DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TASRIA
Nr. 507
29. Adar II 5765

Parschat Hachodesch

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel

Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Lev. 12,1-13,59): 
Das Gebot der Beschneidung; Geburtsunreinheit und 
Reinigungsopfer; Ausschläge, deren Bedeutung auf den 
Reinheitsstatus des Befallenen, die Begutachtung durch den 
Priester und die Behandlung; Reinigungsprozedur und 
zugehörige Opfer; entsprechende Behandlung eines vom 
Aussatz befallenen Kleides.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Wer macht Reines aus Unreinem?

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

In unserem Wochenabschnitt ist viel die Rede von "Unreinheit" 
und "Reinheit" [im spirituellen Sinne, nicht zu verwechseln mit 
"Sauberkeit" und "Schmutz"], angefangen mit der Unreinheit 
verbotener Nahrungsmittel bis hin zur Körperunreinheit der 
Gebärenden und des Aussätzigen. Da wir uns heutzutage nicht 
genügend mit diesen Gesetzen auskennen, fällt es uns 
manchmal schwer, das System und die Gesetzmäßigkeiten bis 
ins kleinste Detail zu verstehen. In Wirklichkeit enthält die 
Mischna-Ordnung "Taharot" (Von den [Un-]Reinheiten), die sich 
auf unseren und die benachbarten Wochenabschnitte stützt, 
klare Regelungen bezüglich der Ursachen der diversen 
Unreinheiten und ihrer Schwere sowie die Art und Weise ihrer 
Beseitigung. Entsprechend werden auch die Gesetze vom 
Aussatz durch klare Regelungen definiert, nach denen die 
Erkennungszeichen für Unreinheit und für Reinheit bestimmt 
wurden, u.a. welche von ihnen "absolute Unreinheit" 
signalisieren und welche nur zum temporären "Einschluß" 
führen. 

Wenn z.B. an der aussätzigen Hautstelle ein weißes Haar in 
einem weißen Fleck sitzt, so haben wir es hier mit einem 
"absoluten" Aussatz zu tun, wohingegen ein schwarzes Haar an 
dieser Stelle ein Reinheitszeichen wäre. Daneben gibt es 
Zwischenzustände der Kombination beider Zeichen, die zu einer 
"Einschluß"-Phase des Aussätzigen führen, um seinen Status 
endgültig klären zu können. 

In diesem Lichte wollen wir uns nun den Aussätzigen 
betrachten, der die Ausnahme von dieser Regel bildet und in 
dessem Fall die Zeichen der Unreinheit gerade als Zeichen der 
Reinheit angesehen werden. Wenn sich bei ihm nämlich nach 
den obengenannten Regeln die weißen Flecke der Unreinheit 
mehren, wird er, wenn sie den ganzen Körper bedecken, zur 
Ausnahme: "..ist er überall weiß geworden, so ist er rein" (Lev. 
13,13). Warum diese Ausnahme?

Anhand dieses Extrems muß betont werden, daß die Zeichen 
der Unreinheit nicht an sich Unreinheit verursachen, und darum 
braucht man sich nicht über die Diskrepanz zwischen dem 
äußerlich sichtbaren Zeichen, das auf eine verbreitete 
Unreinheit weist, und dem wahren halachischen Status zu 
wundern, dessen Gründe vor G~tt bekannt und offenbar sind, 
so wie Rabbi Jochanan zu seinen Schülern sagte: "Bei eurem 
Leben, nicht der Tote verunreinigt und nicht das Wasser [mit 
der Asche der roten Kuh] reinigt, sondern Jener, der sprach, 
und es ward die Welt" (Midrasch raba, Chukkat). Das hilft uns 
nur nicht viel beim Verständnis weiter, wie dieses 
Reinheitszeichen so gründlich im Gegensatz zu den 
Unreinheitszeichen stehen kann, die ebenfalls auf der 
Ausbreitung von weißen Flecken basieren.

