DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TRUMA
Nr. 499
3. Adar I 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 25,1 - 27,19):
Sachspendenaktion zum Bau des Wüstenheiligtums 
(Bundeslade, Tisch der Schaubrote, Leuchter, Stiftszelt, 
umgebende Trennwand, Vorhänge, Altar), Maße und 
Anordnung der einzelnen Teile.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Tachaschfelle

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Verschleiert und verborgen ist die Bedeutung des "Tachasch", 
jenes seltene Tier, aus dessem Fell die Bedeckung des 
Stiftszeltes gemacht wurde. Über diesen Tachasch ist uns nicht 
viel bekannt. Wir wissen nicht, ob er ein wildlebendes oder ein 
Haustier war, und zu Beginn der Nachforschungen war nicht 
einmal klar, ob er zu den reinen oder den unreinen Tieren 
gehörte. Eines ist allerdings wohl über ihn bekannt: Im 
Gegensatz zur charakteristischen Einheitlichkeit der Teppiche 
aus Ziegenhaar und den rotgefärbten Widderfellen zeichnete 
sich das Tachaschfell durch seine Vielfarbigkeit aus. "Deshalb 
heißt es in unserer [aramäischen] Übersetzung Sasgona - es 
freut sich seiner Buntfarbigkeit" (Schabbat 28a).

Der Tachasch, oder nach seinem Beinamen Sasgona
symbolisiert die ganze Farbenpalette des Volkes (Rabbiner 
A.J.Kuk, Ejn Aja). Unser Volk ist nicht aus einem Guß, wie 
jedermann weiß: "Zwei Juden, drei Parteien". Ursprünglich war 
das Volk in zwölf Stämme geteilt, und sowohl die Tora als auch 
die Propheten verheimlichten nicht die manchmal krassen unter 
ihnen herrschenden Gegensätze, und dazu kamen noch die 
zahlreichen Mitglieder des "Mischvolkes", die Moscheh 
zusammen mit den Kindern Israels aus Ägypten brachte. "Und 
auch viel gemischtes Volk zog herauf mit ihnen" (Ex. 12,38). So 
auch heute: Im Zeitalter der Einsammlung der Zerstreuten aus 
allen vier Winden ist unser Volk in ethnische Gruppen und 
politische Parteien zerteilt, die untereinander harte und heftige 
Kämpfe ausfechten. Im Zeitalter der Einsammlung der 
Zerstreuten gelangen auch viele Ideen zu uns, die teilweise in 
der Tora ihren Ursprung haben, zum Teil von außen 
hereingesogen wurden, von den Völkern, unter denen wir 
lebten, und die mit in unser Gedankengut Eingang fanden, ob 
mit oder ohne "Gijur". 

Das Dach des Stiftszeltes im Wüstenheiligtum wurde also auch 
aus den Tachaschfellen gemacht. Alle Schattierungen, viele 
leuchtende Farben waren daran beteiligt. Nach der endgültigen 
Entscheidung der talmudischen Weisen war es ein reines Tier, 
denn ein unreines Tier hätte keinen Platz im Heiligtum der 
Nation. Die vielen Schattierungen - "alle sind sie in Liebe 
vereint, alle auserlesen, alle voll Kraft, alle heilig" 
(Morgengebet). Spaßeshalber wollen wir hinzufügen, daß die 
Probleme erst anfangen mit "und alle öffnen ihren Mund" 
(ebda.)...

Wie gesagt waren die Weisen nicht sicher, ob es ein wildes 
oder ein Haustier war. Sicher keine leichte Entscheidung, in 
welcher Kategorie all die vielen Schattierungen 
zusammenzufassen. Sollte man sie alle als eine Art Haustier 
ansehen, das an der Seite des Menschen auf seinem Hof 
aufwächst, oder als freilebendes Tier, fern von menschlichem 
Einfluß. Da gibt es die verschiedensten Schattierungen. Bei 
manchen läßt sich eine Grundlage der Wahrheit erkennen, der 
Aufrichtigkeit und der Gerechtigkeit, bei anderen nur Dummheit 
oder gar Bosheit. Wir wissen, daß sie alle Schöpfungen G~ttes 
sind, alle haben sie eine Aufgabe beim Aufbau der Welt und 
beim Aufbau der Nation zu erfüllen. Doch nicht alle können wir 
adoptieren. Nicht jeder Mensch kann sich positiv mit jeder Idee 
und mit jeder Meinung auseinandersetzen, ohne spirituellen 
Schaden zu nehmen. Gegen manche Ansichten müssen wir 
einen hartnäckigen Kampf führen. Manche Ansichten müssen 
wir radikal ablehnen. Allerdings lehrt uns die Verwendung der 
Tachaschfelle mit allen ihren Schattierungen für das Dach des 
Stiftszeltes, sich nicht zu Haß verleiten zu lassen. "Alles schuf 
der Ewige zu seiner Bestimmung; aber auch den Frevler für den 
Tag des Unheils" (Sprüche 16,4). Alles, was G~tt machte, ist 
"sehr gut", auch jener Frevler, den ein bitteres Ende am Tage 
des Gerichtes erwartet. Sicher kann man durch nähere 
Betrachtung jeder einzelnen Schattierung äußerst häßliche 
Flecken finden. Wer sie aber von Weitem anschaut, mit dem 
großen Überblick über das gesamte Stiftszelt, kann den 
Tachasch als "sich seiner Buntfarbigkeit freuend" erkennen, 
wobei jeder Fleck und jede Farbe seinen individuellen Beitrag 
zum Gesamtbild leistet.

