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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN
IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHEMOT
Nr. 493
20. Tewet 5765
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
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"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese
Woche in der Tora (Ex. 1,1 - 6,1):
Vermehrung
und Ausbreitung der Kinder Israels über ganz
Ägypten;
neuer Pharao "vergißt" Josef und unterdrückt die
Israeliten;
Tötung der neugeborenen Söhne; Moschehs Geburt;
adoptiert
von Pharaos Tochter; Moscheh tötet den ägyptischen
Schläger;
flieht nach Midian und heiratet Jitros Tochter; G~tt
schickt
ihn zurück, um die Kinder Israels zu befreien;
Beschneidung
seines Sohnes auf dem Wege; Begegnung mit
seinem
Bruder Aharon; Audienz beim Pharao; Verschärfung der
Sklaverei;
Protest der Israeliten gegen Moscheh und Aharon.
| Am
Schabbes-Tisch...
Das Verdienst
der Frauen
Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret" |
Ein schweres Los fiel auf unsere Vorfahren in Ägypten.
Schwerstarbeit für die Männer. Tötung der Neugeborenen.
Ein
langes und schweres Exil (Galut), ohne ein Ende in Sicht. In
dieser Lage wurden Viele von Verzweiflung erfaßt. So berichtet
der Talmud (Sota 12a): "Amram war der Bedeutendste seines
Zeitalters, und als der ruchlose Pharao befohlen hatte, jeden
Knaben, der geboren wird, in den Fluß zu werfen, sprach er:
Wir mühen uns nun vergeblich ab. Da stand er auf und schied
sich von seiner Frau. Hierauf standen alle auf und schieden sich
von ihren Frauen".
Zwar hatten Amram und seine Generation die Hoffnung auf eine
endgültige Erlösung nicht aufgegeben, da doch die
Prophezeiung gegenüber Awraham beim "Bund zwischen den
Teilstücken" ausdrücklich sowohl von Galut als auch von
darauffolgender Befreiung sprach; allerdings erwarteten sie
nicht, daß sie und ihre Familien diese Befreiung miterleben
würden. Vielleicht wägten sie das Risiko des Kinderkriegens
gegen die Überlebenschancen dieser Kinder ab, die in ihren
Augen äußerst gering erschienen. (Nach modernen Begriffen:
unrentabel gemäß Kosten/Nutzen-Analyse...).
Diesen Verzweifelten sehen wir die Frauen gegenüber, und
allen voran - die Prophetin Miriam. "Da sprach seine Tochter zu
ihm: Vater, dein Befehl ist schlimmer als der des Pharao. Der
Pharao erließ ihn nur über die Knaben, du aber über
Knaben
und Mädchen. Der Pharao erließ es nur für diese Welt,
du aber
für diese und für die kommende Welt. Der Pharao ist gottlos,
und es ist zweifelhaft, ob sein Befehl befolgt wird oder nicht, du
aber bist ein Frommer, und dein Befehl wird sicher befolgt... Da
stand er auf und nahm seine Frau wieder. Hierauf standen alle
auf und nahmen ihre Frauen wieder" (ebda.).
Der Standpunkt der Frauen beschränkte sich nicht auf die
Forderung nach Wiederheirat, wie es im Talmud heißt: "Durch
das Verdienst der frommen Frauen jenes Zeitalters wurden die
Israeliten aus Ägypten erlöst. Wenn sie Wasser schöpfen
gingen, fügte der Heilige, gepriesen sei er, kleine Fische in
ihre
Krüge, und sie schöpften die Hälfte Wasser und die Hälfte
Fische. Sie setzten dann zwei Töpfe auf, einen mit warmem
Wasser und einen mit Fischen, und brachten sie ihren Männern
aufs Feld. Sodann wuschen sie sie, salbten sie, gaben ihnen zu
essen und zu trinken und begatteten sich mit ihnen..." (Sota
11b).