Sehen wir uns dazu zwei gegensätzliche Kommentare an, der 
eine vom Lehrer und der andere von seinem Schüler, die 
allerdings auf den zweiten Blick einander ergänzen. Der 
Kommentar "Ha'emek Dawar" (Rabbi Naftali Z.J. Berlin aus 
Woloschin) erklärte, die Reinheit dieses Aussätzigen resultiere 
aus seinem Makel - seine Sünde ist so sehr groß, daß ihm der 
reguläre Reinheitsprozeß nichts nützen würde, und darum hat 
es keinen Sinn, ihn für unrein zu erklären. Soll doch der Aussatz 
die Menschen zu reumütiger Umkehr veranlassen - aber nur 
diejenigen, wo eine Aussicht dazu besteht. Nach diesem 
Kommentar ist ein Mensch, der sich nichts aus seinem 
stadtbekannten schlechten Ruf macht, nicht zur Umkehr fähig, 
denn dadurch zeigt er ja, wie wenig er zur Annahme von 
Belehrung und Ermahnung bereit ist, besonders, wenn er nach 
Erhalt der Strafe wieder seiner Sünde verfällt. In diesem Fall 
wird ihm der Weg zur Umkehr versperrt. Die Tora wiederholt 
dieses Gesetz sogar und deutet damit auf jemanden, der sagt: 
"Ich werde sündigen, aber gleich reumütige Umkehr tun". 

Rabbiner Awraham Jizchak Kuk, sein Schüler, gab eine genau 
entgegengesetze Erklärung (Ma'amarej Hara'aja S.99). Die 
Reinheit dieses Aussätzigen stammt gerade von seiner Größe 
und seiner Fähigkeit, seine Kräfte der Bosheit und der 
Unreinheit im Dienst an G~tt einzusetzen und sie in Richtung 
des Guten und der Reinheit zu neigen. Zwar gibt auch Rabbiner 
Kuk zu, daß die Versunkenheit in grobem Materialismus diesem 
Menschen keine Möglichkeit offenläßt, auf den üblichen Wegen 
Belehrung und Ermahnung anzunehmen, doch gerade sein 
Zustand ermöglicht ihm die Reinigung, ohne auf die Methoden 
der anderen Aussätzigen zurückgreifen zu müssen. Seiner 
Ansicht nach symbolisiert dieser Aussätzige die Generation der 
"Fußstapfen des Maschiach" (der Beginn des messianischen 
Zeitalters), der höher als wir in die Welt der Heiligkeit und der 
Reinheit vordringt, und dessen Weg durch die tiefsten 
materialistischen Tiefen von Sünde und Unreinheit führt. 

Nach dieser Auffassung gilt es noch gründlicher die innere 
Bedeutung von "Unreinheit" und "Reinheit" zu erforschen, nicht 
nur, weil sie nicht unbedingt von den äußeren Anzeichen 
abhängt, sondern auch, weil sich Reinheit manchmal gerade im 
Zusammenhang mit Unreinheit offenbart. Darum kann man sich 
gar nicht genug ins Gedächtnis rufen, daß "nicht der Tote 
verunreinigt und nicht das Wasser reinigt, sondern Jener, der 
sprach, und es ward die Welt". 
 
 
Frage und Antwort

Nieder mit dem Staat?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Sie reden immer davon, die Armee nicht zu spalten. Ich 
bin gerade umgekehrter Ansicht. Eine verfaulte Armee wie 
diese - da ist es eine Mitzwa, sie aufzulösen und zu zerstreuen. 
Und mit ihr diesen ganzen unmoralischen Staat Israel, der seine 
Bürger vertreibt und Terroristen befreit. So einen Staat und so 
eine Armee haben wir uns nicht erträumt. Ich habe endgültig 
genug davon!

Antwort: Und ich habe sie mir wohl erträumt! Und beide haben 
wir recht - Sie haben für einen himmlischen Staat und eine 
himmlische Armee gebetet, ideal und absolut, und ich habe für 
einen erdständigen Staat und eine ebensolche Armee gebetet. 