Darum muß jeder Kampf gegen negative Erscheinungen unter 
zwei Aspekten geführt werden: 1. Die Momentaufnahme, das 
Hier und Jetzt (Ausblick des "Mikro") - kämpfen. 2. Der Aspekt 
des Ewiglichen und Allumfassenden (Ausblik des "Makro") - 
nicht nervös werden und sich nicht mitreißen lassen, sondern 
auf G~ttes Hand vertrauen, die diese Erscheinung in die Welt 
gestellt hat, um mit ihr das vollkommen Gute zu erzielen, das ihr 
als Ergebnis des Kampfes entsprießen wird. Dann nämlich wird 
offenbar werden, daß "alle in Liebe vereint sind... und alle 
vollziehen in Bangen und Ehrfurcht den Willen des Schöpfers". 
Und nach der schweren Stunde, wenn "alle ihren Mund öffnen", 
werden wir gewahr, daß alles auf ein einziges Ziel ausgerichtet 
ist, auf jene "Heiligkeit, Reinheit, Lob und Gesang", mit der alle 
"preisen und rühmen, verherrlichen und erheben, heiligen und 
huldigen dem Namen G~ttes, des Königs, des großen, starken 
und furchtbaren, heilig ist er", bis "sie alle insgesamt sprechen 
mit Ehrfurcht: Heilig, heilig, heilig ist der G~tt der Heerscharen, 
voll ist die ganze Erde seiner Herrlichkeit!".
 
 
Frage und Antwort

Ich hab' kein andres Volk

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Mir reicht's! Dieser Staat und diese Regierung - eine 
Todesregierung, die mit ihrer Ideologie am Judentum Verrat übt, 
in totaler Abkoppelung von Glauben, Land und 
Nationalbewußtsein. Der Zionismus bietet ein gefälschtes 
Nationalbewußtsein. In seiner Jugend wollte Herzl alle Juden 
zum Christentum bekehren, und als ihm das nicht gelang, 
erfand er den Zionismus. Unsere nationalreligiöse Öffentlichkeit 
muß von allen Seiten Schläge einstecken. Wir setzen unser 
Leben in der Armee ein - dafür stecken sie Mädchen in unsere 
Einheiten und wollen die Hesder-Jeschiwot [Kombination aus 
Armeedienst und Jeschiwastudium] abschaffen. Wir bauen 
legale und genehmigte Siedlungen, wo wir unter erhöhtem 
Risiko leben - und dann wollen sie uns vertreiben. Wir stecken 
Schläge auf friedlichen Demonstrationen ein - und dann 
beschuldigen sie uns noch der Gewalttätigkeit. Wir werden Tag 
und Nacht verleumdet - und dann behaupten sie, wir hetzen die 
Bevölkerung auf. Kurzum, sie machen die nationalreligiöse 
Öffentlichkeit für jedes Unglück, das den Staat befällt, 
verantwortlich. Ich habe genug von dieser Regierung und 
diesem Antisemitismus, ich kündige diesem entfremdeten Staat 
und trete aus dem Armeedienst aus. Sie werden schon ohne 
mich klarkommen. 

Antwort: Zuerst einmal - nirgendwo steht in der Tora etwas von 
"nationalreligiös" geschrieben. Vielmehr finden wir dort über den 
Dienst an G~tt, und über das Volk Israel; d.h., das ganze Volk 
Israel. Wir sorgen uns nicht, was der nationalreligiösen 
Öffentlichkeit nützt, sondern was für die jüdische Allgemeinheit 
gut ist, was dem Volk Israel hilft, was das Befolgen des 
göttlichen Willens fördert.

Zum Kern der Sache: Sicher haben Sie schon hundertmal 
gehört, die Erlösung geschehe "Stück um Stück". Lassen Sie es 
sich also zum hundertundeinen Mal gesagt sein, vielleicht dringt 
es jetzt endlich in Ihren Schädel ein: "So ist die Erlösung Israels: 
Zu Beginn Stück für Stück, und je weiter sie vorankommt, wird 
sie immer stärker. Was bedeutet Sitze ich auch im Finstern, 
G~tt wird mir Licht sein (Micha 7,8)? Am Anfang saß Mordechai 
beim Tor des Königs danach und Haman nahm das Kleid und 
das Pferd und danach und Mordechai saß am Tor des Königs 
und danach und Mordechai zog aus vor dem König in 
königlicher Kleidung und danach den Juden ward Licht und 
Freude" (Talmud jeruschalmi, Brachot 4b).

Nicht alles auf einmal! Geduld! Noch sind Licht und Finsternis 
vermischt, langsam bahnt das Licht sich seinen Weg. Manchmal 
aber, im Wechsel der Zeiten, behält die Finsternis die 
Oberhand. 

