DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TEZAWE
Nr. 500
10. Adar I 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20 - 30,10):
Die Priester - Ahron und seine Söhne; Priesterkleidung und -
ausstattung; besondere Opfer und Amtseinführung; das tägliche 
Opfer; Opferdienst nur im Heiligtum und nur durch Priester; der 
Räucheraltar und der Dienst des Räucherwerkes im Heiligtum.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Leuchte dem Volk

Rav Se'ev Karov
Leiter der Jeschiwa in Karnej Schomron

"Meine Taube an Felsenriffen, an heimlicher Stiege, laß mich 
schauen deine Gestalt, laß mich hören deine Stimme; denn 
deine Stimme ist süß und deine Gestalt anmutig" (Hohelied 
2,14). So spricht G~tt zum Volke Israel. Der wirkliche Anblick 
des jüdischen Volkes ist anmutig und die Stimme der 
israelitischen Nation süß, allerdings verbirgt das Volk Israel 
seine ganze innere und äußere Schönheit "an heimlicher 
Stiege". 

Wie verbirgt man solch eine anmutige Gestalt und solch eine 
schöne Stimme? Durch alle möglichen Äußerlichkeiten. Wenn 
man nicht bereit ist, in das große, weite Leben hinauszugehen, 
wenn die Angst vor dem großen Licht zu einem Verbergen "an 
heimlicher Stiege" und in ihrem Schatten führt, dann trennt man 
sich von der wahren Schönheit und verbirgt die süße Stimme. 
Und G~tt sagt dem Volke Israel: Fürchtet euch nicht und geniert 
euch nicht, "denn deine Stimme ist süß und deine Gestalt 
anmutig". Wir befinden uns in einer Zeit, die uns lautstark 
auffordert, aus der "heimlichen Stiege" hervorzukommen. So 
schrecklich lange haben wir unsere Stimme verstellt, verbargen 
unsere Gestalt und redeten "auf Sichtweite". Zulange 
versuchten wir, das kleinste gemeinsame Vielfache zu finden, 
"damit die Öffentlichkeit uns versteht und wir auf sie Einfluß 
ausüben können". Auch beim Kampf gegen die Verkehrsunfälle 
läßt der Erfolg auf sich warten. Man erzeugt Angst durch 
erschreckende Bilder und droht mit schweren Strafen, aber die 
Fahrweise auf den Straßen ändert sich so gut wie gar nicht, und 
die Toten und Verletzten werden nicht weniger. Warum muß 
das so sein? In anderen Ländern konnte die Zahl der 
Verkehrsunfälle durch drastische Bilder erfolgreich gesenkt 
werden, und auch die schweren Strafen blieben nicht ohne 
Wirkung. Vielmehr ist der Staat Israel nicht wie andere Staaten, 
und das jüdische Volk läßt sich auf lange Sicht nicht durch 
Argumente "auf Sichtweite" abspeisen. Man kann diesem Volk 
Leben einhauchen zum Aufbau eines eigenen Staates mit 
Argumenten wie höherer Sicherheit usw., wenn man es aber bei 
diesen Argumenten beläßt, wird es mit eigenen Händen diesen 
Staat wieder auseinandernehmen, den wir aufgebaut haben. 
Lange Zeit schon versucht das jüdische Volk, aus diesen 
pragmatischen Argumenten den Tau des Lebens zu pressen. 
Es hat alle darin enthaltenen Lebenskräfte restlos ausgeschöpft. 
Sie haben keine Wirkung mehr. Es ist schwer zu verstehen, wie 
selbst Toragelehrte sich zu der Annahme verleiten lassen, mit 
Torakommentaren, die zu der Periode unseres Verborgenseins 
passen, selbst wenn sie als Erklärung geeignet sind, dem Volk 
neuen Lebensgeist einhauchen und die gewünschten 
Ergebnisse erzielen zu können. 

Das Volk Israel ist nicht bereit, auf Teile seines Landes zu 
verzichten, nicht wegen Sicherheitsüberlegungen, nicht wegen 
Mitgefühl mit den von Vertreibung bedrohten Familien, und auch 
nicht wegen dieser oder jener Mehrheit bei einer 
Volksabstimmung.

Das Volk Israel kann nicht auf Teile des Landes Israel 
verzichten, weil es eine Bestimmung und eine Aufgabe in dieser 
Welt zu erfüllen hat. Es gibt Dinge, auf die ein einzelner Mensch 
nicht verzichten kann, und es gibt Dinge, auf die ein Volk nicht 
verzichten kann, weil sie die Bedeutung seiner Existenz 
ausmachen.

Das Volk Israel kann den Arabern im Lande Israel keine 
gleichen Rechte einräumen, weil es nicht auf das Wesen des 
Staates als jüdischer Staat verzichten kann. Ein jüdischer Staat 
im Lande Israel nach den moralischen Maßstäben unserer Tora, 
das ist unsere Mission und unsere Botschaft. 