Die Frauen jener Generation verharrten also keineswegs in
Passivität, sondern ergriffen die Initiative. Aus menschlicher
Sicht reichte diese Maßnahme nicht aus, um die Erlösung
herbeizuführen. Auch war die Zukunft der Kinder keineswegs
gesichert. Doch sicherte es die Existenz der Nation, bis "der
Winter vorüber ist, der Regen enteilt, die Blüten sich sehen
lassen und die Zeit des Sanges gekommen ist, und sich die
Stimme der Turteltaube hören läßt in unserem Lande"
(Hohelied
2,11-12), und so erschien unser Lehrer Moscheh auf der
Bildfläche, der erste Erlöser.
Die weibliche Weltanschauung unterscheidet sich demnach von
der männlichen. Der Mann sieht "Linien", er schaut weit voraus.
Er setzt sich langfristige Ziele, plant Strategien, wägt das Risiko
ab gegen die Chancen, die Kosten gegen den Nutzen, und erst,
wenn sein Weg genau feststeht, macht er sich auf den Weg,
sein Ziel zu erreichen. Demgegenüber überschaut die Frau
ein
"weites Blickfeld". Es interessiert sie nicht die ferne Zukunft,
sondern die Gegenwart. Sie konzentriert sich nicht so sehr auf
das Ziel, sondern auf die gegenwärtig zur Verfügung stehenden
Mittel. Nicht das Mögliche und Erreichbare ziehen sie an,
sondern die durch die Arbeit am Projekt erzeugte Befriedigung.
Wenn ein Mann heuzutage die Kosten/Nutzen-Rechnung
anstellte, ob es sich lohnt, Kinder in die Welt zu setzen, unter
Berücksichtigung der ihnen zukünftig offenstehen Möglichkeiten
- schwer zu sagen, zu welchem Ergebnis er gelangen würde.
Die Frau hingegen möchte gerne einen Säugling in den Armen
halten, ihn pflegen und großziehen, ebenso die ehelichen und
familiären Beziehungen entwickeln, ohne sich besonders um die
möglichen Resultate zu sorgen.
Am Ende hielten die Aktivitäten der Töchter Israels auch der
"kritischen Beurteilung der Ergebnisse" stand, als es ihnen mit
himmlischer Unterstützung gelang, die Kinder zu bewahren und
großzuziehen. Alle Anstrengungen der Ägypter, die Kinder
zu
finden und zu beseitigen, führten zum gegenteiligen Ergebnis:
"Doch wie sie dasselbe drückten, so mehrte es sich und breitete
es sich aus" (Ex. 1,12).
Ein Midrasch unbekannter Herkunft, der im Buche "Kaw
Hajaschar" (82. Kap.) erwähnt wird, stellt eine direkte
Verbindung
zwischen jenen Tagen und unserer Gegenwart her: "Wegen
vierer Dinge wurden unsere Vorfahren aus Ägypten erlöst:
Durch das Verdienst gerechter Frauen, und weil sie nicht ihre
Namen änderten, und weil sie nicht ihre Sprache wechselten,
und weil sie ihre Sicherheit in G~ttes Hände legten. Und so wie
es bei der ersten Erlösung war, wird es auch bei der letzten
Erlösung sein".
Auch bei der letzten Erlösung, erklärt der Midrasch, wird
es
Zeiten geben, die Viele in die Arme der Verzweiflung treiben.
Und auch dann werden gerechte Frauen erstehen, die auf G~tt
vertrauen und das Familienleben entwickeln, unter Fortführung
des Lebens auch unter unsicheren Bedingungen. So können wir
auch die Anweisungen verstehen, die Rabbiner Elijahu (der
"Gaon") von Wilna schon vor mehr als 200 Jahren seinem
Schüler, Rabbi Hillel Rivlin aus Schklow gab, die im Buche "Kol
Hator" festgehalten wurden:
"[Man muß] von vornherein wissen, daß im messianischen
Zeitalter aus jedem Leiden eine Errettung erwächst, und die
Errettung kommt unter Leiden, wie geschrieben steht: 'Eine Zeit
der Bedrängung ist es für Jakov, dennoch soll ihm daraus
geholfen werden' (Jirmijahu 30,7)... [Man muß] von vornherein
wissen, daß das Land Israel durch Prüfungen erworben wird;
doch dadurch wird es wirklich erworben. Das messianische
Zeitalter kommt durch Unruhen und Hindernisse... doch aus
dem Starken kommt Süßes und unser Hände Werk wird G~tt
gefällig sein, darum dürfen wir uns um Himmels willen nicht
ein
bißchen zurückziehen, wenn es g~ttbehüte irgendwelche
Schwierigkeiten gibt, irgendein Hindernis im Verlauf unserer
Arbeit, und wir müssen sicher sein, daß gerade durch sie
Jakov
erlöst werden wird, und aus der Beengung werden wir zu G~ttes
Weiten gelangen" (§1).