So schrieb Rabbiner Elasar Askari in seinem Kommentar zum 
Talmud jeruschalmi: "Und schrieb nichts von den 
zwischendurch erfolgten Leiden, nämlich der tiefen Finsternis 
kurz vor dem Morgengrauen, sondern nur die Lichter, die immer 
stärker anwachsen". Beim Erstrahlen der Lichter kommt es 
auch mal zu Krisen und Rückschlägen. Nachdem Mordechai 
schon am Tor des Königs saß, wurde die furchtbare Verordnung 
erlassen, alle Juden zu töten und zu vernichten, Männer, 
Frauen und Kinder, und elf Monate lang lag der Schatten des 
Todes über unseren Köpfen, während Mordechai fastend und 
mit Sacktuch bekleidet saß - und das nennt sich "Erlösung 
Stück um Stück"! Und wir alle hielten stand! 

Sie sind einfach verwöhnt. Sie bekamen den Staat auf dem 
silbernen Tablett serviert - und dann regen Sie sich gleich über 
jede Kleinigkeit auf! Wo bleibt die Verhältnismäßigkeit?! Die 
Perspektive? Geduld! Sicher haben auch Sie einen gewissen 
Anteil am Aufbau. Jascher koach! Aber Sie haben nicht alles 
aufgebaut. Sie sind empfindlich und leicht beleidigt. Sie haben 
vergessen, daß man den ganzen Weg lang Stärke braucht. 

Freuen Sie sich, daß wir ein Volk haben, einen Staat, eine 
Armee. Als wir aus Ägypten zogen, wurden wir zum Volk. Und 
jetzt wurden wir wieder zum Volk. Es gibt ein Volk! 
Sagen Sie nicht, wir sind ein Volk und "die" nicht, "die" seien 
"Mischvolk", Antisemiten usw. - Nein! Wir sind alle ein Volk!

Ein neues Licht über Zion: Ein Volk! Alles, was wir ab jetzt 
machen, machen wir über unser Volk und unseren Staat.

Natürlich gibt es Leiden und Probleme. Sicher gibt es Mißstände 
auf den Gebieten der Religion, des Nationalbewußtseins, bei 
der Erziehung und bei der Schabbatruhe, bei der Kaschrut und 
den Ehegesetzen, und nicht erst seit gestern. Wir erinnern uns 
noch an die Verordnung, den neueingewanderten Kindern aus 
dem Jemen die Schläfenlocken abzuschneiden, an die 
"Altalena" und an noch viele andere Probleme und Krisen. 

Es stimmt, daß ein Teil unseres Volk leider noch nicht nahe 
genug mit der Tora und dem Land verbunden ist, irrtümlich oder 
absichtlich, gezwungenermaßen oder aus eigenem Willen, - 
aber das ist unser Volk, in alle Ewigkeit, und mit ihm werden wir 
unsere Standpunkte vertreten und siegen.

Machen Sie unser Volk nicht schlecht! Denken Sie daran, wie 
der Prophet Elijahu getadelt wurde, obwohl zu seiner Zeit die 
Lage unendlich schlimmer und komplizierter war als heute. 
Lesen Sie einmal das Sendschreiben des Maimonides "Über die 
Heiligung des göttlichen Namens" (Kidusch haschem), wie 
Folgende getadelt wurden, die Schlechtes über das Volk Israel 
bemerkten: Unser Lehrer Moscheh, der Prophet Elijahu und der 
Prophet Jeschajahu. 

In seinem letzten Lebensjahr, vor seinem Aufstieg in himmlische 
Höhen, pflegte unser großer Lehrmeister, Rabbiner Zwi Jehuda 
Kuk an jedem Schabbatausgang von unserem Lehrer Moscheh 
zu reden, wie er vom Berge Sinai herabstieg und das Volk um 
das goldene Kalb tanzend vorfand. Moscheh sagte damals 
nicht, er habe die Nase voll; er gab nicht auf, sondern betete für 
das Volk und sagte: "Und wenn nicht [du G~tt dem Volk 
vergibst], radiere mich aus dem Buch, das du geschrieben" (Ex. 
32,32), ich verzichte auf meinen Anteil an der kommenden Welt. 
Sagte unser Rabbiner: "Dafür sind Nerven aus Stahl nötig". 
Damit wollte er ausdrücken, daß wir Nerven aus Stahl 
brauchen! Nerven aus Stahl für das Volk Israel. 

G~ttseidank ist das Volk Israel zu neuem Leben erwacht. 
Reden Sie nicht so, als wären wir nur ein kleines Grüppchen, 
denn wir sind das ganze Volk Israel. Ab sofort begehen wir jede 
gute Tat nicht alleine, sondern über das Volk Israel und den 
Staat Israel. Es stimmt, die Lage ist schwierig, und darum 
brauchen wir Geduld. Geduld bedeutet nicht Verzicht! Wir 
verzichten auf gar nichts! Wir sind mit unserer ganzen Kraft für 
das ganze Land aktiv! Gemeinsam das ganze Volk Israel! Alle 
gemeinsam!
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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