Ich werde Ihnen mal ein Geheimnis verraten. Als G~tt die Welt 
schaffen wollte unter Anlegung des Maßstabes absoluten 
Rechtes, sah er, daß die Welt so nicht existieren kann, und 
kombinierte das Recht mit der Gnade. Warum schuf er die Welt 
also nicht von vornherein unter Hinzuziehung der Gnade? Weil 
das höchste Ideal wirklich im Maßstab des Rechtes besteht, das 
Ideal der Zukunft. Doch in der Zwischenzeit muß auch der 
Maßstab der Gnade angelegt werden. 

Während nur der Maßstab des Rechtes herrschte, zerbrachen 
die "Gefäße". Sie vermochten nicht, das ganze göttliche Licht 
aufzunehmen, und darum zerbrachen sie. Das Licht ist 
unendlich groß, die "Gefäße" aber klein und unvollkommen. Es 
kam zu tohu wawohu ("öd und wüst"; Gen. 1,2). Langsam und 
unter Einsatz des Maßstabs der Gnade wandelte sich die Welt 
des tohu in eine Welt der Besserung. Die Gnade verdrängt nicht 
das Recht, schrieb Rabbiner Moscheh Chaim Luzatto, sondern 
fügt Geduld hinzu ("Weg der Frommen", am Ende des 4.Kap.). 

In den höheren Welten zerbrachen "Gefäße", und als Folge 
davon auch in der niederen Welt, Sie aber brauchen keine 
"Gefäße" zu zerbrechen! Sie haben sich noch nicht selbst 
bewiesen und noch nichts erbaut. Wir haben viele "Gefäße", die 
alles andere als vollkommen sind, und sicher sind sie nicht in 
der Lage, daß ganze Licht aufzunehmen: der Staat, die Armee, 
der Misrachi (die national-religiöse Bewegung), das 
Oberrabbinat, das Erziehungsministerium. Es sind aber 
wertvolle "Gefäße", die langsam und mit viel Mühe geschaffen 
wurden. 

Manchmal zerbricht der Herr der Welt etwas, aber er baut auch 
auf. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie zu bauen verstehen. Man 
darf keine Synagoge abreißen, bevor man die neue fertighat, 
vielleicht mißlingt der Neubau, und man steht ganz ohne da 
(Baba batra 3b). Ebenso löst man keine problematische Ehe 
vorzeitig auf. Groß ist der Frieden. Man senke die Wahrheit zum 
Frieden herab. Das ist keine Lüge, denn es gibt Abstufungen 
bei der Wahrheit. Unser Vorvater Jakov versinnbildlicht den 
Maßstab der Wahrheit, "eine Leiter, die gestellt war auf die 
Erde, und die Spitze reichte an den Himmel" (Gen. 28,12), viele 
Stufen der Wahrheit gibt es. Darum sagt man zu einem 
Bräutigam, der eine Lahme oder eine Blinde heiratet, seine 
Braut sei anmutig und schön (Ketubot 17a), und das ist keine 
Lüge, sondern Wahrheit, denn genau so fühlt er gerade 
(MaHaRaL, Netiwot Olam). 

"Kein Gefäß enthält den Segen so wie der Frieden" (Talmud 
jeruschalmi, Brachot 2.Kap, Hal.4). Auch ein gesprungenes und 
schmutziges Gefäß kann etwas enthalten. Aber ganz ohne 
Gefäß lassen sich die Schätze der Welt überhaupt nicht 
festhalten und verschwinden spurlos. 

Seien Sie kein Anarchist, der die bestehende Ordnung 
zerstören will, in der Hoffnung, daß aus den rauchenden 
Trümmern der heutigen verfaulten Welt simsalabim die rosigste 
Zukunft erblühe. Zwar verfügt ein Anarchist über eine große 
Seele aus der Welt des tohu, ein Mensch mit absoluten 
Prinzipien, doch er zerstört, ohne aufzubauen. 

Recht bleibt immer Recht, und Wahrheit bleibt immer Wahrheit, 
aber man braucht Geduld. Geduld bedeutet nicht Nachgeben, 
wie unser großer Lehrmeister, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk immer 
hervorzuheben pflegte. 

