DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ETCHANAN (NACHAMU)
Nr. 526
15. Aw 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 3,23-7,11):
Fortsetzung Moschehs Rückblicksrede, Bitte, doch einwandern 
zu dürfen, und deren göttliche Ablehnung; Ermahnung, die Tora 
nicht zu ändern; Warnung vor Götzendienst; Zufluchtstädte; 
Wiederholung der 10 Gebote; das Schma-Gebet; Vermeiden 
von Mischehen; nochmalige Aufforderung zur Vertreibung der 
Ka'ananiter.
 
 

Der Stand der Dinge...
Aus der Schublade
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Alles, was heute im Lande geschieht, ist ein fühlbarer Ausdruck 
für den Niedergang der moralischen und geistigen Prinzipien 
des Staates Israel. Der Ausweg aus der Krise fehlender 
Prinzipien wird mit G~ttes Hilfe durch eine Wende in der Kultur 
erfolgen, in der Erziehung, den ethischen Grundwerten und in 
der Gesellschaft; im Leben des Einzelnen, der Familie, der 
Gesellschaft und der Staatsführung.

Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels) 
sah bereits vor 85 Jahren voraus, wie die zionistische 
Bewegung, die nichts mit der jüdischen Religion zu tun haben 
wollte, das Volk und den Staat in eine Krise der ethischen und 
geistigen Grundwerte stürzen werde, wie wir sie heute vor uns 
haben. Schon damals rief er zur Gründung einer geistig-
politischen Bewegung zur Einflußnahme auf die nationale 
Wiedererstehung auf, um diese auf heilige Fundamente zu 
stellen und sie zu dem zu machen, was sie in Wahrheit sein 
soll, nämlich die Bewahrheitung des schon unserem Vorvater 
Awraham gemachten Versprechens: "Und ich werde dich zu 
einem großen Volke machen... und du sollst ein Segen sein... 
und es werden sich segnen mit dir alle Geschlechter des 
Erdbodens" (Gen. 12,2-3). Ebenso wurde den Kindern Israels 
am Berge Sinai verheißen, "ein Königreich von Priestern und 
ein heiliges Volk" (Ex. 19,6), d.h. der Welt ein Vorbild zu sein. 
Nicht wie die Ideologen der zionistischen Bewegung im Sinn 
hatten, aus Israel ein Volk wie alle Völker zu machen und den 
Staat Israel zu einem Staat wie alle anderen Staaten, nur um in 
Frieden essen, trinken und ruhen zu können, ohne die 
Verfolgungen der Diaspora leiden zu müssen. Damit war die 
Grundlage der gegenwärtigen geistig-moralischen Krise gelegt.

Rabbiner Kuk nannte seine Bewegung "Degel Jeruschalajim
("Fahne Jerusalems"), weil Jerusalem sowohl in geistiger wie 
auch in praktischer Hinsicht der Einheit und der Pracht der 
israelitischen Allgemeinheit Ausdruck verleiht. In Jerusalem 
offenbart sich die kosmopolitische Bestimmung des "von Zion 
wird die Lehre ausgehen und das Wort des Ewigen von 
Jerusalem" (Jeschajahu 2,3). Der Aufruf Rabbiner Kuks zur 
Gründung von "Degel Jeruschalajim" mit dem Ziele der 
Heiligung und der Erhebung des nationalen 
Entwicklunsprozesses in unserem Lande ist bis heute nicht in 
die Wirklichkeit umgesetzt worden, und die Pläne ruhen immer 
noch in der Schublade.

Nach dem Stand der Dinge ist es höchste Zeit, die Pläne in die 
Tat umzusetzen. Die Nation braucht dringend diese Einheit, die 
sich nur durch eine Besinnung auf die jüdischen Grundwerte 
und Wurzeln, aus denen das Volk Israel schon immer schöpfte, 
bewerkstelligen läßt. 

Die gesellschaftliche und politische Krise verlangt nach 
nationaler Neuorientierung. Wenn bis heute das Thema der 
Existenz, d.h. der Sicherheit und der Wirtschaft im Vordergrund 
stand, so muß nun das Thema der ethischen Grundwerte an die 
Spitze der nationalen Prioritäten rücken. Die gesellschaftliche 
Atmosphäre muß und kann auch geändert werden durch die 
Rückkehr des Volkes zu sich selber, durch Erkennen seines 
Wertes und durch Rückkehr zu seinem Judentum in Liebe. 
Diese Aufgabe stellt sich jedem Juden, dem die Einheit der 
Nation und ihr Frieden lieb und teuer sind. 

"Seid fest und laßt uns stark sein für unser Volk, und für die 
Städte unseres G~ttes" (Schmu'el II, 10,12).
In Erwartung der vollkommenen Erlösung bald und in unseren 
Tagen,
Rav Dov Begon
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Das erhörte Gebet

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Diese Zeilen entstanden in einer großen und schweren Zeit der 
Erwartung der Errettung, in einer Stunde, in der das Herz voll 
des Gebetes und die Augen voller Tränen sind, zur Rettung der 
Siedlungen Israels im Katif-Gebiet und im nördlichen Schomron, 
zu einer Zeit, in der uns kein Prophet beisteht und niemand 
weiß, was sein wird, und wie es sein wird.