"[Man muß] von vornherein wissen, daß der Beginn der
Erlösung Stück um Stück, in kleinen Schritten kommt...
Darum
sollte man jede Tat zu diesem Beginn wenigstens mit einem
Bißchen beginnen, wie geschrieben steht: 'Einen aus der Stadt
und Zwei aus der Nation' (Jirmijahu 3,14)... (§1).
"Die Feinde G~ttes und die Feinde Israels bekämpfen alle
Handlungen des Beginns der Erlösung im messianischen
Zeitalter... Und die talmudischen Weisen zählten die Mühsale
im
messianischen Zeitalter bereits auf. Und wir - wir haben
niemanden, uns auf ihn zu stützen als unseren Vater im Himmel
und auf seinen Willen, daß wir uns mit dem Erwachen aus
unserer niederen Welt heraus befassen und felsenfest stehen
gegen alle Störversuche und Verwünschungen..." (§2).
"Das waren die Eigenschaften und besonderen Fähigkeiten von
Josef, dessen Erfolg ausschließlich auf Taten beruhte, wie über
Josef gesagt wurde: 'und alles, was er tat, ließ der Ewige
gelingen in seiner Hand' (Gen. 39,3)" (§2).
| HaRav
Aviner
Der Mann ohne
Selbst
(1. Teil)
Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa
von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt |
 |
[aus der Ansprache bei der
Kundgebung für Jonathan Pollard am 4. Kislev
5765]
Wir stehen hier schon eine ganze Weile im Regen und weichen
so langsam durch, und das ist gut so, denn wir tun das für
Jonathan Pollard, der mit seiner ganzen Existenz für uns
durchweicht. Er ist ein Mensch, der nicht an sich selbst dachte,
sondern nur an andere, der sein Selbst zugunsten anderer
zurückstellte. Mögen Manche behaupten, ein Mensch, der nicht
an sich selbst, sondern nur an andere denkt, kommt schnell
unter die Räder, denn in dieser Welt muß man die Ellenbogen
benutzen, um zu überleben; eine Art Sozial-Darwinismus: der
Stärkere setzt sich durch, der Nachgebige und der Sanftmütige
verschwinden von der Bildfläche.
Nur daß die Wirklichkeit anders aussieht. Die egoistischen
Dinosaurier, die sich noch nicht einmal um ihre eigenen Kinder
kümmerten, starben aus, und der Vogel, der im Nest die Eier
ausbrütete, überlebte. Doch warum reden wir von Vögeln
- die
Königreiche, die uns so sehr zusetzten - wo sind sie heute?
Ägypten, Babylon, Perser und Meder, Griechen und Römer -
untergegangen! Und wir, das jüdische Volk, existiert nach wie
vor!
Wer waren die größten Egoisten der Vorzeit? Sdom! Sie gaben
den Armen nicht einen roten Heller, weil sie Angst hatten, es
bleibe nichts für sie selbst übrig. Ein Mädchen, das
mit einem
Armen Mitleid hatte, wurde verbrannt, und ein anderes mit
Honig bestrichen und gefesselt, bis es von Insekten zu Tode
gestochen worden war. Und wer hält das andere Ende, das
Extrem der Selbstlosigkeit, der nur an andere dachte? Unser
Vorvater Awraham, der lief, um Gäste einzuladen und sich nach
besten Kräften um sie zu kümmern, sogar unter Schmerzen,
nachdem er die Beschneidung vorgenommen hatte. Er ließ
seinem Neffen Lot die Wahl, das Land auf der rechten Seite
oder auf der linken zu nehmen, und wie er erfuhr, daß Lot in
Gefangenschaft geraten war, zögerte er nicht eine Sekunde,
sondern rüstete alle seine Schüler, um Lot zu retten. Und
er
betete für Sdom. Doch glaubt bloß nicht, daß Awraham
wegen
seiner Selbstlosigkeit vielleicht einfach zu überrumpeln war -
ganz und gar nicht! Er war reicher als ganz Sdom. Auch unser
Vorvater Jizchak war sehr reich, so reich, daß man von ihm
sagte: Besser der Mist der Maultiere Jizchaks als das Gold
Awimelechs [König der Philister].