Sehen Sie die Realität nicht nur durch die religionsgesetzliche 
Brille, sondern auch von seiten des Glaubens. So schrieb 
Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels): 
"Wir sehen, daß wenn man auf die Welt blickt, sie zu richten, 
von seiten der offenbarten Seite der Tora alleine, ohne den 
Einfluß der Tora der Gnade, die aus der Quelle verborgener 
göttlicher Erkenntnis stammt, wächst sehr das Maß des 
Rechtes, der Haß der Geschöpfe und allseitige 
Hoffnungslosigkeit, und es gibt keine Möglichkeit für einen 
seelischen Zustand durchwirkt von Heiligkeit in einer 
Generation, in der sich viele Rechtsbrüche bieten, außer unter 
Hinzuziehung der Präzision, die der offenbarten Tora 
entstpringt, zusammen mit der Gnade und dem Licht der 
verborgenen Tora, denn dann temperieren sich gegenseitig die 
Gnade und Kraft des Rechtes und gelangen zu allgemeiner 
Milde" (Orot Hatora 10,15).

Zerbrechen Sie nicht den Staat und die Armee, sondern mehren 
Sie Licht. Der Leuchter ist das Wappen unseres Staates, 
genauer gesagt, ein Leuchter ohne Licht aus dem 
Wochenabschnitt Truma. Sie sind zuständig für den Leuchter 
des Wochenabschnittes Tezawe, das ewige Licht zum Leuchten 
zu bringen, durch fortwährende Bemühung, vom Abend bis zum 
Morgen, in den Tagen der Finsternis.

Ich muß nur noch hinzufügen: Mein Freund, Sie übertreiben! Sie 
sehen alles zu pessimistisch! Sie sehen nicht das Gute, nur das 
Schlechte! Sie müssen reumütige Umkehr tun und besonders 
das achte Kapitel des "Weges der Frommen" nochmal lesen - 
und lernen, Danke zu sagen! Danke dem Herrn der Welt und 
Danke dem Staat und Danke der Armee! Schließen Sie sich 
uns an, die wir dieses alte und mutige Volk lieben, den Staat 
Israel und die Armee! 

Öffnen Sie die Augen und erkennen, daß unser Staat ein 
wunderbarer Staat ist, von einem Ende zum andern voller 
wunderbarer Leute, Religiöse und Nichtreligiöse, Charedim und 
Zionisten, Rechte und Linke - was ist der Staat denn daran 
schuld, wenn es unter uns auch schwache, verwirrte und 
verkrummte Leute gibt?! 

Mancher hat schon gedroht: Wenn das so weitergeht, wandere 
ich aus. Sage Du ihm auch: Unser Land ist heilig, das Land 
G~ttes, das begehrenswerte Land, das Land des Lebens - was 
kann es dafür, daß es auch Sünder und Verbrecher gibt?

Als seinerzeit die "Bilu"-Organisation entstand (eine 
nichtreligiöse Bewegung zur Einwanderung und Besiedlung des 
Landes; der Name ist eine Abkürzung des Verses "Haus 
Jakovs, auf, und lasset uns wandeln", Jeschajahu 2,5), sagte 
der damalige Rabbi von Lubawitsch: Wenn der Vers vollständig 
genannt worden wäre, "Haus Jakovs, auf, und lasset uns 
wandeln im Lichte des Ewigen", wäre auch er beigetreten. 
Sagte Rabbiner A.J.Kuk: Wir werden dafür sorgen, daß es im 
Lichte des Ewigen geschehe. 

Sicher gibt es viele Probleme in Staat und Armee. Dazu sagte 
unser Lehrer, Rabbi Zwi Jehuda Kuk: "Wir freuen uns über das, 
was wir haben, doch wir geben uns nicht zufrieden damit". 
Seien Sie froh, daß Sie sich nicht zufrieden geben. Machen wir 
gemeinsam weiter auf diesem Weg, geleitet von den Worten 
Rabbiner Kuks: "Das Volk der Ewigkeit hat keine Angst vor 
einem langen Weg".
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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