Unser Lehrer Moscheh plagte sich sehr bei seinem Flehen, in 
das gute Land jenseits des Jordans eintreten zu dürfen. Wir 
können sicher nicht behaupten, er habe nicht angemessen 
gebetet. Lernen wir doch die Gesetze des Betens gerade von 
Moschehs Gebet. Es sieht allerdings so aus, als wäre sein 
Gebet nicht erhört worden. "Und es ereiferte sich der Ewige 
über mich um euretwillen und hörte nicht auf mich" (Dt. 3,26). 
Wie ist diese Sache zu verstehen?

Zuerst müssen wir uns klarmachen, daß ein Gebet nicht als 
absolutes "Wundermittel" dient. Bemühe dich selbst! Wenn 
einer von uns für eine bestimmte Sache betet, von der G~tt 
weiß, daß sie nicht gut für den Bittsteller ist - käme etwa jemand 
auf den Gedanken, daß das Gebet G~tt "zwingen" könnte, 
diesem Menschen, oder einem anderen, etwas zu tun, das nicht 
gut ist? Das Gebet wirkt nur dort, wo die erbetene Sache gut 
und nützlich ist, nur wird das Gebet gebraucht, um die Sache in 
Gang zu bringen. Wer diesen Wochenabschnitt näher studiert 
und die Erläuterungen der talmudischen Weisen z.B. im 
Midrasch hinzuzieht, wird einige Gründe finden, warum G~tt die 
Sache für die Entwicklung von Volk und Welt nicht zuträglich 
hielt.

Allerdings wäre es ein Irrtum, zu glauben, Moschehs Gebet 
hätte überhaupt keine Wirkung gezeitigt. Moscheh bat: "Laß 
mich doch hinübergehen, daß ich sehe das schöne Land" (Dt. 
3,25). Entsprechend antwortete ihm G~tt: "Steige hinauf auf den 
Gipfel des Pisgah und erhebe deine Augen gen Westen.." 
(V.27). Zwar wirst du das Land nicht wie gewünscht aus der 
Nähe sehen, sondern nur vom Rande, aber sehen wirst du es. 
Das Sehen des Landes bedeutet nicht nur einen kurzen, 
neugierigen Blick, sondern eine echte Realität. Das Sehen steht 
für das Bestreben, für das Sehnen und die Sehnsucht. Jene 
Sehnsüchte bewirken einen starken Antrieb, und wenn nicht in 
der Gegenwart - dann in der Zukunft. Damit ist nicht die ferne 
Zukunft gemeint, vielmehr können die ersten Schritte sofort 
stattfinden. "Und beauftrage Jehoschua und ermutige und 
kräftige ihn; denn er soll vorausziehen diesem Volke und er soll 
ihnen das Land zuteilen, welches du siehest" (V.28). Die 
Beauftragung Jehoschuas, seine Ermutigung und seine 
Kräftigung erfolgen aufgrund des Sehens Moschehs vom Gipfel 
des Pisgah. Die Macht dieses Sehens bildet die Grundlage des 
Versprechens "er soll ihnen das Land zuteilen", nicht irgendein 
Land, sondern gerade das Land "welches du siehest". Und all 
dies durch die Kraft seines Gebetes. 

Ein Gebet geht niemals ins Leere. Nicht immer erzielt es das 
Gewünschte; doch eine Wirkung hat es immer - manchmal hier 
und jetzt, manchmal im Verborgenen, manchmal in Teilen, 
manchmal zu einem späteren Zeitpunkt, manchmal an einem 
anderen Ort. 

Breiten wir unser Gebet vor dem Herrn der Welt aus: "Unser 
Vater, unser König, öffne die Tore des Himmels für unser 
Gebet... Unser Vater, unser König, lasse uns doch nicht leer vor 
dir ausgehen... Unser Vater, unser König, sei diese Stunde eine 
Stunde des Erbarmens und eine Zeit von dir ausgehenden 
Wohlwollens" - zu dieser Zeit und an diesem Ort, vor unseren 
Augen!
 
 
 
HaRav Ari'el
 

Zionismus und Tempel
 

Rav Jakov Ari'el
Stadtrabbiner von 
Ramat Gan und Kandidat zum israelischen Oberrabbinat

In den historischen Vorgängen der letzten Generationen können 
wir zwischen zwei Gedankenkreisen unterscheiden: der eine 
existenziell-realistisch, der andere idealistisch. Beide Kreise 
nähren einander gegenseitig. Der existenzielle Kreis ermöglicht 
das Stehen mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität. 
Ohne ihn blieben Visionen abstrakte Träume, ohne jeden 
Berührungspunkt mir der Wirklichkeit. Andererseits bedeutet 
der idealistische Kreis den Lebensquell, Ursprung von Inhalten 
und Motivation, der das ganze Werk in Schwung hält. 

