Wahrheit! Die 
Wahrheit reduziert, zerstört und vernichtet die Lüge. Die Welt ist 
voller Lügen, Lügen über Jonathan, Lügen wie als ob das Land 
Israel nicht uns gehöre, und Lügen über die Tora. Gegen die 
Lügen kommt man nicht mit Knüppeln an, sondern mit der 
Wahrheit, indem man die Wahrheit immer und immer wieder 
ausspricht. Die Lüge, der böse Trieb, das Teuflische, die 
Bosheit und die Niederträchtigkeit fürchten nichts so sehr wie 
die Wahrheit. Immer wieder muß man die Wahrheit zur Sprache 
bringen. Mit einer einzigen Wahrheit kann man ganze Berge 
von Lügen zum Einsturz bringen.

Die Wahrheit der Tora, der Barmherzigkeit und der 
Menschlichkeit wird die Bosheit, die Lüge und das Teuflische 
zerstören. Darum sind wir angehalten, die Wahrheit immer 
wieder auszurufen. Es ist alles ein einziger Kampf, ein Kampf 
um die Wahrheit, ein Kampf für Jonathan und für viele andere 
Dinge. "Du wirst Wahrheit erweisen Jakov" (Micha 7,20), 
"Wahrheit ist das Siegel des Heiligen, gelobt sei er" (Schabbat 
58a).

Wer ohne auf den eigenen Vorteil bedacht Anderen Gutes 
erweist, folgt damit den Eigenschaften G~ttes. Viele 
Eigenschaften hat der Herr der Welt, doch die allererste 
Eigenschaft, vor allen anderen, über allen anderen, Fundament 
für alle anderen und Ursprung aller anderen ist die Erweisung 
von Gutem (Chessed). "Auf Chessed wird die Welt gebaut" 
(Psalm 89,3). Der Herr der Welt erweist Gutes jeden Tag, 
jederzeit, zu jeder Stunde und in jedem Augenblick. Wer Gutes 
tut hängt G~tt an, ob er ein Käppchen auf dem Kopf hat oder 
nicht. Das ist eine Geisteshaltung, die durch den Einfluß 
höchster Sphären im Menschen entsteht. "Das Streben, Allem 
gut zu sein, stammt aus höchster Quelle", schrieb Rabbiner A.J. 
Kuk (Orot Hakodesch III, S.316). Gut sein, nicht aus 
Opportunismus, sondern weil es gut ist, gut zu sein. Das ist die 
erhabenste Eigenschaft des Herrn der Welt, die vor allem 
kommt; vor aller Wissenschaft und vor aller Schlauheit, auch 
vor der Tora und vor der Heiligkeit. Vor allem - Chessed!

Das ist Jonathans Eigenschaft, der sich eine so große Aufgabe 
aufgeladen hat. Es gibt ein altes amerikanisches Sprichwort, 
wonach Mancher auf seinem Buckel Ereignisse größer als er 
selbst schleppt. Die göttliche Vorsehung hat ihn dazu 
auserwählt, uns Gutes zu erweisen und dem Volke Israel eine 
große Rettung zu schaffen. 

Diese Wahrheit müssen wir pausenlos ausrufen. Sie wird die 
Finsternis vertreiben, den Materialismus, den Egoismus, die 
Lüste und den Menschen, für den es nur sich selbst gibt. 

Jemand, für den es nur andere gibt, ist der wirklich glückliche 
Mensch. Wir haben uns hier im Regen versammelt für das 
wichtige Gebot der Befreiung Jonathans. Alle hier Anwesenden 
sind Boten dieser Wahrheit, die sie überall bekanntmachen 
müssen. Andere werden sie hören, und auch sie werden diese 
Wahrheit weiterverbreiten, bis sie in der gesamten Nation 
bekannt ist. Wir sehen dem Tag entgegen, an dem Jonathan 
herauskommt und genau hier stehen wird, er wird Worte der 
Tora sprechen, und wir werden ihm zuhören, wir werden uns im 
Schatten eines Menschen drängen, über den man sagen kann: 
Dieser Mensch ist nur für andere da, dieser Mensch hat kein 
Selbst. In seinen Fußstapfen werden wir folgen, reden und 
beten, bis zu seiner vollständigen Erlösung und Rückkehr zu 
uns bald und in unseren Tagen, amen. 
 

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