Unser Vorvater Awraham hatte ein gutes Herz, er kümmerte
sich um andere und nicht um sich selbst. Entsprechend suchte
sein Diener Elieser für Jizchak eine Braut, die nicht an sich
selbst, sondern an andere denkt, die vom Brunnen zur Tränke
läuft, um anderen zu trinken zu geben. "Diese habest du
bestimmt" (Gen. 24,14), Raschi: "sie ist deiner würdig; denn sie
wird wohltätig sein und wert, in das Haus Awrahams
einzutreten".
Auch unser Lehrer Moscheh - Prinz Ägyptens! - zog aus zu
seinen Brüdern. Für ihn war die Brüderlichkeit wichtig.
Pharao
bot ihm viele Aufgaben an, doch wollte er gerade die
Arbeitslager leiten, damit er seinen Brüdern helfen konnte. Als
er einen Ägypter einen Hebräer schlagen sah, überlegte
er nicht
zweimal, sondern tötete den Ägypter auf der Stelle. Er wußte,
daß von nun an die gesamte Polizei Ägyptens hinter ihm her
sein würde; so geschah es auch, und G~tt half ihm mit einem
Wunder: "und hat mich gerettet vom Schwerte Pharaos" (Ex.
18,4). Er dachte nicht an sich selbst, sondern an andere. Auch
wie er nach Midian kam und sah, wie die Hirten den Hirtinnen
zusetzten, dachte er nicht an sich selbst, sondern an die
Benachteiligten, obwohl ein Fremder an einem neuen Ort sich
nicht gleich in den Vordergrund drängen, sondern
Zurückhaltung üben sollte.
Manche Menschen haben kein Selbst, und manche Menschen
haben nur ihr eigenes Selbst. Jonathan gehört zur ersten
Kategorie. Wußte er denn nicht, was ihn erwartete, wußte
er
denn nicht, daß die Amerikaner in diesen Dingen keinen Spaß
verstehen, bis hin zu Härte und Grausamkeit? Nicht nur einmal,
sondern für jedes bißchen nützliche Information riskierte
er
seine Freiheit. Das ähnelt der Situation am Schilfmeer, das sich
nicht der Länge nach teilte, als Nachschon hineinsprang,
sondern Stück um Stück, je nach seinem Vorankommen
(Rabenu Bechaje), wie es heißt: "Das Meer sah und floh"
(Psalm 114,3). Jedes bißchen Information ein Stück
Selbstaufopferung. Und selbst als er schon gefaßt war, nutzte
er jede Möglichkeit der Verzögerung, damit seine israelischen
Verbindungsleute entkommen konnten.
Das ist ein Mensch, der in seiner Welt kein Selbst hat - nur
andere. Auch jetzt, im Gefängnis, kümmert er sich um andere,
interessiert sich für sie, schickt seine Frau, Trauernde zu trösten
und tut aus der Ferne, was ihm nur möglich ist.
Das ganze Wesen des Volkes Israel besteht aus selbstlosen
Leuten, die nur für andere da sind. Im Schulchan Aruch steht
zum Thema Auswahlkriterien des Ehepartners, daß man genau
prüfen muß, ob der Kandidat zu der Sorte Menschen zählt,
die
nur sich selbst kennen, vielleicht ist er gar kein Jude, sondern
gehört zu den Nachkommen der Givoniter (Ewen Ha'eser 2,2).
Die Givoniter gehörten nicht zu den Israeliten, weil sie herzlos
waren, und die Juden sind "barmherzig, schamhaft und
mildtätig" (Jewamot 79a).
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