Manchmal lenkt das große Werk die ganze Aufmerksamkeit des 
Menschen auf das praktische Schaffen, bis er das eigentliche 
Ziel, für das er so viel Kraft investiert, aus den Augen verliert. 
Die Beschäftigung mit den zahlreichen Einzelheiten und mit den 
dabei auftauchenden Problemen lenken ihn von der Grundidee 
ab. Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Eine plötzliche Erschütterung oder ein aufregendes Ereignis 
können den Menschen wieder auf den ursprünglichen Pfad 
zurückbringen. Dadurch wird er veranlaßt, von Neuem zu 
überdenken, woher er kommt und wohin er geht. Dasgleiche gilt 
für Vorgänge auf historischer und nationaler Ebene.

Unser langes Exil (Galut) begann mit der Zerstörung des 
Tempels. Wir kennen kein anderes Ereignis oder Datum, auf 
das wir den Anfang der Galut beziehen können, außer der 
Tempelzerstörung am 9. Aw ("Tischa be'Aw"). Das Bestreben 
zur Rückkehr nach Hause ermöglichte dem jüdischen Volk, den 
Kopf über den Sturmwellen zu halten, die während der langen 
und furchtbaren Galut über uns hereinbrachen. Nach Hause 
bedeutete ganz einfach: zum Hause, zum Tempel. Zurück zum 
Ausgangspunkt. Nicht nur das Land Israel, nicht nur Jerusalem, 
sondern Zion die Ausgezeichnete, der Tempelberg in vollem 
Bau und Pracht.

Eine der schwierigsten Dienste im Tempel war das Abmessen 
des Mehlopferanteils [Kemiza; "Handfülle", eine Menge, die der 
diensttuende Priester mit drei Fingern einer Hand maß] - "weder 
gestrichen noch gehäuft, sondern nur reichlich" (Joma 48a). 
Jeder, der am Opferdienst teilnimmt, muß sich in diesem 
komplizierten Dienst üben, der sowohl im Grunde wahr als auch 
nützlich ist, sowohl idealistisch als auch realistisch.

Die zionistische Idee entsprang dem Wunsch der Rückkehr zum 
Tempelberg. Rabbiner Zwi Kalischer begann seinen ideellen 
und praxisorientierten Weg [der Rückkehr nach Zion] mit der 
Fragestellung der Erneuerung des Opferdienstes in der Neuzeit. 
Er legte diese Frage, und die seiner Ansicht nach mögliche 
Lösung, seinem Lehrmeister Rabbiner Akiva Eger aus Posen 
und weiteren Toragrößen seiner Generation vor, wie z.B. dem 
"Chatam Sofer" aus Pressburg, Rabbi Jakov aus Lissa, 
Rabbiner Ettlinger aus Altona, Rabbiner Gutmacher u.a. Diese 
religionsgesetzliche Korrespondenz löste eine reichhaltige 
Literatur des Für und Wider aus, die weite Kreise im jüdischen 
Volk erfaßte und die Herzen für die Sehnsucht nach Zion und 
Jerusalem öffnete. Allen Teilnehmern an der 
religionsgesetzlichen Diskussion war vollkommen klar, daß 
unter den gegebenen politischen Umständen der Bau des 
dritten Tempels nicht ausführbar war. Darum verblieb diese 
Diskussion, in deren Folge viele Bücher von hoher Qualität zu 
diesem Thema geschrieben wurden, im Kreise der Theorie. Ihre 
große Bedeutung aber zeigte sich durch ihre Existenz an sich, 
sowie in der Öffnung der Herzen für die Möglichkeit der 
zukünftigen Verwirklichung der Idee. 

Um seine Idee in die Tat umzusetzen, entschied Rabbiner 
Kalischer, zuallererst müsse Grund und Boden erworben und 
Landarbeiter ausgebildet werden. Zu diesem Zwecke gründete 
er ein Komitee und organisierte Geldmittel. Dank seiner 
Aktivitäten konnten die Grundstücke "Mikwe Israel" bei Jaffo 
und die Siedlung "Moza" bei Jerusalem erworben werden. Auch 
die Zustimmung der "Alliance" zum Bau der ersten Schule für 
Landwirtschaft im Lande ist auf seinen Einfluß zurückzuführen. 

Das ist ein Beispiel für das wunderbare Zusammenwirken von 
Vision und Tat, und der Fähigkeit, von den Höhen des 
Idealismus herabzusteigen in die prosaischen Niederungen der 
praktischen Ausführung, wobei aber auch bei der Arbeit in den 
Niederungen die Augen auf die Höhen gerichtet bleiben, und 
das Bestreben zum jederzeitigen Aufstieg zum Berg wird auch 
nicht dadurch unterbrochen, daß derzeit noch nicht bekannt ist, 
wie der Gipfel erreicht werden wird.
MJ208
 

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