Diese Wahrheiten müssen das Volk Israel erleuchten. Natürlich 
ist die Durchführung ganz und gar nicht einfach, natürlich muß 
man sich den Kopf zerbrechen, wie man die Dinge zum Strahlen 
bringt. Es handelt sich aber um eine Lebensnotwendigkeit. Wir 
müssen diesem Volk die Möglichkeit geben, über den Horizont 
hinaus zu sehen. Jeder Mensch strebt nach gesellschaftlicher 
und historischer Verbundenheit, nach Idealen, sucht Bedeutung, 
und sicher möchte jeder Jude ein wirklicher Jude sein. Wenn er 
aber nie etwas darüber gehört hat, was es wirklich bedeutet, ein 
Jude zu sein, wenn man ihm niemals erklärt hat, warum seine 
Anwesenheit im Lande Israel untrennbar mit dem Wesen des 
Israeliten verbunden ist, wenn man ihm nie vom Licht des 
besonderen Glaubens des jüdischen Volkes gezeigt hat, wie 
kann er dann wissen, was er wirklich will? Wenn wir verstehen, 
daß das Gebot der Stunde das Erklingenlassen unserer 
angenehmen Stimme und das Vorzeigen unserer anmutigen 
Gestalt ist, werden wir auch die passenden Mittel dafür finden.

Der Versuch, nicht anzuecken und Dinge zu verbergen, hat 
seine Richtigkeit während bestimmter Phasen unserer Rückkehr 
in dieses Land, aber heute nicht mehr. Nicht nur G~tt bittet "laß 
mich schauen deine Gestalt, laß mich hören deine Stimme", 
sondern auch das verwirrte, das mehr oder weniger 
abgekoppelte jüdische Volk ruft nach und benötigt dringend 
diese Erleuchtung.

Unsere Stimme muß "die Stimme Jakovs" sein (nach Gen. 
27,22).
 
 
HaRav Aviner

Finger weg von Zahal! 
(1. Teil)

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Genauer gesagt: Spaltet Zahal (die israelischen 
Verteidigungsstreitkräfte) nicht auf, wie ihr dazu bereits auf dem 
besten Wege seid. Beide - damit sind gemeint 1. die Politiker, 
und 2. die Aktionsgruppen und Bürgerinitiativen für 
Befehlsverweigerung. Als hättet ihr einen unheiligen Bund 
geschlossen, aus Zahal Kleinholz zu machen. Zahal - das ist 
das Volk Israel! Wir alle wissen, daß es in unserer Nation 
Meinungsverschiedenheiten gibt. Zahal ist der gemeinsame 
Nenner, unser großes Miteinander.

Ihr Politiker häuft Sünde auf Unrecht. Nicht nur, daß ihr euch 
erdreistet, wie die übelsten Antisemiten die Entvölkerung ganzer 
jüdischer Ortschaften zu planen, und das in Teilen unseres 
eigenen Landes, die mit himmlischer Hilfe und dem Blute 
unserer Soldaten erworben wurden, ihr wollt dazu auch noch die 
Armee bemühen, obwohl es sich dabei um zivile 
Angelegenheiten der Innenpolitik handelt. Im gleichen 
kriminellen Schwung spaltet ihr so die Armee mit dieser 
unmöglichen Mission, ein Zeichen absoluter 
Verantwortungslosigkeit. Total verantwortungslos, Soldaten in 
gewaltsame Auseinandersetzung unter Brüdern zu schicken, 
und ohne die große Liebe, die in unserer Nation herrscht, würde 
sich daraus sicher ein Bürgerkrieg entwickeln. Ihr überspannt 
den Bogen, so kann es nicht weitergehen. Brüder, macht es 
nicht noch schlimmer, bringt die Soldaten nicht in die 
unmögliche und gefährliche Lage, wenn sich junge Leute auf 
beiden Seiten gegenüberstehen, die leicht die Kontrolle über 
sich verlieren können. Aber selbst wenn sie von vornherein mit 
einer klaren Weisung zur Zurückhaltung antreten, wer kann 
dafür garantieren, daß niemand zu Schaden kommt, und über 
das Resultat wage ich nicht einmal zu spekulieren: Riß in der 
Nation, dadurch Schwächung des Staates. Die Erweckung von 
grundlosem Haß, der bekanntlich die Ursache für die 
Tempelzerstörung war, ist ein furchtbares Verbrechen. Mit 
Gewalt solch schicksalsschwere Entscheidungen der Nation 
aufzuzwingen gleicht einer Bankrotterklärung der politischen 
Führung, die nichteinmal mehr versteht, einen Dialog zu führen. 
Wißt ihr denn nicht, daß so ein Prozeß ohne die Zustimmung 
des Volkes nicht durchführbar ist?! Nicht alles läßt sich durch 
die Armeegerichtsbarkeit zuendebringen. Ermutigung und 
Motivation sind nötig. Wer aber will einem Soldaten Motivation 
einflößen, der sagt: "Herr Offizier! Bruderkrieg? Nein danke!". In 
totalitären Staaten nahm man zu gegen die Bürger gerichteten 
Aktionen herzlose Fremdenlegionäre, weil die Führung wußte, 
die eigenen Soldaten wären dazu nicht in der Lage. Habt ihr 
nicht Geschichte gelernt? Wißt ihr denn nicht, daß ein 
motivationsloser Soldat zu nichts zu gebrauchen ist? Wie zum 
Beispiel "Wer furchtsam und zaghaften Herzens ist" (Dt. 20,8), 
der nicht viel nützt und nur seine Brüder entmutigt. Dasgleiche 
gilt für den, der wegen seiner Sünden furchtsam und zaghaften 
Herzens ist, oder wegen seiner zukünftigen Sünden. Nur beim 
Kampf um die Heimat sage sich auch der Schwache: "ein Held 
bin ich". Doch nicht, wenn ihm überhaupt nicht einleuchtet, daß 
er zum Besten des Volkes im Einsatz ist, und erst recht nicht, 
wenn es sich gar nicht um militärische Belange handelt. Der 
Glaube an den Sinn einer Mission bildet immer die Grundlage 
für ihre Ausführung. Wißt ihr denn nicht, daß Tausende und 
Abertausende der nichtreligiösen Jugend nicht zum Militär 
gehen, weil sie nicht an die Armee glauben, und daß sich in 
manchen Schulen die Bereitschaft, in der kämpfenden Truppe 
zu dienen, zwischen 0% und 2% bewegt? Warum wohl? Weil so 
einer als Dummkopf gilt, der seine Zeit vergeudet. Darum 
lassen sie sich lieber wegen "mangelnder Eignung" befreien, 
oder wenigstens nahe an ihrem Wohnort stationieren, damit sie 
sich gleichzeitig mit anderen Dingen beschäftigen können. Wißt 
ihr denn nicht, daß sich viele der hohen Offiziere nicht zu 
freiwilligem Reservedienst melden, mit dem "Löcher" im 
Dienstplan gestopft werden könnten? Und welchen Ausweg, 
glaubt ihr, wird ein Soldat finden, der in so eine unmögliche 
Lage gebracht wird? Fragt einmal die Soldaten, wie sie sich 
fühlen! Das hat gar nichts mit Rabbinern oder Religiosität zu 
tun, sondern mit ihren Prinzipien und Werten, nach denen sie 
erzogen wurden und die ihre Väter seit Staatsgründung oder 
seit der Rückkehr nach Zion aufnahmen. 

Was die Regierung in absoluter Verantwortungslosigkeit die 
Soldaten in einen politischen Kampf hineinzieht, das erlaubt 
noch lange nicht verantwortungsloses Handeln durch die 
Gegenseite. Ein öffentlicher, politischer Streit ist natürlich 
vollkommen legitim. Doch die Armee rühren wir nicht an und 
bekämpfen sie auch nicht! Nur weil sich die Regierung so 
verhält, dürfen wir das noch lange nicht tun. Die Armee ist das 
Zentrum der nationalen Brüderlichkeit. Ein Soldat kann schon 
mal den Befehl verweigern. Schließlich ist er auch nur ein 
Mensch. Vielleicht geht er dafür ins Gefängnis, ob er nun 
rechter oder linker politischer Gesinnung ist, vielleicht erhält er 
eine andere Strafe, oder vielleicht vergibt man ihm. Eine Welle 
von vorausgeplanten Befehlsverweigerungen aber ist ein Spiel 
mit dem Feuer. Man muß nämlich klären, ob das Problem 
dieses Soldaten oder Offiziers privaten oder nationalen 
Ursprungs ist.

Wenn es sich um ein persönliches Problem handelt, muß er 
sich an seinen Vorgesetzten mit den Worten wenden: "Leider 
bin ich nicht fähig, diese Aufgabe zu erfüllen / diese Mission zu 
leiten, die Allem widerspricht, zu dem ich erzogen wurde, und 
nicht für solche Aufgaben bin ich in die Armee eingetreten. Ich 
wurde dazu erzogen, daß man sein Haus auch unter Feuer 
nicht aufgibt". Man kann nur hoffen, daß ihm sein Vorgesetzter 
eine Lösung findet, weil ein Kräftemessen mehr schadet als 
nützt und einer Bankrotterklärung der militärischen Führung 
gleichkommt. Die Kunst der militärischen Führung besteht nicht 
in der krampfhaften Durchsetzung der Befehle, sondern 
beinhaltet auch den Versuch der Auseinandersetzung mit 
Verständnis und Liebe, denn schließlich sind wir doch Brüder. 
Von vornherein darf man es aber nicht auf so eine Konfrontation 
anlegen, denn auch das Gerede von Befehlsverweigerung in 
einer Kampfeinheit ist eine Bankrotterklärung. 

(Fortsetzung in der nächsten Ausgabe)
 

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